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man bei protestantischen Fürsten jener Zeit vergebens.Ein besonderes Pensionat wurde von demselben Regentenfür die adeligen Zöglinge gegründet. Dieses Pensionatvon St. Michael hatte 1587 schon 200 Zöglinge.
Im Jahre 1591 wurde das Münchner Gymnasiumzu einem philosophisch-theologischen Lyceum erweitert.?. Laymann, damaliger Lyccalprofessor, genießt nochheute ein großes Ansehen unter den Theologen und wirdnicht selten citirt.
In Augsburg gründete. 1582 die Familie Fnggerein reich ausgestattetes Gymnasium, welches die Jesuiten übernahmen, das 1589 ebenfalls zu einem Lyceum er-weitert wurde. In Dillingen, Jngolstadt und Würzburg bestanden ebenfalls blühende Jesuitenschulen.
Diese Blüthe der Jesuitenschulen blieb nicht ohneWirkung auf andere Schulen. Um manche herunter-gekommene Schule „wieder in Flor" zu bringen, führteman wenigstens die jesuitische Lehrmethode ein, wennman keine Jesuiten als Lehrer bekommen konnte, wiez. B. in Stockach .
In dieser allgemeinen Bestürmung des Ordens nachGründung von neuen Schulen lag, wie auch Janssenrichtig hervorhebt, eine große Gefahr der Zersplitterungder Kräfte für den jungen Orden. Konnte der Ordenimmerfort soviel durch und durch geschulte Kräfte stellen,daß neue und alte Schulen auf der gleichen Höhe ge-halten werden konnten? Natürlich mußten sie immerwieder neue Schulen übernehmen, moralisch gedrängtdurch geistliche und weltliche Fürsten, die sich nimmer zuhelfen wußten. Das Uebel, das daraus entstehen mußte,sahen die Jesuiten auch selbst am besten ein.
Als im Jahre 1573 ein neuer General gewähltwerden sollte, ertheilte die Geueralcongregation ihrenDelegirten die Weisung, wohl zu beachten, daß der zuWählende nicht zur Uebernahme neuer Seminarien, Con-victe und Collegien geneigt sein dürfte, weil sonst dieGesellschaft von Last erdrückt würde.
Im Jahre 1599 kam eine neue „Studienordnung"zur Geltung, worin die bisherigen Erfahrungen gesam-melt, niedergelegt und Fehler, die sich in den Schuleneingeschlichcn hatten, so weit wie möglich ausgemerztwurden. Besonderes Gewicht wurde für die Schüler inöffentliche Disputationen, Vortrüge gelegt, denn eineeinzige Disputation, so war der Grundsatz, gilt mehr,als eine Reihe von Vortrügen, denn da wird der Geistmehr geübt, und aufstoßende Schwierigkeiten werden besserbeleuchtet. Die Hähern Klassen sollten jeden SonnabendAkademien mit öffentlichen Vortrügen abhalten.
Zweimal im Jahre wurden öffentliche dramatischeSchauspiele gegeben, aber diese Aufführungen hatten nicht,wie an den protestantischen Schulen, einen confessionell-polemischen Charakter, sondern sollten nur einen lediglichpädagogischen Zweck haben; ästhetische und sittliche Bildungwar dabei das vorgesetzte Ziel. Verboten war die Auf-führung in den Kirchen, verpönt daraus waren kirchlicheCeremonien, auch durften keine Frauenrollen vorkommen.Bei den Protestanten ging es gar nicht ohne Angriffeauf den Papst und katholische Gebräuche. Dieses an sicheinfache, auf dem christlichen Geiste aufgebaute Jesuiten -drama übte allenthalben auf das Volk eine große An-ziehungskraft aus. Prediger klagen, daß Grafen undFürsten sogar daran Gefallen fänden und es mancbe Evan-gelische den „Jesuiter " günstig mache. Zur Blüthe ge-langte die Jesuitendramatik in München unter besondererFörderung des herzoglichen Hofes. Hören wir kurz Traut-
mann darüber <Oberammcrgaun. sein Pasfionsspicl): „WaShatten die Jesuiten eigentlich erstrebt? Um es schlagendzu bezeichnen, sie hatten in's Werk gesetzt, was RichardWagner in unseren Tagen mit so großem Erfolge ver-suchte — eine Vereinigung aller Künste imNahmen des Dramas. Die Wirkung war eine be-rauschende, und wie der Meister von Bayreuth , hattenauch sie alsbald ihre fanatischen Anhänger und in denkunstsinnigen Wittelsbachern großgünstige Fördererihrer Intentionen."
Die Universität in Jngolstadt, obgleich noch nichtalt, war schon dem Verfalle nahe. Sie litt, wie alleSchulen, unter dem losen Zeitgeist. Die Professorenlasen selten, und die seltenen Vorlesungen wurden nochgeschwänzt. Nächtliche Unruhen und Naufhändel, ge-schlechtliche Vergehen waren unter den Studenten nichtselten. Einmal mußten 400 Bürger in Waffen Nacht-wache halten, weil ein Student einen Weinwirth mnlträ-tirt hatte. Die Zuchtlosigkcit im „Kollegium Georgianum"unter den armen Stipendiaten entwickelte sich zum hellenAufruhr, soweit war die Verwahrlosung gediehen! Dietheologische Fakultät befaß nach dem Tode von JohannesEck nur noch einen einzigen Professor, und als dieserauch dann starb, war sie ganz verwaist. Es wird dannspäter wieder einer angestellt, der aber nichts wenigerals Theologe war, er wird als „versoffen" bezeichnetund ihm noch einiges Schlimmeres nachgerühmt. Bittersind die Klagen des Herzogs Albrecht V. In einer solchenverwahrlosten Lage war die Universität Jngolstadt, als dieJesuiten 1556 vorn Herzog Hinberufen und ihnen einColleg übergeben wurde.
Wegen des entschieden katholischen Auftretens derPatres, wegen ihrer Forderung des vom Papst vorge-schriebenen Eides auf das tridentinische Glaubensbekennt-niß wurden ihnen von den andern Fakultäten nicht ge-ringe Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Man klagtesie der Herrschsucht an, weil man sich an dem Eid vorbei-drücken wollte. Darum baten die Jesuiten den Herzog,ihr Colleg nach München zu verlegen, was denn auchgeschah. An der theologischen Fakultät blieben nur zweiPatres Zurück. Und siehe da, „eine Masse von Schülernverließen Jngolstadt, so daß die hohe Schule selbst inGefahr des Verfalles gerteth".
Jetzt trat bei den anderen Herren Professoren plötz-lich eine Sinnesänderung ein, sie schickten eigene Abge-ordnete an den Herzog, welche um die Rückkehr derJesuiten bitten sollten. Die Jesuiten kamen also wieder!Sie wurden nun mit anderen Professoren völlig gleich-gestellt. Sie übernahmen von neuem das Pädagogiumund einen philosophischen Kursus. Der Herzog errichteteein neues Priesterseminar, Kollegium Albertiuum, undübergab es ihrer Leitung. Später übernahmen sie nochdie ganze artistische Fakultät. Jetzt erlebte die Universität,soweit sie mit Jesuiten besetzt war, einen Aufschwung.I. I. 1589 waren wieder 600 Studenten eingeschrieben,und 1616 kamen 339 neue Studenten an. Dagegenschwanden die juristische und medizinische Fakultät ganzdahin, sie gericthen in völlige Verwahrlosung, und dieJesuiten hatten ihre liebe Noth, daß sie ihre Zöglingevon der Ansteckung frei hielten.
Besser gestalteten sich die Verhältnisse in Dillingen ,wo es keine juristische und medizinische Fakultäten gab.Dort hatte Cardinal-Fürstbischof Otto von Truchscß daS„Colleginm znm hl. Hieronymus" gegründet, „theils umKnaben zum geistlichen Stande für sein Bisthum heran»
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