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geber der Gesammt-Werke Palestrina's , Dr. Haberl, dersich 30 Jahre lang mit Palestrina ebenso eifrig undintensiv beschäftigt, als mit dem römischen Choral, mitBeispielen nachweisen und belegen. Es möge hier außer-dem auf den Brief Palestrina's an den Herzog vonMantna vom 5. November 1578 hingewiesen werden:„Es wird mir zur größten Ehre gereichen, auch den Nestdes Chorals zu erhalten, um denselben von Barbarismenund von den üblen Klängen (äa OarOurtsrai s äaiwalt soni) gut zu läutern. Wenn Ew. Hoheit damiteinverstanden sind, so können diese Gesänge zugleich mitdem Crraäuuls, dessen Emendirung mir Unsere Heiligkeitaufgetragen haben, gedruckt werden."
Zum Schlüsse möchte ich noch auf Folgendes hin-weisen: Die Läiiio Lleckiorraa, („Ausgabe von Negens-burg") ist die durch den apostolischen Stuhl als authentischerklärte und empfohlene Ausgabe. Die „RegensburgerAusgabe" ist die typische; mit ihr sollen alle anderenAusgaben übereinstimmen; sie ist ein oxus cura, stanotoritats sacwornra rrtuura conAra^ationis äi-gesturn Hoina.6. Es hat denn doch etwas sehr Be-denkliches, dem gegenüber die obigen verächtliche» Prä-dikate, wie über die Arbeit eines Schnlknaben, zu ge-brauchen; oder zu sagen (S. V der Vorrede): Wirmöchten die Gesänge auch feststellen, um die Fehler derSysteme (es ist aber später nur von der „Version Re-gensburg" die Rede) hervortreten zu lassen, welche inunserer Zeit durch gänzliche Verkennnng des wesentlichenoratorischen Charakters der Gesänge die ursprünglicheVersion und Ausführung verdorben haben; oder S. 69zu reden von „Verstümmelungen und Ueberarbeitnngcn,welche schließlich, wenn nicht alles zerstört, doch wenigstensalles verwirrt haben." Wie würde man eine solcheSprache heißen, wenn sie anderen Bestimmungen derkirchlichen Auctorität gegenüber geführt würde? Es istZeit, wiederum die „Offenen Briefe über den Congreßvon Arezzo" von I. A. Laus (Extra-Beilage zu den„Fliegenden Blättern für katholische Kirchenmusik" Nr. 4,1883) zur Hand zu nehmen und z. B. S. 40 u. sf.zu lesen!
Dr. Walter.
Ein nerrer zeitgemäßer Katechismus.
ci' Da die Katechismusfrage in vielen Ländern,insbesondere auch in mehreren Diöcescn Bayerns , gegen-wärtig eine hervorragende Rolle spielt, so dürfte dieMittheilung allgemein interessiren, daß in jüngster Zeitein neuer zeitgemäßer Katechismus erschienen ist, der vonsehr vielen hochw. Ordinariaten in Deutschland undOesterreich mit den größten Lobsprüchen ausgezeichnetworden ist. Der Neligionsprofeffor an der Lehrerbildungs-anstalt in Trautenau hat nämlich den Ordinariaten inDeutschland, Oesterreich, der Schweiz und Ungarn einen neuenKatechismus zur Approbation und Begutachtung vorgelegt,einen Katechismus, der, wie der Verfasser erklärte, nachden pädagogischen Grundsätzen der Neuzeit ausge-arbeitet und den Zeitbedürfntssen der Gegenwartangepaßt ist. Allerdings war dieser Katechismus nichtin erster Reihe für die Schule ausgearbeitet; er ist inder Gestalt, wie er vorliegt, zunächst für das Volk be-stimmt und ein Hilfsbuch zu Handen des Neligionslehrers.Doch ist dieses mit dreifachem Druck ausgestattete Werkso eingerichtet, daß ein zeitgemäßer Schulkatechismus ausdemselben leicht hergestellt werden kann; es wäre bloßder Kleindruck zu kürzen oder vielleicht wegzulassen. Das
Werk zerfällt in drei Theile: in die Glaubenslehre, Sitten-lehre und Gnadenlehre. Alle Partien des Katechismushängen mit einander innig zusammen. Die Ausdrucks-weise ist eine ganz schlichte und einfache; alle Kunstans-drücke sind vermieden. Jene Lehren, die in der Gegen-wart von großer Bedeutung sind, wie: Arbeit, Verwendungdes Vermögens, Wahlen, Vereine, Zeitungen, Social-demokratie u. dgl., werden in diesem Katechismus aus-führlich und eingehend behandelt. Die Darstellungsweiseist eine sehr interessante; trockene Definitionen sind ganzvermieden. Viele Beispiele und Gleichnisse, die sehrtreffend gewählt sind, veranschaulichen die heiligen Lehren.Kurz, dieser Katechismus unterscheidet sich wesentlich vonallen übrigen Werken dieser Art. Das Ordinariat Würz-bnrg nannte ihn mit Bezug auf Inhalt, Form und Ein-richtung sehr gelungen. Das Ordinariat Paderborn zollie der Eigenart des Werkes die vollste Billigungund erklärte, dieser interessante Katechismus würde segens-reich wirken und den Lehrern die Vorbereitung zueinem ersprießlichen Unterrichte wesentlich erleichtern.Der hochw. Herr Bischof von Luxemburg empfahl dasWerk als Handbuch an den höheren Lehranstaltenund schrieb, als solches würde es die Aufgabe des Lehrersund die Arbeit des Schülers wesentlich erleichtern.Unter den österreichischen Bischöfen lobte diesen Katechis-mus am meisten der hochw. Fürstbischof von Klagenfurt .Derselbe erklärte, dieser Katechismus besitze viele Vor-züge, namentlich klare und bündige Fassung und einegroße Reichhaltigkeit des Stoffes, weßhalb er den Kate-cheten ein willkommenes Hilfsbuch sein werde. Der hochw.Fürstbischof in Marburg lobte wiederum die zweckmäßigeEintheiluug, die gründliche, leichtfaßliche und er-schöpfende Darstellung und erklärte, dieser Katechismussei ein vorzügliches Hausbuch und zur Belebung derreligiösen Gesinnung besonders geeignet. Der hochw.Bischof von Brüim schrieb, in diesem Katechismus werdendie Lehren der hl. Religion dem Verständnisse mög-lichst nahegebracht. Aehnlich sprachen sich nochandere Bischöfe aus: die von Leitmeritz, Königgrätz ,Ermland u. a. Alle Zeitungen, die bisher über diesenKatechismus, den der Verfasser „V olks-Katechis-mus" nannte, geschrieben haben, nannten ihn ein zeit-gemäßes Werk und erhoffen von der Ausbreitung des-selben die schon seit langer Zeit ersehnte Reform auf demGebiete des Katechismus. Im Jnseratentheile unseresBlattes wird dieses zeitgemäße Werk öfters angekündigt.(Dasselbe ist im Verlage des Verfassers Pros. Spiragoin Trautenau erschienen und von ihm direct zum er-mäßigten Preise von 3 Mk. 20 Pf. zu beziehen.)
St. Thomas von Aqnin und seme Lehre.
Der hl. Vater, Papst Lco XIII., hört nicht auf, immerwieder auf die hohe Bedeutung der Lehre des hl. Tbomas, alsdes Fürsten der Scholastik, ausmerksam zu machen. Die anderngroßen Scholastiker, voran der seraphische Lehrer, der hl. Bona-vcntura, kommen dadurch gewiß nicht zu kurz. Im Gegentheil,je besser wir uns die Lehre des hl. Thomas aneignen, destoleichter wird nnS auch das Verständniß deö hl. Bonaventura und der übrigen großen Scholastiker werden. Denn wenn auchein jeder von ihnen wieder sein eigenthümliches, mehr sozusagenäußeres, Gepräge hat, so stimmen sie dock im Wesentlichendurchaus überein. Zeigt sich darin dock so deutlich und ge-wissermaßen greifbar, daß sie lebendige Träger der bl. Ueber-lieferung, durchaus würdige Nachfolger der hl. Väter sind. DieLehre des hl. Thomas ist so recht die echt scholastische. Unddiese Lehre erachtet Papst Lco XIII., ivie unter andern PapstSixtuö V. (Bulle Prlumpbautis, 1588), als gleich nothwendigzur Bekämpfung und Ueberwindung der Irrthümer aller