Ausgabe 
(14.6.1894) 24
 
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Recensionen nnd Notizen.

Bhagavadgita , das Licd von der Gottheit ins Deutscheübertragen von Fr. Hart mann. 8°, p. V-j-162.Braunsckwcig, C. A. Schwctschke 1892. M. 1,50.a DieBhagavad-g!la" d. i. Gesang (Offenbarung) desErhabenen (des KriShna), eine Episode des indischen NiescneposMababharata, ist zwar nickt, wie Hartmann will, daswich-tigste, großartigste und erhabenste Bück, welches in der Weltexistirt", aber doch nach der Ansicht aller, dieihren innerenWerth erkennen" (und zwar besser als Hartmann), eine Perleder SanSkritliteratnr. Wir besitzen davon eine treffliche Aus-gabe von Schlcgel-Lasscn mit klassischer Uebcrsetznng ins La-teinische (Bonn 1846), sowie eine ausgezeichnete Verdeutschungvon Bcxbcrgcr und einen sachlichen, sehr gelehrten Commcntarvon F, Lorinser, dem 1893 in BreSlau verstorbenen Domherrnund Polyhistor (BreSlau 1869), der uns inbaltlich jeden nurwünschenSwcrtbcn Ausschluß gibt und auch die christliche Literaturin reicher Fülle zur Verglcickung beranzieht, mehr, als uns pro-babel scheint. Wärmn nun gleichwohl Hartmann in großerBescheidenheit sichbereit finden" hat lassen, eine neue Ueber-sctzung zn fabrizircn, wird dem Leser erst begreiflich, wenn erdie Anmaßung deStheosophischen" Standpunktes würdigt, vondem aus der Uebcrsetzcr das Werk allein richtig erklären will.Dieser Standpunkt aber ist zu finden in dertheosophischenGesellschaft", um die sich ein hysterischer Blaustrumpf Blavatzkyam meisten verdient gemacht hat; diese Leute, welche in Wirk-lichkeit nichts verstehen, tragen die Aster Weisheit ihrer auf eigeneFaustgotthcitcludcn" Hirngespinste in die indische Literaturb nein und gebe» jene dann als deren wahren Sinn auS, einSystem von Fälschung schlimmster Art. VorliegendeEr-läutcrnng" der Bhagavadgita mag als abschreckendes Beispielgelten, denn sie ist ganz im Sinn jeirer Bestrebungen gehalten;Wir können nnr warnen vor diesem Machwerk. Daö Studiumder so durchsichtigen, fciugcbildetcn und unfaßbar reichenSanSkritsprache gewährt dem Geiste eine hohe Befriedigung undist auch wichtig genug; aber Hartmann versteht nichts davon.Es ist allerdings keine Schande, nicht Sanskrit zu können, aberdann lasse man die Hand von der Bhagavadgita und gebe sichnickt den Anschein eines UebersetzcrS. Schon dem Laien magder Leichtsinn auffallen, womit die Eigennamen mißbandclt sind.Orthographien, wieKuntibodscha" oderGnana Noga", fernerdie Erscheinung, daß ein und derselbe Name (z. B. Ärdschuna)auf verschiedene Weise (auchArjuna") geschrieben steht (jenachdem natürlich derUebcrsetzcr" ein deutsches, englischesoder französischesOriginal" abgeschrieben), beweist hinlänglichseine Unfähigkeit; wer übrigens (u. zw. öfter)das LogoS"sagt, wie Hartmann, mag sich das Schulgeld vom Gymnasiumzurückgeben lassen. Die Anmerkungen sind einfach eitel Gefasel.

Iiokmau, Radios: Texto Krads snivi ä'uu äietionnairs ästous los rnots xar H.. 6ir ördonusau. 12° x. 6-j-92.Paris , Uaolrstto 1893. Po. 2,00.k Die Fabeln des weisen Lokman gehören zn den Welt-büchern und bilden zugleich die ersten Versuchsobjekte für An-fänger im Arabischen; venn sie bieten kurze und leichte und dochzusammenhängende Lescstücke, obwohl die Sprache gewiß nichtmustergiltig ist. Das Beste wäre nun freilich aus der jetztvergriffenen, mit wunderbarer philologischer Genauigkeit gear-beiteten und mit Lexicon versehenen Ausgabe von Noediger(Halle 1839), welche daS vollständige kritische Material bietet,eine billige Schulausgabe zu veranstalten; da dies aber nichtgeschehen ist, nehmen wir auch mit obiger sehr billigen und gutausgestatteten Ausgabe gerne vorlieb, die vielfach die leichterenLesearten auS den Varianten ausgewählt hat und ein Wörter-buch nicht nur der Wurzeln, sondern auch der schwierigerenWortformen enthält. Wer noch mehr Erleichterung wünscht,kann auch eine zweite Ausgabe mit (sehr ungeschickt wicder-gegcbencr) Transcription des Arabischen, sowie mit doppelterUebcrsetznng, einer wörtlichen und einer freiern (Jr. 3,00)erhalten. _

Das wahre Glück der christlichen Ehe" von Fried-rich F. Pcsendorfer, Stadtpfarrcoopcrator in Wels, so lautet derTitel eines kleinen Büchleins, daS in der Dorn'scben Buchhdlg.(Albcr u. Hänle) in Navensburg erscheint. Preis 50 Pfg. Einkleines Büchlein, und doch enthält cS so viel Belehrendes l ESgibt den Begriff der christlichen Ehe, zeigt die Nothwendigkeiteiner ernsten und gründlichen Prüfung und Vorbereitung aufden Ehestand, von welchem das Wohl und Wehe deS ganzen

Lebens, ja der Ewigkeit abhängt; es gibt treffliche Winke einererfahrenen Mutter für die Brautschau; betont tiefwurzelndeFrömmigkeit und wabre Gottesfurcht als die erste Grund-bedingung zum Eheglück, verlangt von einem christlichen Mannevor allem gutes Beispiel nnd von einer Hausfrau Gehorsam,Nachgiebigkeit, Geduld, Vertrauen, Häuslichkeit, Einfachheit,Nächstenliebe und Gottesfurcht, und in einem eigenen Kapitelerörtert eS noch die Behandlung der Dienstboten im Hauseüberaus richtig und zeitgemäß! Schließlich enthält eS nocheinige Blätter für die Familienchronik, in welcher Familien-ereignisse freudigen und traurigen, kirchlichen und weltlichen Cha-rakters eingetragen werden. In der That ein Belehrungsbüchleinfür Braut- und Ehelente! Und wer die Winke nnd Rathschlägebefolgt, der wird eine glückliche Ehe eingehen und glücklich inder Ehe lebe», der wird sein Ziel, den Himmel, sicher erreichen und das ist der Zweck, zu dem dieses Büchlein geschrieben,wie der Verfasser selber bemerkt. Dieses Büchlein verdient dahermit Recht die beste Empfehlung, also nimm und lies und be-folge es. _

Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahr-gang 1894. Zehn Hefte M. 10.80. Freiburg imVrcisgan. Herdcr'sche Verlagshandlung. Durch die Postund den Buchhandel.

Inhalt deS ö. Heftes:Thier-Ethik." (V- Cathrein8. 3.) Italienische Grabdenkmäler. II. (Schluß.) (St. Beissel8. 3.) Die Beziehungen der Nationalökonomie zur Moralund zn den Gesellschaftswissenschaften. (H. Pesch 8. 3.) De-chant Stanley und die liberale Strömung im Anglicanismusder Gegenwart. (A. Zimmermann 8. 3.) Blüthen hellenischerHymnodie. (G. M. DrevcS 8. 3.)

Recensionen: Schanz, Die Lehre von den hl. Sacra-menten der katholischen Kirche (A. Lehmknhl 8. 3.); Probst,Liturgie des vierten Jahrhunderts und deren Reform (St.Beissel 8. 3.); Elser, Die Lcbre des Aristoteles über das WirkenGottcS (K. Frin 8. 3.); Macke. Vom Nil zum Nebo (A. Baum-gartncr 8. 3.) Empsehlenöwcrthe Schriften.Misccllcn: Angeblicher und wirklicher Ursprung der Dar-stellung nnd der Verehrung der sieben Schmerzen Mariä; Ein-drücke vom Vaticanischen Concil; Geschichtliches und Statistischesüber den Prämonstratenserordcn; Gegen die Theorien Lambrosos;Zur Beurtheilung Büchners.

Miscellen.

(Ueber daö Veilchenaroma) haben Pros. FerdinandTiemann und Dr. P. Krüger Untersuchungen angestellt,über deren Ergebniß sie im neuesten Heste der Sitzungsberichteder Berliner Akademie berichten. Es ist ihnen gelungen, ausder sogenannten Veilchenwurzcl d. h. der Wurzel der Schwert-lilie (Iris), die ja bekanntlich auch den charakteristischen Veilchen-geruch zeigt, den Riechstoff zu isoliren. Es ist ein Methylketonvon der Formel den die Entdecker zur Erinnerung

an seine Herkunft Jron genannt haben. Einen ganz ebensozusammengesetzten (isomern) Keton gewannen sie auf syntheti-schem Wege auS dem Cilral, einem im Ciironenöl enthaltenenund überhaupt in wohlriechenden Pflanzen öfter vorkommendenKörper. Diesen zweiten Dintstoff nannten sie Jonon (vonIon Veilchen). Sein Geruch stimmt fast genau mitdem deS Jrous überein, ist nur etwas milder und erinnertmehr an den der blühenden Veilchen. Die Entdecker nehmenan, daß in den Veilchcnblüthen ebenfalls Jonon oder Jron odereine Modifikation eines dieser beiden Stoffe vorkommt. DieUntersuchungen sind aus dem Grunde schwierig, weil sowohlin den Veilchen als auch in der JriSwurzcl sich nnr ganz gering-fügige Mengen des Riechstoffes vorfinden. Zur Beschaffung deSfür die Untersuchung nötigen Materials war daher ein Groß-betrieb nothwendig. Zwei Firmen in Holzminden und Paris haben die fabrikmäßige Herstellung der Ansgangöstoffe über-nommen und dagegen die Nutznießung der Ergebnisse der Ar-beiten erworben. Die Untersuchungen werden fortgeführt, undwenn eS auch bisher neck nicht gelungen ist, das wirksamePrinzip aus den Vcilchcnblütkcn zn gewinnen, und das Jronneck nicht synthetisch dargestellt worden ist, so kann man dochim Vertrauen auf die Gcschicklickkeit unsrer Chemiker annehmen,daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo der echte Duftstoff derVeilchen künstlich hergestellt wird.

des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .

Jerantw- Redacteur: Phil. Frick in Augsburg . Druck u. Verlag