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Neligivse Kuust im Glaspalast zu München .
Verhältnißmäßig gerade nicht viele — gegen frühersogar weniger — religiöse Kunstwerke sind uns beimersten Nundgange durch die heurige Glaspalast-Ausstelluugaufgefallen. Aber bezüglich der allgemeinen Qualität der-selben muß man unbedingt einen wesentlichen Fortschrittzugeben. Die ausgestellten Werke mit religiösen Unter-schriften sind dieses Mal fast sämmtlich von würdigerHaltung und einige sogar bedeutungsvolle Leistungen.
Am meisten ins Licht gestellt und in einem eigensdazu hergerichteten Raume aufgehängt ist ein großes Bilddes Pros. A. Holmberg in München , bekannt durch seinefeinen Stillleben und noch mehr durch seine stimmungs-vollen Interieurs mit einem oder mehreren rothen Kardi-nälen. Eine Dame richtete an uns die charakteristischeFrage: „Ist das Bild von dem bekannten Pros. Holm-berg? ich habe nicht gewußt, daß er auch in diesemGenre arbeitet." Freilich! Pros. Holmberg hätte diesesBild wohl auch sicher nicht gemalt, wenn es nicht vomkgl. Ministerium des Cultus selbst — wie es heißt, umden ziemlich anständigen Preis von 9000 Mark — be-stellt worden wäre. Ganz natürlich! Ein königlicherProfessor und renommirter Maler kann ja doch nichtwie ein berufsmäßiger „christlicher Künstler" zurErreichung eines kirchlichen Kunstauftrages „anf dieJagd gehen"!
Wenn nun mit jener Bestellung wirklich der Anfangdamit gemacht ist, „die Kunst aufs Land hinauszutragen",so kann man diese fortschrittliche Thatsache als solche mitdem Hofmaler Herrn Friedr. Pccht (Allg. Ztg. Nr. 133)nur begrüßen.
Das Bild ist nämlich bestimmt zu einem Altarschmnckfür die Pfarrkirche zu Obcrnburg am Main. Die ganzeDarstellung ist eine höchst „originelle", wohl nochnicht dagewesene. Sie zeigt uns ein realistisch gemaltesKreuz mit dem in natürlicher Körperlichkeit dargestelltentodten Heilande. Links vom Kreuze sehen wir einen an-betenden Engel und rechts einen solchen, der in denHänden einen Kelch emporhebt, in welchen das Blut derhl. Seiteuwuude vor der über dem Kelchrande sichtbarenHostie sich ergießt. Crucifix und Engel schweben ganzfrei in der bläulich-kühlen Luft über der tief nuten sichausbreitenden Mainlandschaft mit dem Städtchen Oberu-burg. — Man sieht, die ganze Auffassung ist die einerArt Vision, welche den die Welt erlösenden OpfertodChristi in directe Beziehung zu dem diesen Tod stetigdarstellenden und dem Wesen nach das Kreuzopfcr er-neuernden ncntestamentlichen Opfer bringen soll. Dennwas hat sonst das Anbringen der Hostie neben dem na-türlichen Blute des sterbenden Erlösers für eine Be-deutung, wenn nicht die eines erklärenden Symbols?Den Opfertod Christi predigt aber schon mit ausreichenderDeutlichkeit der Crucifixus selbst, der oberhalb des Altaresdie beste Erklärung der hl. Opferstätte abgibt. Die voll-ständige Darstellung des hl. Meßopfers geben dagegennur die beiden Gestalten des Brodes und Weines zu-sammen. Hier haben wir aber einmal den Leib unddas Blut des Herrn und daneben die heilige Hostie.Logisch klar und künstlerisch zulässig erscheint also derGedanke nicht ausgedrückt, und gibt die Darstellungzu Kopfzerbrechen und Mißverständniß Veranlassung.Letzteres könnte durch Uebermaluug der Hostie gehobenwerden. Oder soll man sich, wie ein Kritiker meint,
in dem Kelche den aus Blut verwandelten weißen Weindes Sakraments denken!?!
Was nun die künstlerisch-technische Ausführung desBildes betrifft, so schwankt sie zwischen einer machtvollrealistisch-plastischen und einer wirksamen lichtvoll-visionärenBehandlung, keiner von beiden gerecht werdend. DerKörper des Heilandes ist fein und sorgfältig gemalt, derKopf von edler Bildung, aber etwas schwachem Ausdruck;die ganze Gestalt erscheint mehr in schwebender, als innatürlich-hängender Haltung. Die etwas kleinen Enge!mit ihren bunten Flügeln und der langen zopfig flat-ternden Draperie werden trotz ihrer frischen Gesichtchenauf der Höhe des Altares ziemlich verschwinden. Auchvon der gut charakterisirten, von abendlicher Dämmerungbereits überschatteten Landschaft wird bei schwacher Be-leuchtung wenig zu sehen sein. Die ziemlich monotonekalte Farbengebung des Ganzen entbehrt des erwärmen-den coloristischen AccordeS.
Anf der lichten Höhe moderner religiöser Kunst er-scheint Gebhard Fugel in München mit seinem großen„hl. Abendmahl", das weitaus bedeutendste religiöse Ge-mälde der Ausstellung. — Christus har mit seinen Jüngernim Festsaale des Joseph von Arimathia das alttestament-liche Paschafest gefeiert; die Tafel ist von den Speise-resten gesäubert; auch die Einsetzung des ncutestameut-lichen Opfers durch die Worte der Wandlung bereits voll-zogen; er ist nun daran, die hl. Gestalten gleichsam alsdie erste hl. Communion in seiner Kirche zu spenden.Der Herr und Meister hat sich sammt seinen Apostelnerhoben und steht, eine hoheitsvolle, edelschöue Gestaltmit fanfternstem, vornehmem Ausdruck des Antlitzes, vor-dem Tische in der Mitte des Vordergrundes, die Schüsselmit den hl. Broden in der Hand. Er beugt sich soebennieder, seinem Lieblingsjünger, der, eine frische vornehmeJünglingsgcstalt, vor ihm auf die Kniee gesunken ist, eineder Brodsgestalten darreichend. Petrus steht gleich hinterihnen in ehrfurchtsvoller Verbeugung gegen den Herrn.An diese reihen sich zunächst Jakobus, mit hl. Begeisterungim Antlitze neben Petrus stehend, und Andreas, in an-dächtig ernstem Gebete neben ihm im Vordergründekniccnd. Jakobus der Jüngere und Andere treten irfeierlich erhabener Haltung und Miene links um dieTafel heran, während drei andere auf der rechten Seitederselben wie in Gebet und Betrachtung des neuenwunderbaren Testamentes der Liebe versunken erscheinen.Judas biegt soeben, sich noch einmal schen umblickend,im Hintergründe um eine Säule, in eiliger Flucht davon-eilend, ein trefflich charakterisirtes Gegenstück zu seinengottbegcisterten Mitaposteln.
Diese erscheinen sämmtlich zwar in naturalistisch-individueller Auffassung, aber in Ausdruck und Bewegungwie gehoben und verklärt von der höhern göttlichen Machtdes ihnen gewordenen erhabenen Berufes als Stellvertreterdes ewigen hohen Priesters nach der Ordnung des Mclchisedek.In selbstbewußter klarer Weise greift der junge Künstlerden zweiten der beiden Haupimomeute des rituellen Vor-ganges, welche da sind einmal die Verwandlung, danndie Austheilung der heiligen Gestalten, in seinem Vor-würfe heraus, welchen er in origineller und in einerWeise zur Darstellung bringt, wie er nach der knappenSchilderung der Evangelisten nicht nur Möglich erscheint,sondern ähnlich selbst als wahrscheinlich gedacht werdenmuß. (Siehe die Visionen der gottseligen Katharina von