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Recensionen nnd Notizen.
Haberl Fr. Xav., Kirchenmusikalisches Jahrbuch für dasJahr 1894. 8°. SS. IV-s-124. Negcnsbrirg, Fr. Pustet1891. M. 2.00.
zr. Zum neunzehnten Mal erscheint dieses Jahrbuch, zu-gleich Cäcilienkalender, zur Freude der Förderer und Freundeechter Kirchenmusik; wir hoffen nur, es möchten deren nicht sowenige werden, daß das fernere Erscheinen dieses Jahrbuchesnochmals ernstlich in Frage gestellt werden muß, so wie voretlichen Jahren, obwohl der Preis des hübsch ausgestattetenHeftes spottbillig ist. Das Interesse der Sionswächtcr, welchefür LourdeSgrotten und ähnliche Modeartikel immer Geld undSinn haben, ist freilich zur Zeit noch schwach genug, wenn eSsich um eine musikalisch würdige Feier der hl. Geheimnissehandelt und mit dem liebgewonnenen Schlendrian gebrochenwerden soll. Möge dieser Jahrgang die Zahl derer vermehren,welche für eine heilige Musik begeistert sind und die Vorschriftender Kirche, die doch nun einmal da sind, hochachten, unbekümmert,wieviele andere „kirchliche Gesinnung" erheuchelnd ihren Gläub-igen Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Kirche predigen, selbstaber nicht darnach thun. Daß dieses Jahrbuch Heuer den beidenHeroen Pierluigi da Palestrina und Orlando di Lasso ganzbesonders seine Huldigung darbringt, ist selbstverständlich; ist dochvor 300 Jahren der »Lrineeps Llusisas- in Rom und der deutschePalestrina in München zu Grabe getragen worden. DemHerausgeber verdanken wir im laufenden Hefte eine synchro-nistische Tabelle über Leben und Werke der beiden großenMeister; die Arbeit war schwieriger und mühevoller, als mancherLeser vermuthen kann, und wird bleibenden Werth behalten.Aus A. Walter's (in Landshut ) Feder haben wir einen Aufsalzüber Witt, der in den letzten Lebensjahren mit Unrecht in denVerdacht einer Abschweifung von den Principien „der Alten"gekommen war. Auch Haberl's Aufsätze über Baun und ProSkesind zugleich eine Ehrung für Palestrina ; war doch erstererder gewaltige Palestrina -Forscher-Dirigent-Biograph, der unsden vergessenen Stern wieder inS Gesichtsfeld gerückt, letztereraber ein Musikkenner, der die Palestrina -Begeistcrung nachDeutschland gebracht nnd damit die Umgestaltung der Kirchen-musik angebahnt hat. Es folgen noch andere werthvolle Beiträge,sowie eine musikalische Beilage: Palcstrina's herrliche Messe„0 admirakils oommsroinm". deren Verständniß durch Hallcr'streffliche Analyse erleichtert ist. Einige polemische Notizen undkleinere Nachrichten bilden den Schluß des Buches.
Schirlitz S.CH., Griech isch-deutsches Wörterbu ch zumneucn Testamente. V. Anst. neu bearbeitet vonT h. Eger. 8°. xx. V -s- 456. Gießen, Em. Noth. 1863.M. 6,00.
k. Ein -Iwxicon ZMsco-Iatinnm in lidros novi tsstamsuti-(M. III. xp. 474 in 8"; Inpsias, Lrnold. 1888. M. 12.) be-sitzen wir bereits von Car. Lud. Will). Grimm; daß dieses „einin vieler Hinsicht nicht zu übertreffendes" Werk ist, gesteht derHerausgeber vorliegenden (zum ersten Mal 1850 erschienenen)Buches unumwunden zu, glaubt aber die Berechtigung desletzteren mit Schirlitz selbst einerseits in dem zu breiten Umfangund hohen Preise, anderseits in dem lateinischen Gewände zusehen, in welchem die älteren derartigen Werke auftreten. LetzterenUmstand müssen wir gerade für einen Vorzug halten und nichtfür einen Mangel, denn gerade die wichtige und altchrwürdigeVulgata-Ucbersctzung, die doch jedem vernünftigen Bibellescrvor Allem zur Hand ist, fordert uns gerade heraus, ihre unsgang und gäbe gewordene Latinität mit der eines Iwxisvußrasoo-Iatinuin nach dem heutigen Stande der Philologie undTextkritik zu vergleichen, sei es zu bestätigen oder zu verbessern.Traurig, wenn deßhalb ein derartiges Wörterbuch „nur denMännern vom Fach zugänglich ist"; was müssen da unsereGymnasien leisten?! Sonst verdient indessen vorliegendes Werkin seiner neuen Bearbeitung vollste Anerkennung; namentlichwirt^ der staunenSwerth niedrige Preis bei vollendeter äußererAusstattung auch der Börse eines Studierenden nicht zu wehethun. Nicht bloß dem sprachlichen Element, sondern auch denRealien ist vorzüglich mit Hcrbeiziehung zahlreicher Beweis- undParallelstcllen die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Möge dasBuch beitragen, die Bekanntschaft mit dem Urtext des Gottes-wortes mehr zu verbreiten; es wäre schon angezeigt, daß auchdie kathol. NcligiouSlchrer an den Gymnasien ein oder dasandere Stück des neuen Testaments im Orginaltext mit denSchülern lesen, statt ihren Kistemackcr, Allioli oder anderenoch schlechtere Verdeutschungen auf dem Pulte liegen zu lassen;dadurch, daß die Kirche unter den lateinischen Ucbersetzungenden VulMa-Text apprybirt hat, ist dieser durchaus nicht dem
Original etwa vorgezogen; auch erleidet durch die griechischeLektüre dgs „klassische Stilgefühl" der Schüler gewiß keinenSchaden, nachdem mit griechischen Stilübungen zudem neuerdingsaufgeräumt worden.
Beiträge zur Kunstgeschichte der Stadt Eichstätt .
Von Josef Schlecht. Eichstätt , Hornik. 1894.
—8t. Als im Herbste 1888 die Görresgesellschaft in Eich-stätt tagte, erhielt der Sekretär Schlecht des dortigen historischenVereinS den Auftrag, über Eichstätts Kunstschätze zu sprechen.Sein Vortrug („Zur Kunstgeschichte der Stadt Eichstätt ") fandallgemeinen Beifall und wurde sofort im Drucke vervielfältigt.Letzter Tage nun bekamen wir eine interessante Fortsetzungdieser Arbeit in die Hände. Sie betitelt sich „Beiträge zurKunstgeschichte der Stadt Eichstätt". Es sind Ver-besserungen und Nachträge zur ersten Broschüre. Besprechungenfrüher nicht erwähnter Kuustschätze und gewähren einen vollenEinblick in die hohe Cultur, welche Jahrhunderte laug in derkleinen, romantisch gelegenen Bischofsstab! blühte. ElegantenStil sind wir beim Herrn Verfasser schon gewöhnt, aber dievielen Fußnoten (218 auf 37 Textseiten) geben dem Büchlein,das in sehr Vieler Hände zu kommen verdient, doch gar zustark den Anstrich einer Gelchrten-Schrift. Wir wünschen, esmöchte jede Stadt, die eine Vergangenheit ausweist, einen ebensolchen Schildcrer ihrer Kunstdcnkmäler finden, einen Schilderet,der in Städte- und Kunstgeschichte gleich bewandert ist, wie cöbeim Herrn Verfasser zutrifft, der es zwischen dem Erscheinender ersten und zweiten Broschüre vom Kaplan in Eichstätt zumDoktor und Gcschichteprofessor in Dillingcn gebracht hat.
Lxitoms kistorias Arnssas. üdition simpliüss stZMklnss, avsa uns iutrodnotiou, äss nolss, un vo-cabnlairs, das illustrations d'axrös les monnmsnts stuns sarts gar InI. Oirard. 16" xp. VIII -si 344.lkr. 1,50 oart. Laris, Laokstts 1891 (II).I/Komond, Lpitoms liistorias saoras. 16° x. 173. Tours,LIams 1890. §r. 1,00 oart.
l/sjard, Tlorss sanetoruin ssu ds olaris soolssias viris.16° Tip- XVI -s- 198. Laris, OK. koussislAUö 1893.Ich. 2,00 oart.
-r. Hicmit seien gleich drei Büchlein angezeigt und unserenlateinischen ABC-Schützcn empfohlen; alle drei sind mit lateinisch-französischem Glossar versehen zur Einführung in die lateinischeLektüre, die dem Schüler in zusammenhängender Weise jeden-falls angenehmer und nutzbringender sein wird, als mit abge-rissenen Uebunzssätzen, wie es in unseren Gymnasien der Brauchist, solange man dem Lernenden als Anfänger noch keinen„Klassiker" in die Hand geben kann. Die drei Büchlein be-weisen und, daß in Frankreich eine etwas geschicktere Pädagogikherrscht, die in überaus praktischer Methode dem Schüler mitder Form auch einen seinem Verständniß angemessenen Inhaltbietet, der ihm Lnst und Liebe zum Lernen mehrt. Ein prächt-iges Lehrbuch nnd Lesebuch zugleich ist namentlich das erstge-nannte Werk, das dem Anfänger nicht bloß die lateinischeGrammatik, sondern auch spielend die griechische Geschichte bei-bringt ; hübsch ausgeführte Bilder unterstützen die Vorstellungs-kraft. Merkwürdig, daß wir in unserm hochgelehrten Deutsch-land , dem Paradies der Schulreformen, derartige pädagogischvorzügliche Lehrmittel gar nicht haben. Die »Ilistoriii. Araees,-wäre es wirklich werth, in einer Bearbeitung für deutsche Mittel-schulen herausgegeben zu werden; in einer „Ausstellung vonLehrmitteln an Gymnasien", glaube ich, würde sie allseitigenBeifall finden. _
Bayer. Bürger-Handbuch für HauS und Schule.Von Amtsrichter Frz. Lindner in Krumbach . Ver-lag von Palm u. Enke in Erlangen .
Ein bewährter Fachmann äußert sich über dieses „Bayer.Bürger-Handbuch" von Amtsrichter F. Lindner wie folgt:„Eine Gcsetzeskuude, die sich an das große Publikum wendet,mutz kurz gefaßt, gemeinverständlich geschrieben und billig sein.DieS alles trifft bei vorliegendem Werke in hervorragendem Maßezu. Was muß ich thun, wenn ich Jemanden verklagen oderpfänden lassen, wenn ich auswandern, ivenn ich heirathcn will;was habe ich als Bürgermeister, als Distrikts- oder Landrathzu thun, waö ist bei einem Wechsel, einem Schuldschein zu beob-achten, wie wird ein Vertrag, ein Kauf, eine Pacht abgeschlossen,kurz all' die hundert und aberhundert Fragen des täglichenLebens finden hier eine kurze, aber genügende Beantwortung.Dazu kommt noch, daß auch eine übersichtliche und klare Dar-stellung der Reichs- und bayerischen Landesverfassung, sowieder Organisation der Gerichte, der Handels- und Gewerbe-