Völklein, deutsch, slovenisch , italienisch, das du auf demJahrmarkt von Pontebüa, auf den Kirchtagen des Gail-thales in seinem ungeschminkt derben Treiben beobachtenkannst, findest du auch wieder beisammen auf der luftigenHöhe des heiligen Berges, wo alle diese kleinlichen Zügeeine erhebende Harmonie eingehen mit dem befreiendenEinflüsse einer großen Natur und eines ungekünstelten,tröstenden und stärkenden Glaubens. Auch Manches ausuralt eingewurzeltem Volksaberglauben kannst du dortbeobachten, aber es fügt sich ebenso gut in die Harmoniedes Ganzen wie jene ungeheuerlichen Portalfiguren derromanischen Dome. Ebenso wie du dann jene derbeHumoristik der frühmittelalterlichen Teufels- und Todcs-figuren begreifen wirst, ebensowenig darfst du obige Zu-sammenstellung des Jahrmarktes mit der Wallfahrt amEnde für frivol halten. Gerade in der Vereinigung alldieser Dinge liegt das sicherste Fundament unversieglichen,auch von der modernen Uebercivilisation nicht zu ver-drängenden Volksglaubens.
Necensilmen und Notizen.
Prill Jos., Einführung in die hebräische Sprachefür den Schnlgebran ch. 8°, X -j-153 SS. Bonn,P. Haustein 1893. M. 2,00.
Dreher Theod., Kleine Grammatik der hebräischenSprache mit Uebnngs- und Lesestücken fürObcrghmnasic n. 8°, VIII-j-118 SS. Frcibnrg i.Br., Herder 1894. M. 1,50.
L Bis in die neueste Zeit entbehrten wir für den Anfangs-unterricht in der schwierigen hebräischen Sprache eines brauch-baren Schul- und Lernbucbcs, das für die größeren Grammatikeneines Gesenius, Ewald, Stade rc. als passende Vorbereitung hättegelten können und zugleich einen stufenweise geordneten Uebnngs-stosf geboten hätte. Nachdem aber die gar nicht genug zu lobende„Hebräische Grammatik" von H. L. Strack (soeben in V. Anst.Berlin , Rcnthcr M. 5. geb.) als eine pädagogische That erstenRanges diesem Mangel abgeholfen, muß jeder weitere Versuch,daö Hebräische in einer Schnlgranunatik zu behandeln, als einWagniß erscheinen, das großes Selbstvertrauen vorausseht. Daßnach Strack es ein Anderer besser macht, ist kaum zu erwartenund kann man bei oben genannten neuen Lehrbüchern gewißnicht behaupten, obgleich damit nicht gesagt sein soll, daß nicktbei Strack Manches nicht verbessert, aber doch vereinfacht werdenkönnte. Prill's „Einführung" ist ein ganz sorgfälltig gear-beitetes Scknlbnch, hat aber gegen Strack den Nachtheil, daß cönicht ganz streng systematisch angeordnet ist, doch sind die ein-zelnen Regeln sehr klar und übersichtlich dargestellt; alle darinvorkommenden Beispiele sind auch übersetzt, was sehr angenehmist und bei Strack nicht durchgchends gefunden wird; die Er-fahrung aber beweist, daß der Schüler, namentlich der verhätschelte„Herr Gymnasiast" im Zeitalter der Schulreformen, wenn erauch mittels eines Lexikons sich die Beispiele übersetzen könnte,dennoch viel zu faul ist, um sich dieser kleinen, aber nützlichenUnbequemlichkeit zu unterziehen. Die Paradigmentafeln sindbei Prill in Folge des Formates übersichtlicher, als bei Strack ,indem sie die auseinander folgenden Formen in vertikaler Neidebringen, sollten aber ebenso vollständig sein, als bei Strack ,der gewiß nichts UeberflüssigeS schreibt. Die einzelnen Para-graphen bringen zahlreiche Ucbungsbeispiclc zum Uebcrsetzenaus dem Hebräischen ins Deutsche und umgekehrt, die jeweilsdazu gehörigen Vokabeln folgen am Schlüsse des Buches; ärger-lich ist es, daß der Verfasser nicht lieber ein allgemeines alpha-betisches Wörterverzeichnis; gibt, wie Strack , und so sehr unSdas Buch (als Vorbereitung zu Strack ) angcmuthet hat. wargerade dieser Umstand entscheidend, cö für den Unterricht nichteinzuführen, denn, wo soll der Schüler ein Wort finden, daser vergessen hat; wir muthen cö keinem zu, jedes Wort. daseinmal vorgekommen, gleich für immer zu merken, oder sichselbst ein alphabetisches Wörterbuch anzulegen, das doch nichtfehlerfrei würde; möge der Verfasser diesen Uebclstand in einernächsten Auflage beseitigen, daö jetzige paragraphenweise Wörter-buch würde dann entbehrlich und ein solches könnte sich eventuellder Schüler lieber und leichter von Lection zu Lectiou zumMemorieren anlegen. Die Ausstattung dcö Buches, daö mitden neuen scharfen Drugulin'schen Typen in Leipzig gedruckt ist,läßt nichts zu wünschen übrig. — Das zweite Buch von Dreher
ist nicht nur kein Fortschritt gegen Strack , sondern ein Rück-schritt gegen den gänzlich unbrauchbaren Vosen hin, da cö auchbescheidenen Ansprüchen nicht genügt. Das Streben »ach Kürzeverleitete den Verfasser, der besser gethan hätte, von einer 27-jährigen Lehrtätigkeit, der das Buch entsprossen, zu schweigen,zu einer Art von undentschem Tclegraphen-Chisfre-Stil, wodurchVieles nicht gerade verständlicher wird; außerdem gibt eineBlüthenlcse der anmuthigsten Druckfehler dem Anfänger nochmanches Räthsel zu lösen auf. Manches ist gar zu kindisch undstellt dem Verstände der Musensöhne ein solches Armnthszcugnißaus, daß man Schülern der Art nur rathen kann, das Hebräischenicht zu lernen; sogar Mcmorialverse finden sich mit Reimen.In den UebersetznngSausgaben kommen Barbareien vor. wie„Ich bewahre eos" „Er hat aoa vernichtet"; warum dann nichtlieber den ganzen Satz lateinisch? Man könnte ja auch nochzur Abwechslung Griechisch, Englisch , Französisch, Ungarisch indie Sprachmoiaik bringen; Gelegenheit zu Vergleichen wäre javorhanden. So leicht, als es der Verfasser den Buben zu machensucht, läßt sich das Hebräische überhaupt nicht modeln, dazu istdie Sprache viel zu schwierig und wer seinen Kops nicht anstrengenwill, lasse überhaupt davon. Eine Grammatik, die man nichtzu lernen braucht, kann man nicht erfinden, und nur eine solchewürde den Beifall des Schülers finden, von dem nur zu oftdie Definition eines italienischen Schriftstellers gilt: Ltmlontsvuol ckirs, elia uou stuclia meuti! — Drehers Klcinkinder-Grammatik hat uns gar nicht gefallen, sie ähnelt den Büchernwie: „Mama, schnell Französisch per Dampf"; Prill's „Ein-führung" kann sehr wohl empfohlen werden, namentlich wenndie nothwendigen Verbesserungen vorgenommen würden. Dasliebste aber wäre uns, wenn Stracks unerreichtes Lehrbuch auchin lateinischer Fassung erschiene, damit es auch in die Priester-seminare und Lyceen namentlich außerhalb Deutschlands ein-dringe, woselbst man sich vielfach noch mit den kläglichen »Lncli-monta« Voscus erfolglos abquält.
Tolstoi (Graf Leo; Sohn), Daö blaue Heft. Erzählung.
AnS dem Russischen von Dr. Alcxis Markow. Berlin ,
Stcinitz, 1894. 8°. 64 S. M. 1,09.xlz Dem Vater Tolstoi, dem russischen Typus einesRonsseau-Diesfenbach, hat sich im eigenen Sohne nunmehr einliterarischer Compagnon zum Vertrieb der „ethischen Cultur"beigesellt. D.rS vorliegende Buch ist der erste Sendbote derneuen Firma. Es soll die Wahrheit predigen, daß die Sinn-lichkeit den Menschen physisch und moralisch zerstört. EineWahrheit, die uns schon im Buch Hiob 31, 12 gelehrt wird:»IZnis L8t nsqns aä zieräitiouem äsvorans at omuia. eraclieimsALnimiua«, und zu deren Verkündigung wahrlich nicht erst derjunge Tolstoi aufzustehen brauchte. Den Hauptinhalt des Buches(S. 16—62) aber bildet eine jung-russisch - Variation des bib-lischen Potipharthcmas in Form einer Erzählung aus einemalten „blauen Hcst" eines Freundes, die mit der vorgegebenenlehrhaften Tendenz des Buches blutwenig zu schassen hat. Siewird höchstens zum Verräther an dem Eesammtwerke und läßtdasselbe trotz aller Wohlansiändigkeit der Sprache und dcS„sittlichen Ernstes" als nichts anderes alö eine verblümteSpekulation auf das Aufregungsbedürsniß „moderner" Lesererscheinen. Die Ucbcrsetzung macht den Eindruck einer guten.
Geschichte der Oberpfälzischen Grenzstadt Wald-münchen. II. Theil, 2. Halste L. Vom k. Gymnasial-profcssor Franz Lommer in Amberg . 83 S. Gr.-Oklav. Preis 1 M. Zu beziehen durch BuchhändlerH. Mayr in Amberg .
* Das Werkchen enthält eine aktenmäßige Geschichte derPfarrei mit einem geschichtlichen^ ErknrS über das religiöseLeben in Waldmüuchen, gibt ebenfalls an der Hand der Akteneinen lichtvollen Einblick in die früheren VerwaltungS- undEerichtsverhältnisse, sowie eine anschauliche Schilderung vomStadtrcgimcnt und den Stadtprivilegicn. einschließlich Jagdund Fischerei. _
Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theo-logie. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fach-gelehrten von vr. Ernst Commer , o. ö. Professor ander Universität BreSlau. Paderborn , Schöningh, 1894.IX. Vand, 1. Heft (Mitte Juli).
Inhalt: Portrait des Vonorabilis ckoannos cko Ualakorst lllamlcwa, Stich von Campanclla. Der Ehrwürdige starb1659 als Bischof von Osma in Spanien , gleich ausgezeichnetdurch Gelehrsamkeit und Tugend. Abhandlungen: 1) DieTextanSlegung des Aristoteles bei Thomas vonAquin und bei den Neueren. Von vr. Eugen Reises,