Ausgabe 
(13.9.1894) 37
 
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Ohne die Hilfe des weltlichen Armes, ohne denSchutz des Frankenkönigs, hätte Bonifatius beim Klerusweder das Cölibatsgesetz, noch bei den Laien die kirch-lichen Vorschriften über die Monogamie durchzuführenvermocht (ex. 28 x. 279; ex. 56 x. 310; ex. 63x. 329).

Unter den verschiedenen Widersachern der boni-fatianischen Missiouslhätigkeit werden zwei Namen be-sonders genannt.

Auf der römischen Synode vom 25. Oktober 745legte Deneard die Klageschriften des hl. Bonifatius gegenden Franken Aldebert und den Schotten Klemens vor;der erstere hielt sich für einen heiligen Apostel und großenWunderthäter, dem ein Engel des Herrn von der äußerstenFerne Reliquien von wunderbarer und unerhörter Heilig-keit überbracht habe; in Kraft derselben könne er alles,was er wünsche, von Gott erlangen. Sein größtesHeiligthum jedoch war ein Brief des Herrn Jesu Christi:in Jerusalem sei er auf die Erde gefallen und von demErzengel Michael am Thore Effrcm gefunden worden;nach verschiedenen Wanderungen sei er in die HandAldeberts gekommen. Kamen Leute zu ihm, um ihreSünden zu bekennen, so sprach er:Ich weiß all eureSünden, denn eure Heimlichkeiten sind mir bekannt; esbedarf des Sündenbekenntnisses nicht, sondern es sindeuch eure vergangenen Sünden vergeben, kehret getrostund frei von Schuld im Frieden in eure Häuserzurück."

Die Wallfahrten nach Nom mißbilligte Aldebert,ebenso wenig liebte er die alten Kirchen der Apostel undMärtyrer, dagegen richtete er an Quellen und auf denFluren Kreuze auf, baute Kapellen, die er auf seinen eigenenNamen weihte, und feierte dort Gottesdienst. Das Volkhörte die Predigten dieses Mannes, den unwissende Bi-schöfe sogar mit der bischöflichen Würde ausgezeichnethatten, gerne an; verehrte seine Nägel und Haare alswerthvolle Reliquien und sprach es offen aus:DieVerdienste des hl. Aldebert werden uns helfen."

Noch ist uns ein Bruchstück eines der Gebete diesesSchwärmers erhalten:Herr, allmächtiger Gott, Vaterdes Sohnes Gottes, unseres Herrn Jesu Christi , A undO, der Du sitzest auf dem siebenten Throne, überCherubin und Seraphin: große Frömmigkeit und süßesGlück ist vor Dir. Vater der hl. Engel, der Du gemachthast Himmel und Erde, und Alles, was darinnen ist,Dich rufe ich an, und zu Dir schreie ich, und Dich ladeich ein zu mir Armen, denn Du hast uns gewürdiget zusagen: Was ihr vom Vater bitten werdet in weine«Namen, das habe ich euch gegeben. Dich bitte ich, zuDir schreie ich, auf den Herrn Christus vertraue ichmeine Seele." Zu den Engeln sich wendend, beschwörter sie: ^kraecor vo8 st conjuro vvs st suxxlioo me vos, anAkünv Ilrisl, cmKölus IlaZusI, anxölusltusiuel, LNZsIur ölicknöl, rmZelus ^äinu8, rmgelu8PnßuL3, angelus Lairaoc, anxelus Liwisl." Gewiß,diese fremdartig und gehcimnißvoll klingenden Namenmußten die stets lebendige Phantasie der Menge erregen I(Hauck I. e. I, 509.)

Der andere Gegner war Bischof Klemens, welcherdas Cölibatsgesetz theoretisch und praktisch mißachtete,welcher die Auctorität der Kirchenversammlungen geringschätzte und das Ansehen des hl. Hieronymus, des hl.Augustinus und Gregorius verwarf. Ueber die Höllen-fahrt Jesu Christi , über die göttliche Vorherbestimmunghuldigte er Anschauungen, welche mit der kirchlichen Lehre

im offenen Widersprüche standen. An volkstümlicherBedeutung und tiefgehendem Einflüsse stand Klemensweit hinter Aldebert zurück; seine Irrthümer bewegtensich mehr in theologischen Jdeenkreisen. Beide wurdenauf der römischen Synode ihres priesterlichen Amtes ent-setzt, ihre Lehren als falsch verworfen (ex. 59 x. 317bis 321). Doch scheinen ihre Irrthümer noch längereZeit nachgewirkt zu haben (ex. 77 x. 349), indemPippin die Ketzerei nicht als staatliches Vergehen er-achtete und bestrafte.

Groß und mannigfaltig waren demgemäß die Hinder-nisse und Schwierigkeiten, welche der hl. Bonifatiusgegenüber den fränkischen Bischöfen, den nikolaitischevPriestern zu überwinden hatte.

Aber mit muthiger Unerschrockenheit und helden-mütiger Ausdauer führte er den Kampf bis zum vollenSiege durch. Uoriaiuur, st Osu3 voluerit, xro sauLtisIsZidus xutrnva nostrornm: nov 8imu8 canes matt,noQ 8iinu3 taciti sxsculatorös, non simn8 insrosn-uarii luxuva üagisntss, 8sä xa8tor63 8oI1iciti, vigi-lantes 8uxra Zrsgem Clirtsti, xru6äieants8 rnagori avininori, ckiviti 6t xanxsri onins eonmlium Oei, om-niliu8 §rnäidu3 vel astatidus, in csuantuiQ O6U3äona-verlt xv38s, oxortune, inxortuns, eo naoclo cfno8Lnotu8 6rsZc>riu8 in lißro xastorali eorworixsit(sx. 78 x. 354).

Hat der hl. Bonifatius diesen herrlichen Vorzügendes katholischen Priesterthums nicht stets nachgelebt?Steht nicht heute noch sein Bild als hellleuchtendesMuster unverdrossener Pflichterfüllung, treuestcr Hirten-sorgfalt vor unserem Auge.

Wenn seit dreihundert Jahren nach Gottes uner-forfchlichem Weltenplane der Gedanke des hl. Bonifatiusgetrübt, sein Einheitsbau das Herzvolk Europa'S mitNom zu verbinden theilweise in Trümmer gesunkenist, sollte nicht eine eingehendere Beschäftigung mit denBriefen dieses epochemachenden Mannes dazu beitragen,daß wir Deutsche aller Stämme wieder eins werden imGlauben, eins in der demüthigen Unterwerfung unterdie unfehlbare Lehrauktorität des römischen Pontifex?

Verzeichnis bei der Redaction eingegangenerSchriften.

Erinncrungsblätter an die feierlicbe Ueber-tragnng der Gebeine der hl. Märtyrer AdclariusundCobanuS in die Domkirche zu Erfurt. Erfurt ,1694. Druck und Verlag von G. A. Brodmann.

Stimmen vom Berge Karmel. Monatsschrift fürdas kath. Volk. Graz , 1894. Verlag des Karmeliten-Convents-12. Heft.

Das heil. Land. Organ des Vereins vom hl. Grabe.38. Jahrg. Heft 2. Commissionsverlag von I. P. Bachem,Köln .

Nagel's Jllustr. Klassiker-Bibliothek. Schiller'SWerke I. Druck u. Verlag von G. Nagel. Berlin .

Repcrtorium der Pädagogik. Organ für Erziehung,Unterricht und pädagogische Literatur. Herausgegeben und ge-leitet von Joh. B. Schubert, Oberlehrer in Augsburg . 48. Bd.11. u. 12. Heft. Ulm , 1894. Druck u. Verlag der I. Ebner'-schen Buchhandlung.

Jahresbericht der kgl. bayer. landwirthschaftl.Centralschule Weihenstephan für das 42. Schuljahr1893/94. Frcising. Buchdrucker« von Dr. Frz. P. Dattcrer.

Geschichte deS historischen Museums und derMaillinger-Sammlung der Stadt München . VonErnst von Destonchcs. München . I. Lindauer'sche Buchhand-lung (Schöpping).

Jllust rirtcs Familienbuch der Naturheilkunde.Herausgegeben von Ludw. Rexhäuser. Leipzig , Verlag vonC. Schremmel. Liefg. 2427.