Frömmigkeit, Entschiedenheit und Geschicklichkeit. (Nä-heres fehlt.)
11. Dr. Jgnacia Ordoüez, Erzbischof vonQuito (Ecuador). Er war es hauptsächlich auf geist-licher Seite, welcher den großen, blutigen Kampf für diekirchliche und politische Neugestaltung Ecuadors treu undkühn Mitgekämpft, welchem der unsterbliche GarciaMoreno und Msgr. Checa im Meuchelmord zumOpfer fielen, und dem Msgr. Ordoirez — damals Bischofvon Rumba — mit knapper Noth entkam. — Er war esauch, der, vom Präsidenten Gar. Moreno gesandt, imJahre 1861 bet Pius IX. das Concordat mit Nom er-wirkte. Dr. Ordoüez lebte nach dem Vergiftungstodedes Msgr. Chöca (1877) einige Jahre als Verbannterund wurde, als endlich eine bessere Zeit eintrat, vonLeo XIII. zum Erzbischof von Quito ernannt. (Geburts-zeit und Sterbetag sind nicht angegeben.) R. I. k.
Die Briefe des hl. Bonifatius.
Von Adam Hirschmann, Pfarrer in Schönseld.
(Schluß.)
Wohl der hervorragendste unter den Schülern deshl. BonifatiuS war Lul, welcher später sein Nachfolgerin Mainz geworden ist. Er scheint das Kind reicherEltern gewesen zu sein; denn er bittet die AebtissinCuneburg um Zusendung zweier Knechte: Beiloc undMan, welche er und sein Vater freigelassen hatten (ex.49 x. 298). In Bonifatius verehrt er den Lehrer derMetrik und des geistlichen Lebens (ex. 98 x. 385), derseinerseits den reichbeanlagten, wissensdurstigen (ex. 71x. 338; ex. 103 x 389) Priester zu vertrauten Send-ungen an den päpstlichen Stuhl verwendet (ex. 86x. 368). Wenn auch ein Seufzer über die harte Mis-fionsthätigkeit, über den Mangel an zuverlässigen Mit-arbeitern (ex. 100 x. 387) der Brust Luls sich entringt,so läßt er sich doch in der Treue gegen die alten Freundein England und in der Verehrung gegen Bonifatius durchkeine Bitterkeit beirren; in Versen spricht er den Wunschaus, Gott möge die Arbeit des greisen Erzbischofcs zumHeile der Seelen reichlichst lohnen, und fährt dann, seineigenes Verhältniß zu Bonifatius berührend, fort:
»Llsrnentia cchus (se. Oei)
LIe miserum te lar§a monsbat rulirs niaZsistrumLlols Zravi noxas pressns, Line lumins corclis;
Otia cluin vgAabunäus amabain; äuleia creäenstzuas eonstant cunetis animabus noxia sempsr.keetoris abtust teuebras scä Aratia äeinpsirLalvantis Obristi, Zratis via ssnsibus auZensVon» weis stoliäis. 6ui laus vt bonor sma lins.Ltgus tui tibi.erescat inarce laboris Oliiupi —virscti eallis äuetor! — mereesgus coroualuAöuüguo tui, guc> snw pars ultima magni«
' (ep. 103 p. 390).
Zugleich mit Lul war Denchard nach Deutschland gekommen (ex. 49 x. 297), welcher das volle Vertrauenseines Oberhirten besaß und daher als Sachwalter derdeutschen Mission in Rom thätig war (ex. 61 p. 302;ex. 64 x. 308; ex. 69 x. 316). Ein kleines Brief-chen, das kaum 5 Zeilen umfaßt, zeigt uns Denehardin der angelsächsischen Heimath, wie er im Auftrage deshl. Bonifatius thätig ist für einen Unfreien, NamensAthalhere, welcher sich verehelichen wollte, dem sich aberSchwierigkeiten entgegenstellten. Denehard sollte ihn wieeinen freien Mann unterstützen, wenn nothwendig sogarBürgschaft leisten (ex. 99 x. 387). Dieser kurze Brief,bemerkt Hanck mit Recht (K.-G. I, 446), charaktertsirt
Bonifatius und seine nach allen Seiten sich erstreckendeFürsorge für die Seinen besser, als lange Schilder-ungen.
Unter den Frauen, die dem Rufe des Apostels derDeutschen folgten, nimmt unstreitig Lioba oder Leobgyth,eine Verwandte des Heiligen, die erste Stelle ein. Ineinem Briefe bittet sie den Erzbischof, für ihre verstorbenenEltern: Dynne und Aebbe, deren einzige Tochter sie sei,zu beten. Unter der Leitung der Aebtissin Eadburg,welche die hl. Schrift nicht aus den Händen legt, habesie die Kunst, Verse zu machen, gelernt (ex. 29 x. 281).Daß sie auch auf deutschem Boden für literarische Mädchen-bildung thätig war, erhellt aus der Verwendung desangelsächsischen Priesters Torhthat bei Bonifatius, derAebtissin von Bischofsheim die Erlaubniß zu gewähren,einem Mädchen Unterricht zu geben (ex. 96 x. 383).Neben Lioba werden noch andere Frauen genannt:Chunihilt, Chunitrud und Thekla, welche die christlicheBildung, die sich in England so rasch entfaltet hatte, inunser Vaterland übertrugen, welche zuerst nach Hauck'SAusdruck (K.-G. I, 450) eine höhere Anschauung deSLebens in Deutschland heimisch machten.
Was erzählen uns die bonifatianischen Briefe überunser deutsches Vaterland?
Wer an der Hand der taciteischen Germania einSittenbild unserer heidnischen Ahnen entwirft, der ver-fällt gar leicht in ein unberechtigtes Jdealisiren. Sosagt Scherr (Deutsche Cultur- und Sittengeschichte S. 26):„Der lichteste Punkt in der Sittengeschichte unserer Vor-fahren ist das Verhältniß der beiden Geschlechter zu ein-ander und die Stellung der Frauen, eine Stellung, welcheunverhältnißmäßig höher und edler war, als die, welchedas antike Zeitalter dem Weibe einräumte, . . Daß dieFrau die nährende und wärmende Flamme der Geschichteist, das haben erst die Germanen erkannt; erst durch siewurde das Weib wirklich in die Gesellschaft eingeführt.Sie sahen, berichtet Tacitus , im Weibe etwas Heiliges,Vorahnendes; sie achteten auf den Rath der Frauen undhorchten ihren Aussprüchen." Gegenüber der raffinirtenSittcnlosigkeit des römischen Lebens mag die derbe Un-geschlachtheit der germanischen Weiber dem zürnendenHistoriker der Kaiserzeit als herzerfreuendes Ideal ge-golten haben, aber im bonifatianischen Zeitalter war diegerühmte Züchtigkeit deutscher Frauen und Jungfrauenäußerst selten zu finden. °) Denn sonst hätte der Apostelder Deutschen nicht stets Klage führen können über un«enthaltsame Diakone, welche, von Jugend auf in allenSchlechtigkeiten sich wälzend, selbst in diesem Stande oftvier, fünf und noch mehr Kebsweiber bei sich haben, abergleichwohl das Wort Gottes verkündigen, ja sich nichtscheuen, die Priesterweihe sich ertheilen zu lassen. ImReiche Karlmanns, berichtet Bonifatius an den päpst-lichen Stuhl, gibt es auch Bischöfe ähnlicher Führung(sx. 50 xa§. 300). Ein häretischer Priester, welchervon seiner Concubine zwei Kinder hatte, berief sich zurVertheidigung seiner Unenthaltsamkeit auf das alte Testa-ment, wornach der überlebende Bruder die Frau des ver-storbenen Bruders heirathen sollte (ex. 57 x. 314).
°) In den Annalen (lib. IX, aap. 16) äußert sich TacituS über die vinolsntis, se libiäines, Zrata barbaiis se. Oerwanis.Cäsar (vs bsllo galliv. iib. VI o. XXI) berichtet: Intra »nimmvsro vieesimum Iswinae notitiam Iiabuisss in turpissimisbedeut (Oermani) rebus; eusus rsi null» est oeeultatio, guoäet proiniseue in Üuwiaidus perluuntur st pellibus aut parvisrsnonum legimslltis utuutur, waZna vorporis parke nuäa.Vcrgl. Weiß, Apologie des Christenthums, I, 423, 451.