Ausgabe 
(13.9.1894) 37
 
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aus dem Pariser Missionsseminar, apostol. Vicar vonKwei-tscheu (China); geboren am 1. November 1820im Dörfchen Barcelonnette , Diöcese Digne, gestorbenam 24. April. Bis in sein 14. Lebensjahr hinein hüteteer die Schafe seines Vaters. Er war talentvoll, bieder,fromm und fröhlich, und hatte etwas Militärisches inseinem Charakter. Seine äußere Erscheinung und seinechinesische Sprachfertigkeit stempelten ihn im nationalenAnzüge zu einem gleichsam wirklichen Chinesen, wasihm bei den schweren Christenverfolgungen oft zugute kam. Seine Mission begann eben im VicariateKwei-tscheu im Jahre 1848. Er hatte unendlichviel zu leiden. Eine barbarische, blutige Mißhandlungschon frühzeitig äußerte ihre schmerzlichen Folgen nochnach 30 Jahren. In den 1850er Jahren mußte er mitseinen Christen ins Gebirg flüchten. Im Jahre 1860,wo eben eine außerordentliche religiöse Bewegung unterden Heiden eintrat und sich in einer einzigen Subprä-fectur die Heiden von 300 Dörfern zur Annahme desChristenthums anmeldeten, brach von Aünnan aus einschrecklicher Verfolgungssturm los. Eine große Anzahlvon Christendörfern wurden vollständig zerstört und ent-völkert. In Folge der Aufregung und des Fiebers brachder heldenmüthige Missionär zusammen. Im Jahre1866 übernahm er die Leitung des MissionSseminars. Nach dem Tode des apostol. Vicars Msgr. Faunewurde Msgr. Lions am 29. Juni 1872 zum Bischofgeweiht apostol. Vicar von Kweit-tscheu. Bereits12 Jahre herrschte ziemlich Ruhe, und es mehrten sichin hocherfreulicher Weise die Zahl der Katholiken, derKirchen, Schulen und Waisenhäuser rc. Da brach aufsNeue 1884 durch den französisch-chinesischen Krieg dieChrtstenverfolgung aus. Im Missionssprengel wurden52 Stationen zerstört, Priester, Katecheten und vieleChristen getödtet und schwer mißhandelt. Von diesemSchlag hat sich die Mission bis heute noch nicht erholt.Abermals mußte der Bischof flüchten. Da fing er anzu kränkeln, und nachdem er 1885 einen Coadjutor er-halten, zog er sich nach und nach ganz zurück. Er starbinmitten feiner Lieben sanftin Ruhe und Frieden" am24. April.

7. Msgr. Johannes Jbaüez (Jbanjes), 0.apostol. Vicar von Amoi (ebenfalls in China).Sechs Tage kaum trug er den Bischofstab. Am

8. Oktober trat er das Vicariat an und am 14. Oktoberlag er auf der Todtenbahre. Er war eben schon kränk-lich. Seine Lebenszeit währte nur 45 Jahre. Er warsehr fromm, eifrig und wirkte auch literarisch; er istVerfasser eines chinesischen Wörterbuches und mehrererkleiner Schriften in der Landessprache.

8. Msgr. Felix Nikolaus Joseph Midon ausdem Pariser Seminar, apostol. Vicar von Osaka(Central-Japan ), geboren in Bonviller DiöceseNancy am 7. Mai 1840. Zum Priester geweiht 1864,wurde er Professor, dann Vicar an der Kathedrale inNancy; trat 1869 in das Missionshaus ein und ging1870 nach Japan , wo damals Msgr. Petitjean alsapostol. Vicar das ganze weite Missionsgebiet unter sichhatte. Im Jahre 1674 wurde der tüchtige MissionärProvicar des nördlichen Missionsdistriktes, woselbst erauch nach der Theilung Japans in ein südliches undnördliches Vicariat, welch'letzteres Msgr. Osouf erhielt,verblieb. Hier war er 15 Jahre, da er schon über einJahr vor 1674 im Norden wirkte. Schon 1888 wurded«S Vicariat Centraljapan Osaka errichtet und

Msgr. Midon übertragen. Dort gab es 15 Mis-sionäre, nur 2 Kirchen und etwa 2000 Neophytenunter 13 Millionen Heiden. Und dort war das Haupt-boIlwerk des Buddhismus , der in der alten Haupt-stadt Kioto (nördlich von Osaka ) seine heilige Stadtbesitzt, die heute noch an zweitausend Heiligthümerhat und eben erst in den 1880er Jahren? einenprachtvollen Tempel gebaut hatte, der über vier Mil-lionen Frcs. gekostet (welche Opferwilligkeit bei Heiden!).Msgr. Midons Hauptbestreben war die Errichtung vonSchulen und Waisenhäusern. In Kioto standen zahl-reiche Anstalten und Schulen der reichen englisch -ameri-kanischen Secten und daneben die katholikcnfeindlicheHochschule Do-chicha (Do-schischa), von den Protestanteneifrig beeinflußt. In diese mächtige Götzenstadt bauteMsgr. Midon ein solch respektables Gotteshaus, daßdieser Bau imFremdenführer" als Sehenswürdigkeitangeführt wurde. Der prachtvolle Bau wurde eingeweihtam 1. Mai 1890. Trotz seiner schwächlichen Gesund-heit war Msgr. Midon ein Mann von Schaffenskraft.Aber mitten in seinem Werke, und unverhofft, raffte ihnder Tod dahin. Auf einer Reise nach Rom befiel ihnzu Marseille die Influenza. Ein Blutsturz machteden Zustand hoffnungslos. In der Nacht vom 11. auf12. April verlangte und erhielt er die hl. Sterbfakra-mente, ordnete mit aller Seelenruhe noch die dringendstenGeschäfte und verschied am 13. April ohne Todeskampf.Bei seinem Tode hatte das junge Vicariat 45 Christen-gemeinden, 3 Kirchen, 2 Kapellen, 34 Bethäuser, 10Schulen, 5 Waisenhäuser, 9 Gewerbeschulen und Werk-stätten und eine japanische Zeitung. Die Zahl der Mis-sionäre aber hatte sich auf 20 und jene der Katechetenauf 50 erhöht. Das war das Werk weniger Jahre desso früh dahingeschiedenen Msgr. Midon!

9. Msgr. Christoph August Reynolds, Erz-bischof von Adelaide (Australien ); geb. am 25. Juli1835 in Dublin, der Hauptstadt Irlands . Er machteseine Studien bei den Carmeliten, dann bei den Bene-diktinern im ehrwürdigen Subiaco in Italien , und voll-endete sie bei den Jesuiten im Colleg von Sevenhill inSüdaustralien. Sein Herz zog ihn hin zum Ordens-leben; da er jedoch eine schwächliche Körper-Constitutionhatte, konnte er sich den strengen Forderungen des Ordens-lebens nicht unterwerfen. Er wirkte darum als Welt-priester. Nachdem er 14 Jahre als solcher mit schönemErfolge gewirkt hatte, erhielt er 1873 den Bischofsstuhlvon Adelaide und ward 1887 dessen erster Erz-bischof. Dieses Erzbisthum ist zweimal so groß, wieFrankreich . Seit seiner Bischofsweihe bis ins Jahr1881 hinein hat Msgr. Reynolds, wie er selbst berichtete,keinen Monat lang zu Hause gewohnt: 85,000 (?) 1cmhat er auf seinen ersten Berussreisen durchmessen,11,800 Firmlinge gesalbt und zu 30 neuen Kirchen denGrundstein gelegt. Die Zahl der Schicken hat er von5 auf 56 erhöht, und die 1100 Schüler stiegen auf6000! Hiezu hat die Regierung nicht einen Heller ge-steuert. Bei seinem unermüdlichen Schaffen fand Msgr.Reynolds eine Hauptstütze bei seinen lieben, zahlreichenOrdensgenossenschaften. Er hatte eine lange und schmerz-liche Krankheit, die er mit aller Gottergebenheit ertrug,und schied aus dem Leben am 12. Juni 1893, tief be-trauert selbst von den Protestanten.

10. Am 26. Januar starb in der BifchofsstadtFort Wahne Nordamerika Msgr. DavidDwenger, ein Deutscher. Er war ein Mann von