große Trommel der Achamizer noch lange über den grünenRücken herüberdröhnt, folgen wir den Göriachern, diefeierlich zu ihrer Dorflinde ziehen. Im weiten Umkreisumgibt das Volk den von mächtigen Besten beschattetenPlatz. Auf einer Bank, die rund um den Stamm ge-zimmert ist, nimmt die Musik stehend Platz, die Burschenaber stellen sich wieder, zum Theil sich gegenseitig um-schlingend, in ihren Kreis. Eine Weise nach der andernwird gespielt. Den Text singen die Burschen abwechselnd.Zugleich spielen sich geheimnißvolle Ceremonien ab: eshandelt sich um die Auswahl der Tänzerinnen. EinePause tritt ein; da winken die Burschen gegen den um-gebenden Kreis. Die Erwählten stürzen sich aus dem-selben in die Arme ihres Burschen. Nun werden allegangbaren Tänze um die Linde herum durchgetanzt, da-zwischen immer wieder die Schnadahüpfl der Burschen.Früher spielte sich der ganze Kirchtag, wenn möglich,unter der Linde ab, jetzt dauert der Tanz im Freien1, 2 bis 3 Stunden, und dann geht es auf den Tanz-saal, durch dessen losgefügte Bretterwand die blaugrüneThalscenerie freundlich hereinschimmert. Und nun gehtes in tollem Jagen fort Tag und Nacht hindurch: dasGanze wiederholt sich genau am zweiten und auf be-sonders alterthümlichen Kirchtagen, wie auf dem vonSak-Nötsch, an einem dritten Tage.
Bei dem Tanz unter der Linde ist nicht nur jederFremde, sondern auch jeder Bursche einer andern Dorf-schaft und jeder in dem Dorfe nicht Altansässige ausge-schlossen. Doch scheint das Protektorat der Damen auchdiese altererbte Schranke zu durchbrechen, wenigstenswurde ich auf einem andern Kirchtag von meiner Wirthinaufgefordert, unter ihrem Schutze den Tanz mitzumachen.Um so freundlicher zeigen sich die Burschen dem Fremdengegenüber auf dem Tanzboden. Ich war auf jenemKirchtag der einzige thalfremde Eindringling, konnte michaber unter den 400 — 600 Burschen und Schönen derfünf Tanzplätze vollständig frei bewegen. Einer alt-hergebrachten Sitte zufolge bieten die Burschen selberdem Fremden Tänzerinnen an, wobei sie auch noch teil-weise sorgfältige Auswahl treffen. Ablehnung von Seitendes Gastes gilt als tödtliche Beleidigung. Am höchstengalt meine Anwesenheit auf dem Kirchtag in Thörl , woich mit dem Bezirksrichter auf dem Tanzsaal erschienenwar. Beamte und Geistliche werden als Gäste sehr ge-ehrt, wenn sie Sinn für das Volksleben zeigen, undsind auch vielfach noch bei der ganzen Kirchtagsfeierunter ihren Leuten zu treffen.
Die Tänze folgen sehr rasch, fast ununterbrochenaufeinander und haben fast durchweg einen lebhaften,scharfen Rhythmus. Eigenthümlichen Charakter haben siewenig auszuweisen, mit Ausnahme deS „Steirischen",welcher mit Liedern abwechselt, von den Burschen, dieihre Tänzerinnen an der Hand führen, gesungen. Inden kurzen Zwischenpausen stehen die Mädchen in zwei-,dreifacher Reihe an den Wänden umeinander. Nur zeit-weise gehen sie zu einem großen Wafferschaff unter derTreppe, um sich etwas abzukühlen. Dafür tanzen siebis 3 Uhr in der Frühe, ohne zu ermüden. Die Burschenvereinigen sich zu „Zechen" von 6 Mitgliedern. AllesVerzehrte geht hier ganz auf gemeinsame Rechnung, jedeZeche hat eine riesige, bekränzte Weinflasche in der Mitte.Dieser jedenfalls altererbte volkstümliche Zug des Ge-meinschaftlichen macht wie das übrige Benehmen derBurschen einen durchaus günstigen Eindruck. Reibereienund Schlägereien find sehr selten. Nur der Kirchtag
von Mellweg bei Hermagor hatte etwas schlimmeren Cha-rakter. Thatsächlich begann dort bereits am Nachmittageine Rauferei; dafür entschuldigten sich die übrigenBurschen, nachdem sie die Uebelthäter hinausgeworfen,mir, dem Fremden, gegenüber.
(Schluß folgt.)
Aus der Todtenliste der Missionsbischöfe von18S3.
(Schluß.)
3. Msgr. Franz Maria Duboin aus der Ge-nossenschaft vom Hl. Geist und dem hl. Herzen Mariä,ehemal. apostol. Vicar von Senegambien; geboren am23. September 1827 in Samoens , Diöcese Anuecy, ge-storben am 26. August im Ordenshause St.-Coeur Mariein Chevilly. Msgr. Duboin hatte in Folge seiner schwäch-lichen Gesundheit ein wechselvolles Missionsleben. Erkam im Jahre 1850 in die Mission nach Senegambien,wirkte dort zuerst für einen einheimischen Klerus, dannals Missionär und mußte nach kaum zwei Jahren, schwererkrankt, nach Frankreich zurück. Dort weilte er fünfJahre und arbeitete in verschiedenen Ordensämtern. ImJohre 1857 ") ging er als Provinzialoberer nachder Insel Rounion; 1872 in derselben Eigenschaft nachder Insel Mauritius . An beiden Orten schuf er eineReihe von Anstalten. Am 26. Juli 1876 wurde erzum apostol. Vicar von Senegal und Sene-gambien ernannt. Wiederum — wie einst vor 26Jahren — wurde ihm bald gefährlich das mörderischeKlima. Im sechsten Jahre seines VicariatS mußte erentkräftet seine schwere Bürde niederlegen und zog 1883sich in das Mutterhaus zurück, wo er in stiller Zurück-gezogenheit lebte bis an sein seliges Ende.
4. Msgr. Ag apit Dumani, griechisch-melchitischerBischof von Acca — dem alten Ptolemais und Jean-d'Acre der Kreuzfahrer. Geboren am 1. Januar 1802,erreichte er ein Alter von 91 Lebensjahren. Seine Ge-burtsstätte war De'ir-el Kamar im Libanon; sein Lebendürftig. Sein Einkommen belief sich auf kaum 2000 Frcs.Seine Hecrde war arm. Dennoch baute er sechs neueSteinkirchen, 8 Schulen und 15 Priesterhäuser. Dieganze Schaar seiner Gläubigen betrug nur 9000 Per-sonen. Msgr. Dumani war ein frommer, seelcneifrigerPriester und hatte sich bei seinen eifrigen Studien imKloster der Basilianer-Möuche vom heiligen Erlöser beiSidon ausgezeichnet. — Es sind aus Asien noch dreiweitere Sterbefälle zu verzeichnen.
5. Msgr. Andreas Simon aus dem Pariser Seminar, apostol. Vicar von Nord-Birma, ge-boren 1858 zu? — in der Diöcese Lvtzon in Frank-reich, gestorben am d in Mandalay . Er unterlag einemfrühen Tode. Nur fünf Jahre währte sein Vicariat.Doch mehrte sich unter ihm die Zahl der Katholiken um2000; auch legte er 1888 den Grundstein zu einerneuen Kathedrale, deren Baukosten ein reicher Birmanetrug. Nähere biographische Notizen über den Verstorbenensind noch nicht vorhanden. Zu bemerken ist noch, daßsich jetzt in Birma unter der neuen englischen Herr-schaft die katholische Kirche frei und Achtunggebietend entfaltet.
6) Msgr. Franz Eugen Lions — ebenfalls
*) In „Die kath. Miss." ist wohl irrthümlich die Jahres-zahl 1855 angegeben, wen» Msgr. Duboin vom Jahre 1852wirklich fünf Jahre in Frankreich verblieb.