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kurator konnte nun entweder das Gut in kaiserlicherRegie betreiben oder, wenn es ihm vortheilhafter er-schien, ganz oder Iheilweise verpachten. Der Hütten-betrieb blieb stets Privaten überlassen, die das Erz ausfiskalischen Gruben kauften oder diese selbst in Pachthatten. Das System der Selbstbewirthschaftung wurde,wie schon erwähnt, in Mosten und Thracien, Jllyrien,Dalmatien , Macedonien und Dacien ausgeübt. Die inDacien arbeitenden Colonen, jene halbfreien Arbeiter,die zwar heirathen und Grund erwerben, aber nichtwandern durften, waren hierher versetzt aus Pannonienund Dalmatien zur Ausbeutung der dacischen Gold-lager.
Das Bergwerk unterstand also einem kaiserlichenBeamten, einem Prokurator, bei größeren Betrieben gabes noch einen Sub-Prokurator. Im vierten Jahrhunderterscheint eine Centralbehörde: der Berggraf von Jllyrien,dem die gesammte Bergwerksverwaltung der Provinzenunterstellt war.
Die Verpachtung des Bergwerks geschah in Formeiner Auktion: der Ersteher mußte die Auktionssteuerund den Auktionator bezahlen. Interessant ist, daß dieseSteuer ebenfalls verpachtet war; der Pächter dieser Steuerbekam bei jedem öffentlichen Verkauf ein Procent vomWerth. Diese Steuer war auch zu entrichten, wenn es,nachdem es vergebens öffentlich feilgeboten war, unterdem ausgerufenen Werth verkauft wurde. Wurde dieGebühr binnen dreier Tage dem Pächter nicht bezahlt,so hatte dieser das Doppelte zu fordern. Wie die Auk-tionssteuer, war übrigens auch das Geschäft des Aus-rufers in Pacht gegeben. Wir werden noch von mehrerenGeschäften hören, die der Staat verpachtet hatte. Wennalso ein Bergwerk verpachtet war, so konnte der Pächterdurch freie Taglöhner oder durch Sklaven oder durchSträflinge, die der Fiskus lieferte, das Erz fördern,verkaufen oder sonst verhütten. Der Ertrag des Berg-werkes aber wurde von dem Prokurator verpachtet undan die kaiserliche Kasse eingesandt. Bei Regiebetriebwurde das Edelmetall an die nächsten Münzen geliefertoder nach Rom geschickt.
(Schluß folgt.)
Der Osternigg und der Kirchtag von Göriach im Gailthal (Oberkärnten ).
Von Cölestin Schmid.
(Schluß.)
Zwischen den vier ziemlich weit auseinanderlegendenDorfgemeinden von Göriach wogte beständig eine wahreVölkerwanderung hin und her. Man besuchte sich gegen-seitig nach alter Sitte: so gab auch jeder Tanzplatzimmer wieder andere Bilder. Was ich aber immerwieder traf, war der hohe Procentsatz von hübschen,sogar schönen Gefichtsbildungen bet den Thaldamen.Neben dem im allgemeinen vorherrschenden gemäßigtslavischen Typus waren auch blauäugige Flachsköpfe undebenso italienische Schärfe der Linien zu finden. Fastnoch hervorstechender schien mir die zierliche Eleganz derTanzbewegungen. Der österreichische Kaiser hat ja ein-mal bet einem Besuche in Körnten erklärt, daß die Nosen-thaler (Drauthal bei Klagenfurt ) die besten Sänger unddie Gailthaler die besten Tänzer der Monarchie seien.Und all diese heitere Beweglichkeit und froher Natursinnbei den Bewohnern eines von Felsen umdrohten Thales,denen sie in harter Arbeit und unerschrockenem Kampf
ihr Leben abtrotzen müssen! Sind die Klänge des letztenKirchtages verklungen, so schickt auch schon der Gebirgs-winter seine Boten ins Thal, bis er selbst mit eisigerGewalt sich in der kleinsten Ritze des Grundes festkcallt.Zieht dann endlich wieder draußen im Land der Frühlingüber die schneefreien Fluren, so beginnt hier erst rechtder Kampf gegen die feindliche Natur, und auf Stein-lawinen, Vermurung durch die Bergbäche folgt alsbalddie Gluthhitze des Sommers, von den Bergwänden indas gegen den Ausgang fast abgesperrte, tiefliegendeThal Zurückgeworfen. Droben auf den Hochalmcn derZüge zwischen karnischen und Mischen Alpen geht dannder Kampf erst recht wieder los gegen die auf diesenWasserscheiden stetig sich zusammenziehenden Hochgewitter.Und das Alles zieht in dem Geleise der öden Alltäglich-keit in langer Reihe wie eine schale Kruste über dastiefere Bewußtsein des abgabengedrückten Gebirglers hin,bis an dem längst ersehnten Kirchtag das niedergedrückteGemüth gewaltsam wie der lautere Quell durch dieSteinmure bricht. Daß das Volk im Gailthal noch sozärtlich an seinem alten Kirchtag hängt und keine anderenGenüsse als Entschädigung für lange, harte Arbeit sucht,ist das sicherste Zeichen dafür, daß seine tief in dem ge-liebten heimischen Boden haftenden Wurzeln von denzersetzenden Ideen der modernen Zeit noch nicht ange-fressen und von mißverstehenden Aufklärern noch nichtgelockert sind. Dabei geht dem germanisirten SlovenenKärutens, resp. des Gailthales, noch Alles, Kirchlichesund Weltliches, Glaube und Dämonenfurcht, aus einemnoch nicht getheilten und zerrissenen Gemüth heraus.Ich war erstaunt, bei einer Primizfeier, bei der dashalbe, hauptsächlich windische Gailthal versammelt war,ganz dasselbe zu treffen, wie auf den Kirchtagen. Kaumdaß der Primiziant, mit einem riesigen Blumenkränze,welcher wohl seine Vermählung mit der Kirche versinn-bildlichen soll, geschmückt, aus der Kirche zurückgezogen,so begann auch schon das Treiben unter der Dorflindeund nachher auf den Tanzplätzen. Ebenso wie die Volks-heiligthümer und Wallfahrten in Körnten vielfach aufhohen Bergen stehen, und gerade denjenigen, die auchjetzt noch Veranlassung zum Glauben an dämonische Na-turelemente geben. Das ist eben Volksreligion im wahrenSinne des Wortes. Das stoßweise Stchoffenbaren desVolksgemüthcs geht auf ferne jugendliche Jahrhundertezurück, gleichviel ob es als altslavisch oder altgermauischgenommen wird. Jedenfalls aber bildet es die hervor-stechende Eigenthümlichkeit gerade der altgermanischenpoetischen Literatur, während wieder andere Züge des»indischen Völkleins mehr slavischen Charakter aus-weisen. Aehnliches habe ich nur mehr auf dem vielfachals roh und halbwild verschrieenen altbayrischen Flach-land gefunden. Hier liegt die elementare Kraft nochroher, ungebrochener, als in Südkärnten, wo drei ver-schiedene Culturen sich mischen oder wenigstens zu-sammengrenzen. Darum trifft man diese Dinge, haupt-sächlich im Gebiete des Jsar- und Vilsthalcs, in Mt-bayern bei entsprechenden Gelegenheiten, welche hier nurmehr die Hochzeiten bilden, auch noch ungefüger, unver-mittelter aufeinander folgend. Der Vater der Braut istgestorben, der Brautbruder tritt an den Tisch und singtauf den verstorbenen Vater, oder die einzige Tochter hatvon der alten Mutter weggeheirathet und eine Anver-wandte tadelt sie deshalb in einem Schnadahüpfl: dabricht die ganze Brautgesellschaft in krampfhaftes Schluchzenaus. Im nächsten Augenblick wird ein lustiges Trutz-