Ausgabe 
(20.9.1894) 38
 
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gut und verpachtete sie so günstig, daß der Aerar täglich25,000 Drachmen einnahm. Einzelnen Privaten undGemeinden wurde ihr Bergwerk gelassen und kein Berg-zins, keine Abgabe verlangt.

Unter dem Kaiser AugustuS wurden die Provinzenin seuatorische und in kaiserliche abgetheilt; es gab danneine Senatskasse: Aerar, und eine kaiserliche Verwaltungs-kasse: Fiscus. Mäcenas bezeichnete dem Kaiser die Berg-werke neben den Steuern als beste Einnahmequelle. DieKaiser zogen aber auch (durch Confiscation z. B.) dieNeichsbergwerke und die werthvollsten Marmorbrüche ansich, auch neue Erzadern wurden gesucht: die Soldatenaller Provinzen beklagten sich, daß sie zu Grubenarbeitenverwendet würden. Zuletzt gehörten selbst in den senator-ischcn Provinzen die besten Mineralschätze dem kaiserlichenFiskus. Unter Vespasian endlich ist zum letzten Malvom Grund und Boden des römischen Volkes die Rede:das ganze Staatsgut wird kaiserliches Fiskalgut, aller-dings mit der ganzen Reichsverwaltung belastet; dieKaiser aber haben einen Theil davon in ihrem eigenstenPrivatbcsitz als pati'inioiuura Caesaris.

Wo hatten nun der Senat und die römischen KaiserBergwerke und Steinbrüche?

In den senatorischen Provinzen spielen Gold-und Silberbergwerke keine große Rolle, dagegen Kupfer(der Senat durfte nämlich nur die Kupfermünzen prägen,die Kaiser prägten die Gold- und Silbermünzen). Be-rühmt war die Jnselprovinz Chpern durch ihren Kupfer-reichthum. Die andern wichtigen Bergwerke hatte früh-zeitig der Fiskus an sich zu ziehen gewußt: so gehörtenihm in den senatorischen Provinzen die Kupfer- undEisenbergwerke von Macedonien, die großen und reichenBergwerke Hispaniens (Baetica), das Kupferbergwerk vonNio Tinto und mehrere Bleibergwerke dort, die um vierMillionen Scstcrzien verpachtet waren. Die Kupfer- undEiscnbergwcrke Galliens gehörten ebenfalls dem Fiskus,ferner die Eisenerzlager auf Elba und die Bergwerke aufSardinien . Kaiserlich waren auch in den senatorischenProvinzen fast alle Marmorbrüche: so in Phrygien , aufder Insel Achaja und Epirus, auf Paros und Skyros,der von den Dichtern so gepriesene Marmor von Euböa ,der Marmor von Sparta, der korinthische und die Mar-morbrüche vom Berg Hymettos, in Italien die Brüche vonCarrara. In Spanien blieben dem Aerar die Zinnober-gruben von Sisapo, die allerdings sehr einträglich waren,da für das Pfund Zinnober 70 Sesterzien gezahlt undjährlich 2000 Pfund an die Fabriken in Rom geliefertwurden. Kreta lieferte Kreide und Pontus Edelsteineund den röthlichen Thon von Sinope.

L. Viel größere Bedeutung hatten die Bergwerkein den kaiserlichen Provinzen. Da sind vor Allem zuerwähnen die Goldschätze von Asturien und Lusitanien.Aus dem Tnjo und Dnero wurde Gold gewaschen, be-sonders in Asturien gewann man ungeheure MassenGoldes. Ganze Hügel leicht gekitteten Golderzes wurdenuntergraben, zum Einsturz gebracht und in das so ge-lockerte Erdreich aus weiter Entfernung her auf künst-lichen fliegenden Holzaquädnkten mächtige Ströme Wassersgeleitet, um das Gold von dem tauben Sand zu scheiden.Wichtig war auch. die Goldgewinnung in Mösien, wo derFiskus den Betrieb auf eigene Regie hatte.

Trojan und Hadrian wandten diesem Zweig derStaatsverwaltung besondere Sorgfalt zu. Die Mösierselbst waren sehr geschickte Bergleute und Metallarbeiterund wurden deßhalb zu Halbfreien, zu Colonen, gemacht.

Ein minenkundiges Volk waren auch die Thracier; derthracische Bergbau lieferte ebenfalls Gold und Silber,nicht blos den Römern, sondern später noch den Byzan-tinern. Auf Gold wurde auch in Jllyrien und Dnl»watien gegraben, deßgleichen in Dacien neben Salz.Silber gab es bet Ncu-Karthago und Castulo ; dochwaren diese Lager schon früher von den Karthagern undspäter von den Römern maßlos ausgebeutet. Eisenerzgab es in Palästina, Kappadocien , in Pannonien, imheutigen Perigord in Frankreich . Der Reichthum anBlei- und Eisenerzen von Cantabrien ist heute noch nichterschöpft. In Noricum gab es Eisen und Salz. (Auchdas Salz war Monopol des Staates.) In England gruben die Römer nach Eisen und Silber; der Reich-thum an Blei in England war so groß, daß man dieFörderung beschränken mußte, um den Preis nicht zusehr herabzudrücken, ferner versorgte England nebst Lusi-tanien das römische Reich mit Zinn. Reiche Einnahmebrachte dem kaiserlichen Fiskus der vielberühmte Syenitvon Acgypten und die dortigen Porphyrbrüche. Noch imBeginn des vierten Jahrhunderts arbeiteten christlicheBekenner in diesen Brüchen. Einen vielfach verwendetenMarmor lieferte Numidien bis in die späteste Kaiserzett.In Numidien waren auch Kupferlager, in denen imdritten Jahrhundert christliche Märtyrer arbeiteten. AusSyrien kam zu Plinius ' Zeiten Gyps und Alabaster.

Unter den späteren Kaisern von 365 an wurdeauch der Privatbetrieb wieder gestattet, eine Abgabe fest-gesetzt und dem Fiskus das Verkaufsrecht für Gold re-servirt. Durch die Privatindustrie wollte man eben neueBodenschätze erschließen, weil Geldmangel herrschte. DieserGeldmangel war einmal so groß, daß sich die KaiserGratian, Valentinian und Theodosius genöthigt sahen,ein Ausfuhrverbot auf Gold zu erlassen, wonach denBarbaren kein Gold gegeben werden durfte, ja das schonin ihrem Besitz befindliche Gold sollte ihnen auf feineWeise (subtili inZanio) abgelistet werden. Weiter wurdebestimmt, daß Kaufleute, durch die Gold über die Grenzefließe, sich der Todesstrafe schuldig machen.

Nachdem nun der Bergbau wieder den Privatenüberlassen war, that Justinian den weiteren Schritt, daßer das Obereigenthnm des Staates über die Grundstückeaufhob: so ward der Grundbesitzer wieder freier Dis-ponent über seine Grundstücke.

Was die Verwaltung der Bergwerke betrifft, so wurdendie Einkünfte aus den Staatsbergwerken vom Censor ver-pachtet, und zwar entweder so, daß die Bergwerke selbstvon den Pächtern betrieben wurden, oder so, daß die Ab-gaben, die sie dafür zu zahlen hatten, wieder an Pächter,also an Abgabepächter, vergeben wurden, die dann dieEintreibung besorgten. Pächter wurde, wer das größteAngebot machte. Da ein einzelner Kapitalist nicht dienöthigen Summen aufbringen konnte, so vereinigten sichmehrere Pächter (pnstlianni) zu einer Societät Kom-manditgesellschaft. Eine solche Gesellschaft erwähnt z. B.PliniuS und sagt von dieser, die auch die Gruben vonSisapo gepachtet hatte, daß sie ihren Gewinn bedeutendvergrößerte durch Fälschungen, die sie an dem Farbstoffin den römischen Fabriken vornahm. Während nun diesenatorischen Bergwerke den Pachtgesellschaften vollständigüberlassen blieben ohne weitere Beschränkung und Auf-sicht, wird von Tiberius bereits gemeldet, daß er diekaiserlichen Einkünfte von eigenen Beamten verwaltenließ. Trotz dieser Beamten (proLurntoras) wurde aberdas Pachtsystcm nicht vollständig aufgegeben: der Pro-