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vorigen Jahrhunderts in der bayerischen Ordensprovinzwieder zur Blüthe gelangte, mit der Aufhebung derdeutschen Chorherren- und Chorfrauenstifte im Jahre1803 verschwand, neuerdings sich in Belgien, Frank-reich, England erhob und auch schon in Oesterreich Boden gewann, nämlich in Mähren , wo er auf demberühmten Wallfahrtsorte Hciligenberg bet Olmütz kirch-lich errichtet ist.
Der Prümonstratenser-Orden hat den KardinalOreglia als Protektor, als General den hochwürdigstenHerrn Sigmund Stary, Prälaten des Stiftes Strahowin Prag , wo auch der Leib des hl. Norbert ruht. Erbesteht gegenwärtig aus drei Provinzen (denen je einGeneralvikar und Visitator vorsteht), nämlich der öster-reichischen mit 7 Chorherren - Abteien (Geras inNiederösterreich, Neu-Neisch in Mähren, Schlägl inOberösterrcich, Sclau, Strahow, Tepl in Böhmen undWillen in Tirol) und 332 Mitgliedern, sowie mit1 Chorfrauen - Abtei (Zwierzyniec in Galizieu) und 37Mitgliedern, der brabantischen mit 7 Chorheiren-Abteien (Averbode, Grimberghen , Park, Postel, Tonger-loo in Belgien , Berne in den Niederlanden und Mon-daye in Frankreich ), 2 Chorherren-Prioraten (St. Josefde Balariu und Nantes in Frankreich ) und 325 Mit-gliedern und 3 Chorfraucn - Prioraten (Bonlieu inFrankreich, Neerpelt in Belgien, Oosterhout in denNiederlanden) mit 86 Mitgliedern. Zu dieser gehörennoch 4 Missionen (Crowle, Manchester, Spalding inEngland, Nosiere in Nordamerika ). Die dritte Provinz istdie ungarische mit 2 Propsteien (Csorna und Jaszo )und 149 Mitgliedern. Außerhalb des Ordensverbandesbefinden sich zur Zeit noch die „französische Chorherren-Congregation" mit 1 Abtei (St. Michel de F-rigolet inFrankreich), 4 Prioraten (Conques, Etoile in Frank-reich, Farnborough, Storrington in England ), 3 Mis-sionen (Ambleside, Bedworth in England , Whithorn inSchottland ) und 72 Mitgliedern, ferner 3 Chorfrauen-Abteien (Jmbramovice in Russisch-Polen, Toro, Villoriade Orbigo in Spanien ) und 2 Chorfrauen-Prioraten(Berg Sion in der Schweiz , Czerwinsko in Russisch-Polen) mit 81 Mitgliedern, endlich noch das Ter-narinnenkloster Mesnil-St. Denis in Frankreich mit19 Mitgliedern.
Es zählt also der 1. Orden des hl. Norbert 878,der 2. Orden 204 Mitglieder. Ueber die Anzahl der-selben im 3. Orden finden wir keine nähere Angabeaußer der bereits genannten Zahl (19) der Terttarinnen,welche ein gemeinschaftliches Leben führen und womitdie Zahl 1101 für die eigentlichen Ordensleute sichergibt, während die weltlichen Mitglieder vorzüglich inMähren, Belgien, Niederlande, England , Irland, Canadaund in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zer-streut sind.
Seinem Hauptzwecke gemäß arbeitet der Orden vorallem in der Seelsorge, wozu, wie sehr gut bemerkt wird,auch die Heranbildung der studirenden Jugend gehört.117 Mitglieder sind theils als Theologie-Professoren undLektoren an Universitäten und Hauslehranstalten, theilsals Mittelschul-Professoren, 368 als Dekane, Pfarrer,Missionäre, Cooperatoren u. s. w. in 191 Pfarreien(Missionen) mit über 306,360 Katholiken (von 4 Pfar-reien in Frankreich konnte die Seelenzahl nicht ermitteltwerden) thätig. Hauslehranstalten besitzt der Orden 12,Gymnasien 7 mit 2227 Schülern. Zwierzyniec in Ga-lizten hat eine Anstalt, in welcher 32 arme Mädchen
unterrichtet und verpflegt werden, McSnil-St. Denis eineWaisenanstalt mit 20 Kindern.
Der Ordens-Katalog enthält außer der bereits er-wähnten Geschichte, den Namen, Aemtern und Wurdender Mitglieder, deren Geburts -, Einkleidungs-, Profeß-jahren u. s. w. (auch Geburtsorten) noch die Gründuugs-bczw. die Wiedererrichtungsjahre der Stifte, die Pfarreien,alle einzeln mit Dekanatsort u. s. w. sowie mit Katho-likenzahl aufgeführt, worauf wir wegen Raummangelsleider nicht eingehen können. Einen besonderen Werthhat er noch deßhalb, weil er alle Ortsnamen in der be-treffenden Landessprache angibt, also nicht, wie es so oftzur großen Unbequemlichkeit der Leser bei lateinischenKatalogen vorkommt, mit latinisirten Namen aufwartet,die man selbst in den größten Wörterbüchern nichtfindet. Auch die letzte Post der einzelnen Stifte istangegeben.
Seite 130—34 werden wir über die neueste Ordens-literatur in Kenntniß gefetzt. Uebersicht, Orts- undNamenverzeichniß lassen nichts zu wünschen übrig, siesind mit erstaunlicher Emsigkeit angefertigt. Etwasstörend sind manche Druckfehler, die aber alle leichtausgebessert werden können, da sie auf Seite 128 ff.gesammelt sind, was bei ähnlichen Werken auch wiederoft vermißt wird.
Bei einer späteren Herausgabe des Kataloges möchtenwir gerne die Aufnahme der Patrone der Stiftskirchen,der Tage und Monate der Geburt, Einkleidung u. s. w.und eine etwas schnellere Drucklegung empfehlen, auchkönnten die lateinischen Namen der Stifte der Voll-ständigkeit halber in Klammern beigesetzt werden.
(„N. Tiroler Stimmen.")
Bergwerksverwaltung der Römer.')
Ueber römisches Finanzwesen im Allgemeinen sinddie historischen Nachrichten nicht zahlreich; vom Berg-wesen insbesondere sind nur Schriften erhalten, die vonNichtrömern stammen. Den Römern galt eben nur derAckerbau als ehrenvolle Beschäftigung; die Arbeit in denBergwerken wurde entweder den am Bergwerk ansässigenVölkern auferlegt oder von Sklaven verrichtet, oder inder Kaiserzeit von Sträflingen. Unrömisch ist sogar dasWort vaetaUuw, mit dem nicht blos Metallbergwerkebezeichnet sind, sondern auch die Mineralgruben mitSchwefel, Alaun, Kreide und die Steinbrüche, die Mar-mor- und Wetzsteinbrüche.
In der ersten Zeit war der römische Staat nicht,wie späterhin, Alleinbesitzer der Fossilien; er konnte nurneben Privaten als Unternehmer im großen Stil auf-treten, allerdings auch die Concession ertheilen oder ver-weigern aus volksmirthschaftlichen Gründen. Die staat-lichen Bergwerke wurden vom Censor verpachtet.
Als die welterobernden Römer eine fremde Provinzum die andere in die Tasche steckten, da wurde erstensder italische Bergbau verboten und zweitens das, wasfrüher dem besiegten Staate oder Könige gehört hatte,Eigenthum der römischen Gemeinde. Der ganze eroberteBoden galt als römisches Staatseigenthum, als ggarxnblieuo, und die Bergwerke wurden verpachtet zuerst anEinheimische, später auch an Römer und Jtaliker, an dieberüchtigten Aussauger. Als Cato z. B. die ProvinzSpanien verwaltete, erklärte er die Bergwerke für Staats-
*) Vergl. Binder, die Bergwerke im röm. Staatshaushalt.Progr. Laibach 18L0/81.