Ausgabe 
(20.9.1894) 38
 
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Wohl gesteht der Verfasser zu, daß Dürer wie so viele andereedel denkende Männer jener viclbcwegten Zeit bei dem erstenAuftreten Luthers eine thatsächliche Reformation erhofften; erhält aber fest, daß er sich mit ihnen energisch von der neuenLebre abwandte, als sie in Wahrheit eine Deformation undzugleich die uugcmein schädlichen Einflüsse und traurigen Folgenderselben sahen. Das Buch zeichnet sich durch übersichtlicheDarstellung, durch sorgfältige Benützung des wissenschaftlichenMaterielles über Dürer, sowie durch ein feinfühliges Urtheil inFragen der Kunst und ein unbestechlich strenges und klaresUrtheil in Fragen des religiösen Bekenntnisses aus. BesonderesInteresse erregt in dieser um 33 Seiten vermehrten Ausgabedie gründliche Widerlegung der fast allgemeinen Annahme einerReise Dürers in den neunziger Jahren nach Italien und dieeingehende Besprechung des in allerneuestcr Zeit bekannt ge-wordenen Gemäldes:Maria mit dem Zeisig". Die 11 Ab-bildungen geben charakteristische Proben der Werke des großenMeisters und bilden eine schöne Ergänzung des fließend ge-schriebenen und lehrreichen Textes. Die hübsch ausgestattete,dabei so wohlfeile Schrift kann daher bestens empfohlen werden.

_ vr. H.

Reicher und mannigfaltiger als je zuvor ist BcnzigersMarienkalcndcr für das Jahr 1895 soeben aus der Pressehervorgegangen. Text und Bilder bieten eine solche Fülle desInteressanten, Schönen und Lehrreichen, daß wir den Preisdieses Kalenders (50 Pfennig per Exemplar) als einen sehrniedrigen bezeichnen müssen. Was denselben während der kurzenZeit seines Erscheinens so allgemein beliebt und anziehendmachte, das sind vorab seine von berühmten Volköschrifistcllcrngeschriebenen vielen schönen und spannenden Erzählungen. Derdiesjährige Kalender bringt sechs lange, reichhaltigillustrirte Geschichten. Als eine der schönsten bezeichnenwir die in lebhaften Farben geschriebene, wahrhaftige Geschichtevon Wickmer, betitelt:GottcS Mühlen mahlen langsam,mahlen aber trefflich sicher", dann das ergreifendeFamiliendramaFranz Erlenkamp", die rührende Er-zählung von JoachimEr hatte das Beten verlernt",die hochinteressanten Erlebnisse des weltbekannten Neiscschrist-stellcrs Karl May in Kairo und Tunesien endlich diezwerchfellerschütternde Militär-HumoreSkeDer Spukin der Kaserne". Als eine besondere Zierde des Kalendersnennen wir die Abhandlung über den allgemeinen Verein derchristlichen Familie, von keinem Geringern geschrieben,als dem Senior des schweizerischen Episcopates, dem GnädigenHerrn Bischof Egger von St. Gallen. Dieser schließtsich anSaat und Ernte", eine Zusammenstellung vonGedenktagen aus früheren Jahrhunderten, jewcilen auf daSJahr 95 entfallend, ferner eine illustrirte Rundschau, ent-haltend die wichtigeren Begebenheiten des letzten Jahres, ein in-teressanter Artikel über den berühmten Wallfahrtsort LonrdeS,die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem , Gesund-heitspflege, Mahnwort an das Volk von vr. I. A. Schil-ling u. s. w. Wer auch die Poesie fehlt in Bcnzigers Marien-kalender nicht, da finden wir vorab das schöne Gedicht desgottbegnadigten Dichters v. Leo Fischer:Die Jungfrauvon Orleans", dann den reich illustrirte» Zimmer-spruch von Ludw. Uhland, >8ursum eorlla- von L. Henselu. s. w. Besonders hervorzuheben ist k. Alexander Baum-gartners Gedicht, welches als Text dem reichen Farbendruck-bildeMaria. Königin der Heiligen" beigcgeben ist.Unerreicht steht BenzigerS Maricnkalendcr bezüglich dcrJl-lustratiouen da. Nebst dem schon genannten Chromobildebegegnen wir einer großen Anzahl feinster, ganzseitiger Holz-schnitte ernsten und humoristischen Inhaltes; wir können sienicht alle aufzählen, dagegen sind Bilder wieDie heilige Fa-milie" von Nhoden,Beim Klang der Abendglocke",DieJungfrau von Orleans auf dem Scheiterhaufen",Die heiligeMesse in der Neformationszcit" von Feuerstein,Die Auf-schneider" undDie Cigarrcnprobe" von Flashar, gerade ent-zückend, wenn nicht unübertrefflich. Kurz und gut,BenzigerSMarienkalender" ist ein Unikum, welches wir Jedermannbestens empfehlen können, umsomebr, als, wie schon oben be-merkt, der Preis desselben mit Rücksicht auf das Gebotene einspottbilliger zu nennen ist.

Gustav Durch ard: Hans Sachs-Dramer»: nebst einemTestspiel, Berlin , F. Fontäne L Co. Preis 1 Mk.Es ist ein verdienstvolles Unternehmen das Repertoire der !modernen Bühne durch pietätvolle Bearbeitung dramatischer i

Dichtungen Hans Sachs ' zn bereichern. Die vorliegende Aus-gabe dürfte geeignet sein, zu überzeugen, daß Hans Sachs nichtnur alsVater der deutschen Bühnendichtung" einlitcrar-historisches Interesse für uns haben sollte, sonderndaß die lebendige Kraft, die in seinen dichterischen Werken ruht,sich auch noch heute bewährt. Die hier zusammengestelltenStücke zeigen uns den Meister von der ernsten und heiterenSeite. Eingeleitet wird das Werk durch ein Testspiel. DieseArbeit Gustav Burchards erscheint rechtzeitig zum vierhuudertstenGeburtstag Hans Sachsens und ist durch den liebenswürdigenInhalt und den Prächtig getroffenen Ton jener Tage wie ge-schaffen zurSachS-Feier". ES ist im Rahmen eines kurzenAkteS gehalten, um dem Nürnberger Meister dann selbst, alsdem würdigsten Fürsprecher seiner unvergänglichen Verdienstenur die deutsche Dichtung und ihre Pflcgcstättcn, daö Wort zugeben. _

Linzer thcol.-praktiscbe Quartalschrift. Jahrgang1891. Expedition: Linz , Stiftcrstraße Nr. 7. Preispr. Jahr 7 M.

Inhalt des 3. Heftes u. A.: Die Aufgabe der Kircheinmitten der gegenwärtigen socialen Bewegung. Von ?. AlbertMaria Weiß 0. vr. Ehcdispenscn im inneren Forum. VonDompropst Dr. Johann Pruner in Eichstätt (Bayern ). DieThorheit der Gotteslcugnung. Von Professor Augustin Lehm-kubl 8. 9. in Exaeten (Holland ). Daö RundschreibenLeo's XIII. über das Studium der hl. Schrift, Von Professorvr. Philipp Kohout in Linz .Der CapitaliSmus ün ässisolo," Besprochen von Graf Sylva-Tarouca. Wiekann der Seelsorger zur Beseitigung des Pricstermaugels mit-wirken? (Schlußartikel,) Von Frz. BartbolomäuS in N.

Heiligenpatronate, (Dritter Artikel,) Von k. v. II. Marian-ischeS Nicdcrösterrcich. Von Pfarrer Josef Maurer in Deutsch-Altenburg . Pastoral - Fragen und -Fälle: 1) Ehelich oderuncbelich? Von Dr, Rudolf v, Scherer, Uuivcrsitäts-Proiessorin Graz . 2) Gewinn im Spiel mit fremdem Geld und Nesti-tutiouSpflicht. Von Josef Weiß, Professor in St. Florian.

3) Darf an einem Altar, an welchem daö Allcrheiligste aus-gesetzt ist, cclcbrirt und die hl, Communion ausgetheilt werden?Von v. Bernard Schmid 0. 8, L. in Scheycrn, Bayern .

4) Winke für Katecheten. Von Dr. Joh. Ackert, Professor inSt. Florian. 5) Wie können die bei den Mcßgebetcn begangenenFehler oder Verstöße verbessert werden? Von vr, I. N i g l u t s ch,Professor in Trient , 6) Ausstellung des TrauungSschcineS beiTrauungen per äsIsZationew. Von Franz Niedling u. s. w.

Literatur. Erlässe und Bestimmungen der römischen Kon-gregationen. Zusammengestellt von ?. Bruno Albers 0. 8. L.in Beuron , Neueste Bewilligungen oder Entscheidungen inSachen der Ablässe. Von v. Franz Beringer 8, ll., Con-sultor in Rom. Bericht über die Erfolge der kathol. Mis-sionen. Von Joh. G. Hubcr. Kirchlich-socialpolitische Um-schau. Von v, A. M. Weiß 0. vr. Kurze Fragen undMittheilungen.

Sonntagskalen der für Stadt und Land. (Kalenderfür Zeit und Ewigkeit.) 1895. Mit vielen Illustra-tionen und einem Titelbild von Joseph von Führich . (52 S.Text.) Mit und ohne Calendarium. 30 Pf. Freiburg imBreisgau; Herdcr'sche Dcrlagshandlnng. 1894.

Zur gewohnten Zeit hat sich der Sonntagskalendereingestellt, der nun zum 35. Mal seine Einkehr in Tausendekatholischer Familien hält. Weder an innerein Gehalt noch ander äußern Ausstattung ist der neue Jahrgang hinter seinenVorgängern zurückgeblieben. Belehrendes, Unterhaltendes undErbauendes finden sich hier in reicher Abwechslung, lind vielerecht schöne Bilder sind in den Text eingestreut. Aus deinreichen Inhalt erwähnen wir: die gemüthvolle Erzählung vonSebastian Thalhuber: Der krumme Boten-Alexi.(Mit Bild.) vr. Friedrich JustuS Schlecht, Weih-bischof von Freiburg . (Mit Bild.) Gesühnt. Erzählungvon Antonie Jüngst (schildert das Schicksal eines denAnarchisten in die Hände gefallenen ArbeitcrS). (Mit 4Bildern.) Cardinal Steinhuber und das römischeCollegium Gcrmanicum, (Mit 2 Bildern.) u. s. w. Eine»nicht zu unterschätzenden Vorzug desSonntagSkalenders" bildetauch der billige Preis von nur 30 Pfennig, der dessen weitesteVerbreitung unter dem katholischen Volke ermöglicht.

Berantw, Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabhcrr in Augsburg .