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M, 27. Keptdr. 1894.
* Wie schon gemeldet, ist der berühmte Archäologeund Epigraphiker G. Battista de Nossi gestorben. Die„Deutsche Neichszeitung" gibt ein Lebensbild desselben,dem wir entnehmen: De Rossi war geboren am 23. Fe-bruar 1822 in Nom, erhielt daselbst auch seine gelehrteBildung. Den archäologischen Studien zugewendet, ver-öffentlichte er seine ersten Arbeiten in gelehrten Zeit-schriften. Er behandelte zunächst vornehmlich die christ-lichen Inschriften des 1. Jahrhunderts und richtete dannsein Augenmerk auf die gründliche Erforschung der röm-ischen Katakomben. Die epochemachenden Ergebnisse seinerForschungen liegen vor in den Werken: »InsorixtionWcstristiallÄS urdis Ilornus scxtirao scculo untiquiorW"(Nom 1857 ff.); „Horn«, Zvttcrunca, cri8tig.ua>" (das.1864—67. 2 Bde. mit Kupfern; deutsch von Kraus,Freiburg 1872 ff.; auch ins Französische und Englischeübersetzt); „>lu8gioi oristiaui" (Aus den BasilikenRoms, Nom 1872 ff.). Anderes von ihm enthält da?„LoUctino äi ^rostcoloßig cri8tigng", das er seit 1863selbst herausgab. Rossi war Professor an der Universi-tät zu Nom und Mitglied der koutikeig ^coaciciuiLä'grcstevIoZig sowie gelehrter Gesellschaften des Aus-landes (seit 1877 auch Ehrenmitglied der Akademie derWissenschaften in Wien ).
Der Höhepunkt der wissenschaftlichen Thätigkeit deRossi's sind unbestitten seine Katakombenforschungen, denener sich als Schüler des hochverdienten JesuitenpatersMarchi, des wissenschaftlichen Begründers der modernenForschung auf diesem Gebiete, hingab. Die Erfolge deRossi's sind geradezu beispiellos, und sie wurden errungendurch eine erstaunliche Gelehrsamkeit, gepaart mit Bienen-fleiß und großer Geschicklichkeit. De Rossi verstand esauch, Papst Pius IX. für seine Sache zu interessiren,der für die Aufdeckungsarbeiten eine besondere Com-mission ernannte und jährlich die Summe von 18,000Franken dafür spendete, eine Spende, die von seinemhochherzigen Nachfolger Leo XIII. fortgesetzt wird. Infolgesolcher Unterstützung war es denn dem großen Forschergelungen, nach und nach innerhalb 40 Jahren folgendeKatakomben mit ihren werthvollen Kunstschätzen auszu-graben: die Coemeterien des hl. Callistus und des hl.Praetextatus an der appischen, der Domitilla an derardeatinischen, der Priscilla an der salarischeu, der hl.Agnes und das Ostrianum an der normentanischen, desPontianus an der portuensischen Straße. In den obenangeführten Werken sowie in einer großen Anzahl kleinererSchriften sind die Resultate dieser Forschungen nieder-gelegt. Ein großes Verdienst de Rossi's besteht auchdarin, daß er es verstand, jüngere Kräfte für die Sacheder christlichen Archäologie zu begeistern, zur Mitarbeitheranzuziehen und so eine Anzahl begeisterter Schülerheranzubilden, die das von ihm begonnene Werk fortzu-setzen fähig waren.
So gehörten zu seinen Mitarbeitern die berühmtenArchäologen Stevenson, Maruchi, Arminelli u. a., nichtzuletzt sein Bruder, der fleißige und als Geologe berühmtgewordene Michael de Nossi. Seit 1875 gründeten Nossiund der bedeutende Forscher P. Bruzza regelmäßigearchäologische Conferenzen, denen 1878 eine andere nochwichtigere Gründung unter Beihilfe mehrerer jüngererArchäologen folgte: das LvIIsZium Lultorura mar-t^ruw, das seine Schola im Hospiz des deutschen Ouiuxo
srrnto erhielt. Diese Stiftung, welche errichtet war, umdie Verehrung der Märtyrer an ihren ursprünglichenRuhestätten zu erwecken und zu beleben, wurde dann er-weitert durch die Gründung eines Priestercollegiums fürarchäologische und archivalische Studien, welches auchjungen deutschen Gelehrten Gelegenheit bot, sich in dieKatakombenforschung zu vertiefen. Die Herausgabe der„Römischen Quartalsschrift" seit 1887 war ebenfallseine sehr glückliche Unternehmung, die es den Gelehrtenermöglichte, im Verein mit anderen Forschern die Resul-tate ihrer Forschungen der Oeffentlichkeit zu übergeben.So hat de Nossi in seinem unermüdlichen Eifer, seinerrastlosen Arbeitskraft und seinem großen Forschergcniedie archäologische Wissenschaft auf eine bishcran unge-ahnte Höhe erhoben und das Feld der Forschung aufdiesem Gebiete großartig erweitert.
Manche unserer Leser, die in Rom waren und einemFeste der Oultorrrm Nrrrt^rurn in den Katakomben bei-gewohnt haben, werden sich noch des berühmten kathol-ischen Gelehrten erinnern, wenn er, nachdem das Hoch-amt auf den Gräbern der Heiligen vollendet, in irgendeiner mit Kränzen geschmückten, durch Wachskerzen ge-heimnißvoll erleuchteten Katakomben-Kapelle stehend, dieauf das Fest bezügliche Rede hielt. In eine Ecke ge-drückt, das schwarze Käppchen auf dem Haupte, sprach erdann in fließendem Französisch in steigender Begeisterungzu den aus allen Weltgegenden versammelten Fremdenüber den Heiligen des Tages, wissenschaftlich, religiöserhebend. Man hörte nicht nur den Gelehrten, sondernauch den kindlich gläubigen frommen Christen. SeinPrivatleben war rein, einfach und schlicht, sein Benehmengeradezu demüthig, weit entfernt von dem Professoren-Hochmuth, der sich in unseren Tagen breit macht. DenDeutschen war er sehr zugethan, er stand in regem Ver-kehr mit den deutschen Archäologen, die sich in Nomaufgehalten, und Männer, wie Msgr. Wilpcrt in Nom,Msgr. Kirsch, Professor in Freiburg i. Schw., und Pro-fessor Dr. Ehrhard in Würzbnrg könnten Manches vonseiner persönlichen Liebenswürdigkeit erzählen.
Die Wissenschaft hat einen großen Mann verloren,wir trauern ihm nach um so mehr, weil er einer derUnsrigen war, aber wir freuen uns zugleich, weil wirihm den Lohn, den er jetzt im Jenseits genießt, vonHerzen gönnen. Er hat, so weit wir menschlicher Weiseurtheilen können, die Krone des Lebens durch treue de-müthige Arbeit verdient, k. I. k.
Einfluß der Kunst auf den Gang der Welt-geschichte.
Von Dr. I. N. Sepp.
„Eine Religion, welche auf Kunst verzichtet, kannunmöglich die wahre sein." Dieß war die Meinung desgroßen Kunstmonarchen König Ludwig I. , welcher sichvor allen darum den Griechen zuwandte; denn die Hellenensind das geborne Kunstvolk, die eigentliche Nation derKünstler. Ihnen ist vor andern der Schönheitssinn auf-gegangen, und kein Stamm hat sein geistiges Kapitalhöher auf Zinsen angelegt. Gleichwohl hat die Kunstsie kaum vor dem Untergänge gerettet; denn sie stießenmit den bilderfeindlichen Persern, fanatischen Arabernund bildungslosen Türken zusammen, und verschwandennach dem Untergang ihres Reiches bis auf einen kleinen