306
Rest, der unter unseren Augen wieder staaisbildendauftritt.
Bildung leitet sich ab von Bild: die Sprache selberverräth mithin die Kunstaufgabe, und daß mit dieserPflege die Nohheit abgelegt sei; nicht allein Sprachkenut-rüß und Büchergelehrsamkeit genügen, um für vollkommengebildet zu gelten.
Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbilde ge-schaffen, sagt die Schrift. Daraus entnehmen die Künstlerdas Recht, die Gottheit auch menschlich darzustellen.Prometheus hat den Anthropos, d. h. den aufwärtsSchauenden (nach Lassanlx' Erklärung), aus Thon ge-bildet und ihm durch das Licht von Oben Vernunftverliehen. Dädalus gilt für den ersten Werkmeisterund Künstler in Stein, Holz und Thon, er hat dieFiguren schreitend gemacht, die primitiv bei den Aegypterngeschlossene Füße zeigen. Pygmalion gestaltete dieGöttin der Schönheit so leibhaft menschlich, daß dasEbenbild Leben gewann.
Die Pflege der Kunst wird den Hellenen zur Religion,dagegen erwacht bei den nicht so künstlerisch veranlagtenStämmen die Eifersucht, es möchte das Gebilde vonMenschenhand statt des Urbildes, welches im unzugäng-lichen Lichte wohnt, die Verehrung auf sich ziehen undzugleich die Vielgötterei Platz greifen. In diesem Glaubenfaßten zuvörderst die Semiten tödtlichen Haß gegenalle Bilder, sie sprechen nicht einmal den göttlichenNamen aus, haben auch kein Wort für Kunst undwenden nur dem Ewig-Einen, von aller sinnlichen Vor-stellung abstrahirend, ihr Augenmerk, ihre Andacht zu.„Die Götter der Heiden sind Dämonen", betheuert derPsalmist 96, 5. Diese jedem religiösen Kunstwerk,wenigstens der menschlichen Skulptur entgegengesetzteRichtung ruht aber nicht, sondern verursacht Glaubens-kriege von den ältesten Zeiten her. Vor allem ist esdie Kunst, oder sagen wir die Anfeindung der Kunst,welche auf den Gang der Weltgeschichte unglaublichenEinfluß übt. Knnsttrieb führt zur höheren Cultur, Ab-neigung hält den Rückfall in Barbarei nicht auf. DieVernachlässigung der idealen Güter hat sich noch jeder-zeit gerächt und einen Rückschritt im Volksleben zur na-türlichen Folge.
Es wäre unrecht, den Kindern Sems zum Vorwurfzu machen, daß sie das leere, farblose Ideal festhieltenund jede materielle Darstellung verabscheuten. Die Ariersind die praktischen Realisten, aber merkwürdig warenes vornehmlich die Magier oder Anhänger Zoroasters,die Perser, also Stammesbrüder der Germanen, inwelchen der Fanatismus wider die Kunstvölker am heißestenentbrennt. Der Inder nennt den Himmelsgott äsva,worin auch äsus, Zeus und der deutsche Ziu wurzelt.Aber das Volk von Jram, dem Lichtlande, gebrauchtgegensätzlich än? für den bösen Geist, und Typhon,Typhoel entwickelt sich zu unserem Teufel. Der Eingott-gläubige bleibt nicht für sich orthodox, er fühlt die Ver-pflichtung, gegen die Polytheisten oder Völker, welcheBilder erschaffen, als Götzendiener feindselig aufzutreten,und er zieht im Namen Gottes zur Unterwerfung, wonicht Bekehrung der Gottesfeinde aus. So brichtCambyses im Lande Mizraim, Aegypten , ein undwirft die Götter des Volkes nieder, mit welchem schonIsrael weder Gemeinschaft des Tisches und Bettes, nochGrabes pflog. Er ersticht mit eigener Hand das wan-delnde Gottesidol, den Apis zu Memphis, wie dieKönige von Juda ob der Stierkälber dem Reiche Israel
Rache geschworen halten. Allerdings brachte die Lehrevon der Seelenwanderung bei den Aegyptern mit sich,daß ihre Tempel im Delta eigentlich Menagerien glichen,oder, was Plutarch so auffallend findet, Thiere aller Artim Innern hinter Käfigen zu sehen waren. Allein dieGottheit strafte den Frevel, denn in Ekbatana, wo demSohne des Cyrus zu sterben bestimmt war (so hieß indeßauch ein Ort am Karmel), rannte sich der Herrscher,indem er zu Pferde stieg, sein Schwert ebenda in dieSeite, wo er den Apis getroffen. Die Verfolgung er-neuerte sich jedoch unter Darius Ochus .
Aber nicht weniger galt der Ankampf der Jranierden Joniern, wie der Orientale, von Hiudostan angefangen,noch heute alle Hellenen (Djuni) nennt. Schon DariusHystaspes , der den Feldzug unter Cambyses gegenAegypten mitgemacht, unternahm den Rachekrieg widerdas Jnselvolk. Nachdem dieser mißglückt war, brach seinNachfolger Xerxes mit einem ungeheuren Heere widerGriechenland auf, zerstörte alle Götterbilder und Tempel,selbst den auf der athenischen Akropolis, und schonte nurEin Heiligthum, nämlich jenes zu Delos , weil hierdas ewige Licht als reinstes Symbol der Gottheitbrannte und alle Städte regelmäßig im Frühjahr dasheilige Feuer vom Altare holten, um vom Centralfeuerdie lautere Flamme im Tempel und am häuslichen Herdezu erneuern. Ahura Mazda offenbarte sich ihnen ebenim Lichte, welches auch im Eingang des Johannes-evangeliums aus Gott leuchtend der Urquell allesLebens heißt.
Ich greife dem Gange der Dinge vor, wenn ichBezug auf die christliche Zeit nehme, wo die Perser unterSarbarazes, dem Feldherrn des Chosru II. Parwiz,614 in Palästina einbrachen. Lassen wir Gibbon dasWort: „Die Eroberung von Jerusalem hatte schonNushirvan vor, der Eifer seines Enkels vollbrachte sie.Der unduldsame Geist der Magier drang mitUngestüm auf die Vernichtung des stolzesten Denkmalsder Christenheit, dazu half ihm der wüthende Fanatis-mus von 26,000 Mosaischen (aus Galiläa)." Sie zer-störten nicht nur den von Constantin erbauten Tempeldes heiligen Grabes nebst der Justinianischen Marien-kirche, sondern man legte ihnen auch die Niedermetzlungvon 90,000 Christen zur Last. Merkwürdig machten siemit der Anastasis oder Auferstehungskapelle eine Aus-nahme, wie dort mit Delos , weil darin der Feuercultherrschte, d. h. wie noch heute am Tage vor Ostern dasLicht vom Himmel kommt, oder in Erinnerung an dieErfindung des Feuers zur Mittheilung an die Gläubigenaufgefrischt wird.
Die Bekenner der Lichtlehre treten als Puritanerin der Geschichte auf, aber am Wendepunkt der Zeitenerscheint der Stifter der Weltreltgion als Protektor derKünste. Er ist auch darin, bisher ungeahnt, der großeFaktor in der Weltgeschichte. Dieselben Heere des Königsder Könige erschienen auch vor dem christlichen Edessa.Die Armenier, unsere Stammverwandten, zählen nämlichzu den ältesten Christen, sie sind die ersten Arier, welcheder Religion Jesu sich zuwandten. Wir lesen im Evan-gelium Johannis 12, 20 f. gelegentlich des Triumph-zuges der Galiläer mit der Palmenprocession: „Es warenaber auch einige Hellenen «ach Jerusalem zum Festehinaufgekommen, und sie begehrten Jesum zu sehen."Moses von Chorene beurkundet in seiner Geschichte Ar-meniens im fünften Jahrhundert, es seien Armenier ge-wesen, welche dem Herrn im Namen ihres Fürsten Abgar