neuen Plan entwarf, dessen Ausführung aber der Neidder französischen Architekten vereitelte. 1670 wurdenvon den letzteren die Kolonnaden des Louvre vollendet,an der Jonrseite desselben, gewiß eines der klassischstenBauwerke Frankreichs . Anfang dieses Jahrhundertswurde unter der Leitung der Architekten Percier undFontaine der Bau des Louvre zu Ende geführt. Na-poleon hatte auch die zwischen beiden Schlössern stehendenHäuser ganz wegräumen lassen wollen; doch war diesbis jetzt nur zur Hälfte geschehen: der dadurch gewonnenefreie Platz heißt Place du Caroussel.
Wir traten in die Gallerie rechter Hand des Louvre,wo die Gemälde aufgestellt sind; freilich sieht es da jetztanders aus als zu Napoleons Zeiten, aber da die früherim Palast Luxembonrg befindlichen Gemälde auch indieser Gallerie untergebracht sind, so findet man hierimmer noch eine große Anzahl Meisterwerke. Im ganzenbesteht die Sammlung aus 1200 Gemälde, darunter dieberühmtesten: der HI. Julian, von Allori, einem Floren-tiner des 16. Jahrhunderts, Karl I. von England, vomHolländer Mhtees, die Hochzeit von Kanaan, von PaulVeronese , Alexander der Große im Zelt des Darius, vonLe Brun, die Sündfliith, von Poussin, Thomas Morns,von Halbem und andere mehr. Außerdem befinden sichin den anstoßenden 24 Sälen 20,000 Handzeichnungen,darunter die Schule von Athen und die Verleumdungvon Nafael, sowie 900 Antiken, worunter Ariadne vonNaxos, Venus von Medici, Laokoon, Apoll von Bel-oedere, die Büsten der Kaiser Hadrian und Galba diebekanntesten sind.
Aus der Gallerie gingen wir durch den Louvre.Das Schloß hat sollen ein schönes Viereck werden, istaber im Innern noch nicht ganz ausgebaut. Es warNapoleons Plan, von hier aus eine gerade Straße nachder Place du Trone zu bauen, wozu die Häuser, welcheniedergerissen werden sollten, schon bezeichnet waren; dieAusführung desselben wurde durch seine Thronentsetzungvereitelt.
Nach dieser anstrengenden Wanderung stärkten wiruns im Cafs aux Milles Colonnes des Palais Noyalmit einer Tasse Chocolade und begaben uns von dadurch die Passage Feydeau in das Panorama von Amster-dam ; es stellt diese Stadt zur Winterszeit dar und istzsehr sehenswerth. Dann bestiegen wir am Boulevarddes Italiens einen Wagen und fuhren durch die ChampsElysee's zu den französischen Nutschbergen. Das dortgebotene Vergnügen besteht darin, sich von dem oberenStock eines hohen Hauses aus in einen kleinen vier-rädrigen Wagen zu setzen, der in Rinnen geht, und aufdiesem pfeilschnell auf einer schiefen Ebene hinunter- undebensoschnell auf einer andern schiefen Ebene durch eineMaschinerie getrieben wieder; hinaufzufahren. Wir be-gnügten uns mit dem Zusehen. Den Rückweg nahmenwir durch die Vorstadt St. Honore bei dem PalaisElisee Bourbon vorbei, das vom Herzog von Berry be-wohnt wird. Dieses Palais wurde im Anfang des18. Jahrhunderts erbaut und war von der Marquisevon Pompadour bis zu ihrem Tode bewohnt, gehörtedann eine kurze Zeit der Herzogin von Bourbon, nachwelcher es auch benannt wurde. Auch Napoleon be-wohnte es mehrere Male, so nach der Schlacht vonWaterloo, und hier legte er 1815 die Regierung nieder.Während der Anwesenheit des großen Hauptquartiers derVerbündeten in Paris bewohnte es Kaiser Alexander.
Wir speisten im Palais Noyal bei Verry, wo wir
unsere übrigen Landsleute trafen und mit ihnen dannins Theater der Varietes, Boulevard Montmartre,gingen. In diesem Theater werden nur Vaudevilles,Burlesken und leichte Stücke aufgeführt. Die Melodien,die darin vorkommen, find meist bekannte Gassenhaueroder werden es, die Pointen verstehen wir Ausländerschwer, weil sie sich auf das Pariser Leben , auf dieTagesereignisse beziehen. Wenn man sich bei diesenVorstellungen amüsiren will, muß man jedenfalls Ver-stand und Geschmack draußen lassen.
Montag den 3. November galt unser erster Besuchdem Schuhmacher Mr. Chapelle, bei dem wir schon vonTourcoing aus Bestellungen gemacht hatten. Hieraufwanderten wir wieder ins Palais Royal , machten auchdort verschiedene Einkäufe und Bestellungen, frühstücktenund bestiegen sodann in der Nue Nivoli einen Wagen.Bei dieser Gelegenheit möchte ich einige Bemerkungenüber die Pariser Lohnkntscher einstießen lassen. Es gibtz. Z. hier 900 zweispännige Fuhrwerke, welche eine fort-laufende Nummer führen und auf 71 Standplätzen inder Stadt durch die Polizei vertheilt sind. Sie habenihre Taxe nach der einzelnen Fahrt oder nach der Stunde:eine Stunde Fahrt 2 Francs, jede Stunde mehr 30 Sous,nach Mitternacht das Doppelte. Wenn man in einTheater oder Concert fährt, muß man voraus bezahlen,Trinkgeld ist üblich. Die zweirädrigcn Cabriolets sindetwas billiger, doch findet man sie nur bis Abends10 Uhr auf den Plätzen. Sowie man über die Barrierenvon Paris hinausfahren will, muß man den Fahrpreisim voraus ausmachen. Die Kutscher fuhren gut undhaben auch gute Wagen.
(Fortsetzung folgt.)
Recensionen und Notizen,
Stcindorff Gc., Kop tische Gra inniai ik mit Chresto-mathie. Wörterverzeichnis; und Literatur.8°. XVIII -f- 220 -s- 94 S. Berlin , Reuther undReichard, 1894. M. 13,20.
g. Unter dem Titel einer »korta. liuAuarum orloutalium«begründete I. H. Pctcrmann (fi 1875) eine Sammlung vonLehrbüchern zur ersten Einführung in das Studium der Sprachendes Orients; die Bündchen, deren Zahl jetzt auf 25 gestiegenist. erfreuen sich ob der glücklichen Vereinigung von wissen-schaftlicher Gründlichkeit mit praktischer Kürze mit Recht all-gemeiner Beliebtheit; die ersten unter Petcrmann's Leitungherausgegebenen Theile waren überdies zu ihrem Vortheil la-teinisch abgefaßt; spätere Auflagen und neuere Bündchen, vonverschiedenen Gelehrten bearbeitet, haben das allgemein verständ-liche und anständige Idiom der Wissenschaft zum größten Theilleider verlassen und sind in jenem gelehrten Jargon abgefaßt,den man weder „Deutsch" noch „Latein " nennen kann. Auchdaö vorliegende Bündchen, das XIV. in der Reihe, von demman in der That sagen muß, daß es einem wirklichen Be-dürfnisse abhilft, da cS die einzige Grammatik bietet, die demheutigen Stande der Wissenschaft gerecht wird; freilich, ob beidem Wucherpreis von 13 M., der trotz der einfachen koptischen Typen für daö kleine Buch festgesetzt wurde, die koptischen Studien, so wichtig sie sind, ein besonderes Aufblühen erfahrenwerden, ist eine andere Frage; kostet doch Stern's vollständigeGrammatik, die nebenbei tast ein Lexicon entbehrlich macht,nur 18 Mark. Unter den fünf Hauptdialekten der koptischenSprache hat Steindorff den sahidischcn zur Grundlage ge-nommen; manche Leser würden aber gewiß an sciuer Stellelieber den boheirijchcn sehen, denn „er hat sich später in derLiteratur über ganz Aegypten verbreitet und gilt noch jetzt all-gemein als Kircbeniprache" (S. 4), waS ja das Literaturver-verzeichniß (S. 217) am besten beweist, in welchem auch Lagarde'sPcntateuch-Anszabe aufgeführt ist, einer der wenigen korrektenund für die Lektüre passenden Texte. In der Chrestomathiehat der Verfasser „das Princip dem praktischen Nutzen geopfertund sprachlich etwa-Z weniger korrekte Texte, aber solche ge-wählt, die den Lernenden mehr zum eigenen Nachdenken, alöauf die Benutzung der Bibel und ihrer Uebcrsetzungen ver-