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(4.10.1894) 40
 
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eben dadurch in die größte Gefahr gekommen sei?")Allein der Redner Aeschines , welcher im Solde deSPhilippus stand, wurde meistens lieber gehört, weil ergewöhnlich nichts anderes vorbrachte, als was angenehmklang, weil er nichts von Opfern sprach, die der Ein-zelne für den Staat bringen müsse. Die Unabhängig-keit Griechenlands aber ging eben dadurch verloren, daßseine Bürger schlaff waren, sich lieber von schmeichelndenDemagogen, als von wahrheitsliebenden Patrioten leitenließen, weil sie eS nicht über sich vermochten, dem Partei-geist zu entsagen und mit aufopfernder Selbstoerläug-nung einmüthig für das Vaterland einzustehen, weil esendlich die eine Partei vorzog, eher das Interesse unddie Unabhängigkeit des Staates aufzuopfern, als derGegenpartei nachzugeben. Ganz derselbe Fall tratspäter bei Carthago ein.^) Theils ähnliche, theils diegleichen Erscheinungen begegnen uns in der römischenGeschichte.

(Fortsetzung folgt.)

Ein Besuch in Paris im Herbst 1817.

(Fortsetzung.)

p. So spät Abends noch alle Lüden geöffnet undso gefüllt die Straßen noch zu später Nachtstunde vonWagen und Menschen sind, so spät ist auch das Erwachendes Pariser Lebens. Der Lohnbediente kommt nicht vor8 Uhr, der Kaffee ist nicht vor 9 Uhr zu haben, so daßvor 10 Uhr nicht an das Ausgehen zu denken ist. Wirbenutzten die frühe Morgenstunde des heutigen Tages,um in der Kirche Notre Dame des Victoires, auch desPetits Pöres genannt, die heilige Messe zu hören undfür' unsre lieben Abgestorbenen es war ja heuteAllerseelentag zu beten. Bald nach unserer Rück-kehr kam auch Zezschwitz zu uns herauf, um uns denPlan zu unsern heutigen Rundgängen zu entwerfen, zuwelchen er sich uns in höchst liebenswürdiger Weise alsFührer anbot. So wanderten wir denn durch die Ruede la Pnix, die früher Rue Napoleon hieß, nach derkolossalen Vendomesänle, welche, innen von Stein, außenvon Kanonenmetall, im Ganzen 125 par. Fuß hoch istund um welche, wie ein gewundenes Band, die Siegeder Franzosen im Jahre 1805 in Hantrelief dargestelltsind. Im Piedestal befinden sich Waffen aller Art: ausder Spitze der Säule stand früher die KolossalstatueNapoleons , die aber 1814 abgenommen und durch eineweiße Fahne ersetzt wurde, während das Metall derNapoleonsstatue beim Guß des neuen StandbildesHeinrichs IV. auf dem Pont Neuf Verwendung findensoll. Die Vendomesänle wurde 1806 begonnen und1810 beendet; die Hautreliefs sind von Gerard undNenaud. Man kann im Innern der Säule hinaufsteigen;wir unterließen es aber. Von da wendeten wir unsnach dem Tuileriengarten, zu welchem die Rue Castiglioneführt und der sich vom Tuilerienpalast bis zum PlatzLudwigs XV. längs der Seine hinzieht. Parallel zumSeinequai geht die Rue Nivoli, welche Napoleon an-legte. An dieser Straße war ein neues Postgebäude inBau, aber noch nicht unter Dach. Im Tuileriengarten

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selbst wurde uns ein kleines Lnsthaus gezeigt, in welchemfrüher der König von Rom spielte und das jetzt in einCafs verwandelt ist. Der Garten wurde 1600 nachden Plänen von Lenotre ausgeführt: keine Stadt Europa's hat einen so schönen öffentlichen Park auszuweisen, dessenAlleen und Wasserbecken herrliche Statuen schmücken. Inder Verlängerung des Tuileriengartens liegen die ChampsElysees, an deren Ende unter Napoleon der Grund zueinem großen Triumphbogen gelegt wurde, auf welchen,wie man sich erzählt, daS Kreuz des Kreml gesetzt werdensollte. Auf die Pfeiler des nach dem Platz Ludwigs XV. führenden Gartenthores hätten je zwei der Pferde desBrandenburger Thores kommen sollen. Auf letztge-nanntem Platz wurden Ludwig XVI . und Marie An-toinette enthauptet. Man sieht von hier Seine abwärtsauf dem linken Ufer einen hohen runden Thurm, diePompe L Feu am Quai d'Orsay, der Paris mit Wasserbei ausbrechenden Bränden versorgt. Zwei Dampf-maschinen treiben das Wasser bis auf 110 par. FußHöhe und werden von vier großen Reservoirs gespeist,deren jedes 9000 Kubikmeter Wasser faßt. DiesesWasserwerk wurde 1805 durch Marguerit verbessert.Auch den Dom der Invaliden mit seiner goldenen Kuppelkann man von hier aus sehen.

Wir gingen nun längs des Tuileriengartens hinaufund ließen uns den unterirdischen Gang in der Nähedes Schlosses zeigen, welchen Kaiserin Marie Lonisemit ihrem Sohne benutzte, wenn letzterer den mit zweiLämmern bespannten Wagen bestieg und im Gartenherumfuhr.

Der Bau der Tuilerien begann auf Veranlassungvon Katharina von Medici im Jahre 1564 durch diebeiden berühmten Architekten Delorme und Bullant:Heinrich IV. ließ sie durch Ducenceau und Dupirantvergrößern und verändern; doch wurde der Bau aber-mals unterbrochen und erst unter Ludwig XIII. voll-endet; daher der verschiedene Baustilseiner 5 Pavillons.Denn auch uuter Ludwig XIV. , welcher Einheit in den-selben bringen wollte, änderten die mit der Ausführungseines Wunsches beauftragten Architekten Le Veau undOrbay nur den mittleren Pavillon, während sie dasNebrige stehen ließen; die innere Ausschmückung erfolgteebenfalls hauptsächlich während Ludwigs XIV. Regierung.

Unser Weg führte uns längs des Quai nach demPont des Arts, und kamen wir an dem Theil des kgl.Schlosses vorüber, aus dessen einem Fenster Karl IX. in der Bartholomäusnacht auf die Hugenotten geschossenhaben soll. Die Bögen des Pont des Arts sind vonEisen. Von da aus gingen wir um die Tuilerienherum, deren rückwärtiger Hof durch ein eisernes Gittergeschlossen ist: es war gerade Paradezeit und die Militär-musik spielte. Vor dem Gitterthor befindet sich einTriumphbogen, auf dem früher die venetianischeu Pferdegestanden haben, der jetzt ohne dieselben ganz kahlaussieht.

Den Tuilerien gegenüber liegt der Louvre, derdurch Gallerten längs des Quai mit ersteren verbundenist. Auch der Louvre ist ein ganz alter Bau: im Jahre1355 diente er noch als Rendezvous zur Jagd. ImJahre 1510 ließ Franz I. das alte Schloß niederreißenund ein neues nach Zeichnungen von Pierre Lescot zubauen anfangen; dieser Bau wurde unter Heinrich II. »Katharina von Medici, Heinrich IV. und Ludwig XIII. fortgesetzt. Ludwig XIV. ließ zur Vollendung des Louvreden berühmten Le Benein aus Rom kommen, der einen

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