Ausgabe 
(4.10.1894) 40
 
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weisen*. Aber, nachdem die koptischen Bibcltexte, wenn über-haupt zu beschaffen, unerschwinglich theuer, außerdem auch nochkritisch ost in einem heillosen Zustande sind, wie die von Feh-lern wimmelnde Ausgabe des neuen Testamentes von Wilkins,wäre es doch mindestens sehr erwünscht gewesen, eine größereAuswahl biblischer Texte zu bieten; wir können nur wünschen,daß diesem Mangel bald mit einer eigenen »Odrsstomatdiabidlica ooptioa onm Zstossario« abgeholfen werde. Was philo-logische Genauigkeit betrifft, läßt das Buch nichts zu wünschenübrig; auf das Aegyptische ist stets Bezug genommen.

Ossig H., Spanisch-deutsches und deutsch -spanischesTaschenwörterbuch. 16". 544 S. Leipzig , Ph.Reclam (1894. Univ.-Bibl. Nr. 32015). M. 1,00;geb. 1,50.

Keine andere Sprache der Welt lohnt die Mühe desLernenS so reichlich, wie daS Spanische, das uns eine der herr-lichsten Literaturen bietet und auch schon um seiner eigenen klang-vollen Schönheit willen mehr, als bisher, studirt zu werden ver-dient. Dazu ist Ossig'S sauber ausgestattetes, bequemes undreichhaltiges Wörterbuch ein Hilfsmittel von geradezu beispiel-loser Billigkeit, daS namentlich dem Kenner des Lateinischensofort genügende Dienste leisten wird, um sich an die Lektüreeines Caballero, Trueba und auch der älteren Klassiker zuwagen. Möge namentlich die studirende Jugend ergiebigen Ge-brauch davon machen; aus die Kostspieligkeit der nöthigen Lern-bücher kann sich nun Niemand mehr ausreden.

Königs-Historicn. I. Theil: Was sich die bayerischenKönigsschlösser erzählen. München . Im Selbst-verläge des Verfassers. I. L. Crämer, Baumstraße 11.Preis M. 1,50.

O In buntem Durcheinander und nicht immer in takt-voller Auswahl sind Erinnerungen, Vorkommnisse, Anekdotenaneinander gereiht, die an einige bayerische KönigsschlösserBayreuth, Ansbach, Nürnberger Burg, LudwizShöhe, Trausnitz bei Landshut, insbesondere Hohcnschwaugau, Neuschwanstein ,Linderhof , Hcrrnchiemsee, Berg. Nvseninsel, Wintergartenund an den Besuch und Aufenthalt bayerischer Könige alldortsich knüpfen. Selbstverständlich mußte daS einsame Leben unddas tragische Geschick des unglücklichen Königs Ludwig II. den Hauptanthcil zum Inhalt des Buches liesern. Alles findetsich zusammengetragen, was aus dem Geflüster der Hofleute,aus den Stuben der Zofen, Lakaien und Hosstaller in dieOesfentlichkeit durchsickerte, selbst die doch ganz interesselosenNamen einiger militärischer Diener des kranken Königs wurdenerfragt und gebracht, was nicht minder unangenehm berührt,wie die mannigfachen Andeutungen des Verfassers, was er,weiß Gott , noch Alles wüßte, sich aber nicht zu sagen getraute.Nach unserer Empfindung hat er nichts verschwiegen, was erzu erlauschen vermochte! was er veröffentlichte, sind eben dieKlatschereien, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrzehntesund nach des Königs Tode zwischen Berg und Hohenschwangau und wohl auch in München umhergcredct wurden. Gleichwohlwird daS Buch den großen Leserkreis finden, für den es be-rechnet ist, wenn auch gerade nicht unter den Lesern der Post-zeitung. Sehr hübsch sind die bcigegcbenen Darstellungen derSchlösser, König Ludwig II. zu Pferd, am Familientisch mitder Königin-Mutter und dem Prinzen Otto.

Der Frauen Natur und Recht von Hedwig Dohm .2. Aufl. Friedrich Stabr, Verlagsbuchhandlung, Berlin SW. Wilhelmstraße 122 L. 365 Seiten, 8°.

O Geistreich, mit sprühendem Witze, mit beißendem undhäufig sehr wohl berechtigtem Spotte hat die als Fahrerin aufdem Gebiete der Frauenbewegung bekannte Verfasserin dieGründe in äußerst gewandter und packender Darstellung ent-wickelt, die sür die Gleichstellung der Frauen mit der Männer-welt auf dem Gebiete des Erwerbslebens, der Politik, in derBildung, kurz für eine Emancipation in gutem Sinne vor-gebracht werden können, und die Widerlegung der Gegengründeund Einwendungen niit Geschick und nicht selten mit gelungenerIronie versucht. Wenn man auch grundsätzlich mit der Ver-fasserin nicht einverstanden sein will, so muß man immerhinanerkennen, daß sie die wirklichen und vermeintlichen Fraucn-rcchte glücklich vertritt und die Gegner mit Ruhm bekämpft.Aus einen nahen Sieg ihrer Ideen hofft sie selber nicht.Uebrigens liefert das Buch einen sehr schätzbaren Beitrag zurFrauenfrage, die, nun einmal aufgeworfen und einen bedeut-samen Theil der social-politischen Frage bildend, mit gutenoder schlechten Witzen nicht mehr abgethan werden kann, son-dern volle Beachtung verdient. Deßhalb macht das Buch be-

rechtigten Anspruch auf eine eingehende Beachtung. ES stecktin ihm nickt blos ein Körnchen, sondern manche, mitunterbittere Wahrheit. Bei der Belescnheit und, wir möchten sagen»Gelehrsamkeit der Verfasserin ist uns aufgefallen, daß sie denentscheidenden Einfluß des Christenthums aus die Stellung undWcrthschätzung der Frauen so sehr unterschätzt, ja gar nichtanerkennen will. obwohl sie damit in Widerspruch mit andernPartien ihres Buches geräth. Für eine dritte Auflage möchtenwir ihr deßhalb eine Ergänzung ihrer Studien empfehlen, sowiedie Beseitigung der Abgeschmacktheit, die in der Bezeichnungeiniger Verkehrtheiten des Hausfrauenthums alsJcsuitis-mus" liegt. _

Die Konfession der Kinder nach dem geltendenbayerischen Rechte von Franz Lindner, kgl.Amtsrichter. München , I. Schweitzer, Verlag. 62 S.Preis 1 M.

o Eine recht verdienstliche und erwünschte, bündige unddabei erschöpfende Zusammenstellung der in Bayern über dieConfessionsverhältnisse Minderjähriger geltenden Bestimmungenund der einschlägigen Praxis, insbesondere des Verwaltungs-gcricbtshofes. die Geistlichen, VcrwaltungSbeamten und Richternbestens empfohlen werden kann, da sie über die so schwierigeund strittige Materie in allen sich ergebenden Fragen sofortrichtige Auskunft und rasche Orientirung bietet.

Nlmann's Cicerone für Jtalienreisende. Verlagvon Otto Weihrauch.

L. Dieser Cicerone ist wirklich eine gelungene ErscheinungEin angenehmer, redseliger Unterhalter, deutsch und italienisch.Er ist in allem, was zur Reise gehört, beschlagen: auf derBahn, auf der Post, beim Telegraphen-, beim Zollamt. Kenntsich in den Hotels aus, und er ist ein kleiner Gourmand inden italienischen kulinarischen Genüssen. DerCicerone", ebenwegen seiner Unentbehrlichkeit, hat in kürzester Frist schon diezweite Austage nöthig gemacht. DaS Werkchen behandelt vorersteine Rundreise durch die Schweiz nach Rom und zurück überden Brenner. ES sind 26 interessante, genußreiche Tage. DerCicerone lehrt uns die Zeit sparen und steuert mit sicherem Blickauf das SehcnSwürdigste, sei es, daß es der Geist oder dieKunst oder die Natur ausbaut, hin. Ich habe mit einem Im-,presario einmal eine große Nundtour gemacht. Gott, biswir alle beieinander waren; und dann die Jagd durch dieStraßen, durch die Kirchen, durch die Museen, durch die Pa-läste, auf den Seen, auf der See. Das Minutiöse wurdeost auf Kosten des Grandiosen mitgenommen. Und beim Essenwieder ein Hinabjagcn. Man kam weder zu einer intellek-tuellen noch zu einer gastronomischen Verdauung. Andersder Cicerone, wer mit ihm geht, geht ohne Hetze und sieht viel»und mangelt einem gerade der italienische Ausdruck, so machtder II. Theil des Büchleins den Dolmetsch . Es gibt keine Ver-legenheit in der Konversation, weder bei der Wanderung, nochim Hotel. Das Werkchen, elegant und fest gebunden, kostet nur1 M. 80 Pfg. Wer cS in die Hand nimmt und nur einigeSeiten liest, wird sich sagen: Billig, schön und praktisch.

^.IbortusaLuIsano (o. 6ap.), Institutiones tbooloZiasäoZmaticas speoialis rsco§nitao eorreetasa dottkrisäa 6 raun. 'I'om. II. 8". mag. pp. X -st 800. Osnixonts,lädr. catd. soo. 1894. Ll. 10,00.

S krimum duzuses oporis tomum, guem zam anno 1893in kaseieulo 36" Iris actis äiuruis aääitieio lauäavimns,nune alter sscutus oat traetatus äo Deo sanotiücators, äs»ratia Odristi, äs saoramentis in sssnsrs neenou äs sacra-montis daxtismi, eonürmationis, vucdaristias cvntiusns; tertimnvolumen a nodis valäo äesiäeratum opus intsArum reääst.Ooäokrsäus a 6raun, qui kormam sui nominis vers latinaweonstantor reeusars viästur, autoris vsstizia maAna eum pie-tato atqus eruäitione servans oucdiriäion eonZessit, guoä zamab omnidns viris s. tbsolo§iam in scbolis äoeentibus marimacum lauäs äiscipulis commenäatum est. Lbsgus äubio nonsolum tiionss, ssä etiam saesräotes euram animarum srer-centes opors maFno cum succossu utontur. I?iat, üat!

Franz Devantier, Der Siegfriedmythus, ein Kapitel auSder vergleichenden Mythologie. Hainburg , Verlagsanstaltund Druckerei A.-G. (vorn,. I. F. Richter). 1894.

u. Vorliegende Studie, Heft 190 der von Virckow undHoltzendorff begründeten, von Virchow und Wattcnbach heraus-gegebenen Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vor-trage. empfiehlt sich durch den für alle Deutsche interessantenStoss, durch wissenschaftlichen Gehalt und klare und gefälligeForm aus's beste.