Ausgabe 
(4.10.1894) 40
 
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Ranke Job-, Der Mensch. 2 Bde. 8°, XIV-f- 640 n.XII -s- 676 S. mit 1393 Tcxtfiguren, 35 Tafeln und6 Karten. Leipzig-Wien , Bibliogr. Institut 1894. (II.)M. 32 geb.

Unter der Menge von Werken biologischen und speziellantliropologischen Inhaltes zeichnet sich Ranke's großartigeAnthropologie durch einen ebenso seltenen als wohlthuendenwissenschaftlichen Ernst aus, der es verschmäht, durch die be-kannten Seitenblicke auf fremde Gebiete die höchsten geistigenInteressen der Menschheit bei Lesern zu untergraben, welche viel-fach bloße Hypothesen von den bewiesenen Thatsachen nichtgehörig unterscheiden tonnen, sich aber desto mehr geschmeicheltfühlen, wenn sie für ihre eigene materialistische Lebensauffassungeine gelehrt klingende Stütze zu haben glauben. Ranke gcbörtalso nicht zur oberflächlichen Scbaar jener naturgcschichtlichenNomanfchreibcr, die (wie E. Hacke!) die zugkräftigen TagcS-mcinnngen der Wissenschaft als Dogmen verkünden, ein inseinen Folgen gemeingefährliches Beginnen; dennso mußtenothwendig, sagt Ranke, in dem der cxactcn Naturforschnngferner stehenden Publikum die vcrbängnißvolle Meinung er-weckt werden, als gäbe es naturwissenschaftliche Dogmen, welcheden höchsten Idealen des MenstbengeisteS feindselig gegenüberstehen; es wäre ein Lohn für die Mühen unserer besten Forscher,wenn es auf dem Gebiete der Anthropologie gelänge, diesemvolksverderbenden Irrthum Schranken zu setzen". Das hatder gelehrte Physiologe Joh. Ranke selbst in diesem herrlichenBuche, daS der reiche Bilderschmuck überdies zu einem Kunst-werk macht, in wirkungsvoller Weise geleistet. Nicht blos demGelehrten, sondern jedem Gebildeten wird dieses beste undvollständige Lehrbuch der Anthropologie ein unentbehrlichesNachschlagcbuch werden, besonders in einer Zeit, wie die gegen-wärtige ist, wo die Naturwissenschaften im Vordergrund desInteresses stehen und es so überaus wichtig ist, sie nicht durchden keck auftretenden wisscnschastlichen Schwindel blenden undauf falsche Bahn leiten zu lassen. Mit Stolz kann der General-sekretär der anthropologischen Gesellschaft auf diese seine Lebens-arbeit blicken.; möge nur auch das Meisterwerk die verdienteWürdigung erfahren und die vielen bösartigen anthropologischenTendcnzromane, die im Umlaufe sind, verdrängen.

Bibel und Judenthum . Ein Blick auf Israels Ver-gangenheit, Gegenwart und Zukunft von Don Jo-saphct. Waldbaucr'sche Buchhandlung, Passau 1893.VIII u. 153 S. Preis 2 M.

An der Hand von AuSsprüchen der hl. Schrift Alten undNeuen Testamentes legt der Verfasser seilte persönlichen Ideenüber das Judenthum dar und wendet sich deßhalb nur angläubige Leser, Jsraeliten und Christen. Entsprechend demTitel zerfällt das Buch in drei Theile, die in durchgängiger Ab-hängigkeit von den Schriften Seb. BrunnerS, Döllingers, Franks,v. Saldenhofcns, Krcmentz's und VanutelliS das vergangene,gegenwärtige und zukünftige JSracl behandeln. Trotz dieser Ab-hängigkeit, die stets an Ort und Stelle benierkt ist, zeigt derVerfasser ein selbstständiges und gesundes Urtheil. Im erstenTheil verdient namentlich seine Ansicht über den rituellenOstermord, der nicht ein allgemeiner jüdischer Gebrauchoder gar eine Religion ss chrift für die Juden sei, Aner-kennung und Nachahmung. Die schwungvollen AusführungendeS zweiten Theils über Judenthum und Christenthum, überRoma und Jerusalem, Katholicismus und Judenthum sindäußerst interessant. In dem Kapitel über Charakter und Eigen-schaften der Juden zeigt der Verfasser,daß es Christenpflicht ist,die Menschenwürde in Jedem zu ehren und zu lieben in-clusive Juden" (S. 78). Die warm geschriebene Abhandlungüber die antisemitische Bewegung hat unseren vollen Beifall er-halten:nicht Jndenhetzc, sondern Christenschutz!" Die ZukunftIsraels wird im dritten Theil ideal und nach unserer Ansichtzu ideal geschildert. Ohne den Vorwurs einergrob spiritualist-ischcn Auffassung" (S. 116) zu fürchten, halten wir daran fest,daß die biblischen Verheißungen nicht dem leiblichen, sonderndem neuen, geistigen Israel Christi gegeben sind. (Vgl. Gal.III, 28. Röm. II, 28 f.; IV, 11 f.) Das interessante Schrift-chcn aber sei bestens empfohlen!

St. Dr. A. Koch.

Kiefl Fr. -k., Pierre Gassendi'S Erkenntnißiheorie und seineStellung zum Materialismus. 8°, 104 S. Fulva,Actiendruckerei 1893. M. 1,60.

Die gesammte philosophische Bewegung unserer Tage spitztsich auf crkenntnißtheoretische Fragen zu; mnso interessanter ist

Vcratilw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg . Druck u.

es, einen Rückblick auf vergangene Zeiten zu thun und zu sehen,wie frühere Denker Probleme erörtert haben, die heutzutage sosehr im Vordergründe stehen. Die bisher noch nicht genügendaufgehellte Erkenntnißiheorie Gassendi'S hat sich Kiefl zumGegenstand einer Jnaugural-Dissertation gewählt, für derenwissenschaftliche Tüchtigkeit die Billigung der philosophischenFakultät in München Gewähr leistet. Das Urtheil Lange'S,der in Gassendi den Vater des Materialismus sieht, weist Kieflmit Recht entschieden zurück.

k. Benedikt Valuh, 8. I., Der Priester in der Ein-samkeit der heiligen Exercitien. Zweite, viel-fach verbesserte Auflage von L. Franz Miller. 8. 3.Mit Approbation des hochw. bischöfl. Ordinariates vonRottenburg. Stuttgart , Jos. Roth'sche Verlagshand-lung, 1894.

i. Ascetische Schriften werden vielfach wahllos aus demFranzösischen importirt und dem deutschen Publikum oft in sehrundentschcr und fabrikmäßiger Uebersetznng geboten. Das istglücklicherweise hier nicht der Fall. Der Inhalt dcö BuckeS istgediegen, ohne Uebertreibung und Uebcrspanntbeit, obne Senti-mentalität; er ist durchweg darauf berechnet, dem Priester inden Tagen der Einsamkeit zrr einer gründlichen Sclbstkenntniß,zur entschiedenen Abkehr von all den kleineren oder größerenMangeln zu verhelfen, die der natürlichen Anlage entspringenund durch die mannigfachen Berührungen mit der Welt genährtwerden, und ihn mit neuem Opfersinn zu entflammen. Soempfiehlt sich das Buch namentlich jenen Priestern, die nicht inder Lage sind, gemeinsame Exercitien mitmachen zu können;auch Leiter der Exercitien werden eS sicher mit großemNutzen gebrauchen. Möge es mit Gottes Hilfe reichen Segenstijten! _

Franz Fiedler, AuS der Musikantcnholle. EinUrtheil über Richard Wagner im Jenseits. Graz 1894.Commissionsverlag HanS Wagner.

I. DaS Ding soll eine Satire sein, ist'S aber nicht; dazufehlt dem Autor die geistige Ucberlcgeiiheit. Des Pudels Kernist schwer zu finden; endlich kriegt man ihn doch heraus:Wagner schreibtAffcnmusik". Witz ist in der ganzen Sachekeiner; man ist am Schluß so klug, wie zu Anfang, so daßman sich zuletzt fragt:Wozu ist das Ding denn eigentlichgeschrieben?"

Geschichte des Historischen Museums und derMail-linger-Sammlung der Stadt München vonErnst von Destouches, k. b. Archivrath. München ,I. Lindauer'sche Buchhandlung (Schöpping). 128 S.8". mit 13 Abbildungen und Titelblatt von Max Wolf .Preis 2 M.

München besitzt erst seit acht Jahren ein Historisches MuseumDessenungeachtet muß man staunen über diese Fülle von Schätzen,Kostbarkeiten, Kleinoden und absonderlichen Gegenständen, diehier als Erbtheil früherer Jahrhunderte angesammelt und inklar übersichtlicher Weise vereinigt wurden. Indem nnS HerrDestouches, dieser rühmlichst bekannte Archivar und Chronist,durch die neugeschaffenen Räume begleitet, erläutert uns der-selbe die Büsten, Portraits und Lrachtenbilder, die interessantenAnsichten und Abbildungen, das Silber- und Pretiosen-Cabinet,die Collectiv» von Waffen, Altarzierden, die alten Maße undGewichte, die Ueberrcste hochnothpeinlicher Gerichtsbarkeit undallerlei Schmuck und Hausbedarf des öffentlichen und privatenLebens. Dazu berichtet er die Geschichte der hier sachgemäßeinverleibten sogenanntenM aillinger - S ammlung" underzählt als weltcrfahrencr Historiker aus den ihm anvertrautenArchivalen. Quellen und Urkunden die Geschichte des altehr-würdigcn Stadthauses, dessen Grundbestand wohl auf ein halbesJahrtausend zurückgeführt werden kaun. Ebenso verzeichnet erin dankbarer Erinnerung alle Namen der Stifter, Donatorenund Gutthäter, welche in irgend einer Form zum ersprießlichenGanzen beigetragen und mitgewirkt haben. DaS mit vielenzweckmäßigen Abbildungen ausgestattete Buch, welches im Aus-krage der Stadt publicirt wird, dient nicht nur den Besuchernals treuer Führer, sondern gewährt auch dem Kunst- undKultur-Freunde, insbesondere dem cxacten Historiker undForscher, eine Fülle des anregendsten und lehrreichsten Stoffes.Der Verfasser hat mit dieser Publikation die Geschichte Münchens um einen neuen, ganz besonders werthvollen Beitrag bereichert.

Verlag des LIt. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .