«. s. w. wieder gedruckt. Die Nürnberger Ausgabevom Jahre 1645, die bei Michael Endter erschien, suchtdas Versprechen ihres Titels: „eine gar kurzweiligeLcctüre" zu bieten, dadurch noch eher zu erreichen, in-dem 57 Illustrationen in naivem Holzschnitt beigegebensind, von denen einzelne Bilder zweimal und auch öftervorkommen, so oft sich nämlich eine Scene geschildertfindet, zu der sie halbwegs passen.
Das Volksbuch „Pontus und Sidonia" hat bei-läufig folgenden Inhalt: Pontus ist natürlich ein Held,welcher die Bretagne vor den einfallenden Heiden sieg-reich beschützt. Er liebt die Königstochter Sidonia undes wird zwar seine Liebe erwidert, aber der neidischeGendellet verleumdet ihn, worauf Pontus nach England geht und dort große Heldenthaten verübt. Als er zurück-kehrt, kommt er gerade noch zu recht, um Sidonia vonder Ehe abzuhalten, zu welcher Gendellet sie mit ihmselbst zwingen will. Der Verleumder wird entlarvt undbüßt seine Schandthaten mit dem Leben.
Die Heldin des Buches hat überhaupt mit allenmöglichen Hindernissen mit Furcht, Hinterlist, Verrathu. s. w. zu kämpfen, so z. B. gleich im Eingänge, woihr der Seneschall statt des Ritters PontuS dessen VetterPolidas zuführt, welche Verwechslung aber ohne weitereschlechte Folgen bleibt, da Polidas so ehrlich ist zu be-kennen, wer er eigentlich ist.
Sidonia stellt nun den Seneschall ordentlich zurRede: „Förcht ir mein, ich will und weiß meine Ehrewol zu bewahren, das solt ihr noch jemand bezweifeln."Daraufhin holte ihr der Seneschall den wahren RitterPontus. „Ich bitte Euch", sprach sie, „gehet hin undbleibet nicht lange aus." Und dann heißt es: „derSeneschall ging hin den Pontum zu holen, die Sidoniaging in ihr Gemach und erwartet mit großer Begierdund Freud des Jünglings und sah zu einem Fensterhinaus auf den Weg, da er herkommen sollte, und warNiemand bei ihr als Elois, ihre liebe Jungfrau, undalso schauet Elois auch oft aus, um am letzten kamElois schnell gelaufen zu der Frauen und sprach: Franer kommt, der schönste in der Welt. — Da erschrnckSidonia von großen Freuden, die sie empfinge und gingauch an das Fenster und sah ihn und den Seneschallmit einander kommen. Und als sie den Pontum rechtersah, da war er gerade, lang und schön, daß sie siedarob verwundert und sprach: Liebe Elois, er bedünktmich ausdermaßen schön. Dazu sprach Elois: Fran, erist nicht ein Mann, sondern ein Engel, denn ich habekeine menschliche Creatur nie so hübsch gesehen. Gott hat ihn mit seiner eigenen Hand gemacht. — Auf meinEid ja, sprach Sidonia, liebe Elois. Und bald ging sieheraus in eine große Kammer, da ihre Frauen undJungfrauen immer waren und wartete daselbst. Dakam Pontus und der Seneschall, Pontus erzeuget sichganz höflich mit Worten und Geberden, mit züchtigenReden und fürstlichen Ansprachen, wie er solches gelerntund wol unterrichtet war. Da ging Sidonia ihm ent-gegen und empfing ihn auch gar lieblich und schön,nahm ihn mit seiner Hand, führet ihn mit ihr hinein inihr Königlich Gemach und hieß ihn zur niedersetzen aufihren Stuhl. Aber der züchtig und edelich Pontus wehrtsich und sprach: „Gnädige Frau, es ist nicht billig nochziemlich, daß ich zu Euch auf Euren Stuhl soll sitzen,ich bin ein Jüngling und geringe Person, dieser Ehrengar nicht würdig, und macht sich ihr fast ungleich undunterthänig." Da sprach Sidonia zu ihm: „Warum
treibt ihr soviel Gcprens, ihr seid doch wol eines KönigsKind wie ich." Er sprach: „Ihr seid eines mächtigenKönigs Tochter, ich einer, der weder Land noch Lenthat und werde allein erhalten durch die Wohlthaten, diemir von Eurem Vater meinem Herrn widerfahren, dermir viel Gutes thut." „Lieber Pontus", spricht sie,„lasset solche Worte unterwegen."
Das nächste Kapitel erzählt: „Was für Gespräch,schöner Rede, Kurzweil und Höflichkeit Sidonia undPontus miteinander hatten, auL wie Sidonia an Pontumbegehrte, ihr Ritter zu werden, darauf sie ihm einFingerling gibet und er ihr schwor, für allen anderenFrauen ihr Ritter zn sein und ihr zu dienen, so langeer lebet."
Pontus hielt diesen Schwur, so viele Gelegenheitenund Gefahren es auch gab, die ihm die Haltung des-selben auf alle mögliche Weise erschwerten. Zuletzt wurdeer doch ihr Gemahl, nachdem alle Hindernisse und Prüf-ungen glücklich überwunden und überstanden waren. Si-donia aber war an seiner Seiie Königin von Galicia .
Das letzte Bild des Buches zeigt uns einen pom-pösen Leichenzug, dem ein Bischof in vollem Ornatein würdevoller Haltung voranschreitct, Männer mit Gugel-hauben tragen einen Sarg anf den Schultern und Pagengehen zu beiden Seiten als Fackelträger.
Unter dem Bilde ist zu lesen: „Der König PoutuSund die Königin Sidonia regierten eine lange Zeit nachihrer Landschaft gefallen. Darnach stürben sie mit großerKlag von allen ihren Unterthanen. Aber es ist so ge-stalt, mnb dieser Welt Leben, daß kein Mensch so fromboder so reich, noch so hübsch, noch so mächtig, er mußvon dieser Welt scheiden. Ende!"
Wer diesen Roman der Erzherzogin Eleonore, derzum Volksbuchs geworden ist, in neuhochdeutscher Be-arbeitung lesen will, der nehme die neueste Ausgabe des-selben von Karl Simrock (die deutschen Volksbücher,Frankfurt-a. M., 11. Band) zur Hand und er wirdfinden, daß „die zierliche, ruhmreiche und fruchtbareHistori" wirklich „gar kurzweilig zu lesen" ist.
Erzherzog Sigmund, der sich 1487 wieder mit Ka-tharina von Sachsen verehelicht hatte, überlebte seineerste Gattin um sechzehn Jahre, indem er am 4. März1496 aus diesem Leben schied. Da er ohne Leibeserbenstarb, so hatte er seinen Vetter Maximilian I. an Kindes-statt angenommen und setzte ihn zum Erben aller seinerBesitzungen ein, wodurch Tirol und Vorderösterreich wiederin den Besitz der österreichischen Hauptlinie kamen.
Ein Besuch in Paris im Herbst 1817.
(Fortsetzung.)
p. Wir fuhren also bei den Champs Elysees vorbeinach dem für den König von Rom projectirten PalaiS;was dort gebaut worden war, wurde bereits abgetragenund der Platz, auf welchem das Palais zu stehen kommensollte, eingeebnet. Von da gelangten wir über die Brückeder Invaliden (früher Pont de Jeux) nach dem Mars-feld, einem großen länglichen Viereck, Manövrirplatz derPariser Garnison, der von der Seine bis zur EcoleMilitaire reicht, welches letztere Gebäude Ludwig XV. für 500 junge Edelleute errichten ließ, die sich demWaffendienst widmen wollten, und welches Ludwig XVIII. dieser Bestimmung wiedergegeben hat. Von hier aus er-reichten wir das Hotel der Invaliden: Ludwig XIV. legte den Grundstein zu diesem Bau; 1671 und 1679