Ausgabe 
(11.10.1894) 41
 
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wurde derselbe unter Bruants Leitung vollendet. Vonder Seine her kommt man zunächst in einen mit Gräbenumgebenen und mit eisernen Gittern eingefaßten Vor-hast hinter welchem sich das großartige Bauwerk erhebt.An dem Mittelgebäude befindet sich ein mit Trophäengeschmückter Triumphbogen, unter welchem ein Basreliefvon Coustou angebracht ist, Ludwig XIV. zu Pferd dar-stellend, begleitet von der Gerechtigkeit und der Klugheit.Die Statuen des Mars und der Minerva stehen rechtsund links des Hauptthorcs, und die 4 bronzenen Sclavenvon Desjardins, die für die Place des Victoires bestimmtwaren, schmücken die Ecken der Flügelpavillons. ImInnern gibt es nicht weniger als 14 Höfe. 6- bis 7000Invaliden bekommen hier Wohnung und Verpflegung.Ein Marschall von Frankreich ist Gouverneur des Pa-lastes; unter ihm steht ein Generalstab. Die Stabs-und Oberoffiziere bewohnen einen eigenen Pavillon: wirbesahen uns ihren Speisesaal, in welchem sie an rundenTischen zu 6 und 8 speisen, Mittags drei und Abendszwei Gänge erhalten und zu jeder Mahlzeit eine FlascheWein, während den Soldaten eine halbe Flasche Weinund ein Gericht weniger verabreicht wird. Die Krankenwerden von den Schwestern des hl. Vincenz von Paulgepflegt. Wir besuchten auch den Dom, dessen vergoldeteKuppel, wie ich bereits erwähnte, man in ganz Paris sieht. Er ist von Mansard erbaut, sehr reich ausge-stattet und mit Marmorplatten belegt: in seine mittlereKuppel hat Lafosse die Apotheose des hl. Ludwig gemalt,wie er Gott Vater seine Krone und sein Schwert dar-bietet. Die anstoßenden Kapellen des hl. Hieronymus,hl. Ambrosins und hl. Augustinus sind mit Gemäldenvon Bonllongce, die übrigen drei von andern Meisterngeschmückt. Früher hingen im Dom Hunderte von er-oberten Fahnen, die aber, als die Alliirten das ersteMal in Paris einrückten, von den Invaliden verbranntwurden.

Von hier fuhren wir nach dem Palais Luxembourg ,dem Sitzungslokal der Pairs; sein Treppenhaus ist be-sonders schön, aber von den Statuen der Feldherren, diein demselben standen, hat man nur noch die von Desaix ,Marceau und von noch zwei andern stehen lassen, währendman die übrigen mit allegorischen Figuren aus der Antikevertauschte. Die Gemäldesammlung ist, wie ich bereitserwähnte, in den Louvre gekommen; nur einige größereStücke blieben zurück, unter anderen ein Gemälde, dieSiegeskrönung Napoleons darstellend: man hatte aberjetzt seinem Körper einen andern Kopf aufgesetzt! ImSitzungssaal der Pairs war der frühere Thron weg.genommen worden, dagegen im Nebensaal ein Thron-sessel für den König aufgestellt. Ney hat in diesemPalast seine letzten Tage zugebracht und ist am 7. Dez.1815 früh 9 Uhr im Garten des Luxembourg in derNähe der Umfassungsmauer erschossen worden. DieserGarten bildet eine der beliebtesten öffentlichen Prome-naden; da er nicht ganz eben ist, bietet er in Folgedessen manche Abwechselung; zum Schmuck dienen ihmStatuen heidnischer Gottheiten: Venus, Flora, Diana,Bacchus u. s. w. sind vielfach vertreten.

Am Pantheon, das wir nun aufsuchten, wird dieAufschriftDen berühmten Männern die dankbareNation" ausgekratzt, um der früheren:Sie. Geneviöve"Platz zu machen, da das Gebäude dem kirchlichen Cultuswiedergegeben und wie früher unter den Schutz derPatronin von Paris , der hl. Genoveva, gestellt werdensoll. Ludwig XV. ließ an Stelle einer älteren, bau-

fällig gewordenen Kirche, welche ebenfalls diese Schutz-patronin hatte, den Neubau beginnen, der 1770 beendetwurde; während der Revolution und auch unter Napo-leon dienten seine Grüfte als Begräbntßstätten berühmterMänner. Wir stiegen zu ihnen hinab und besuchtenunter anderen das Grab des Generals Neynier, welcher1809, 1812 und 1813 unsere Truppen commandirte.Neuerdings ist bestimmt worden, daß alle Marschälle,Cardinäle , Minister, Großoffiziere der Ehrenlegion undSenatoren hier beigesetzt werden sollen. In dem Pantheonselbst befinden sich die Denkmäler von Turenne undRousseau . Der Platz um die Kirche ist, wie gewöhnlichbei allen im Bau begriffenen Gebäuden, mit einerBretterwand umgeben, was einen unangenehmen Ein-druck macht.

Es war nun Zeit zur Heimfahrt, die wir über denPont Neuf antraten, der über die beiden Arme derSeine führt, und zwar in der Nähe der unteren Spitzeder Jsle du Palais. Begonnen wurde der Bau des-selben unter Heinrich III. und während der RegierungHeinrichs IV. beendet. Des letzteren Monument inBronze vom Jahre 1614 (welches neben der Brücke aufder Insel stand) wurde, nachdem es zu Anfang der Re-volution ein Gegenstand der Verehrung des Pöbels ge-wesen war, nachher von diesem zerstört. An derselbenStelle, wo jenes gestanden hatte, wurde 1814 eineNeiterstatue Heinrichs IV. in Gips aufgestellt, die späterdurch eine gleiche in Bronze ersetzt werden soll.

Wir besahen uns noch im Vorbeifahren die Fon-taine Desaix auf der Place Dauphins, errichtet zum An-denken an den General Desaix, der bei Marengo fiel.Gespeist wurde heute zu allgemeiner Zufriedenheit beidem Restaurateur Grignon, Nue Neuve des PetitSChamps: trotzdem das Diner in jeder Hinsicht ein ganzvorzügliches war, kam es jeder Person nicht höher als67 Francs zu stehen. Nachher fuhren wir ins The-ater der Grande Academie, auch Grand Opera genannt,wo manDie Karawane von Kairo" von Gretry unddas BalletNina" gab. Der Umfang des Theaters es ist wohl das größte der Welt die kunstvolleDarstellung, die herrlichen Dekorationen; alles das machtedie Vorstellung zum Vollkommensten, das man sehenkonnte; außerdem findet sich dort die ganze vornehmeund schöne Welt von PnriS zusammen, nicht nur umzu sehen, sondern auch um gesehen zu werden.

Unsere für heute, Dienstag den 4., geplanten Aus-flüge wurden durch die Eröffnung der Kammern be-schränkt. Vor derselben fand eine hl. Geist-Messe inNotre Dame statt, um den Segen Gottes zu der kom-menden Session zu erflehen. Wir zogen es aber vor,nicht dahin zu gehen, da man uns vor dem Andrangdes Publikums warnte, sondern hörten erst eine stillehl. Messe in Notre Dame des Victoires, dann bestelltenwir Einiges, und als wir zum Frühstück in das Cafsde Foy gehen wollten, kam Einsiedel und erzählte uns,daß er den Zug des königlichen Hofes in die Kirche ge-sehen habe. Es wurde daher beschlossen, letzteren ausder Kirche zurückkommen zu sehen, worauf wir freilichzwei Stunden warten mußten. Endlich nahte der Zug;voran ritten die Stäbe der kgl. Garden, dann kamenviele 8 spännige Gnlawagen, in welchen Hofchargcn saßen,hierauf 4 Herolde und hinter diesen die Wagen mit derkgl. Familie. Die Equipagen waren prachtvoll undsollen (wie uns der Lohnbediente erzählte) bei der Ver-mühlungSfeier Marie Louisens Verwendung gefunden