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haben. Weniger glänzend war das Geleite der Gardes jdu Corps und der Grenadiergarde zu Pferde, ebenso fieldie schlechte Haltung der Truppen, welche die Haie vonNotre Dame nach den Tuilcrien bildeten, unangenehmauf. In der dem Zug zuschauenden Menge war keinGedränge zu bemerken, ebensowenig hörte man freudigeZurufe.
Da uns dadurch der Nachmittag für weitere Par-tien verloren gegangen war, wanderten wir nach demPlatz des Jnnocents, einem früheren Kirchhof, wo jetztdie berüchtigten Fischweiber fitzen und ihre Waare feil-bieten. In der Nähe dieses Platzes ist in der Straßede la Ferronnerie die Stelle zu sehen, wo Heinrich IV. am 14. Mai 1610 von Navaillac erstochen wurde. DasHaus, vor welchem die Mordthat geschah, trägt dasBildniß des Königs über der Hausthür. Wir halten esübersehen und wollten nicht wieder umkehren; dafür warduns die Genugthuung, Zeugen eines Auftritts unter denFischweibern zu sein. Zwei derselben spaßten mit ein-ander, spien sich ins Gesicht und schimpften sich: dennochherrschte die größte Harmonie unter ihnen.
Wir besahen uns auch die Halle aux Blas, Nuede Viarmes, ein großes rundes Gebäude, das in eineKuppel endigt, die mit Glas bedeckt ist, um das Lichthereinfallen zu lassen. Es ist mit den verschiedenstenGattungen von Mehl gefüllt und wurde 1762 an derStelle erbaut, wo früher das Hotel de Soissons ge-standen harte. An der Wölbung der Kuppel befindetsich jetzt kein Holzwerk, denn nach dem Brand von 1802hat man sie im Jahre 1806 aus Eisen und Kupfer her-gestellt. An der Außenmauer der Halle aux Bläs istdie 95 par. Fuß hohe, schöne Medicissäule befestigt, inderen Innern eine Treppe bis auf das Kapitäl führt,auf welchem sich eine Art Observatorium befindet.
Unser nächster Weg führte uns bei der PlaceNoyale vorbei, unweit welcher (in einem kleinen Gäßchenvor der Wache des Gefängnisses La Force) im September1792 die Obersthofmeisterin der Königin Marie Antoinette ,die Princessin von Lamballe, auf barbarische Weise um-gebracht wurde, nachdem sie es abgelehnt hatte, ihrenHaß gegen König und Königin, sowie gegen das König-thum überhaupt auszusprechen. Man schnitt ihr denLeib auf, bratete und aß einzelne Theile und Gliederderselben u. s. w., steckte ihren Kopf auf eine Pike undhielt ihn vor das Fenster des Gefängnisses der unglück-lichen Königin.
Wir kehrten nun in unser Hotel zurück, die Damenruhten sich aus und kleideten sich um, dann ging es zumEssen zu den Trois Fröres Provenceaux im PalaisNoyal und von da ins Theatre Frangais, Nue Richelieu,dicht am Palais Noyal, wo fast ausschließlich nur Tra-gödien und Schauspiele aufgeführt werden. Man gab„1^68 wuniSres äs8 §runcl8 liomiw68" und noch einanderes Stück, welches wir aber nicht abwarteten. Imersteren kamen viele Anspielungen auf den Dünkel derGeburt vor; jede derselben wurde eifrig beklatscht.Uebrigens spielte man ausgezeichnet, die Mlle. Mars ,Talma und die vorzüglichsten Schauspieler traten auf;die Sprache war außerordentlich schön und stand zu demSpiel in gleichem Verhältniß.
(Schluß folgt.)
Neceusionen und Notizen.
Axenstein. Eine Doppelnovelle von C. Miethe, Verfasservon „Schloß Karnath" — „Ein Sommer" — „Usraspsra all astra." — „Gräfin Klausel" rc. rc. Berlin 1894. R. v. Decker'S Verlag. G. Schenk. 187 S. 8°.Preis 3 Mark.
O Der bekannte Schweizergasthof auf dem herrlichen Axen-stein und seine prachtvolle Umgebung bilden den Schauplatzeiner reizenden Doppclnovclle, deren Fabel trotz ihrer Einfach-heit und Anspruchslosigkeit durch bie geist- und gemüthvolleEntwicklung und Darstellung und durch die treffliche scharfeZeichnung der Charaktere das vollste Interesse deS Lesers inAnspruch nimmt und ihn bis zum Ende in steter Spannungerhält. Der Inhalt ist durchaus rein, die Sprache gewähltund schön, und so kann das Buch zu einer nicht blos ein-maligen stets genußreichen Lesung bestens empfohlen werden.
Vom Deutschen Hausjchatz liegt nunmehr das letzteHeft des 20. Jahrgangs vor. Wie uns die Verlagshandlungmittheilt, wird der neue Jahrgang die vorhergehenden an Reich-haltigkeit weit übertreffen. Es liegen große Romane vor vonM. Herbert, M. Ludolff, H. Nicbthofen, L. v. Neidegg,Karl May u. a. — den besten Erzählern des katholischenDeutschlands — welche bei allen Lesern das lebhafteste Interesseerregen werden. Neben diesen großen Romanen wird eineReibe kleinerer spannender Novellen veröffentlicht werden. Unter-haltende und belehrende Artikel über alle Zweige der Wissen-schaft und des Lebens liegen der Vcrlagöhandlung in großerFülle vor, so daß die Leser über die Fortschritte der Neuzeitstets auf dem Laufenden gehalten werden; dazu kommen diezahllosen kleinen Notizen, die interessanten Brieskasten-Antworten,die Extrabeilage für die Frauenwelt, die reiche Jllustrirung —ein Reichthum deS Stoffes, wie ihn so leicht keine andere Zeit-schrift bietet. Wir rathen unsern Lesern deshalb dringend, aufden neuen Jahrgang zu abouniren.
„Alte und Neue Welt". Mit großer Bewiedigunghaben wir von dem uns dieser Tage zugekommenen I. Heftedes neuen (29.) Jahrgangs dieser altbewährten Zeitsch' iit Ein-sicht genommen. Der rege und dabei doch friedliche och teifer,mit welchem die Verleger unserer illustrirten kathol. Familien-blätter allen berechtigten Anforderungen ihrer Leser zu ent-sprechen sich bestreben, kommt in diesem Hefte der „Alten undNeuen Welt" ganz hervorragend zum Ausdruck. In ein frisches,allmonatlich sich änderndes Gewand gehüllt und mit neuer,sehr leserlicher Schrift gesetzt, führt der soeben beginnende Jahr-gang mit seinem bedeutend vergrößerten Formate und mitdem entsprechend erweiterten Umfang sich äußerst Vortheilhastbei der Leserwelt ein. Der äußeren Schale entspricht dann aberauch der innere Kern, indem es der Redaktion gelang, durchWort und Bild für Unterhaltung und Belehrung in gleich vor-züglicher Weise zu sorgen und der „Alten und Neuen Welt"auch fortan einen Ehrenplatz auf dem Tische der katholischenFamilie zu sichern. _
Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift.
Jahrgang 1894. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 ö.
W. — Frciburg im Breisgau. Herder'sche Verlags-handlung. Durch die Post und den Buchhandel.
Inhalt von Nr. 10: Korea . — Die Mission auf denKei-Jnseln (Holländisch-Jndien). (Fortsetzung.) — Venezuelas Hauptstadt und ihre Umgebung. (Schluß.) — Nachrichtenaus den Missionen: Korea (Die Ansänge des Krieges);Vorderindien (Bekehrung der höheren Kasten); Indonesien(Mission auf Portugicsisch-Timor ); Nordairika (Am Lagerfeuerin der Sahara); Centralafrika (Stand der Mission deS Sudan );Südafrika (Der neue Abt von Mariannhill; Apostol. Präsecturdes Oranjeflusseö); Britisch-Nordamerika (Erbauliche Zügeaus Britisch-Columbieu); Mexico (Die Kirchen in Mexico ;Anstalten der Ordenssrauen vom heiligsten Herzen); Südamerika (Kapuzinermissionen in Columbia); Oceanien (Die Anstaltenin Kinigunan aus Neu-Pommern ); Aus verschiedenen Mis-sionen. — Misccllen. — Für Missionszwecke.
Illustrationen: Li Hung, der König von Korea . —Der Rönigspalast in Söul . — Koreanische Soldaten der regu-lären Armee. — Söul , die Hauptstadt von Korea. — Wasfer-fall der L-illa bei Caräcaö. — Ansicht des Städtchens Anti-mano in Venezuela. — Ansicht von La Guaira in Venezuela .— Ritt über die Dünen. — Gesattelte Reitkamcle.