von Zell , seit 1375 Mit der Propstei Staufen unirt, jetzt ein einfaches Filialkirchlein, von welchem man, ab­gesehen von der anmuthigen Lage, kaum besondere Dinge erwartet, die etwa einen Ausflug dorthin lohnen würden. Dennoch birgt dieses kleine Kirchlein in seinem Chöre seltene und auserlesene Kuustschätze.

Die Kapelle umfaßte ursprünglich wohl nur den Nanm des heutigen Chores. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts etwa wurde dieselbe aber erhöht und mit einem entsprechenden Langhause versehen. Aus dieser Zeit stammt der künstlerische Wandschmuck. Es sind nämlich die Wände des Chores vollkommen mit Gemälden bedeckt, die sich dem Raume und Inhalte nach in drei Gruppen gliedern. Die erste Gruppe bedeckte die Nord­wand des Chores, leider wurden hier später 2 Fenster eingebrochen. Die vorzügliche Restauration hat den Schaden so geschickt ausgebessert, daß auch der Kenner nur mit besonderer Aufmerksamkeit die Ergänzungen wird angeben können. Es finden sich an dieser Wand 16 Dar­stellungen, die reihenweise unter einander wie in einem Bilderbuche angeordnet sind; die Reihen enden in der Mitte der Ostwand. Demnach haben wir in der ersten Zeile: 1) Die Wurzel Jesses (Stammbaum Ma­riens);') 2) Joachims Opfer wird zurückge­wiesen (das Opfer ist als TempelzinS gedacht; der Hohepriester sitzt, Joachim will eben das Geldstück her­geben, Anna steht trauernd zur Seite); 3) Joachim vom Engel über die Erhörung seines Gebetes unter­richtet (auf der Weide, ein Hirte im Hintergrund); 4) Anna im Garten (Anna hat stets den Heiligen­schein, Joachim nicht) erhält ebenfalls vom Engel die trostreiche Botschaft; 5) Joachim und Anna be­gegnen sich an der goldenen Pforte; 6) Maria Ge­burt (bekannte Auffassung). Zweite Zeile: 7) Die kleine Maria steigt die Tempelstufen hinan; 8) Die Freier Mariens erhalten ihre Stäbe zurück, Josephs Stab grünt, er erhält von einem der Freier einen F-anstschlng, ein andrer zerbricht seinen Stab; 9) Vermählung Josephs (bejahrt) mit Maria; 10) Verkündigung (Maria sitzt vor einem Buche, der Engel schwebt von oben herab); 11) Heim­suchung (ungemein zart). Dritte Zeile: 12) Weih­nacht, drei Englein darüber, welche das Gloria singen (Choralnoteu); 13) Beschnei düng; 14) Anbetung der Könige; 15) Flucht nach Aegypten; 16) Der bethlehcmitischc Kindcrmord (etwas derber aufgefaßt). Die südliche Chorwand zeigt uns die Martyrien der Apostel und drei andere Darstellungen, in der nämlichen Weise angeordnet, nur daß hier die Fenster ursprünglich vorhanden waren. Erste Zeile: 1) Kreuzigung Petri; 2) Enthauptung Pauli; 3) Kreuzigung deshl. Andreas (Andreas bekleidet); Jakobus wird von einem Kanzelgerüste herabgeworfen und mit der Walker st äuge erschlagen (einige Figuren sind noch in der andächtigen Stellung, wie sie seiner Predigt zuhörten); 5) Johann Evangelist vor der la- teranensischen Pforte im Oelkcssel (der Tyrann in kostbarem Gewände sieht zu); 6) Thomas wird enthauptet, während eine fürstliche Familie andächtigst ein Götzenbild (Kalb) anbetet; 7) Philippi Kreuzig­ung. Zweite Zeile: 8) Matthäus vor dem Altar erstochen; 9) Bartholomäus wird geschunden (Fenster); 10) Stephanus wird gesteinigt

') Sämmtliche Bilder trugen erklärende Unterschriften, größtentheils nicht mehr erhalten.

( Fenster); 11) Mathias wird enthauptet. Dritte Zeile: 12) Jakobus der Aeltere wird ent­hauptet; 13) Simon und Judas werden er­stochen, ersterer mit einer Lanze, letzterer mit dem Schwert ( Fenster); 14) Stephanus heilt ein Pferd (ein Fuß ist eingebunden), ein stattlicher Zug Hilfesuchender reitet herzu, einige werfen Geld in einen Opferkasten (das Bild trug die Unterschrift: Ltopdanus laoiedut xrociiZia, ab mZoa, inaZnn in plosis) (Fenster); 15) St. Albauus. Aus dem Triumphbogen (Seite gegen den Chor) ist das jüngste Gericht dargestellt, oben Christus, zu beiden Seiten Engel, etwa in mittlerer Höhe zur Rechten (Süden) die Seligen von Petrus geführt, zur Linken (Norden) Sturz der Verdammten; unten zur Rechten auferstehende Selige, zur Linken der Höllenrachen, bereits mit Angehörigen der verschiedensten Stände gefüllt. Unterhalb sämmt­licher Gemälde zieht sich eine einheitliche Sockelmaleret hin, marmorirt, unterbrochen von graugemalten ge­wundenen Säulchen.

Unter den Gemälden zeigten sich die Apostelkreuze. In der Läibung (unprofilirt) des Chorbogeus, auf der Südseite, fanden sich noch Neste, welche zeigen, daß hier die klugen und thörichten Jungfrauen gemalt waren, doch sind diese sämmtlich zerstört, da der ursprüngliche Spitz­bogen ausgerundet wurde. Die Laibungen der alten (südlichen) Chorfenster zeigen auf jeder Seite je einen Heiligen: Nikolaus Tolentino und Sebastian, Leonhard und Laurentius, Antonius Eremita und Martin (als Bischof), darüber Sternchen. In derselben Weise sind in die neueren Fenster ergänzt worden: St. Gallus und Maguus, St. Konrad und Wolfgang.

Auch das Schiff war bemalt, leider sind hier nur ungenügende Spuren von Ornamenten aufgedeckt, auf der Südwand befand sich ein größeres Gemälde, das aber nicht mehr erkennbar ist. In neuerer Zeit wurden auch die Decken mit derben, handwerksmäßigen Fresken im Nococostil versehen, die allerdings an anderem Orte nicht gerade ganz schlecht genannt werden müßten, aber in dieser Umgebung keinen Anspruch auf Schonung machen können.

In die Nordwand des Chores zwischen den: 9. und 10., 14. und 15. Bildchen ist ein Sakramentshäuschen im spätgothischen Stile (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eingelassen, eine schöne Arbeit in grauem Sandstein, mit dem Wappen der Montfort geschmückt. Man sieht hier noch die grünen Umrahmungen, wie sie jedes Bild aus­weist, zu beiden Seiten. Dem Inhalte nach ist aber die Reihenfolge der Bilder nicht durchbrochen, es war also wohl nur die Eintheilung auch hier vorgezeichnet. Es läßt sich nämlich erkennen, wie der ganze Wand­schmuck vorgezeichnet war, frisch und originell sind diese Skizzen hingeworfen; dann wurde durch Buchstaben die Farbe angegeben und erst zuletzt die Umrißzeichuungen, vielleicht von einem Gehilfen, mit Farbe ausgefüllt. Einigemale scheint sogar noch eine andere Skizze, nament­lich bei den Hüten u. ä., durch die Farbe durch.

Der Charakter der Bilder ist ein durchweg einheit­licher, d. h. alle sind von derselben Hand gemalt; jedoch ist ein merklicher Unterschied zwischen den Gemälden des Marienlebcns und den übrigen. Erstere Bilder zeigen trotz mancher Neuheit in Stellung u. s. w. doch mehr den ständigen traditionellen Typus, letztere sind ungleich freier, kühner, realistischer; der Künstler gab sich hier mehr, wie er wirklich sein wollte. Freilich ist die Zart-