Ausgabe 
(18.10.1894) 42
 
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von Zell , seit 1375 Mit der Propstei Staufen unirt,jetzt ein einfaches Filialkirchlein, von welchem man, ab-gesehen von der anmuthigen Lage, kaum besondere Dingeerwartet, die etwa einen Ausflug dorthin lohnen würden.Dennoch birgt dieses kleine Kirchlein in seinem Chöreseltene und auserlesene Kuustschätze.

Die Kapelle umfaßte ursprünglich wohl nur denNanm des heutigen Chores. In der ersten Hälfte des15. Jahrhunderts etwa wurde dieselbe aber erhöht undmit einem entsprechenden Langhause versehen. Aus dieserZeit stammt der künstlerische Wandschmuck. Es sindnämlich die Wände des Chores vollkommen mit Gemäldenbedeckt, die sich dem Raume und Inhalte nach in dreiGruppen gliedern. Die erste Gruppe bedeckte die Nord-wand des Chores, leider wurden hier später 2 Fenstereingebrochen. Die vorzügliche Restauration hat denSchaden so geschickt ausgebessert, daß auch der Kennernur mit besonderer Aufmerksamkeit die Ergänzungen wirdangeben können. Es finden sich an dieser Wand 16 Dar-stellungen, die reihenweise unter einander wie in einemBilderbuche angeordnet sind; die Reihen enden in derMitte der Ostwand. Demnach haben wir in der erstenZeile: 1) Die Wurzel Jesses (Stammbaum Ma-riens);') 2) Joachims Opfer wird zurückge-wiesen (das Opfer ist als TempelzinS gedacht; derHohepriester sitzt, Joachim will eben das Geldstück her-geben, Anna steht trauernd zur Seite); 3) Joachimvom Engel über die Erhörung seines Gebetes unter-richtet (auf der Weide, ein Hirte im Hintergrund);4) Anna im Garten (Anna hat stets den Heiligen-schein, Joachim nicht) erhält ebenfalls vom Engel dietrostreiche Botschaft; 5) Joachim und Anna be-gegnen sich an der goldenen Pforte; 6) Maria Ge-burt (bekannte Auffassung). Zweite Zeile: 7) Diekleine Maria steigt die Tempelstufen hinan;8) Die Freier Mariens erhalten ihre Stäbezurück, Josephs Stab grünt, er erhält von einem derFreier einen F-anstschlng, ein andrer zerbricht seinenStab; 9) Vermählung Josephs (bejahrt) mitMaria; 10) Verkündigung (Maria sitzt vor einemBuche, der Engel schwebt von oben herab); 11) Heim-suchung (ungemein zart). Dritte Zeile: 12) Weih-nacht, drei Englein darüber, welche das Gloria singen(Choralnoteu); 13) Beschnei düng; 14) Anbetungder Könige; 15) Flucht nach Aegypten; 16) Derbethlehcmitischc Kindcrmord (etwas derber aufgefaßt).Die südliche Chorwand zeigt uns die Martyrien derApostel und drei andere Darstellungen, in der nämlichenWeise angeordnet, nur daß hier die Fenster ursprünglichvorhanden waren. Erste Zeile: 1) Kreuzigung Petri;2) Enthauptung Pauli; 3) Kreuzigung deshl.Andreas (Andreas bekleidet); Jakobus wird voneinem Kanzelgerüste herabgeworfen und mitder Walker st äuge erschlagen (einige Figuren sindnoch in der andächtigen Stellung, wie sie seiner Predigtzuhörten); 5) Johann Evangelist vor der la-teranensischen Pforte im Oelkcssel (der Tyrannin kostbarem Gewände sieht zu); 6) Thomas wirdenthauptet, während eine fürstliche Familie andächtigstein Götzenbild (Kalb) anbetet; 7) Philippi Kreuzig-ung. Zweite Zeile: 8) Matthäus vor dem Altarerstochen; 9) Bartholomäus wird geschunden(Fenster); 10) Stephanus wird gesteinigt

') Sämmtliche Bilder trugen erklärende Unterschriften,größtentheils nicht mehr erhalten.

( Fenster); 11) Mathias wird enthauptet.Dritte Zeile: 12) Jakobus der Aeltere wird ent-hauptet; 13) Simon und Judas werden er-stochen, ersterer mit einer Lanze, letzterer mit demSchwert ( Fenster); 14) Stephanus heilt einPferd (ein Fuß ist eingebunden), ein stattlicher ZugHilfesuchender reitet herzu, einige werfen Geld in einenOpferkasten (das Bild trug die Unterschrift: Ltopdanuslaoiedut xrociiZia, ab mZoa, inaZnn in plosis)(Fenster); 15) St. Albauus. Aus demTriumphbogen (Seite gegen den Chor) ist das jüngsteGericht dargestellt, oben Christus, zu beiden SeitenEngel, etwa in mittlerer Höhe zur Rechten (Süden) dieSeligen von Petrus geführt, zur Linken (Norden) Sturzder Verdammten; unten zur Rechten auferstehende Selige,zur Linken der Höllenrachen, bereits mit Angehörigender verschiedensten Stände gefüllt. Unterhalb sämmt-licher Gemälde zieht sich eine einheitliche Sockelmalerethin, marmorirt, unterbrochen von graugemalten ge-wundenen Säulchen.

Unter den Gemälden zeigten sich die Apostelkreuze.In der Läibung (unprofilirt) des Chorbogeus, auf derSüdseite, fanden sich noch Neste, welche zeigen, daß hierdie klugen und thörichten Jungfrauen gemalt waren, dochsind diese sämmtlich zerstört, da der ursprüngliche Spitz-bogen ausgerundet wurde. Die Laibungen der alten(südlichen) Chorfenster zeigen auf jeder Seite je einenHeiligen: Nikolaus Tolentino und Sebastian, Leonhardund Laurentius, Antonius Eremita und Martin (alsBischof), darüber Sternchen. In derselben Weise sindin die neueren Fenster ergänzt worden: St. Gallus undMaguus, St. Konrad und Wolfgang.

Auch das Schiff war bemalt, leider sind hier nurungenügende Spuren von Ornamenten aufgedeckt, aufder Südwand befand sich ein größeres Gemälde, dasaber nicht mehr erkennbar ist. In neuerer Zeit wurdenauch die Decken mit derben, handwerksmäßigen Freskenim Nococostil versehen, die allerdings an anderem Ortenicht gerade ganz schlecht genannt werden müßten, aberin dieser Umgebung keinen Anspruch auf Schonungmachen können.

In die Nordwand des Chores zwischen den: 9. und10., 14. und 15. Bildchen ist ein Sakramentshäuschenim spätgothischen Stile (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts)eingelassen, eine schöne Arbeit in grauem Sandstein, mitdem Wappen der Montfort geschmückt. Man sieht hiernoch die grünen Umrahmungen, wie sie jedes Bild aus-weist, zu beiden Seiten. Dem Inhalte nach ist aberdie Reihenfolge der Bilder nicht durchbrochen, es waralso wohl nur die Eintheilung auch hier vorgezeichnet.Es läßt sich nämlich erkennen, wie der ganze Wand-schmuck vorgezeichnet war, frisch und originell sind dieseSkizzen hingeworfen; dann wurde durch Buchstaben dieFarbe angegeben und erst zuletzt die Umrißzeichuungen,vielleicht von einem Gehilfen, mit Farbe ausgefüllt.Einigemale scheint sogar noch eine andere Skizze, nament-lich bei den Hüten u. ä., durch die Farbe durch.

Der Charakter der Bilder ist ein durchweg einheit-licher, d. h. alle sind von derselben Hand gemalt; jedochist ein merklicher Unterschied zwischen den Gemälden desMarienlebcns und den übrigen. Erstere Bilder zeigentrotz mancher Neuheit in Stellung u. s. w. doch mehr denständigen traditionellen Typus, letztere sind ungleichfreier, kühner, realistischer; der Künstler gab sich hiermehr, wie er wirklich sein wollte. Freilich ist die Zart-