Ausgabe 
(18.10.1894) 42
 
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d'Abondance vorbeikamen, einem immens großen un-vollendeten Gebäude, das 1807 von Napoleon zu demZwecke angelegt wurde, darin für Paris alle Artentrockne Gemüse und Getreide aufzuspeichern, und so fürden Nothfall die Ernährung der Bevölkerung zu sichern;es wurde aber in den Jahren 1814 und 1815 nichtweitergebaut, sondern eingedeckt, nachdem die Mauernkaum 8 Fuß über das Erdgeschoß hinwegragten.

Auf dem Bastilleplatz beabsichtigt man, einen ko-lossalen Elephanten aufzustellen, der aus seinem RüsselWasser speit; das Wasser will man dem Ourcqkanalentnehmen, der unter dem Platz fließt und Paris mitWasser versorgt. Das Piedestal ist angefangen; ob derElephant darauf kommen wird, ist noch die Frage; vorder Hand steht sein Gypsmodell in einem Schuppennebenan. An seinem rechten Vorderbein soll eine Treppeherausführen, sein Leib einen großen Saal enthalten undin den auf seinem Rücken ruhenden achteckigen Thurmdas Wasser geleitet werden, damit es genug Druck hat,die Fontäne aus dem Rüssel zu treiben. Die geplanteStraße vom Louvre nach der Place du Trone, vonder ich schon gesprochen habe, sollte hier vorbeiführen.Von hier gelangten wir über die Place Royale durchdie Boulevards St. Martin und St. Denis (wo zweifreistehende Thore gleichsam Triumphbögen bilden undPorte St. Martin und Porte St. Denis genannt werden)über den Boulevard Bonne Rondelle und Poissonniöre,wo die Fontäne Bondy ist, verließen dann den Wagenund gingen noch das Panorama von London betrachtenund von da aus zu Fuß nach Hause. Dann speistenwir bei Grignon, Rue Neuve des Petits Champs, be-suchten, da wir sehr ermüdet waren, kein Theater, son-dern gingen nach kurzem Spaziergang nach Hanse .

Freitag den 7. galt es den ganzen Tag über dasBestellte herbeizuschaffen, die noch übrigen Einkäufe zumachen und alles zur Abreise in Bereitschaft zu setzen.Wir speisten bei den Frsres Provenceaux; Gablenz ver-ließ uns schon um 6 Uhr, während wir übrigen Sachsennachher noch einmal nach dem Cafö Milles Colonnesgingen.

Sonnabend den 8. früh 1 Uhr verließen wir alleParis; Lenz mit Gattin reiste über Metz, Mainz nachDresden , Zczschwitz, Einsiede! und Stüntzner mit unsüber Senlis , Compisgne, dessen Schloß wir uns noch-mals besahen, nach St. Quentin, wo wir sehr ermattetAbends anlangten und wenn auch nicht besonders gut,so doch wenigstens leidlich logirten. Am 9. (Sonntag)fuhren wir, nachdem ich mit meiner Frau eine hl. Messegehört, um 6 Uhr weiter nach Cambrai , wo wir dasFrühstück einnahmen und von Schreibershofen begrüßtwurden, über Lille , und langten Abends 6 Uhr glücklichwieder in Tourcoing an, wo wir unsere lieben Kindergottlob gesund antrafen.

Recensionen und Notizen.

Des gottseligen Thomas von Kempen Rosengärt-lein und Lilienthal in deutschen Versen vonHermann Zicke. Verlag von F. W. Cordier zuHeiligcustadt. Preis broschirt 2 M. 50 Pf.; in Salon-band 3 M. 50 Pf.

Der Knabe Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden",d. h. die Cordier'sche Verlagshandlung läßt den Freund derkatholischen klassischen Dichtung ja kaum mehr zu Athemkommen: vor Weihnachten die herrlicheNachfolge Christi "von Jscke, zu Ostern die großartige episch-allegorische DichtungVom Nil zum Nebo" von Macke, im Sommer der klassischetiessinnigeVölkersang Kalanyas" von Fr. W. Helle, dem

Dichter desJesus Messias", uud jetzt, wenige Wochen nachletzterem, das vorliegende Werk! Viel des Guten in einemJahre, ja des sehr Guten! Ein geistiges Gegenstück, möchteich sagen, zu der heutigen Ernte des Feldes!Vom Nil zumNebo" undKalanyas Völkersaug" können freilich nur vondem höher Gebildeten genossen werden aber welcher Genußauch! DieNachfolge Christi" aber wieNosengärtlein" undLilienthal": das sind Blüthen, aus denen den süßen Seimder Erbauung und des Trostes jede hcilSbegicrigc Seele zuschlürfen befähigt ist. So kunstvollendet die Strophen Jsekc'Saufgebaut sind, so anspruchslos und natürlich getreu demlateinischen Prosa-Originale gleiten sie dahin und sindvon einer Gemüthswärme getragen, die das Herz gefangen-nimmt und den Willen hinreißt. Die deutschen Prosa - Ueber-setzungen des Thomas von Kempen vonNosengärtlein"undLilienthal" mögen wohl überhaupt keine im Gebrauchesein können den eigenthümlichen, an unzählig vielen Stellenhochpoetischen Hauch des lateinischen Originals nicht wieder-geben, und so mutz die objektive Berechtigung dichterischer Be-handlung unumwunden zugestanden werden, um so lieber, wennsie so durchgeführt ist, wie hier. Das Spruchhaste, ja dieRcimklänge des Originals kommen bei poetischer Darstellungzu ihrer Geltung, und so finden wir bei Jseke in gewissemSinne den alten Thomas treuer wiedergegeben, wie in prosa-ischen Uebcrtragungen, von denen manche außerdem recht un-beholfen und nachlässig verfaßt sind. Wer gewinnt z. B. ausProsa-Uebersetzuugen eine Ahnung, daß Thomas Stellen hat,wie z. B. Nosengärtlein 4 Cap. a. E.:

Laxiens sst illo, gni sxernit millia mills.

Omnia. suut nuIls,, Lox, kapa, st plumbea bn11a.Ounetorum tinis, mors, vermis, t'ovea , oinrs.tzuantumgus guis ss ext» litt, nilri! est, mors

vmnia tollit?

Sonderbar anmuthen dürfte manchen die allzugetreueWiedergabe für unser modernes Gefühl befremdlicher Bilder,z. B. derschwarze Hund" als Bild eines Zotenreißers, u. A.Auch hätte vielleicht Manches weggelassen werden können,waS sich lediglich auf die Klostcrnovizen bezieht, z. B. Vor-lesung bei der gemeinschaftlichen Mahlzeit rc. Freilich könnteman dann nicht mehr sagen: Nosengärtlein des Thomas vonKempen, sondern nach Thomas von Kempen . Es tritt näm-lich bei vorliegendem Werke viel deutlicher als bei derNach-folge Christi " der Zweck des Thomas hervor, seine Novizenzu belehren, ohne jedoch die übrige Christenheit ausschließen zuwollen. Wir hätten lieber gesehen, daß das Versmaß des erstenKapitels beibehalten wäre, welches beginnt:

Mit Heiligen wirst heilig dn,

Du wirst verkehrt mit den Verkehrten

(Ps. 17. 26.27.)

Drum prüfe, wenn du wählen willstZum Freunde dir und zum Gefährten/

Auf daß nicht durch GenossenschaftMit Argen, die von Zucht nicht wissenUud abgelegt die Sündenscheu,

Verdeckt du wirst und fortgerissen!"

Doch wird mancher gerade in der kapitclwcisen Abwechs-lung des Versmaßes imNosengärtlein" sind 11 verschiedeneMetra verwendet einen Vorzug finden. Unseres Erachtenshat neben dem ersten das letzte Kapitel daS bestgewählteVersmaß. Der Schluß dcS Ganzen lautet:

Darum habe Gott vor Augen,

Was du thust und was du denkst;

Hüte dich, Ihn zu betrüben,

Wache, daß du Ihn nicht kränkst!

Sag' Ihm Dank sür alles Gute,

Was er Seinem Kind erwies.

Und am Schlüsse jedes WerkesSprich herzinnig dankend dies:

Lob und Dank sei meinem Schöpfer,

Preis und Ruhm Ihm allezeit!

Alles lobe, was da athmet,

Gott den Herrn in Ewigkeit IAmen."

DasLilienthal" hat durch alle 34 Kapitel den reimlosenBlankvers und sind nur an mehr als hundert Stellen jedes-mal am Schluß der Absätze Reimpaare wirkungsvoll ver-wendet, so daß man lebhaft anMaria Stuart " erinnertwird. Daß dieses Versmaß auch didaktisch verwerthbar ist,haben die deutschen Klassiker genügend bewiesen. Da das