Ausgabe 
(18.10.1894) 42
 
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Lilienil,cil" mehr praktisch nüchterne Partien hat, alsNach-folge .Christi " undRoscngärtlein", so war die Weglassung dcSReimes, wenn nickt geboten, so doch rathsam. DasLilicn-thal" möchte man trotz des dichterischen Gewandes eine geradezuwörtliche Ucbersetzung nennen. Da beide Werke unter demVolke unbekannt sind, so haben sich der Dichter und die Ver-lagshandlung den Dank der katholischen Welt in reichem Maßeverdient, und es wird nicht lange währen, so werden beide ge-nannten Werke von Thomas der unverdienten Vergessenheitentrissen und in dem schmucken Kleide, das Dichter und Ver-leger ihnen gaben, allen Heilsbegierigcn lieb und theuer sein.

Ou.

L. Unter den katholischen VolkSkalendcrn nimmtder im 19. Jahrgang erscheinendeEichSfclder Maricn-Keilender" (Verlag von F. W. Cordier in Heiligcnstadt-EichSfeld) einen der ersten Plätze ein. Der Kalender ist zu-gleich einJahrbuch" für die Mitglieder des von Leo XIII .so warm empfohlenenAllgemeinen VereinS der christlichenFamilien". Eine illustrirtc politische Jahrcsschau, mehrerehübsche und spannende VotkScrzählnngen gleichfalls durchgut gezeichnete Bilder ausgestattet prächtige humoristischeBeiträge, belehrende Aufsätze verschiedener Art, LebenSrcgeln,Rathschläge für Bürger und Bauern, Gedichte rc. bieten eineseltene Fülle von Lesestoff für jedes Alter und für jeden Ge-schmack. Das Kalendarium ist sehr praktisch eingerichtet undenthält AllcS, waS man nur sticken will. Der Bilderschmuckist so reichhaltig, das; er allein schon dem Kalender zur Em-pfehlung gereicht. Auch mehrere künstlerisch ausgeführte Voll-bilder zieren den stattlichen Band von im Ganzen 190 Seitengroßen Formats. Ein Wandkalender auf Karton ist nickt vergessen,das Titelblatt ist in Buntdruck hergestellt. Der Preis diesesherrlichen Kalcnderwerkcs ist spottbillig: 30 Pfennige. Wirkönnen denEichSfclder Marien-Kalender" mit gutemGewissen allen katholischen Familien empfehlen.

Stcindorf Ge., Koptische Grammat'k mit "hresto-mathic, Wörterverzeichnis und Literatur.8°. XVIII -s- 220 -s- 91 SS. Berlin , N:ut>r undNeichard, 1894. M. 13.20.

It. Obiges Werk haben wir inBeilage 40" d. Bl. (4. Okt.1891) gebührend gerühmt und empfohlen; nur bedauerten wirden außerordentlich hohen Preis, der uns der wünschcnSwcrthenVerbreitung dcS vortrefflichen BuchcS als wenig förderlich schien.Doch lag es uns vollständig ferne, mit dem von uns damalsgebrauchten AusdruckWncherprciö" einen Sinn zu verbinden,welcher der Geschäftsehre der sehr vorehelichen und gerühmtenVcrlagshandlung zu nahe treten sollte. Wenn dieselbe denAusdruckWuchcrpreis" als ehrenrührig und beleidigend be-trachtet, so sind wir natürlich sofort bereit, diese Bezeichnungmit Bedauern zurückzunehmen, um so mehr, als wir nun auchvon der verehrst Verlagöbandlung über die enormen Herstellungs-kosten eines derartigen Buches, sowie über das der Natur derSache nach beschränkte Absatzgebiet eine dankenswcrthe Auf-klärung empfangen babcn, der zufolge wir zugestehen müssen,daß der Preis des obigen musterhaft ausgestatteten Buches nichtallzuhoch angesetzt ist. Mögen die Leser d. Bl., welche unsereBesprechung inBeilage 40" gelesen haben, nun auch von dieserunserer Erklärung Notiz nehmen, womit wir der Vcrlags-handlung aufrichtig und öffentlich und, wie wir hoffen, zu-friedenstellend Genugthuung leisten wollen.

Christus als Prophet. Nach den Evangelien dargestelltvon Dr. Franz Sckmid, Professor der Theologie,Brixen ; kathol.-politischer Prcßvercin; 1892; 8°; 19ö S.;Preis: fl. 1,20.

X. Es ist hier eine sehr ansprechend, ruhig und inst tiefemVerständniß geschriebene Studie von hohem apologetischen undparänctiscken Werthe zu begrüßen. Wir lernen nicht bloß dasVerhältniß der Wunder Christi zu seinen Weissagungen, dasVerhältniß der Weissagungen zu einander, die prophetische Be-deutung mancher Gleichnißreden kennen, sondern auch dentypischen Charakter vieler Einrichtungen der Kirche, der An-ordnungen, Gebote und Räthe und Sakramente Christi würdigen.Im Nachweis zur Erfüllung der Weissagungen sind die noth-wendigen Erklärungen, Beschränkungen und Unterscheidungengemacht, um etwaigen Einwendungen zu begegnen. Der Ver-fasser unterscheidet sachgemäß Weissagungen mit vollständigeingetretener Erfüllung, solche mit fortlaufender Erfüllung,solche für daS Endziel, Weissagungen Christi und anderer in

Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg . Druck u.

I den Evangelien vorkommenden Personen. Was der Verfasserin absichtlicher Kürze oft nur andeutet, verdient weiteres Stu-dium, vermittelt neue Gesichtspunkte und verbreitet Helles Lichtüber viele Erlösungsthatsachen.

Körnig Th. G., Die Hygiene der Keuschheit. 8°,93 S. Berlin , H. Stcinitz, 1894. (III.) M. 2,00.zr. Vom natürlichen, rein medizinischen Standpunkt ausspricht der Verfasser über eine von der Religion unerbittlichgeforderte Tugend, deren Name jedoch in der heutigen ver-lotterten Gesellschaft vollständig aus dem Lexikon moralischerBegriffe verschwunden ist, wozu gewiß auch die Vertreter dermedizinische» Wissenschaft oftmals ihren Beitrag in Theorieund Praxis liefern, waS Körnig selbst zugibt und sich aus derwissenschaftlichen (namentlich derpopulären") medizinischenLiteratur sattsam beweisen läßt; kennen wir ja doch einegynäkologische Zeitschrift, deren Rathschläge auch sonst sogarvon WienerCollegen" alöverbrecherisch" bezeichnet werden.Körnig hebt seine Darstellung an mit Hinweis auf Björnson'sDramaEin Handschuh", das bekanntlich einen Sturm derEntrüstung hervorgerufen hat, weil es dermodernen Gesell-schaft" in drastischer Weise den Spiegel vorhält und den Wider-spruch schonungslos aufbellt, der darin liegt, daß die Welt die^Forderungtadelloser Vergangenheit" bei dem Mädchen stelltund das Gegentheil als Schimpf und Schande betrachtet,während man dem jungen Manne volle Freizügigkeit seinerLeidenschaften gern zu gute hält, ja als selbstverständlich voraus-setzt. Moral und Logik, die für alle Menschen gleiche Geltunghaben, fordern aber gleiche Beurtheilung; auf dieser Grundlagefußt Kornig's ernstes Wort an alle Mütter, Lehrer und Er-zieher, die in dem Buche, soviel wir gesehen habe», keine An-sicht vorgetragen finden werden, die mit der Moral in Conflictstünde, was bei einem Arzt in dem Punkte immerhin alsrühmenswcrth hervorgehoben werden darf. Einige Andeutungenfrüherer Auflagen sind in vorliegender gemildert worden, unsernzimperlichen Damen zu liebe, die ihre Töchter zwar ruhig insmoderne Theater" mit seinen rohen Sckweincreicn schicken,bei Naturalibus aber heuchlerisch sogleich nach dem Feigenblattschreien.

k. August Sckynse und feine MissionSreiscn inAfrika . Herausgegeben von einem Freunde dcS Mis-sionars. Mit dem Bilds L. Sckynse's und einer Ab-hildung seiner Grabstätte. Straßburg i. Elsaß . Verlagvon F. X. L- Roux u. Co. brosch. 2 M. VIII', 336.e. DaS Lebensbild eines Mannes zu lesen, das anS dessenBriefen zusammengestellt ist, welche, wie man mit Sicherheitannehmen darf, nicht mit dem Hintergedanken geschrieben wurden,sie später zu veröffentlichen, heißt wirklich einen tiefen Blick indie Seele dieses Menschen werfen. Hier bat man eben diePerson vor sich nicht im schwarzen Frack. Cylinder und Glace-handschuhen, sondern sozusagen in ihrem Hausgewand, in ihremArbeitszimmer. Wie schon die beiden früheren Schriften vonV. Schynse: Mit Stanley und Emin Pascha durch Dcutsch-Ostafrika und k. Schynse'S letzte Reisen, Briefe und Tagebuch-blätter, veröffentlicht durch die ELrrcs-Gesellschaft großesallgemeines Interesse hervorgerufen, so rann auch dieses Werkauf gleiche Aufmerksamkeit Anspruch erbeben; denn cS ist gleich-sam der Schluß- und Ergänzungsband dieser beiden erstge-nannten Schriften. Recht willkommen dürfte dieses Werk seinjenen, die Missionöbernf in sich verspüren. Geschildert sindauch die Jugend- und Studienjahre Sckynse's. NeugierigenSeelen sei verrathen, daß auch ein Abschnitt vorkommt:ImCarcer"; jedoch ganz ungefährlich und wie der Herausgeberbemerkt: Es ist aber auch das einzige, was man tadelnswertstesanführen kann. _

Reiß C., Die Naturheilmethode bei Magen-undDarmkrankheiten (VerdaunngSstöruuge n).8°. 60 S. Berlin , H. Stcinitz. 1894. M. 1,00.

Vorliegendes Bündchen bildet den dritten Theil derBibliothek der gesammten Naturheilkunde; die beiden ersten Heftederselben enthalten zuerst den allgemeinen Theil (Diät, Lust,Wasser, Massage, Gymnastik) und dann die Methode bei Nerven-und Rückcnmarkslciden; auch dieses Bündchen ist dem Plane,eine kurze, allgemein verständliche Darstellung zu bieten, treugeblieben. Allen, die das angeht, wovon das Buch erzählt, seidiese Oricntirung zu einer dem Leiden entsprechenden Behand-lung empfohlen; sie werden damit dem Arzt seine Kunst er-leichtern.

Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .