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Netzgewölbe eingespannt, der Chor ist ebenfalls reicheingewölbt.
Die Bemalung ist in folgender Weise durchgeführt.Der Grund ist weist, die Nippen sind ziegelroth bemalt,im Chor und Triumphbogen waren sie mit Silberrosengemustert. Die Pfeiler waren röthlich marmorirt, diebreiten Gurte von Pfeiler zu Pfeiler, wie die Laibungdes Triumphbogens, tragen reichen Bilderschmuck, dieViertelrippen an den Arkadenbögen sind mit einem ge-wellten bunten Muster versehen. Ueber den Arkadenläuft ein gemalter Fries, über dem Scheitel eines jedenBogens von den ebenfalls (grün) gemalten Wimpergendurchbrochen, über jedem Pfeiler durch einen gemaltenSockel, welcher je eine kolossale prächtige Apostel-figur trägt.
Die Arkadenbögen zeigen auf jeder Seite je zweiEngel, dazwischen einen Propheten, einmal zwei Heilige,dazwischen einen Engel. Alle halten Spruchbänder, diesich auf Meßopfer und Marienverchrung beziehen. Inden Zwickeln zwischen Bogen und Apostelfigur finden sichherrliche Engelsgestalten, bei welchen besonders die meister-liche Stellung der Flügel und Drapirung der Gewänderauffällt. Oberhalb des Frieses finden sich an den Hoch-wänden des Schiffes nur vorne beim Triumphbogen rechtsund links zwei Tafeln, Anfang und Ende des Athana-sianums in deutscher Sprache enthaltend.
Im Chor findet sich an der Wand zwischen Fensterund Nippen des beginnenden Chorschlusses je ein fliegenderEngel, flott gemalt; einer hält die Hostie mit dem NamenJesu. Rechts ist eine Nische, wie für den Credcnztisch,dieselbe ist architektonisch ausgemalt, darüber ein Wim-perg (wie oben), den Hintergrund bildet eine Teppich-malerei, darüber Maria mit dem Kinde in der Mond-sichel, das Jesukind hält einen Rosenkranz, rechts undlinks ein reizender mufizirender Engel; dieses Bild istungemcin lieblich. Links ist in ziemlicher Höhe derStifter nebst Wappen groß aufgemalt. Um die fünfSchlußpunkte des Chorgewölbes sind je vier Engel (indie vier Zwickel) eingemalt, dieselben shmbolisiren wiederdas Meßopfer, die mittleren vier haben ein jeder in einerHand eine Sanktuskerze, in der andern eine Schelle.
Die Laibung des Triumphbogens zeigt uns südlichdie thörichten Jungfrauen (10 Brustbildchen), in reichenModecostümen, aber mit leeren Oelflaschen und umge-kehrten Lampen, auf der Nordseite die 10 klugen mitbrennenden Lampen. Die Gewölbesterne im Seitenschiffsind um die Schlußpunkte mit schwarzrothen, gothischenPflanzenornamenten geschmückt. Nicht zwei von ihnengleichen sich.
Den herrlichsten Schmuck trägt aber die Wand deseingebauten Thurmes im nördlichen Seitenschiff. Hierfinden wir zwei Darstellungen, oben ein größeres Bild,darunter ein Marienleben in 14 Bildern. Das obereGemälde zeigt uns zuoberst Gott Vater, darunter rechtseinen Garten, nach Art einer mittelalterlichen Burg mitMauern und Thürmen umgeben. Darin finden sich allemöglichen Symbole Mariens: der versiegelte Brunnen,der Thurm Davids, die verschlossene Pforte, die Lilieunter den Dornen n. f. w. Stets ist die Bedeutungbeigeschricben. Die Darstellung links ist theilweise zer-stört. Die köstlichste Darstellung ist die Einhornjagd.Gabriel als Jäger mit vier Hunden und dem Speer,das Hifthorn am Munde, treibt das Einhorn, woraufdas Christkindlein reitet, in den Schoß Mariens. DieDarstellung ist sehr hübsch durchgeführt, zeigt aber, daß
die alte Einhornsage bereits nicht mehr ganz verstandenwurde. Die 14 kleineren Bilder unten sind: 1) Joachimund Anna Lämmer opfernd vom Hohenpriester zurück-gewiesen; 2) Joachim auf der Weide, der Engel bringtihm die Botschaft, im Hintergrund ein Hirt; 3) Annaim Garten empfängt vom Engel die Verheißung der GeburtMariens; 4) Joachim und Auna an der goldenen Pforte;5) Geburt Mariens; 6) Maria Tempelgang; 7) das Stab-wuuder, die Freier zerbrechen ihre Stäbe; 8) VermählungMariens; 9) Verkündigung; 10) Maria bei Elisabeth;11) Joseph wird der Empfängniß gewahr, ein Engelklärt ihn auf; 12) die Geburt Christi ; 13) die Be-schneidung; 14) die Anbetung der hl. drei Könige.Die Bilder sind höchst originell gedacht und ausgeführt,voll Ausdruck und packender Realistik, im Reichthum desBeiwerks nähern sie sich schon der Auffassung, wie sieaus Dürers Marienleben bekannt.
Sehr fein, die besten und zartesten Gemälde über-haupt sind: das Erbärmdebild (Leos kvruo) auf einemPfeiler der Evangelienseite und der Schmuck des Kanzel-pfeilers, welcher eine Reihe von Diensten und Kapitälenvorgemalt erhielt, darauf Maria mit dem Kind in einerzierlichen spütgothischen Halle, zu beiden Seiten je zweiEngelsfigürchen. Dieser einzig schöne Schmuck soll sogarcopirt werden und dieser ganze Pfeiler in dem neuenNationalmuseum prangen.
Ueber dem Chor findet sich die Jahreszahl 1459,über dem Südportal des Seitenschiffes ein Steinmetz-zeichen zwischen den Buchstaben L. u. ^., darüber 1571.In der südlichen Portalvorhalle findet sich eine Kreuzigungs-gruppe gemalt, darüber wieder ein Wimperg. In dernördlichen Thorhalle sehen wir über dem Portal dreiBilder, oben die Anbetung der hl. 3 Könige, darunterdie Verkündigung und die Geburt Jesu . Links sindSpuren von einer Apostellegende, erkennbar nur eisteScene vom Martyrium des hl. Jakobus d. Ae. DiesesPortal harrt noch seiner Restauration entgegen. Merk-würdig ist noch im Innern der Kirche ein gemaltesEpitaphium, die Grabschrift ist unleserlich, darüber eineNische (gemalt) mit Kelch, Ciborium, Meßbuch, Kanon,Meßpult, Leuchter und Oelgefäß(s), also den Emblemendes Priesterstandes.
Fassen wir Alles zusammen, so haben wir in dieserKirche ein Denkmal mittelalterlicher Kunst von ganz un-schätzbarem Werthe; in der Geschichte der Wandmalereigibt es wenige ähnliche Beispiele. Wir glaubten darumtrotz oben erwähnter Publikation auch die Leser der Post-zeitung darauf aufmerksam machen zu sollen. Vielkann hier sowohl in Hinsicht auf den Inhalt der Bilder,als in Hinsicht auf die treffliche Restauration gelerntwerden?)
Mindelheim , den 3. Okt. 1894.
vr. O. Frhr. von Lochner.
Josef Lelotte, ein katholischer Socialreformeraus dem Priesterstaude.
Von L. H.
Der Träger obigen Namens war keine moderneTagesgröße, deren Name viel genannt wurde im po-litischen Leben, ja es sind schon zwei Jahre her, daß ernicht mehr unter den Sterblichen wandelt, und wohlviele Leser Ihres geschätzten Blattes haben noch nie den
2) Auch über die Frauenkirche steht noch eine größerePublikation von Herrn Stadtpsarrer Braun in Aussicht.