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selben sich unwillkürlich zur Tugend und Selbstveredlungangetrieben fühlt, während der bloße Verstand, von einemangenommenen Princip ausgehend, in seinen Urtheilenund Schlüssen nicht zu einem Resultate gelangt, das mitdem unmittelbar sich kundgebenden Gottesbewußtsein völligübereinstimmt. Indessen haben die philosophischen Systemebei den Alten, mochten sie nun für die rein menschlicheWissenschaft noch so große Bedeutung haben, im Ein-zelnen eine gewisse ideale Höhe behaupten und manchetiefe und schön entwickelte Vernunftwahrheit enthalten,im Ganzen doch keinen großen und umgestaltenden Ein-fluß auf den Glauben des Volkes ausgeübt.
Ein Theil derselben blieb selbst bei dem Polytheismusstehen und näherte sich insofern dem Volksglauben, einanderer erkannte zwar den im Polytheismus liegendenWiderspruch und Irrthum, erhob sich aber doch nicht zurIdee eines einzigen, über der Natur stehenden persön-lichen Gottes, sondern verfiel auf Pantheismus, der demAtheismus im Grunde gleich ist?«) Während der Irr-thum vorher in der Vielheit göttlicher Wesen lag, bestander jetzt darin, daß man kein göttliches Wesen mit Per-sönlichkeit wehr dachte, daß die gesammte Naturkraft dasHöchste und Einzige war. Soweit nun diese RichtungEinfluß auf das Volk ausübte, konnte sie kaum etwasanderes als Unglauben bewirken und die geistige Ver-wirrung vermehren, um so mehr, da die Lehrsätze derPhilosophen, wie es leicht erklärlich ist, vom Volke nicht,oder nur halb und falsch verstanden wurden. Es zeigtesich deutlich, daß Philosopheme mit ihren abstrakten Lehr-sätzen nicht im Stande sind, dem Volke eine verständliche,das Herz erwärmende und dadurch auf das sittliche Lebenmächtig einwirkende Neligionslehre zu geben.
(Schluß folgt.)
Recensionen und Notizen.
Johann Jgnciz von Fclbigers Methodenbuch. Miteiner geschichtlichen Einleitung über daö deutsche VolkS-schulwcscn vor Felbiger und über das Leben und WirkenFclbigcrS und seiner Zeitgenossen Ferdinand Kindermann und Älcxiuö Vinz. Parzizek. Bearbeitet von JobannPanhotzcr. Freiburg , Herder. 368 S. M. 3,86.
8. In unserer Zeit, da die moderne Pädagogik so gernalles Heil der Scbule in ibrer Trennung von der Kirche wähntund die Verdienste jener Schulmänner, welche als treue Gliederder katholischen Kirche gelebt und gewirkt haben, zu verdunkelnsucht, ist es doppelt gerathen, durch Wort und Schrift aufsolche Persönlichkeiten aufmerksam zu machen, die streng gläubigWare» und aus dem Gebiete der Jugenderziehung Ersprießlichesgeleistet haben. Der Herr Verfasser hat eine glückliche Wablgetroffen, da er den großen, edlen Abt von Sagan und späterenReformator des österreichischen Schulwesens in seinen Schriften,seinem Leben und Wirken zum Gegenstand des Studiums undder Besprechung machte. Der Abschnitt „Das deutsche VolkS-schulwcsen vor Felbiger " beleuchtet einerseits hell das rege^ In-teresse und die warme Fürsorge, welche die Kirche stets für dieJugenderziehung gehegt und bekundet hat; andererseits entrollter ein Bild der traurigen Sebulverhältnisse namentlich in derZeit nach dem 30 jährigen Kriege. FclbigcrS Schulreform inSchlesien und später in Oesterreich , sowie seine literarischeThätigkeit auf pädagogisch-didaktischem Gebiete rc. behandeln dieweiteren Abschnitte; dieselben nebst dem sich anschließendenMetbodcnbuch bezeugen den seltenen Scharsblick, mit demFelbiger die Schäden des damaligen Untcrrichtswesen erkanntund Mittel zu deren Besserung gefunden hat. Man ersieht
°°) Jnsofcrne der Polytheismus au und für sich mit demBegriffe Gottes, als des absoluten Seins, das natürlich nureines sein kann, durchaus in Widerspruch steht, nur mit re-lativem Sein gedachte und überhaupt nichtseicnde Wesen zurGottheit erhebt, ist er dem Atheismus gleichzustellen, obwohler von der subjcctivcn Seite, von der Anschauung und demGlauben der Polythcisten aus betrachtet, es nicht ist.
aber auch den Ernst und thatkräftigen Eifer, mit dem er fastsein ganzes Leben dem Dienste der Jugend opferte. AllenLehrern und Erziehern, allen Freunden der Schule kann diesesBuch bestens empfohlen werden, ha es gewiß neue Begeisterungfür den schönen, aber opferreichen Lehrberuf weckt.
KönigSdorfcr Mart., Katholische Homilien; neuherausgegeben von Al. Eber hart. 8", VIII-j-408S.Brixen , Kath. Preßvcrein. 1894. M. 4,60.
<p. Die Homilie wird in der neueren Zeit allzusehr ver-nachlässigt, aber mit Unrecht; ist sie doch die älteste, von denKirchenvätern ererbte Form der Predigt, freilich eine Form,die dem Kanzelrcdner nicht gestattet, seiner Phantasie freienLauf zu lassen; das aber. dünkt uns, ist gerade ein Vorzug,der uns Gewähr gibt, das schlichte und pure GotteSworl zuhören. Sicher ist in der Homilie, wenn sie gut sein soll, mehrWerth, als in der freien Predigt, daher gute Homilien seltenzu finden sind. Zu den besten gehören die von Konigsdorfer (1752—1833), einem bayerischen Pfarrer; ein österreichischerTbeologieproiessor, vr. Eberhart in Brixen , bietet uns hiemiteine schön ausgestattete Ncuausgabe, wofür wir ihm nur dank-bar sein können. _
Stern der Jugend von Dr. I. Praxmarer, Religion?»lehrer in Bingen . (Viertelst 1 M.)
* Diese für Schüler der Gymnasien und Realschulen be-stimmte Zeitschrift, deren erster Jahrgang nun vorliegt, ist ingut kathol. Geiste und mit pädagogischem Geschick redigirt, inder Anlage praktisch und vielseitig im Inhalt. Wir können siebestens empfehlen. _
AlbanStolz. Dürre Kräuter. II. Auflage. (4 M., geb.5 M. 40 Pfg.) VIII°, 566 S.
-DaS Vater Unser. Zweiter Theil. (Kalender für
Zeit und Ewigkeit 1846.) 15. Auflage. 60 Pfg. VIII°.133 S. Herdcr'sche Nerlagshandlung. Freiburg i. Br.s. Des seligen Alban Stolz Schriften üben immer nocheine mächtige Anziehungskraft aus; seine anerkannten Vorzügegesunder Originalität und wahrer Volksthümlichkeit haben ebendie Stolz'schen Werke zu schnellen Freunden des Volkes gemacht.Es sei daher bei dieser Gelegenheit daran erinnert, daß imHerdcr'fchen Verlage die „Gesammelten Werke von AlbanStolz " (15 Bände und Registcrband) jetzt wieder vollständigzu haben sind. Preis 51 M. 45 Pf.; geb. in starken Original-Halbfranzbänden zu 73 M. 45 Pf.
Studien undMittheilungen auS dem Benedictiner-und Cistercienser-Or den. XV. Jahrgang 1894.Preis pr. Jahrg. (4 Hefte ca. 40 Bogen) M. 8 — 4 fl.Nur zu beziehen durch die Administration genannterZeitschrift im Stift Raigern bei Brünn (Oesterreich ).JnhaltS-Vcrzeichniß des III. Heftes 1894. (Ab-handlungen.) AlberS, k. Bruno (0. 8. 8., Beuron ):Die Culmer Reform. Plainc, v. Beda (0. 8. L., Silos):Ho llanouis lllwZao Xpostolicitato oum novs. clieti Oanouiaexplanations. (III. Schluß.) Schneid, k. Bernhard (0. 8. 8.,Scheycrn): Die GewifscnSverpflichtung der menschlichen Ge-setze. (II.) Hämmerte AloiS Jos. (Salzburg ): Ein Beitragzur Geschichte der ebene. Benediktiner-Universität in Salzburg .(II.) Hafner Otto (Tübingen ): Regelten zur Geschichte desschwäbischen Klosters Hirsau. (XV.) — (MittHeilungen.)Sckmid, I?. Bernhard: Verbindlichkeit der Ordensregeln.Histor. Erinnerung. Erzabt Bonifaz Wimmcr an SigiS-mund SchultcS, Abt des Stiftes Schotten. Brief, u. s. w.
Jllustrirte Geschichte des Allgäu's von vr. F. L.Bau mann. Verlag von I. Köscl in Kempten . (Preisdes Heftes 1 M. 20 Pf.)
Das vorliegende zwe iund dreißigste (des dritten Bandeszehntes) Heft enthält: a.) an Text: Die neuere Zeit (1517bis 1802). Zweiter Abschnitt: Land und Leute. ZweitesHauptsrück: Leben und Cultur (Märkte, VerkchrSverbote,gregorian. Kalender, Münzwescn, Straßen, Post, Flößerei,Dauthätigkeit, Bauerubäuser, Maler, Bildhauer, Kunstgcwcrbe,Münzen und Siegel, Dichter, Schauspiel, Musik, Schulwesen,Bibliotheken und wissenschaftliche Sammlungen, Allgäuer Ge-schichtsforscher. Allgäuer Geographen, Allgäuer Theologen, Philo-sophen, Juristen, Mathematiker, Ingenieure und Archirekten»Botaniker, Aerzte, Staatsmänner. Bischöfe, heiligmäße Allgäuer,Feste), b) an Illustrationen: 1) eine Landkarte in Photo-litbographie, ausgeführt in der Jos. KLscl'schcn Offizin inKempten , darstellend: Das Allgäu 1802 ; 2) dreiund-dreißig in den Text gedruckte Abbildungen.