Ausgabe 
(1.11.1894) 44
 
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Literarischer Handweiser, begründet, berauSgegeben undredigirt von Msgr. vr Franz HülSkamp in Münster .24 Nrn. ä 2 Bogen Hochquart für 4 M. p. Jahr.

1894. Nr. 10 u. 11. Inhalt: Leben und Schritten deSPädagozeu-Seniors Hcrin. Rolfns (HülSkamp). Zur Prämon-strakcnser-Literatur des Jahres 1893 (Manul). Weiterekritische Referate über Nor Haar Oo morali az-stematsreni-iquorum Biobudiliatarum (Aerinhs), Fuhlrott Ma-cri-alicn für Prediger und Katecheten, Bischof Eberhard Fasten-vorträge, Königsdorfer Homilicn, Fuhlrott Erste Com-munion, Rottinanner Primizvrcdigt n. Ad. Hubn Priester-weihe (Dcppe), ^Iborti Lla^ni vo os. Oorvoria OominiLaoramento Zsrmouea. üacod, Thomas v. Aquin Gött-liche Eigenschaften und Seligkeit deutsch, Ludw. dc PonteBetrachtungen über das öffentliche Leben Jesu deutsch undklaäasi Xspirationos rbooloZicao. Xirscdl (Deppe), AM.v. Liguori Briefe deutsch und Hoülo^ X Botreat (Belles-heim), Kirsch Päpstl. Collectorien in Deutschland (Belles-heim), Jlgen Westfälische L-iegcl (Tumbült), Zahn Melodiender deutschen evangelischen Kirchenlieder (W. Bäumker). 15Notizen über die neue Oorresxomianoo eatlioliquo (Belling-bausen), Bachem'sche Novitäten, die neue Auflage von Pütz'Leitfaden der Geographie und verschiedene andere Nova (HülS-kamp). Novitäten-Verzeichniß.

Armen-Seelen-Monat. Aus dem Französischen vonI, Ledy. Preis 10 Pfg. Straßburg i. E., F. X. LeNoux n. Co.

Dieses Büchlein bietet Betrachtungen und Tugcndübungcnfür jeden Tag des Armen-Scclen-Monats. die sich durch ihreInnigkeit, Verständlichkeit und Würde der Sprache Vortheilbastauszeichnen. Auf dreißig Seiten bringt das Büchlein ebensoViele Andachten, so daß auf jeden Tag des November eine andereneue Betrachtung an die Reihe kommt.

Katholische Warte. Jttustr. Monatsschrift zur Unterhal-tung und Belehrung. X. Jahrg. Heft 6/7 ä 15 kr.,25 Pf. Jahresabonnement fl. 1.80 (M. 3.60). Verlagvon A. Pustet in Salzburg .

DieKatholische Warte" kann als echtes christliches Fa-milienblatt bestens empfohlen werden. Aus den uns vorliegen-den neuesten Heften 6/7 erwähnen wir nur die ErzählungenDer Noyalist" (Hirschfcld),Die Inen" (Nedeatis),Traudl"(O. v. Schaching), nebst kleineren novellistischen Beiträgen vonKujawa, Patzak, Freiin v. Droste, Landsmann u. a. Manefeldschildert uns die Waldhöhcn desSpcssart", Habichcr den trop-ischen Süden in derOase BiSkra", während vr. W. Reutereine Reihe werthvoller literarhistorischer Aufsätze mitOscar vonNcdwitz" begonnen hat.

Meine Herren Kollegen! Momentaufnahmen von einerjungen Schriftstellerin. Berlin , Gustav Pohlmann.

Ein kühnes, fast möchten wir sagen, keckes Büchlein. Einejunge Schriftstellerin konterfeit darin eine Anzahl ihrer Kollegen,in zwangloser Auswahl sind berühmte und nnberühmteMänner darunter es scheut sich auch nicht, von manchemeine satirische Karikatur zu entwerfen. Omptcda, Leixncr,Hardcn, Franzos, von Zobcltitz, daneben Martin Hilde-brandt, Schmidt, Neumann-Hofer Schriftsteller, Kritiker,Redacteure werden unter die spitze Feder der offenbar mit denVerhältnissen der Berliner Litcratcnwclt eng vertrauten Ver-fasserin genommen, und wenige kommen gut dabei weg. Manmuß das amüsante Schristchen lesen, eS bat seinen eigenenReiz, die Helden der Feder sich einmal ungeschminkt oder, wiedie Verfasserin sagt, ohne Netouchc vorgeführt zu sehen.

Das uns soeben zugegangene l. Heft des neuen (29.) Jahr-zangs vonAlte und Neue Welt" Verlag von Bcnzigern. Co. in Einsiedeln hat uns in angenehmer Weise über-rascht. Mußten wir bisher schon das Bestreben des Verlagslobend anerkennen, das altbewährte Familienblatt mit densteigenden Anforderungen der Zeit im Einklang zu erhalten,so gilt das in erhöhtem Maße von dem mit dem I. Hefte sichäußerst vorthcilhaft einführenden neuen Jahrgang. Derselbeerscheint nämlich in wesentlich vergrößertem Format bei ent-sprechend erweitertem Umfang, auch die neue, sehr leserlicheSchrift, sowie das saröemrische Gewand verdienen anerkennendeErwähnung. Zu diesen äußeren Vorzügen gesellt sich ein sorg-fältig ausgewählter Inhalt, der in Wort und Bild für Unter-

haltung und Belehrung in ausgiebigster Weile Sorge tragt unddieAlte und Nme Welt" zu einem katholischen Familienblattersten Ranges stempelt

Hans Sachs .

Vierhundert Jabre sind es just,

Da kam zur Welt, ihr unbewußt,

Ein Dichter, euch ja wohl bekannt,

Hans Sachs , seitdem mit Rubin genannt,Der Abkunft nach gar vielen gleich,

Jedoch an seltnen Gaben reich,

Die er, dnrchflammt von heiliger Gluth,

Auch zu entfalten nie gerubt."

Mit diesen Worten schlicht und recht begrüßt derEhrenhold" in Martin Greifs jüngstem vaterländischenSchauspielHanS Sachs" (5 Aufzüge, 8°, 86 S. Leipzig ,Amclang) das vierhundcrtjäbrige Geburtstagsjubiläum deSNürnberger Meisters. Die Dichlung ist ein prächtiges Fest-geschenk der Ercif'schen Muse und doch keine Gelegenheitsgabe,sondern ein historisches Volksstück von bleibendem Werthe,welches nach unserm Empfinden mehr nocb als dieAgnesBernauer " den Mcistcrberuf Greifs zum Volksdicbtcr in edelsterBezeichnung des Wortes offenbart. Was denHans Sachs "in so hervorragendem Maße auszeichnet, das ist vor allein dieentschiedene, getreulich-: Physiognomie seines oris- und zeit-geschichtlichen Milieu, die der feinsinnige Dichter als gebildeterKenner der Geschickte und kluger Bühnentecknik-r seinem ganzenWerke ausgeprägt hat. DaS Stück athmet die Lust des Nürn-berg der Zeit Maximilians I., es ist sogar äußerlich auf denTon Hans Sachsens gestimmt unverfeinerte kurze Reim-paare an Stelle des QuiuarS und erzielt schon dadurch eineeigenartige Wirkung. Der dramatische Aufbau ist straff undeinheitlich, die Exposition anschaulich, der Ausdruck dem In-halte gerecht: bald leicht, bald gewichtig, bald lyrisch empfindsam,bald episch breit, stets aber edel und unberührt von der durchdas Versmaß nahegelegten Gefahr des Knittelverses. Einigepoetische Freiheiten bezüglich der Lebensgcsckichte des Heldenfallen nicht weiter in die Waagschale. Dagegen hat der Dichtermit dem künstlerischen Griffe des verständnißvollen Poeten,der im Sinne derWidmung an den Leser" gar manchen ver-wandten Zug vor sich sah, sein Drama vorn Werdegänge HansSachsens gerade mit jenen Dichtungen des Meisters, in welchendessen Genius vorzüglich sichentfaltet und geklärt" hat, gleich-wie mit musikalischen Motiven ausgestattet; z. B. mit deminnigen gottergebenen Gesang, der mehrfach in todte undlebende Sprachen übersetzt und unter tiefer Verehrung .deralten Leute Trostpredigt' genannt wurde" (Lindemann, Gesch.d. d. Lit. rc. 345):Warum betrübst du dich, mein Herz?"und dem poetischen Traume von der Weibe des Dichters durchKlio. Die Zeit der Handlung ist dievorrcformatorische" Zeit,und so kommen die coufessionellen oder religiösen Fragen undKämpfe nicht zur Sprache.

Als der Zeitgenosse Hans Sachsens, der kaiserl. Rath undPropst Melchior Pfinziug, nach Angaben Kaiser MaximiliansdeiiTl!eucrdank" 1517 zu Nürnberg erscheinen ließ, da kamendie schönen gothischen Lettern aus der Offizin Johann Schön-spergers deS Aelteren, Bürgers, Schriitgießers und Papier -müllers zu Augsburg, und zu Augsburg wiederum erschienbald darnach das Werk Johann Jakob Fuggers , derSpiegelder Ehren deS Erzhauses Oesterreich".

Augsburger Pracht und Nürnberger Witz",AgnesBernauer"Hans Sachs "! Rasch nacheinander im Versflnsse eines Jahres hat Greifs Muse jene beiden süddeutschenbezw. vaterländischen Städte besucht, welche ihrer Liebe zumGewerbe und ihrem Sinne für die Kunst eine Weltstellungverdankten und bei den idealen Werken der VaterlandsliebeHand in Hand gingen zu edlem Wetteifer.

DaS SchauspielHans Sachs " wird zur Jubiläumsfeierin Scene gehen zu Nürnberg am 3., 4., 5. Nov. durch Nürn-berger Bürger, zu Weimar und zu München . Den Leserinnenund Lesern derPostztg." aber sei es aufs wärmste empfohlen,indem wir das Lob, welches der Dichter in derWidmung"seinem Helden spendet, auf das Stück anwenden:

Kein schiefer Hang, kein rauher BruchSetzt es mit sich in Widerspruch

Es kann kein Guß so glockenreinAuf Einen Ton gestimmet sein!"

Verantw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .