Ausgabe 
(8.11.1894) 45
 
Einzelbild herunterladen

358

deutende Stärke und Körpermasse angenommen, mehraufrecht stehende Ohren und schwarze Borsten bekommen.Auf Kubagua erhielten sie ungewöhnlich lange Schalen.

Im Winter bedecken sich in unseren Klimaten alleThiere mit einem dickeren Pelze als im Sommer. DerAlpenhase des äußersten Nordens hat seinen Winterbalgdas ganze Jahr hindurch, der lappländische während zehnMonate, der norwegische acht bis neun Monate, im mitt-leren Deutschland fünf bis sechs Monate lang. Unterden Tropen findet man keinen Winterbalg mehr, weiles keinen Winter gibt. Thiere, welche nach den süd-lichen Gegenden verpflanzt wurden, verlieren die Dichtedes Balges, in nördlichen gewinnen sie ihn. DasMammuth hatte einen doppelten, über Meter langenBalg, und sein Abkömmling, der Elephant, hat in Ceylondie Haare fast ganz verloren. Die ächten Pelzthiercfinden sich in Sibirien , am Kupferminenflnß, währendder Süden schwach behaarte und nackte Thiere erzeugt.Es ist demnach klar, daß Wärme und Kälte einen be-deutenden Einfluß aus Erzeugung von Haaren und Wollehaben, und daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischendiesen beiden Erscheinungen stattfindet. Bis jetzt kennenwir die Wirkung nicht, aber der Zusammenhang ist klar.Ebenso einleuchtend ist, daß, wenn sich die Temperatureines Landes ändert, dies auch auf die Behaarung derThiers und ihre ganze Körperbeschaffenheit einen Einflußhaben müsse, weil sich ja auch das Wachsthum derPflanzen ändert.

Daß sich in lange dauernden Zeiträumen Pflanzenund Thiere nach den klimatischen Verhältnissen einesLandes einrichten, beweisen unter Andern: die Galapagos-odcr Schildkröten-Inseln, die nicht weit vom Continentvon Amerika in der Südsee gerade unter der Linieliegen. Anderson, der die FregatteEugenie" be-gleitete, berichtet, daß unter 26 Arten Landvügeln nur25 dort, aber sonst nirgends, angetroffen werden. Diekolossalen Schildkröten und großen Ottern-Arten sindalle eigenthümlich; 15 Fischarten sind nur dort zu Hause,und von 16 Landmuscheln sind 14 auf jene Inseln be-schränkt. Auch von 90 Seemnschcln sind 49 fast überallsonst unbekannt, und alle Insekten-Arten, etwa mitAusnahme von dreien, sind gleichfalls neue Arten.

Demnach kann es keinem Zweifel unterliegen, daßdie körperliche Beschaffenheit der lebenden Wesen von denäußeren Bedingungen abhängig ist, und daß mit denVeränderungen dieser auch die Ersteren wechseln müssen.Solche äußere Bedingungen sind die Feuchtigkeit derLuft, die Nähe des Meeres, das Vorhandensein großerStröme oder nahe liegender Hinterländer; ferner diechemische Beschaffenheit des Bodens, d. h. ob er Mineral-bestandtheile für Pflanzen enthält, oder die Summe desNegens auf das Jahr und seine Vertheilung. Vor-waltende Windrichtungen, die östliche oder westliche Lagezu einem großen Continent, oder die Nähe zum Acqnatorhin, ob viel Land oder viel Meer vorhanden sei, dieTemperatur des Meerwassers und dessen Strömungen,sowie vor Allem die mittlere Warme des Jahres unddie Mittlere Wärme des Sommers und des Wintersfür sich allein, wie noch viele andere Beziehungen sindvom stärksten Einfluß. Die Körpertheile der Thiereaber, welche durch diese äußeren Bedingungen mancherleiVeränderungen unterworfen werden, gehören namentlichzu denjenigen, welche zur Aufnahme der Nahrungsmittelund zur Fortbewegung bestimmt sind, als Kopf, Hals,Leib, Kreuz und Hiutertheil, besonders aber auch die

Bekleidung, im Allgemeinen also gerade diejenigen Theile,welche die wichtigsten Nassenkennzeichen bieten. Beson-ders groß ist indeß auch die klimatische Einwirkung aufdie Färbung der Bedeckungen in allen den verschiedenenTinten und Nuancen, auf Häute, Haar und Gefieder,wie auch auf die Größe eines oder des anderen Körper-theiles sowohl im freien Zustande, als auch in der Ge-fangenschaft. Denn es ist bekannt, wie außerordentlich,ja oft ungeheuer der Einfluß ist, den der Mensch dadurchausübt, daß er Thiere in andere Weltgegenden versetzt,wo sie, obwohl sie immer dieselbe Spezics bleiben, sichnach und nach zu klimatischen Rassen umwandeln, welchendie am neuen Aufenthaltsort gewonnenen charakteristischenZüge so fest aufgeprägt sind, daß sie diese endlich auchbeim Zurückbringen an den früheren Ort durch vieleGenerationen beibehalten.

Warum werden die Schafe in Chile und die Schweineauf Cuba so groß, aber in den deutschen Haiden so klein?Warum erhalten die Schafe in manchen Gegenden vonAsien Fettschwänze? Warum werden sie in verschiedenenanderen Gegenden ganz schwanzlos und erhalten Fett-polster auf den Steiß? Warum sind sie in Aegypten und den angrenzenden Ländern ebenso wie die Ziegenhängeohrig, dort und am Senegal oft ungehörnt odernur mit ganz kleinen Hörnchen begabt, dagegen auf Is-land, auf den Anden, in Südamerika vielhörnig?Warum sind in der Walachei und auf Kreta die Hörnerder Ziegen denen des Kndu (^Vntilops sdi-opsioeros)ähnlich? Warum find Schafe um den Aeguator herum,wie auf Island , rauhhaarig u. s. w.? Warum besitzengerade die hohen Gebirgsstriche zwischen Persien oderChina außer den feinwolligsten aller Ziegen und Schafeauch andere sehr lang- und reichhaarige Thiere, wiez. B. den Los Zruvnious? Warum hat gerade derBezirk von Angara Ziegen, Kaninchen und Katzen mitso langen seidenartigen Haaren? Jedenfalls nur, weilin der eigenthümlichen Beschaffenheit der Himmelsstrichedie Ursachen dazu vorhanden sind.

(Schluß folgt.)

Einige Scenen aus dem Schtvedenkcicge.(Auch ein Beitrag zur Beantwortung derFrage:Ob Deutschland bei der Gustav-Adolf-Feier mitthun soll?")

Von k. Emmeram Heindl, 0. 8. V.

Wir haben aus den uns zu Gebote stehenden Quellenzusammengesucht was die Benediktinerklöster im30jährigen Kriege seitens der Schweden zu erduldenhatten. Die schwedischen Soldaten haben als getreu;Söhne Luthers nur in seinem Sinne und nach seinerMahnung gehandelt, wenn sie Kirchen und Klöster nieder-brannten, ihre Bewohner mordeten oder verjagten. DaßLuther zu solchen Gräuelthaten gegen diegötzendiener-ischen Papisten" wirklich aufgefordert, dafür finden sichin seinen Schriften hinlängliche Beweise (vgl. hierüberdas Werk von Janssen ec.). Vielleicht sind diese Zeilenauch für einige der geehrten HH. Mitarbeiter, denen nochandere Quellen zur Verfügung stehen, ein Anstoß, umdurch Aufführung ähnlicher Beispiele diese Berichte zuvervollständigen.

1. Andc chs.

Dem Tagebuche des Abtes Maurus Frksenegger (abgedrucktin I>. Sattlers Chronik von AnvechS) einnehmen wir Folgendes:

AIS die Nachricht voin Einfalle der Schweden in Bayern sich verbreitet hatte, wurden die Kostbarkeiten, insbesondere derheilige Schatz, rechtzeitig an sicheren Orten untergebracht; auch