Ausgabe 
(8.11.1894) 45
 
Einzelbild herunterladen

359

die meisten Klostcrbcwohner flüchteten sich. Um gar nicht zureden von dem, was das Kloster von den übrigen Feinden, jaselbst von Freunden zu leiden hatte, soll nur berichtet werden,wie die Schweden in demselben hausten. Anno 1632 den 18. Maifrüh Morgens kamen 16 schwedische Reiter vor das Thor desKlosters hl. Berg, und da sie nicht gleich eingelassen wurden,hieben sie das Thor mit Hacken und Gewalt ein und nur mitMühe retteten sich die zwei Herren, Hausmeister und Psarrcrmit den Bedienten, die noch da waren, durch den Garten indas Kientbal und nahmen die Flucht weit über den Ammer-see nach Liessen. Die Reiter raubten 26 Pferde und das Bessere,was sie im Kloster fanden. Es kamen aber bald mehrere feind-liche Soldaten nach. Was sich in der Zeit von 3 Wochen unddarüber bei Anwesenheit des Feindes am hl. Berg zugetragen,hat sich nach der Hand, nach dem Abzug der Schweden undder Zurückkauft einiger Domestiken und Geistlichen gezeigt.Das Gotteshaus war voll Gestank und Pferdemist, auf denAltären Ueberbleibsel von Futter, die Opfcrstöcke alle zerbrochenund die Grabstätte des Stifters geöffnet. Jedoch waren dieAltäre uns die Bildnisse derselben alle unverletzt, ausgenommendas Bildniß des hl. Rasso, das, verstümmelt und mit Kcth be-fleckt, außer dem GottcShause gefunden wurde. Den beidenGuadcnbildern der MuttergotteS konnten die Feinde nichts an-haben; auch suchten sie mehrmals vergeblich Feuer au die Ge-bäulichkeiten zu legen. Auch im ganzen Kloster war eine ab-scheuliche Verwüstung: keine ganze Thür, kein Schloß, keinKasten, kein Schrank, kein Fenster, daö nicht zerbrochen war;alle Gänge, alle Zimmer, das Nefcctorium. Dormitorium undKollegium waren mit Stroh, zerschlagenen Fenster-, Thür- undKästeniplittern, mit Pferd- und Meuschenunrath, mit Gestankund Grausen so angefüllt, daß 5 Mann 10 Tage genug zuthun hatte», das Kloster nur vom größten Unrath zu reinigen.Vom ganzen Hausrath, von Küchen- und Tischgeräthe warnichts mehr da, oder zerbrochen. Von der Menge der Bettenfand man kaun; eines oder das andere, und diese ohne Leinen-zeuge, ohne Kissen und Polster; von anderen lagen die Federnin den Gängen und Zimmern mit auderm Unrath zerstreut.

Auch in der folgenden Zeit schwebten die Klostcrbewohuerbeständig zwischen Furcht und Hoffnung und mußten mehr-mals sich zur Flucht bereit halten. Am 17. April 1633 sielenwieder einige schwedische Freibeuter iuS Kloster am hl. Bergeein. zu denen immer mehrere nachkamen und sich bei 13 Tageaushielten. Sie zerbrachen Thüren und Kästen, Fenster undTabulatcn, und raubten Geschirre, Kleidungen, Getreide undHafer, sowie das, was sie vom Kloster und den Dorflentendarin fanden. Den 1. April 1631 wurde auch das benachbarteKloster Wessobrnnn von den Schweden überfallen und zweiReligiösen gefangen nach Kaufbcurcn geführt. In ganz ähn-licher Weise wie in AndechS machten es die Schweden auch inden meisten übrigen von ihnen heimgesuchten Klöstern.

2. Benedictbcnern.

8. Karl Mcichclbek erzählt in seinem -dbronieon vsnscliotodurannm- (herausgegeben 1753 von I?. Alfons Haidcn-fcld) folgendcrwcise den Martcrtod des 8. Simon Speer:

1'. Simon Speer, der sich im Jahre 1591 unseremKloster durch die feierlichen Gelübde einverleibte, wurde am19. Mai 1632 von den Schweden aufs grausamste ermordet.Diesem Manne lag die Erhaltung deö Klosters mehr am Herzenals das eigene Leben. Als daher wegen des Einfalles derSchweden in diese Gegend alle unsere Bruder zugleich mit demAbte auf den benachbarten Bergen sich versteckt und auch diebesseren Geräthschaflcn, sowohl heilige als profane, an sicherenOrten untergebracht hatten, entwich 8. Simon allein nicht ausdem Kloster, sondern wollte bei unsern Sachen bleiben, solangees möglich wäre. Die Anzahl der eingefallenen Schweden warbei weitem geringer als der Ruf davon, der sich durch furcht-same Leute verbreitet hatte; und wenn man den Berichtenälterer Landleute und Diener unseres Hauses, die ich selbst voretwa 50 Jahren noch ganz gut gekannt habe, glauben darf, sowaren ihrer nicht mehr als zwanzig. Dieser unbedeutende Truppschwedischer Reiter hätte von den Uusrigen ohne Mühe in dieFlucht geschlagen oder überwältigt werden können; indessen dieFurcht, welche bei weitem größer war als die Zahl der Feinde,trieb die Uusrigen in die Flucht und auf die Berge.

Uebrigens erschienen diese wenigen feindlichen Reiter sorasch in unserem Kloster, daß 8. Simon weder Ort noch Zeitfand, sich ihrer Wuth zu entziehen. Außer 8. Simon selbstbefand sich in dem Kloster Niemand als einige Knaben undMädchen, welche aus Furcht vor den Feinden aus der Nach-barschaft zu uns geflohen waren. Die Schweden drangen nuneiligst in unser Kloster ein, und da sie Niemanden fanden, der

ihnen Widerstand leistete, stießen sie endlich auf8. Simon alswillkommenes Opfer ihrer Wuth. Auf diesen stürmten sie alsolos und begehrten wüthend von ihm, daß er ihnen die werth-vollen Sachen des Klosters sogleich verrathen sollte. 8. Simonsagte ihnen, es sei nichts von besonderem Werthe mehr imKloster vorhanden. Der Abt und die Brüder hätten sich sammtden beweglichen Sachen in den Bergen versteckt; indeß sei ihmganz unbekannt, in welchen Theilen des Gebirges sie gegen-wärtig verweilten. Da die Schweden dies durchaus nichtglauben wollten, so mißhandelten sie den guten Mann alsbaldmit schauderhaften Schlägen, um etwas von ihm zu erpressen.Da sie aber nichts ausrichteten, beraubten sie ihn sämmtlicherKleider und hängten ihn ganz nackt im Speisezimmer derKlostcrdicnerschaft beim Ofen an einer eisernen Stange aus;hierauf zündeten sie um seinen ganzen Leib herum Stroh anund marterten ihn so, bis der gute Mann dem Tode nahe war.Die Schweden wünschten aber, daß er noch eine Zeit laug lebensollte, weil sie hofften, ihm endlich durch die Gewalt der Marterirgend ein Geständnis; zu entlocken. Daher verschafften sie ihmin seiner hängenden Lage einige Erleichterung und suchten einigeZeit im Kloster herum nach Beute. Als sie einiges gefunden,viel verwüstet und zerbrochen hatten, kehrten sie in erwähntesSpeisezimmer zurück, ließen den 8. Simon von der Stangeherab und schleppten ihn mit sich zum Kloster hinaus gegendie Alpen zu. Da sie aber mit größter Habgier in den um-liegenden Dörfern nach Beute suchten, ließen sie ihn endlichhalbtodt liegen. Inzwischen kamen einige unserer Bauern underblickten den I?. Simon nackt, auf allen Seiten versengt undmit Wunden bedeckt. Von innigstem Mitleid gerührt, fragtensie ihn, womit sie ihm dienlich sein könnten. Er verlangte mitschwacher Stimme etwas, womit er seine Blöße bedecken könnte.AIS mau es ihm gebracht, bat er, man möge ihn in eines dernahen Gebüsche tragen, damit er nicht dem Anblicke Aller aus-gesetzt wäre. Unsere Bauern willfahrten seiner Bitte. Aberschon am nächsten Tage hauchte 8. Simon seine Seele aus,nachdem er sie unaufhörlich und voll Andacht Gott em-pfohlen hatte.

Als die Nachricht von seinem Tode den Uusrigen, die aufden Bergen versteckt waren, hinterbracht worden war, wurdeder Leichnam des guten Mannes nicht in unserm Kloster (woman vor den Feinden nicht sicher war), sondern in unsererPfarrkirche zu Kochcl beim Hochaltar beigesetzt. Der Grab-stein enthält die Inschrift: >Häm. 8. 8. Limon Lpeor Orll.8. 8. a 8nsoi3 oeoimw 1632.« So bildete 8. Simon einenglückseligen Zuwachs zur Anzahl derer von den Uusrigen, dieeinst von den Hunnen und anderen gottlosen Menschen ähnlicheMartern um ihres Glaubens oder ihrer Treue willen erlittenhaben. Und wir zweifeln nicht, daß er auch jetzt im Himmelnoch unser Kloster liebe, dem er einst auf Erden mit solcherAnhänglichkeit zugethan war.

3. St. Emineram (in Regenöburg).

(Aus Uatisdona monastica I. Theil, Ncgeusburg 1752; vom

Fürstabt I. B. Kraus von St. Emmcram.)

Die Bürger der Stadt fielen größtenthcils der neuen Lehrezu seit 1535; diese Lehre wurde in Ncgeusburg 1542 öffentlichanerkannt. Als die Stadt am 5. Nov. 1633 sich dem schwedischenFeldherrn Bernhard von Weimar übergeben hatte, wurden dieMönche und Nonnen aus ihren Klöstern vertrieben, die meistenGeistlichen aus der Stadt verjagt, Das Stift St. Emmcramkam in weltlichen Besitz, und die herrliche Bibliothek mit denkostbaren Werken und Handschriften wurde elend verschleudert.

4. Ettal .

8. Ludwig Babcustuber, Conveutualc von Ettal, erzählt inseinem Werke >8unllatrix lüttalerwrs« (München 1691 beiI. L. Sträub) Folgendes:

Unter Abt Othmar Eoppelzrieber fiel der Schwebeukv'nigGustav Adolf in das röm. Kaiserreich deutscher Nation ein, undzuletzt auch in Bachern . Mau sah sich darum bei Zeiten durchdie Flucht vor, und alles Wcrtbvollerc wurde an sicheren Ortenverborgen. Abt Othmar selbst und alle Mönche suchten Schlupf-winkel auf. Der einzige 8. Josef Hcß aus Augsburg weigertesich, das Kloster zu verlassen, und gab aus eigenem Antriebedas handschriftliche Versprechen, er würde daö Hauswesen be-wachen und besorgen, solange vom Kloster noch eine Mauerübrig wäre. Dean nahm seine hochherzige Großmuth an, unddie Uebrigen begaben sich in ihre verschiedenen Zufluchtsstätten,wo ihnen solche geboten wurden; das war am 4. Juni 1632.Bald darauf erschien eine Schaar feindlicher Reiter, nachdemSolche, welche sogar mit Gefahr ihres Lebens es hätten ver-heimlichen sollen, ihnen den Weg durch die Alpen gewiesenhatten. Bei ihrer Ankunft begehrten sie mit ächter Soldaten-