Ausgabe 
(15.11.1894) 46
 
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geeignet, bieten viele Anschlußpunkte an die durch ihreedle Mäßigung und vornehme Empfindung in der Ge-schichte eigenartig hervortretenden Zweige des Bencdicüner-ordcns, z B. die Manriner. In neuerer Zeit ergabensich naturgemäß die meisten verwandtschaftlichen Be-ziehungen mit den in Frankreich so schwer getroffenenMönchen von SolcSmes.

Wie diese und ursprünglich alle Congregationenstrengerer Observanz, haben auch die Beuroner ihreKräfte in erster Linie auf das OEeiurn divinum con-centrirt. Das bedeutsame Werk des ErzabteS Walterksallits Zg-xianter" ist ein Beweis deS trotz derstrengsten Beachtung der äußeren ceremoniellen Bor-schriften erzielten tiefen Eindringens in die kontempla-tiven Aufgaben des Mönchslebens. Anderseits aber be-weisen uns die Werke des Abtes von Emmaus, Sauter,sowie des auch sonst durch historisch-liturgische Forsch-ungen neben seinem nunmehr verstorbenen Cousrnterk. Suitbert Bauemer bedeutsam wirkenden k. AmbrosiusKtenle über die nothwendige Auffassung und die noth-wendigen Reformen auf dem Gebiete des Choralgesanges,daß die Kongregation der äußeren Veredlung und derRückleitung des Gottesdienstes auf frühere Principien inder von Nom in neuerer Zeit befürworteten Weise aufdas erfolgreichste sich widmet.

Daß die auf Askese gerichteten Bestimmungen derCongrcgalion, wie sie im traditionellen Ordensleben alsintegrirender Faktor auftreten müssen, dazu beitragen,die Neformrichtung derselben noch mehr hervorzuheben,ist nach dem Gesagten erklärlich. Wenn auch in dieserHinsicht vielleicht ein allzu rigoroses Festhalten an altenUsancen zu beobachten ist, so muß doch im Allgemeinenanerkannt werden, daß der äußerlichen Strenge, die inandern Orden so sehr hervortritt, wehr die inneren, reinseelischen asketischen Bemühungen vorgezogen werden, diebei dieser Kongregation eine gewisse principielle Ueber-einstimmung mit besonders betonten Anschauungen desJesuitenordens nicht verkennen lassen, wenn auch sonstder Charakter der beiden Gesellschaften, wie er durchmanche Verschiedenheiten in den Bestrebungen festgesetztwird, keineswegs die Behauptung einer näheren Verwandt-schaft rechtfertigt.

Ch. Th. Saint-Paul.

Planeten im Fixsternsysiem.

Beitrag zur Astronomie des Unsichtbaren.

Von Max Mater (Schaufling ).

-Motto:Die Spräche der Analysis des Un-endlichen, die vollkommenste allerSprachen, ist schon an sich selbst einmächtiges Hilfsmittel und Werkzeugder Entocckung."

Pierre Simon Laplace in »Llöeanigus eLkebte«.

Die meisten Sterne, .die wir am Himmelszelte er-blicken, sind Fixsterne, die von unserer Sonne und voneinander durch unermeßlich große Zwischenrüume getrenntwerden. Die Spektralanalyse, welche dem Chemiker nochVsononon Milligramm eines Natriumsalzes nachweisen läßt,hat dargethan, daß jeder Fixstern in seinem physischenAufbau die größte Aehnlichkeit mit dem Centralkörperunseres Systems, mit unserer Sonne, besitzt und außer-dem eine lange Reihe von Entwickelungsstadien von derintensivsten Weißglühhitze bis zu einer massenhafte Kon-densationen von Metalldämpfen bedingenden Abkühlung

und noch weiter bis zum festen Zustande zu durchlaufenhat, freilich in unmcßbaren Jahrmillionen! Also dieFixsterne lauter Sonnen! Sie erweisen sich aus der-selben Materie zusammengesetzt, welche wir hier aufErden analystren, sie eilen in rastlosem Fluge durch denunendlichen Raum welchem Ziele entgegen? wir wissenes noch nicht; was liegt da näher als der Gedanke: alleFixsterne als Sonnen sind Tagesgestirne für besondereWelten, mit anderen Worten: alle Fixsterne sind Sonnenfür Systeme von dunklen Körpern, für Planetensysteme. Nicht nutzlos würden auf diese Weise diese fernenSonnen ihren ungeheueren Vorrath von Energie durchVermittlung des Aethcrs, in welchem die Körper reiblosdahingleiten, in den Weltenraum ausgießen, vielmehrwürden sie auf großen und kleinen Weltkugeln durchihre Licht- und Wärmestrahlcn das Leben in der Materiewachrufen und bis zur höchsten Vollendung steigern.

Nachdem wir wissen, daß auch auf den andernWelikörpern des Universums dieselben chemischen Bestand-theile existiren, durch welche auf unserem Erdball daSorganische Leben bedingt wird, so entsteht von selbst dieFrage, ob nicht auf diesen Körpern eine der irdischenFlora und Fauna analoge Stufenreihe von Organismensich entwickelt, sobald dieselben physikalischen Bedingungenwie auf unserer Erde erfüllt sind. Jeder Weltkörper istfür uns ein Samenkorn, das bei seiner Entstehung schoneine ganze Organismenwelt xoteirtialrtöv enthält, umsie dann unter den günstigen Bedingungen entwickeln zulassen. (Vgl. die merkwürdigen Spekulationen Kant'sim 3. Theile derNaturgeschichte des Himmels ". Ost-wald's Klassiker der exakten Wissenschaften. Leipzig ,Engelmann.)

Wenn wir auch sicher wissen, daß auf einzelnenWeltkörpern, z. B. den Fixsternen, Organismen nichtexistiren können, so lange sie sich im Glühzustand be-finden, so thut das der Annahme der Bewohnbarkeit derWelten keinen Eintrag! Wir wissen, daß unsere Erdevon ihrem einst gasförmigen, dann glühend flüssigen biszu ihrem jetzigen Zustande mit erkalteter Rinde eine Ent-wickelung von mehreren Millionen Jahren durchlaufenhat. Mehr als 10 Millionen Jahre hat sie sich um dieSonne bewegt, bis endlich einmal, vermuthlich in derkambrischen Periode, auf ihr die einfachsten Zellen-orgamsmen entstanden; Menschen haben vermuthlich nichtviel länger als höchstens 10,000 Jahre auf ihr gelebt,die Civilisation besteht auf ihr noch nicht 5000 Jahre;hätte also ein Enge! die Eide in Zwischenräumen von10,000 Jahren besucht, um Menschen zu suchen, sowürde er viele tausend Male enttäuscht worden sein.So würde es auch uns gehen, wenn wir die fernstenSterne nach lebenden Wesen absuchen würden. Uebrigenswer sagt uns, daß das Leben, die Reizbarkeit des Proto-plasmas überall im unendlichen Weltall zwischen denselbenGrenzen eingeschlossen ist, wie hier aus Erden! (Vgl.meine Ausführungen inNatur und Offenbarung".40. Bd. 1894, S. 193 ff., 272 ff. u. 462 ff.)

Diese ganz der Vernunft entsprechende Auffassungwürde jedenfalls eine wesentliche Stütze bekommen, wennman einmal darüber volle Gewißheit hätte, daß die Fix-sterne mit Planeten d. h. mit dunklen Körpern ausge-stattet feien. Die Astrophysik hat in jüngster Zeit aufeinem höchst einfachen Wege Anhaltspunkts erhalten, umauf das Vorhandensein dunkler Fixsternbegleiter zuschließen.

Der erste Fixstern, bei dem ein dunkler Begleiter