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nachgewiesen werden konnte, war der Stern st (Algol)ini Persens. Im Jahre 1667 hatte Montanari er-kannt, daß dieser Stern sein Licht verändere, d. h. daßer bald Heller, bald dunkler werde, und erst Arge land erund Schönfeld ersahen aus ihren zahlreichen Beobacht-ungen, daß das Maximum der Helligkeit Algols 2 Tage11*/z Stunden anhält, um dann in 4*/» Stunden biszum Minimum der Helligkeit herabzusinken und in weiteren4*/z Stunden wieder zur vollen Stärke anzuschwellen.
Man hat im Laufe der Zeit noch sieben Fixsternegefunden, deren Ltcbtwechsel dieselben typischen Eigen-schaften wie Algol besitzt.
Verschiedene Erklärungen wurden gegeben. Als dieplausibelste erwies sich diejenige, welche den Lichtwechselerklärte durch einen den Algol umkreisenden wenigerhellen oder dunklen Himmelskörper. Die Bahnebenemußte sich natürlich nahe in der Gesichtslinie befinden,so daß beim Vorübergehen des dunklen Körpers jedes-mal eine Bedeckung d. h. Verfinsterung des hellen statt-fand. Die Umlaufszeit der beiden Körper um ihrenSchwerpunkt mußte 2 Tage 21 Stunden betragen, d. h.der Periode des Lichtwechsels gleich sein. Daraus lassensich die Elemente der Bahn dieses Doppelsternsystemsberechnen. Aus diesen Berechnungen ergab sich, daß dieDistanz der beiden Körper äußerst gering ist, so daß manan die Stabilität eines so engen Systems nicht glaubenkonnte. Die scheinbare Distanz der beiden Sterne amHimmel konnte nicht viel über den hundertsten Theil einerBogensekunde betragen, und derartige Distanzen könnenselbst in unseren Niesenrefraktoren nicht aufgelöst werden.Da machte das Spektroskop, dieser feinste Analyscnr derMaterie, den dunklen Begleiter des Algol sichtbar!
Nach dem Doppler'schen Princip , nämlich aus dergegenseitigen Verschiebung der Linien im Spektrum, könnenwir ermitteln, ob ein Himmelskörper sich uns nähert oderob er sich entfernt, und mit welcher Geschwindigkeit diesesgeschieht. (Die höchste Genauigkeit in der Messung derLinienverschiebung in einem Spektrum wird durch dieim Jahre 1888 zum ersten Male angewandte spektro -graphische Methode erzielt.) Wie ein Ton immerhöher wird, je mehr sich dessen Quelle uns nähert, oderimmer tiefer, je weiter sich eine Tonquelle von uns ent-fernt, weil in dem ersten Falle in der Zeiteinheit immermehr, im zweiten Falle immer weniger Schallwellenunseren Gehörnerv reizen, so werden auch die Linien imSpektrum eines Sternes, der sich uns nähert und deruns also in der Sekunde immer mehr Aetherwellen zu-sendet, gegen die violette Seite hin verschoben; imentgegengesetzten Falle, wenn sich der Stern von unswegbewcgt und uns also immer weniger Aetherwellen inder Zeiteinheit zusendet, so werden die Linien eineVerschiebung gegen Noth hin erleiden. Vogel undSch einer in Potsdam waren es, welche die Lösungdes Algolproblcms auf fpektrographischem Wege ver-suchten und das Ergebniß ihrer Untersuchungen am 28.November 1889 der Berliner Akademie der Wissenschaftenvorlegten. Daß ein Satellit, der so starke Verfinster-ungen hervorrufen kann, an Größe und an Masse vomHauptstern nicht zu sehr verschieden sein kann, ergibt sichbei der einfachsten Ucberlegung. Die Himmels-Mechanikzeigt, daß sich solche Körper, die an Masse sehr wenigdifferiren, um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegenmüssen. (Bei unserem Sonnensystem liegt dieser Schwer-punkt in der Sonne wegen ihres Massenüberschusses.)Nun muß Algol, wenn er wirklich um einen von seinem
Centrum verschiedenen Punkt kreist, während jedes Um-laufes ein Mal mit großer Schnelligkeit sich von unsentfernen, ein anderes Mal mit ebenso großer Geschwindig-keit uns näher kommen, welche Bewegungen in den Linien-verschiebungen des Algolspektrums sich wiederspiegelnmüssen. So fanden Vogel und Sch einer, daß dieBahngeschwindigkeit Algols 42, die seines dunklen Be-gleiters 89 Kilometer beträgt. Das ganze System be-wegt sich mit einer Geschwindigkeit von nur 4 Kilometerauf uns zu. Die Massen der beiden Körper sind ^/g und2/g der Sonncnmasse. Der Durchmesser des Hauptsternsist 1,700,000, der des Begleiters 1,330,000 Kilometer.Die Distanz der beiden Mittelpunkte beträgt 5,480,000Kilometer! Die Mittelpunkte dieser beiden Körper sind10 Mal näher aneinander gerückt, als der sonnennächstePlanet Merkur bei seinem Tagcsgestirne steht. Die Ober-flächen dieser beiden Körper müssen also noch näher sein!Für Merkur hat Schiaparelli vor einigen Jahrennachgewiesen, daß die Zeit seiner Notation gleich derZeit feines Umlaufes um die Sonne ist. Seit den be-rühmten Mathematischen Untersuchungen von GeorgDarwin und William Thomson wissen wir, daßder Grund hievon in einer sehr starken Fluthwclle zusuchen ist, welche die Sonne seit unermeßlichen Zeitenauf der Oberfläche des Merkur hervorgerufen hat. Umwie viel stärker müssen bei Systemen, wie dem des Algol,die Fluthwirkungen der beiden Körper sein! Algol undsein dunkler Begleiter müssen, wie Wilsing gezeigt hat,Ziemlich stark von der Kugel abweichende Formen besitzen;sie müssen in der Richtung ihrer Mittelpunkte verlängertsein — nach G. Darwin'S Theorie in ciähnlichenFiguren, deren Spitzen einander zugekehrt sind. AuSUnregelmäßigkeiten in der Periode des Lichtwcchsels hatEh and! er auf einen dritten dunklen Körper im Algol-system geschlossen. Die exacten Untersuchungen hierübersind aber bis jetzt noch nicht abgeschlossen.
(Schluß folgt.)
Der Einfluß des Klimas auf die Umgestaltungder Thierrassen.
Von H. von Remagcn.
(Schluß.)
Am augenscheinlichsten sind unter den Veränderungen,welche das Klima rc. hervorruft, jedenfalls diejenigen,welche an den Haaren und Hörnern sich vollziehen. Wieschon bemerkt, haben die meisten Thiere in heißen Ge-genden nicht nur weniger, sondern auch kürzere undfeinere Haare, als in kälteren Zonen, wie dies z. B.die nackten Hunde Chinas beweisen. In Grönland da-gegen sind die Mitglieder dieser Spezies stark behaart,während der Büffelochs Chinas nur wenig einzelneHaare hat. Der Fuchs ist im Norden stark behaart,im Süden dagegen trägt er einen weit feineren undkurzhaarigen Balg. Aber auch die einzelnen Haarewerden abgeändert, wenn man Thiere aus einem Klimain das andere versetzt. So wurde, wie schon gezeigt, z. B.die schönste und feinste Wolle der Merinos in Chile undPeru verhältnißmäßig schnell in schlichte und steife Haareverwandelt.
Wie das Haar, verhalten sich die Hörner in Bezugauf Form und Construktion, indem sie bei einigen Thier-arten kürzer werden, sich in der Masse mehr verdichtenund sich dabei Heller und glänzender färben, bei andereni aber mehr oder weniger gewunden erscheinen. Als Bei-