Ausgabe 
(15.11.1894) 46
 
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spiel dienen hiefür einige ostindische Rindvieh- und Schaf-Rassen.

Aber auch im Nebligen wirkt das Klima umbildend.So wird der europäische Hund, wenn er nach denheißesten Gegenden von Afrika verpflanzt wird, stumm,das heißt, sein Bellen verwandelt sich in ein Gemurr;dabei bekommt er spitzige, steife Ohren, wird häßlichund verliert die Haare, wie auch seinen ehemaligenMuth; ebenso ergeht es ihm in Südamerika . Wasnun die Größe der Thiere betrifft, so steht auch dieseoffenbar in Wechselwirkung mit dem Klima. Dennunter den wärmeren Himmelsstrichen finden sich im All-gemeinen größere und ausgebildeter« Formen der organ-ischen Welt vor, als in den gemäßigten, und die bildendeThätigkeit der Natur erscheint dort in jeder Hinsichtkräftiger, was man besonders bei den auf dem Landelebenden Thieren bemerken kann. In den nördlichenGegenden von Europa findet man die Farnkräuter alskleine Gewächse, während sie in den tropischen Gegendenzu hohen, baumartigen Farnen gedeihen. In unseremNorden findet man durchgehend nur kleine Amphibien-arten, während im Süden die kolossalen Krokodile,Niesenschlangen und Niesenschildkröten Hausen. Wiegering sind nicht die wilde Katze und der Luchs, diesebeiden Arten des europäischen Katzengeschlechtes, gegenden mächtigen Löwen und Tiger des Südens? Diehohen Palmen, Giraffen, Elephanten gehören alle demSüden an, dem Norden dagegen die großen Wasser-thiere. Das Pferd in den heißen Zonen und imhohen Norden ist klein, wie in Arabien, Island undSibirien . Versetzt man Rindvieh aus den gemäßigtenZonen Europas , z. B. nach Ostindien, so wird es inden folgenden Generationen bedeutend kleiner, ebensoist's mit den Schweinen.

Werfen wir weiter einen Blick auf die Temperamente,Triebe und Eigenschaften der Thiere, so werden wirwiederum einen Einfluß des Klimas spüren. So findetman in den heißen Zonen meist Thiere von lebhaftcholerischem Temperament, von der wilden Katze an-fangend bis zum Tiger und zum Löwen hinauf, währenddie Nanbthiere in gemäßigteren Gegenden weniger raub-gierig und meist sanfter sind, wie der Wolf und derHund. In den gemäßigten Zonen ist auch das Fleischviel wohlschmeckender und nahrhafter, als in den heißenund kalten. Die Häut ist in weniger warmen Gegendenebenfalls anders gestaltet, als in heißen; in jenen ist sieweniger porös, daher dichter, zäher und weniger dick.Dasselbe gilt von den Knochen, welche bei den meistenThieren in einem warmen und gemäßigten oder einemtrockenen Klima weit dichter, weniger porös und daherbei gleicher Dicke weit fester als im kalten sind. Aller-dings kommt Hiebei auch der Aufenthaltsort und dieNahrung in Betracht. Man muß bei alledem die Tiefen,Höhen, Berge und Sumpfgegenden nicht unberücksichtigtlassen. In Betreff der Nahrung ist zu bemerken, daßalle Pflanzen, die in Tiefen oder einem feuchten Klimawachsen, weit mehr wässerige als feste Theile in gleichemGewichte und Volumen enthalten, und daß daher Thiere,die dort heimisch sind, gegen jene in einem entgegen-gesetzten eine andere Körperform annehmen. Je besserdie Weiden sind, desto herrlicher gedeihen die Thiere;so haben die oberen kalten Gegenden Sibiriens , wo dieWeiden äußerst schlecht sind, kleines, elendes, oftmalshornloses Rindvieh; so sind die Ochsen Persiens klein,hingegen in der Kalmuckei und Ukraine wegen reicher,

guter Nahrung sehr groß; so sind die Ochsen der Schweiz größer, als die Frankreichs .

Bei Verschiedenheit der Nahrung nimmt meist nichtbloß die Größe, sondern auch die Form des Körpers eineverschiedene Gestalt an; bei dieser beginnt die Veränderungvon innen nach außen, bei den klimatischen Einflüssen da-gegen mehr von außen nach innen. Darum hat manwohl gesagt:das Klima verändere den Typus vonaußen nach innen, die Nahrung dagegen von innen nachaußen."

Wenden wir schließlich unsere Aufmerksamkeit nochden Abänderungen in der Färbung zu, welche durch dieklimatischen Einflüsse hervorgerufen werden, so findenwir, daß diese besonders groß sind, wenn nämlichDr. Gloger in Breslau der diesen Gegenstand aus-führlich behandelte und durch Beispiele belegte Rechthat. Nach ihm wird an Vögeln z. B. das Schwarzoder Braunschwarz in wärmeren Gegenden einerseitstiefer, während es andererseits bei unbestimmter Ab-grenzung von hellen Farben sich mit bestimmten Grenzenvon diesen abzuscheiden und in schärferen Gegensatz gegensie zu treten pflegt, so z. B. bei den Dohlen, dem schwarz-kehligen Wiesenschmätzer, auf den Flügeln der Nöthlinge,bei der weißen Bachstelze. Theilweise muß es aber auchweichen, wie bei den Schwänzen des rothköpfigen Würgers,der Steinschmätzer-Arten, den Flügeln der Röthliuge, derweißen Bachstelze, beim Schwanz des Erlenzeisiges,mehrerer Grasmücken und Lerchen, besonders aber desWiedehopfes und der Feldtaube. Die Färbung nimmthingegen ab bei Standvögeln unter kalten, nördlichenoder östlichen Klimaten, so beim Jagdfalken, bei demMäusebussard, bei der Schnee-Eule, bei dem Uhu, beider gemeinen Krähe und hin und wieder bei demWasserschmätzer.

Das Graue und Graubraune neigt sich an wärmerenOrten mehr ins Dunklere und geht zuletzt ganz in dasSchwarze über, wie z. B. beim Hühnerhabicht, beimSperber, beim Zwergfalken, bei der Dohle, bei derWacholderdrossel. Ganz deutlich verdunkelt sich dashelle Nothgrau beim Baumläufer. Oft wird ein rechtHelles Weißgrau bei denselben klimatischen Einflüssennoch lichter, ja manchmal ganz weiß, so bei dem grauenKopfe des männlichen rothköpfigen Würgers, an mehrerenTheilen der Dohle, an der Stirn und den HinterenSchwanzfedern der Nöthlinge, an den Flügeln derweißen Bachstelze, an oen Seitenschwauzfedern der Gras-mücken und am Schwänze der Feldtaube. Im Nordenwird dies Heller, oder es tritt das Weiße an die Stelledes Grauen und Graubraunen, so bei der gemeinenKrähe am nördlichen Laufe und Busen des Obi, beimHühnerhabicht, Jagdfalken, Mäusebussard, beim Uhu undoft bei der Schneetaube.

Das Weiße nimmt meistens in den kalten Ländernan Glanz und Schönheit zu, während es in wärmerenLändern sich mehr in das Schwarze verliert. Die hellereNostfarbe wird in den wärmeren Klimaten zu tiefemRost- oder Rothbraun, z. B. am Bauche des schwarz-kehligen Wiesenschmätzers, des GartenröthlingS, Garten-Ammers, Baumläufers und den Hinteren Flügelfedernder Turteltaube. Bei anderen Vögeln werden dieseFarben, wo sie oft nur schwach oder bloß angedeutetsind, weiter ausgedehnt, überziehen allmählig größereStrecken und verdrängen dadurch die benachbarten Farben,wie z. B. am männlichen Sperber, Mäusebussard, amrothköpfigen und weiblichen rothrückigen Würger, dem

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