366
heimlichten NotbpsennigS zu wählen hatten; noch Andere sperrtensie in die Backöfen und heizten dieselben so lange, bis es dieHitze ebenso weit als der Wasserzwang brachte." Im I. 1635erreichte das Elend in diesen Gegenden einen Grad. welcher biszn den unmenschlichsten und verzweifeltsten Unternehmen ver-leitete. Der erwähnte k. JeremiaS Mahr schildert in einemBerichtsschreiben an seinen Abt Maurns vom 20. Jänner d. I.das Elend folgendermaßen: .... „die Pfarrer zn Otten-benren, Ottenhausen, Günz und Erisricd haben ihrePosten verlassen. In unserm Gebiete sind die meisten Mühlenzerstört und in einen unbrauchbaren Stand versetzt. Mit demHunger ist cS auf der äußersten Stufe; Pferdefleisch, ausge-bälgte Katzen und geschundene Hunde sind jetzt die gewöhnlichenDelikatessen der bloßen Bürger, die Noth zwingt sie auch, nichtnur alle Gattung der Mäuse, sondern auch das MooS alterBäume, Brennesseln und gleich den Thieren GraS und anderetheils unverdauliche, theils äußerst ekelhafte Dinge zu speisen.AIS dieser Tage dem Herrn Obersten von Wolkenstein einschäbiger und krätziger Esel fiel, stürzte man sich über das Aasher und fraß dasselbe begierig aus Zn Loos zehrte eineMutter ihr eigen Kind auf, und eine andere stand eben imBegriffe, mit ihrer doppelten Leibesfrucht ihren Hunger zn stillen,als der Ortspfarrcr dazu kam und die Unmcnfchlichkcit binderte.Von AngSburg und dessen Gegenden meldet der Oberste vonBiberack', daß man auch dort Menschcnflcisch speise." Erst imJahre 1636 nach dem Abzüge der Schweden , dieser grausamenUnmenschen, traten wieder gelindere und menschlichere Tage fürSckwaben ein. Aber erst im I. 1610 kehrten die gcflüchtelcnMönche unter ihrem Abte wieder in ihr Kloster zurück, unddamit kehrte die frühere Ordnung wieder in das Stift ein.
7. Wcihcnstephan.
Nach Gcntner'S Geschichte von Weihcnsiephan (München 1854 bei Hübsckmann) plünderten die Schweden bei ihrem erstenEinfalle in Bayern 1632 das Kloster von innen und voi^außenund benahmen sich besonders roh gegen jene vorhandenen «schätze,welche nicht mehr ersetzt werden konnten, nämlich gegen dieDocnmcnte und wissenschaftlichen Alterthümer, an welchenWeihenstepban so reich war. Im Jahre 1634 nahten dieSchweden wieder und ermordeten viele Leute in Vötting und Bachern, scheinen aber diesmal das Kloster verschontzu haben.
Ueber die Schicksale des Klosters Weingarten in dieserPeriode entnehmen wir dem >6atalo§ns Lbdatum IwxerialisIlonasteiii IVain^artöllsis« von k. Gerhard Heß (Augsburg 1781) folgende Notizen:
Im April des Jahres 1632 drangen die zn Ulm sich auf-haltenden schwedischen Soldaten in die umliegenden Klöster einund plünderten sie; sie jagten eine solche Furcht ein, daß alleKlosterbewohncr die Flucht ergriffen und an andern Orten einsicheres Unterkommen suchten. In das Kloster Weingarten flohen sehr Viele von verschiedenen Orten her. Am 20. Aprilflohen aber auch 16 Mönche von Weingarten wegen dringenderGefahr, die seitens der Schweden drohte, nach Feldkirch . Am16. Juli sahen sich auch die übrigen zur Flucht gezwungen.Bald darauf erschien ein schwedisches Heer, das die Bürger undLandlcute, die es antraf, ohne alles Mitleid verjagte odertövtete. Von der Grausamkeit der Schweden blieb weder dasKloster noch seine Bewohner und Bediensteten verschont. Dennzwei derselben, welche eben krank lagen und deßhalb nicht hattenmitgenommen werden können, wurden grausam ermordet, ?. Nu-pcrt Khuen und der Schreiber Zoh. Maier. ?. Nupert lag aufeinem mit trockenen Blättern gefüllten Sacke krank am Boden.Da kam ein lutherischer Fleischer aus der Nachbarschaft undzerschmetterte ihm mit einer Doppelaxt das Haupt. Als nach11 Tagen die Feinde abgezogen waren, fand man ihn so, mitzertrümmertem «Schädel, tobt aus dem Sacke liegen. Sein Bildwar bis über die Hälfte des Leibes auf dem genannte Sackedurch sein eigenes Blut so vollkommen ausgeprägt, daß manalle seine Glieder bis zu den Knöcheln deutlich unterscheidenkonnte. Von den Fersen weg war ihm die Haut wie einStiefel abgezogen und wurde besonders gefunden.
Den barbarischen Soldaten war es noch nicht genug, sograusam gegen die unschuldigen Bewohner gewüthet zu haben;auch daS Kloster selbst sollte jämmerlich verwüstet werden. DerHochaltar und einige andere Altäre in der Kirche wurden ent-weiht und zerstört, die Heiligenbilder zerschlagen und mit Schmachüberhäuft. Sogar der allcrbciligstc Name Jesu, der oben ainTabernakel mit goldenen Strahlen umgeben angebracht war,wurde nicht verschont. Alle Kostbarkeiten des Tempels wurdengeraubt; die drei Orgeln wurden so zerschlagen und verdorben,
daß mau sie nachher nicht mehr gebrauchen konnte. Den Bildern,welche äußerst künstlich in die Chorstüblc geschnitzt waren, wurdenmutwilliger Weise die Nasen abgeschlagen. Alle Tbnren deSTempels wurden zerschlagen; die Zimmer und Säle deS Klostersfand man voll Unrat, Federn, Blätter n. dgl. Die FensterdeS ganzen Conveuts, namentlich des Speisesaales, waren allezerschlagen. Die Klostcrgänge und der Recreationssaal wurdenals Pfcrdcställe verwendet. Alle NahrungSvorräthe wurdennicht bloß von den Feinden, sondern noch mehr von denFreunden und Hausgenossen des Klosters entführt. ES wirdauch berichtet, daß die Schweden mit den hl. Kirchengewändernangethan in einem Obstgarten Tänze ausführten und Nie-manden zu denselben zuließen, der nicht mit einer ähnlichenLarve verkleidet war. Am 5. Jänner 1633 kehrten endlichwieder einige Patres von der Flucht ins Kloster zurück. Am10. Juli predigte ein lutherischer Prädjkant auf der Kanzel derKlosterkirche,^und das Kloster wurde wieder von einigen Tau-send Soldaten besetzt. Am 27. Jänner 1634 besetzten einigeSchwadronen schwedischer Reiter die Klostcrpforle, um den Auö-gang abzusperren. Unterdessen aber entkamen die Meisten sammtdem Abte über eine an die Gartenmauer gelehnte Leiter. DerKlostcrökvnom ?. Peter Molstor, der mit den übrigen nichtentflohen war, mußte 52 Stunden unter den Mühlrädern ver-borgen bis an die Lenden im Wasser stehen und wurde erst amfolgenden Sonntag den 29. Jänner von einem Klostcrbäckcr,welcher sein dort verstecktes Geld zu suchen gekommen war, zu-fällig entdeckt, mit Speise und Trank erquickt und in einwarmeö Zimmer gebracht, nachdem er vom Donnerstag biszum Sonntag ganz nüchtern und vor Kälte beinahe erstarrtwar. In der folgenden Nacht gelang cS ihm mit den klebrigen,in weltlichen Kleidern mit einer Hacke über der Achsel, als ob'szum Eiöhaucn ginge, nach Bregen; zu entfliehen. Es ist wahr-haft wunderbar, daß er bei der gerade damals herrschenden sehrstrengen Kälte nicht ganz erfror. Einige blieben in Bregcnz beiihren Freunden und Bekannten, andere reisten nach Feldkirch weiter. Erst im Juli des Jahres 1637 konnte man wieder andie Rückkehr in's Kloster denken.
Die folgenden Berichte entnehmen wir der -HierarelnL^.UAnstana I'ars III. reguläres- von k. Corbinian Khamm0. 8. L., Augsburg 1715.
9. St. Ulrich und Afra (in Augsburg ).
Im Schwcdenkricge, unter dem Administrator und nach-maligen Abte Bernhard Herdtfclder, wurde ane 19. Mai 1633der gesammte Klerus, mit Ausnahme der Mönche von St.Ulrich, aus Augsburg vertrieben; 5 Stadtpfarrcien waren ihrerHirten beraubt. Zur geistlichen Verlassenheit kam noch eineschreckliche Pest; die Mönche von St. Ulrich standen in dieserNoth allein noch den Leuten bei, der Prior deS Klosters wurdevon der Pest hinwcggerafft. Dazu gesellte sich eine so schreck-liche Hungersnot», daß man mit Hunden und Katzen, dem Aasund der Haut gefallener Thiere den Hunger stillte. Kleinge-schnittenes Stroh vermischte man mit ein wenig Mehl und bukBrod daraus; ja sogar vor Menschenfleisch schreckte man nichtmehr zurück. Abt Bernhard war unter all' diesem Unglückder einzige kirchliche Prälat in der Stadt und vom bischöflichenGencralvikar mit allen geistlichen Vollmachten ausgerüstet. Die6 Stadtpsarrcien rcdncirte er aus 4: 1) die Dompfarrci;2) St. Ulrich und St. Moriz; 3) hl. Kreuz und St. Georg;4) St. Stephan mit der Vorstadt St. Jakob. Einer jedendieser Pfarreien setzte er einen aus seinen Mönchen als Pfarrervor. Mit diesen versah er die gesammte Scclsorge der Stadtund der 3 Franenklöster, und widerstand nach Kräften denwilden Stürmen der Häresie, von welchen Augsburg heim-gesucht ward. Damit der katholische Glaube in der Stadtnicht ganz zu Grunde gehe, predigte er selbst an Sonn- undFesttagen dem zusammenströmenden Volke, ermunterte cS zumGehorsam gegen den Papst und waffncte cS mit den heilsamenLehren deS alten Glaubens. Dazu veranstaltete er noch in derKirche St. Ulrich öffentliche Gebete und Andachten.
Am FrohnlcichiiamSscste (26. Mai) 1633 und dessen Octavveranstaltete er die feierlichen Proccssionen in herkömmlicherWeise unter Theilnahme aller Gläubigen, so daß sogar die zu-schauenden Schweden sich wunderten, daß cS noch so vieleKatholiken in der Stadt gebe. Am 11. April 1634 wurde derAbt sammt dem Convcnte aus ihrem Kloster vertrieben, undsie mußten in das Jesuitcncollcgium übersiedeln, wo sie wiebisher allein für die ganze Stadt die Scelsorge versahen; siebildeten noch den einzigen Damm gegen die Häresie und zurBewahrung deS katholischen Glaubens. Unter allen Stürmenund Verfolgungen, die ihm mitunter sogar von der katholischenGeistlichkeit wegen eines der schwedischen Krone notgedrungen