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ihre Resultate an den Quellen kritisch nachzuprüfen undzu einem Ganzen zusammenzuarbeiten, sondern auch die-selben zu ergänzen und vielfach selbstständig weiterzu-führen. Einen besonderen Werth und Reiz verleihen demBuche die zahlreichen (bei 200) gelungenen und instruk-tiven Illustrationen.
Die Disposition des Inhaltes betreffend bemerkt derVerfasser: „Die Einrichtung des Buches ist in der Haupt-sache dieselbe wie früher geblieben, doch wurde der Stoffetwas übersichtlicher gestaltet. Einer allgemeinen geschicht-lichen Einleitung, wobei namentlich, wie auch in denfrüheren Auflagen, die etwas verwickelte Verfaffungs-geschichte näher beleuchtet wurde, folgt eine längere Ab-handlung über die örtliche Entwicklung der Stadt in denverschiedenen Zeitperioden. Besonders eingehend wurdeHiebei die alte Römerstadt mit ihrer wieder neu aufge-deckten porig. prnstoria, und den römischen Todten-seldern behandelt; es schien dies um so mehr geboten,als über die hiesige Römerzeit mehrfach unrichtige undunhaltbare Meinungen verbreitet worden waren.
.Hieran schließt sich eine gedrängte Beschreibung dereinzelnen kirchlichen und profanen Bauten, sowohl in ge-schichtlicher als architektonischer Beziehung.
Nm auch der Neuzeit gerecht zu werden, folgt einkurzer Abschnitt mit statistischen und praktischen Notizen,und endlich schließt das Werk mit einem Ausfluge durchdie ebenso denkwürdigen als wechselvollen und reizendenUmgebungen von Regensburg " (p. XI 8.)
Dieses schöne Werk gereicht wie dem Verfasser, ioauch dem einheimischen Pustet'schen Verlage, dessen In-teresse und Opfcrwilligkeit für die Sache die trefflichereiche Ausstattung des Buches ermöglichen half, zuhoher Ehre.
Ncgensburg. Dr. Endres.
Ein Wort über die Völker Skandinaviens ,besonders über die Schweden von
Frau Helene Nyblom , geb. Noos.
Frei und gekürzt nacki dem schwedischen Original vonOr. P. Wittmann.
Wem immer Gelegenheit geboten war, sich längereZeit mit dem Studium eines Landes und seiner Be-wohner zu beschäftigen, der gewinnt allmählig den Ein-druck, als trete ihm eine selbstständige, ausgeprägte Per-sönlichkeit entgegen. Geschichtliche Erinnerungen, eigeneErfahrung, schöne und häßliche Züge vereinigen sich zueinem Ganzen. Das Wesentliche haftet, das Zufälligeverschwindet. Auch die Vorzüge und Mängel der Heimathfallen besonders dann in's Auge, wenn man nach längererAbwesenheit wieder dorthin zurückkehrt. Nur reife Er-fahrung berechtigt übrigens dazu, die eigene Ansichtweiteren Kreisen zugänglich zu machen.
Denke ich mir die skandinavischen Länderals drei belebte Wesen, so repräsentirt für mich Däne-mark das Bürgerthum, Norwegen den Bauernstand,Schweden den Adel.
Natürlich ist das nicht so zu verstehen, als ob ichglaubte, Dänemark sei nur aus bürgerlichen, Norwegen ausschließlich aus bäuerlichen Elementen zusammengesetzt,
") „Schanze" (Lcansen) betitelt sich daö von Dr. Hazelius,dem Vorstand d. Nord. Museums aus Djurgürdcn bei Stockholm angelegte „Freiluft-Museuin", welches schwedisches Volkslebenalter und neuer Zeit darzustellen bestimmt ist.
Während die Schweden sich sammt und sonders edlerAhnen rühmen könnten. Ich meine bloß, daß jede derdrei Nationen die Licht- und Schattenseiten genannterGesellfchaftsschichten in vorzüglichem Maße wiederspiegle.
Im schwedischen Landmanne tritt ein ritterlicher,im dänischen Aristokraten ein bürgerlicher Zug zu Tage,während dem Normann fast immer etwas Bäuerischesanklebt.
Dänemark gleicht gewissermaßen einer freund-lichen, wohlhabenden Bürgcrsfrau, welche ihr gemüth-liches Heim gerne auch Anderen erschließt und inliebenswürdiger Weise znr Theilnahme am Familien-tische einlädt.
Das Zimmer ist hübsch und wohnlich eingerichtet;Thorwaldsen'sche Bildwerke und Gemälde dänischer Meisterschmücken die rothbraunen Wände; Kopenhagener Werk-stätten entstammt die Einrichtung. Alles athmet Be-haglichkeit. Ueberall treten uns Erzeugnisse einheimischenGewerbeflcißcs entgegen. Auf der Tafel prangen lockendeGerichte, und die letzte Vorstellung des kgl. Theaters,das neueste dänische Werk, eine Ausstellung in Char-lottcnbnrg oder die reichlich gebotenen Zerstreuungen derHauptstadt bilden den Gegenstand munterer Unterhaltung.
Betritt man in Kopenhagen ein conservatipes oderliberales Haus — die Bewohner versichern uns, daß siesich gegenseitig Haffen und verachten — so beobachtet mandoch überall gleich große Gemüthlichkeit und Gastfreiheit.Man gewahrt ein gewisses allgemeines Wohlbefinden undeine weitverbreitete Bildung von stark ausgeprägter na-tionaler Färbung, die selbst längerer Aufenthalt im Aus-lande kaum zu beeinflussen vermag. Auch der stark mar-kirte Tonfall des Hauptstädters verschwindet trotz allerBerührung mit fremden Nationen niemals.
Die Dänen sind eben Inselbewohner. Hierin liegtebensowohl die Ursache ihrer Stärke wie ihrer Beschränkt-heit. Für daS, was aus ihrer Mitte hervorgeht, Zeigensie ausgesprochene, leicht zu lächerlichem Dünkel aus-artende Vorliebe. Und doch hat andererseits auch dieserStolz auf eigenes Können dem kleinen Lande Kraft ver-liehen, bei Vertheidigung feiner Existenz wahre Wundervon Heldenmuth zu vollbringen.
Die Ansammlung einer nach Hunderttausendenzählenden Volksmenge in Kopenhagen , der einzigen be-deutenden Stadt des Reiches, erinnert etwas an kleineMänner mit zu großem Kopfe, an Personen, welche sichvon Kindheit all altklug geberdeu und, um länger zuscheinen, als sie in Wirklichkeit sind, recht hohe Hütetragen.
Faßt man aber nicht die Residenz allein, sonderndas gesawmte Land in's Auge, so erweisen sich dieDänen, als wackere Bürger, als fleißige, sparsame undgutmüthige Leute. Sie nehmen das Leben von seinerheiteren Seite und sind wohlwollend und hilfsbereit gegenJedermann. Freunde edler und gemeinnütziger Ideen,zeigen sie alle eine auffällige Gleichartigkeit der Sinncs-richtnng. So wie ihr Boden verhältnißmäßig wenige,dabei nur kleine Erhöhungen zeigt und die Spracheetwas monoton klingt, so ist auch das ganze Volk jeg-licher Uebertreibung abhold. Was das Gewöhnlicheübersteigt, mißfällt und muß die Geißel des Spottesfühlen.
Welch' gewaltiger Unterschied zwischen dem nor-wegischen und dänischen Bauer! Letzterer hatallzulang seinen Herren Knechtsdienste geleistet, alsdaß er der Nation noch ein bestimmtes Gepräge zu der-