eben die des Schteßpnlvers und der Feuerwaffen. Wohlsoll jeder Volksschüler den Namen des Mannes wissen,der diese epochemachende Erfindung machte, und sagenkönnen, wie diese geschehen; allein über dieses hinaus istselten über „Berthold Schwarz " weiteres zu hören. Ja,es ist noch gar nicht lange her, daß man es geradezuin Zweifel gezogen hat, daß der Freiburger Franziskaner -Mönch überhaupt der Erfinder sei. Da ist es nun höchsterfreulich, daß kein Geringerer als der bekannte Volks-schriftsteller Dr. Heinrich Hansjakob, Stadtpfarrervon St. Martin in Freiburg , es in letzter Zeit unter-nommen hat, „durch eine kritische und wissenschaftlicheUntersuchung den berühmtesten Franziskaner von St.Martin und den bekanntesten Mann FreiburgS — derStadt und dem Kloster zu vindiziren". An der Handdieser, bei Herder in Freiburg erschienenen, höchst dankens-werthen Arbeit*) wollen wir den Lesern dieses Blattesdas Wichtigste über den schwarzen Berthold und seineErfindung vorführen.
In den Mythen der Alten lesen wir, daß der Sohndes Japetus, Prometheus , den Göttern das Feuer stahl;von Salmoneus, dem Sohne des Königs Aeolus inThessalien, berichten sie, er habe donnern und blitzengekonnt und sei deßhalb vom Donnergott erschlagenworden. Dio Casfius erzählt uns in seiner römischenGeschichte, der Kaiser Caligula habe eine Maschine machenlassen, mit welcher er bei Gewittern, dem Jupiter zumTrotz, gedonnert und geblitzt habe. Und Philostratus berichtet in dem Leben des Apollonins von Tyana vonden Indern, daß sie Blitz und Donner auf die Feindegeworfen hätten. Es ist nun sehr wahrscheinlich, daßCaligula seine Maschine über den Hauptstapelplatz deröstlichen Welt, Alexandrien , von ostindischen Völkern er-halten hat. Von den Chinesen wissen wir endlich, daßsie eine Art Pulver lange vor uns hatten, aber nichtZum Schießen, sondern nur zu Spielereien. Diese Feuer-werke der Alten hängen wohl zumeist mit dem zusammen,was wir unter dem Namen „griechisches Feuer" kennen,das im 7. Jahrhundert nach Europa kam, von den ost-römischen Kaisern als Staatsgeheimniß bewahrt und viel-fach zu Kriegszwecken benützt wurde. Dasselbe war einGemisch aus Naphtha , Bergpech, Schwefel und Harz.Von den Griechen erfuhren zuerst die Venetianer dasGeheimniß des griechischen Feuers; es war dieses in denKämpfen der oströmischen Statthalter mit den Sarazenenund Normannen in Unteritalien, in welchen sie auf Seiteder Griechen standen. So schössen schon 1003 vor dembelagerten Bari die Venetianer mit feurigen Pfeilen aufdie Schiffe der Sarazenen, ebenso 1082 „aus verborgenenRöhren" gegen die Normannen in der Schlacht bei Dnrazzo.Jene Pfeile trugen einen Ring aus Pech, Werg, Harz,Schwefel und Oel , der unmittelbar vor dem Abschießenangezündet wurde. Wohl durch Gefangene oder Ver-räther gelangte das griechische Feuer zur Kenntniß derSarazenen, welche es zum Werfen von Steinen in denKriegen benutzten. So berichtet der Schriftsteller Join-ville, daß bei dem Feldzuge Ludwigs des Heiligen vonFrankreich nach Aegypten die Sarazenen 1250 bei derBelagerung von Damiette „griechisches Feuer" auf dieBefestigungswerke der Christen warfen aus einem Rohre,das die Größe einer Essigtonne hatte und mit einemdonnerähnlichen Geräusche losging. Aber diese Geschosse
*) Der schwärze Berthold, der Erfinder dcS Schießpulvcrsund der Feuerwaffen. Eine kritische Untersuchung von Dr.S. Hansjakob. Mit Titelbild. VI u. 91 S. Pr. 1.80 M.
und das Pulver der Mauren hatten, wie der gelehrtedänische Professor Christian Temler nachweist, nichtsVerwandtes mit unsern Pulvergeschützen.
Was nun die Erfindung des Schleifpulvers betrifft,so steht fest, daß die ersten Kenner desselben zweifellosabendländische Mönche waren. Die Geschichte kennt außerdem schwarzen Berthold von Freiburg noch zwei Zeit-genossen desselben, welche in Chemie und Alchemie hocherfahren waren und das Pulver kannten und mit dem-selben experimentirten; es sind dieses Albertus M ei-gn us, der durch seine Theologie und Philosophie be-rühmte Dominikanermönch (geboren um das Jahr 1200zu Lauingen an der Donau aus dem altadeligen Ge-schlechte derer von Bollstädt, gestorben zu Köln im Jahre1280), und der englische Franziskanermönch Nager(Robert) Bacon, einer der merkwürdigsten und origi-nellsten Gelehrten des Mittelalters (geboren 1214 aufeinem Schlosse bei Jlchester in England und gestorbenzwischen 1292 und 1294). Neben theologischen Werkenschrieb Albertus Magnus auch naturwissenschaftliche, unddurch physikalische Kenntnisse überragte er weit alle seineZeitgenossen. Da er allerlei physikalische und künstlicheExperimente machte, so galt er allgemein als Wunder-mann und Hexenmeister. Wenn das Albertus unter-schobene Buch Da mirnsiilidus rrmncli (über die Wunder-dinge der Welt) ächt wäre, so hätte er bestimmt „dasSchwarz'sche Pulver" gekannt. In dem genanntenBüchlein ist nämlich ein Recept zu einem „fliegendenFeuer", das anS Schwefel, Weidenkohle und Salpeterzusammengesetzt wird, angegeben. „Diese Mischung wirdin eine Patrone gefüllt, kurz, dicht und halb voll, unddann geschlossen und angezündet" (Rakete). Der Schrift-steller Matthäus de Luna nennt Albert den Großen ge-radezu den Erfinder der Feuerbüchsen und der Hand-röhren (Gewehre).
Nager Bacon, noch bedeutender als Albertus, galtals Erfinder der Fern- und Vergrößerungsgläser unddes Vrennspiegels; auch über Strahlenbrechung und dieGröße von Mond und Sonne lehrte er Neues. Wegenseiner erstaunlichen, an Wunder grenzenden Experimentewurde er vootor mirndilis (der wunderbare Gelehrte)genannt. Ja, wegen dieser seiner „Künste" brachte manihn in Verbindung mit dem Teufel und leider wieder-holt in den Kerker. Er mußte eben auch erfahren, daßdiese Erde nicht für Gentes eingerichtet ist. In einemkleinen Buche I)s ssoretis oxorlbns nitw ed unturnssagt Bacon : „Aus Salpeter und anderen Dingen machenwir durch die Kunst ein brennendes Feuer; außerdemkann man einen heftigen Donnerknall in der Lust machen,wie die Natur ihn hervorbringt." Er gibt dann einRecept an, wie viel Schwefel und Salpeter zu nehmensei, aber verräth das Geheimniß nicht, denn er fügt hinzu:„So wirst du Donner und Blitz hervorbrigen, wenn dudiese Kunst kennst." Weiter sagt er, daß diese Kunstim kleinen als Knabenspkl an manchen Orten getriebenwerde, daß damit aber auch „ganze Städte und Kriegs-heerc zerstört werden könnten". Nirgends jedoch sagtBacon , daß er dieses Pulver erfunden habe. Diese An-gaben Bacons erklären sich daraus, daß er, wie wirsehen werden, ein Zeitgenosse des schwarzen Bertholdwar; wahrscheinlich haben englische Franziskanermönche,die auf ihren Pilgerfahrten nach Rom auch in Freiburg in St. Martin ein- und ausgingen, das „Geheimniß"ihrem gelehrten Landsmann heimgebracht.
Wenn nun auch beide vielleicht sich mit Pulver-