Ausgabe 
(4.1.1896) 1
 
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Münchner anthropologische Gesellschaft.

Nachdem der Vorsitzende Herr Pros. Dr. I. Rankein der Sitzung von: 13. Dez. die neuangemeldeten Mitgliedermitgetheilt hatte, stellte er die gegenwärtig im Panoptikum sichproduzirenden Kongonegcrinnen vor. Sie sind anthropologischdeßhalb interessant, weil sie einem Stamme angehören, der nachBurmeistcr den eigentlichen Negertypus darstellt. Gerade dievorgestellten Negerinnen zeigen die Unhaltbarkett von Bur-meisters Behauptungen. Ihre allgemeinen Körperpropvrtionennähern sich in keiner Weise den Affen Hierauf demonstrirteder Vorsitzende die von Herrn Direktor E. v. Lange erfundeneMeßvorrichtung. Scala. Dieser Apparat ist bestimmt zurMessung der Körpergröße in der Familie und der Schule underfüllt seinen Zkvcck voll und ganz. Hierauf hielt Herr Hof-rath Dr. msä. L. Martin seinen interessanten Vortrag überdie Völker des östlichen Himalaya: Nepal, Sikkim, Bhutan .Martin war zweimal, und zwar auf längere Zeit (14 Tage und6 Wochen), in Sikkim, das zwischen Nepal und Bhutan in derNähe der höchsten Berge der Welt liegt. Das Land verbindetmit einem sehr gesunden Klima viele landschaftliche Reize undwird von den Europäern als GesundheitSstation benutzt. DaeS mehr als 7000 Fuß über dem Meere liegt, ist eS frei vondem Malariaficber. Von Calcutta erreicht man eS mit derEisenbahn in 24 Stunden. Die Fahrt ist sehr genußreich. Esdürfte wohl die interessanteste Gebirgsbahn der Erde sein. OhneZahnrad werden die Höhen überwunden. Die Bahn fährt imZickzack, indem die Lokomotive bald zieht, bald schiebt. DieFlora ist nicht unähnlich der von Südeuropa. Die Jesuiten haben dort ein Kloster mit einem berühmten Institute zur Er-ziehung von Kindern unter der Leitung von rheinischen undbelgischen Patres. Dieses Institut ist bei Katholiken und Pro-testanten gleich beliebt. Letztere lassen oft ihre Kinder katholischtaufen und erziehen, um sie in jenem Institute unterzubringen.Die Bewohner SikkimS zeigen mongoloide Züge. Ihre Kleidungbesieht aus einer kurzen Jacke und einem weiten, bis zu denKnöcheln enger werdenden Beinklcide. Die Bevölkerungbefielst aus den Lcptschanern, welche die eigentlichen Einge-borenen sind, den Nepalesen und den Bhutanern. Erstere zeigenmongolische Züge und gehören zur tibeto -birmanischen Rasse.Sie tragen aber keinen Zopf, sind sanft, unkriegerisch und sehrgeeignet als Diener. Sie haben ein sehr großes Verständnißfür die sie umgebende Natur. Da sie eine Art Bier, Murwa-bicr, sehr lieben, sielst man häufig Scenen, die an die Salvator-und Bccksaison in München erinnern. Es ist ein im Aus-sterben begriffenes Völklcin von ca. 20,000 Seelen. Die zweiteGruppe sind Einwanderer von Nepal. Sie zeigen deutlich einmongolisches AcnßercS, haben eine geringe Körpergröße. Jrr-thümlicher Weise werden sie der arischen Nasse beigezäblt. Siesind ein kriegerisches, tapferes, anspruchloscs, an Embchrungengewöhntes Gebirgsvolk. Die dritte Gruppe ist aus Bbutaneingewandert. Die Bhutaner sind rein und nnvermischte Mon-golen mit chinesischer Tracht und Zöpfen. Ihre Beschäftigungbesteht in Handel und Ackerbau. Sie sind klein und gedrungen,offen, frei und fröhlich. Es ist angenehm mit ihnen zu Ver-kehren. Die geringe Schönheit der Weiber läßt sich durch diejrühe schwere Arbeit erklären. Der Schmuck der Frauen be-steht größtenteils anS Türkisen. Die Religion ist die buddhist-ische, aber mit einigen Aenderungen. Zum Schlüsse dcmonstrirtMartin verschiedene Gegenstände aus jener Gegend, wie Waffen,Kleidungsstücke, Gcbetöniühle und andere Cultgcgenstände. Ander Diskussion betheiligen sich Pros. Kühn und Furtwängler.Hierauf theilt Pros. I. Rauke mit, daß das EhrenmitgliedHerr Sanitätsrath Bartels der Gesellschaft sein WerkDasWeib" geschenkt hat und läßt das Werk von E. u. L. Selenka »Sonnige Welten" circulircn. Zum Schlüsse legte ProfessorSelenka Photographien anS Vorderindien und moderne japan-ische Drucke vor. Dr. Schund wies im Anschluß an die letzteSitzung auf den großen Unterschied in der japanischen Malereimd Plastik hin. Letztere zeigt von hoher künstlerischer Be-gabung. Pros. I. Ranke dankt den Rednern und theilt mit,vaß Pros. Selenka versprochen hat, einen Vertrag über seinenAufenthalt in Japan zu halten, verbunden mit einer Demon-stration von Photographien mittels des Scioptikon. Damitschloß die sehr genußreiche Monats-Sitzung.

Recensionen und Notizen.

Theologisch-praktische Monatsschrift. Monatlich er-scheint 1 Heft in der Stärke von 5 Bg. od. 80 S. gr. 8°.Preis ganzjährig 5 Mk.

Inhalt des 1. Heftes 1896: Die theologische Literatur

der griechischen Kirche rc. Von Vk. A. Ehrhard, Professorder Theologie in Würzbnrg. Der Klerus und die Laien.Von Domkapitular Dr. Kuudlach in Passau . Mitwirkungdes Seclsorgsklcrus zur Förderung der Gürrcsgesellschaft. VonDr. Pell in Passau . Die Religion und die Mittelschulen.Von Max Steige nberger, Domprcdiger in Augsburg .Aus der seelsorglichen Kasuistik über die Ehe. Bon Prälat Dr.Pruner in Eichstätt . Der Kampf gegen die Genußsuchtund der Klerus. Von A. Häuser, geistl. Rath in Augsburg .

Die Lssistentia Passiva bei Mischehen im GellungS-Berciebeder Tridentincr Eheschließunzssorm nach Vortrauung des mi-nistsr aeatlroliaus und bei Verweigerung katholischer Kinder-Erziehung. Von Domkapitular Dr. P. Schmitt in Würz-burg. Ueber die Bettelbriefe der Diaspora-Geistlichen. VonX. Z. Ausnutzung der lebrplanmäßigen katcchetischen Unter-richtsstunden. Von Georg Sailer, Pfarrer und DistriktS-schulinspektor in Arnstors. 6asus propositns ab aliguo eon-kessario cks nsu watrimonii. Von Dr. Pruner in Eichstätt .

Die Spinnstuben. Von Dr. H ünnn er in Würzbnrg.Zur Behandlung der Glocken. (Wichtig für jeden Kirchenvcrstand.)Von Dr. Walter in Landshut . Antheilnahme am häretischenGottesdienste. Von Dr. HaSler in Passau . Ist der Pfarrerzur Beherbergung der sog. Gemeindeumsuhrcr verpflichtet? VonL. H. Krick. Verwendung des Armenopferstcckgeldes. VonL. H. Krick. Postportosreiheit der Pfarrämter. Von L. H.Krick. Leichtes Mittel, um Meßwein auf seine Echtheit zuprüfen. Von L. Henmann in Feucht. Der Tertiarpriestcrund die Generalabsolution. Von Anst. Kronseder, ExposituSin Föcknng. Neueste Erlasse und Entscheidungen der röm-ischen Congregationen. Erlasse der obersten Verwaltungs-stellen uno Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe. Literar-ische Novitätenschau. Litterarischer Anzeiger.

Das Lehrbuch der Metaphysik für Kaiser Joseph II.

Verfaßt von D. Joseph Frantz, weil. Direcior der philos.

Facnltät der Universität Wien rc. rc., herausgegeben von

Fr. Thomas M. Wchofer, 0. Lraocl. Paderborn 1890.

Ferdinand Schöningh . Gr. 8°, S. IX, 167.

chj: Vorliegendes Lehrbuch der Metaphysik bildet das Er-gänzungsheft II zum Commer'schen Jahrbuch für Philosophieund speculative Theologie. Der Preis desselben ist für dieAbonnenten des Jahrbuchs M. 2.60, für NichtabonncntenM. 3.60. Der Dominikaner -Pater Wehofcr^hat das Buch zunrerstenmale nach dem in der Allcrh. k. k. Privat- und Familien-bibliothck befindlichen Orginale herausgegeben und mit Benütz-ung der im k. k. HauS -, Hof- und StaatS-Archivc befindlichenund anderer angedruckter und gedruckter Quellen philosophic-geschichtlich erläutert. Ein doppeltes Moment verleiht der Ar-beit deS L. Frantz große Bedeutsamkeit: 1) ist er der Lehrerkeines geringeren gewesen als deS nachmaligen deutschen KaisersJoseph II. , 2) ist der Tracstatms ülotapdxsicao des gelehrtenOberösterreichers eine höchst merkwürdige Etappe in der Ge-schichte deS Cartesianismus und seiner Berührung mit derLeibniz-Wolff'schcn Philosophie. Das Buch des ?. Wehofererhielt die Approbation der Wiener Linker ü-mlolpliina,und verhalf dem Verfasser mit zur akademischen Doctorwürdean der ersten Universität der österreichischen Monarchie. Be-scheiden will es nur der erste Spatenstich sein auf einem bis-her leider sehr vernachlässigten Felde, auf dem Gebiete der Ge-schichte der österreichischen Nachscholastik in deren Zersetzungdurch andere ganz fremde Elemente. . Fern von allem Tenden-ziösen wird nur die Feststellung der reinen, lauteren, geschicht-lichen Wahrheit gesucht. Von den in der Einleitung ver-sprochenen 3 Theilen behandelt k. Frantz nur den 1. Theil:Noetik und Kriteriologie, und den 2. Theil: Ontologie, Kos-mosophie und Pneumatologic. Der 3. Theil über die Prin-cipien, welche die einzelnen besonderen Wissenschaften entlehnen,ist, vielleicht aus Zeitmangel, weggeblieben. Des k. Frantzphilosophisches System setzt sich im Großen und Ganzen zu-sammen aus der nach Leibniz-Wolff zum Theil modificirtcnScholastik einerseits, aus dein Eartcsianismus anderseits.Erstere Richtung brachte er mit aus der im Jesuitenorden em-pfangenen Erziehung; die letztere ist zurückzuführen aus seinedamalige Stellung in Wien und auf die ganz eigenthümlichenVerhältnisse um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Deneingehenden Nachweis dieses Urtheils bildet der Abschnitt: Diephilosophiegeschichtliche Bedeutung von k. FrantzTraotatus Llstaxtiz'sieas in 8 Capiteln (S. 95167). Vor-ausgeht (es. 153) die diplomatisch getreue Wiedergabe desManuskriptes, die nähere Inhaltsangabe deS Traetatns (S. 56),sowie (S. 59) Gedankmgang. uns EintheilustL desselben. Hos-