Ausgabe 
(10.1.1896) 2
 
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stellte Preisangabe:Ueber den Geschichtschreiber Ottovon Freising ." Am 24. Juni 1850 wurde er ZumPriester geweiht und wirkte einige Zeit in der Seelsorgein München . Als Erstlingsfrucht seiner theologischenStudien erschien seine Doktordissertation:Geschichte derSamariter mit besonderer Rücksicht auf Simon den Ma-gier. München 1854." Daraufhin erfolgte am 20. Febr.1856 seine Ernennung zum Lycealprofessor in Regensburg .Als solcher schrieb er im Jahre 1860 ein Programm überden des zweiten Thessalonicherbriefes, 1663 ver-

öffentlichte er seine SchriftEinheit des Lukasevangeli-ums", welcher 1868 sein großes WerkEinheit der vierEvangelien" folgte, das seinen Namen weithin bekanntmachte. Grimm hatte anfangs alt- und neutestamentlicheExegese zu vertreten, zog sich aber hierauf, als für ueu-testamsntliche Exegese eine Professur errichtet wurde, aufdie alttestamentliche Exegese zurück, ohne die neutestament-lichen Studien zu vernachlässigen, was seine genanntenSchriften aus jener Zeit beweisen.

Im Jahre 1869 bekam er einen Ruf als Professorder neutestamentlichen Exegese an die Universität Prag,den er aber ablehnte. Der hochwürdigste Herr Bischofvon Negerrsburg erkannte seine Verdienste dadurch an, daßer ihn zum geistlichen Rath ernannte. Inzwischen warauch in Würzburg eine Professur für neutestamentlicheExegese errichtet worden, welche zuerst Ov. Peter Schegg inne hatte. Nach dessen Berufung an die Münchener Universität richtete die theologische Fakultät Würzburg ,welche damals, zur Zeit des beginnendenCulturkampfes",der Sammelpunkt der Thcologiestudirenden aus ganzDeutschland geworden war, ihre Augen auf den gelehrtenLycealprofessor, der dann auch wirklich durch kgl. Dekretvom 4. August 1874 zum ordentlichen Professor derneutestamentlichen Exegese ernannt wurde.

Mehr als 21 Jahre war Grimm hier eine Zierdedes Katheders, der Freund und Liebling seiner Zuhörer,das Beispiel eines Priesters, der Wohlthäter der Armen.Zwar versuchte im Jahre 1886 nach dem Tode Schegg'sdie Münchener theologische Fakultät ihn für die dortigeHochschule zu gewinnen; aber den Bemühungen seinerKollegen und insbesondere den dringenden Bitten seinerZuhörer gelang es, ihn in Würzburg festzuhalten. Eiuebegeisterte Huldigungsfeier der katholischen Studenten-schaft und die Verleihung des St. Michaelsordens warender Lohn für sein Verbleiben. Als Professor in Würz-burg veröffentlichte er sein berühmtes WerkLebenJesu" in 5 Bänden, dessen erste Bände zum zweitenMale aufgelegt sind, während leider vom letzten Bandenur der erste Theil erschienen ist der zweite Theil erstvollendet werden sollte. Hoffentlich sind die Vorarbeitensoweit gediehen, daß das ganze Werk der Vollendungentgegcngeführt werden kann. Groß und allseitig wardie Anerkennung, welche dieses Werk dem bescheidenenGelehrten eintrug. Bei aller wissenschaftlichen Gründ-lichkeit der theologischen Forschung quillt die Darstellungaus einem gläubigen, frommen, betrachtenden Herzen,welche die Lektüre so angenehm und anregend für Geistund Gemüth, so fruchtbar für das praktische Leben, ins-besondere für die Predigt, macht. Dies gilt vor allemvom letzierschienenen Theile, von der Leidensgeschichte,welche er mit der Innigkeit eines Lnkas, der Liebeswürmeeines Johannes geschrieben hat.

Nun ist die Feder seiner Hand entfallen; ehedemer die Leidensgeschichte vollenden und das verklärte LebendeS Heilandes schildern konnte, hat er sein eigenes Leiden

vollendet und ist in das Land der Verklärung eingegangen.Wenige Tage genügten, um diese scheinbar noch unge-brachen« Lebenskraft aufzulösen. Am Vorabende vorWeihnachten befiel ihn ein Unwohlsein, das ihn nur mitAnstrengung das hl. Opfer an den beiden Weihnachts-feiertagen feiern ließ. Von da an das Zimmer gefesselt,hatte er gleich seiner Umgebung kaum eine Ahnung desnahen Todes, und es traf ihn plötzlich und unerwartetam Neujahrstage, nachdem er noch am Vormittage zahl-reiche Besuche empfangen hatte, ein Schlaganfall, welcherin wenigen Minuten seinem Leben ein Ende bereitete.Doch hatte er während seines Unwohlseins zweimal, soauch noch am Neujahrsmorgen, die hl. Sakramente em-pfangen. So starb er zwar plötzlich und unerwartet,aber nicht unvorbereitet; der fromme Priester, der sonstvor dem Tabernakel unserer Kirchen gekniet, stand vorseinem Erlöser, dessen Leben er mit solcher Liebe be-schrieben, dessen Ehre er allein gesucht hatte. Möge ervon dem Herrn. die Herrlichkeit als Lohn empfangen,weil er nie um andern Lohn gedient hat! k. I. k.

Die Gründer des Hauses Bourbon-Frauce.

Von Charles Saint Paul.

Während die deutschen Historiker die neuere Ge-schichte der Bourbonen und die Einzelgestalten aus der-selben vielfach eingehend behandelt haben, ist die Forschungin deren älterer Geschichte nur wenig berücksichtigt worden.Abgesehen davon, daß die auch für den französischen Forscher, wovon sich der Autor folgender Studie selbstüberzeugt hat, mit vielen Schwierigkeiten verbundeneZusammenstellung der historischen Daten über das Haus,Bourbon-Ancien nicht vollzogen wurde, ist auch eine ge-nauere Abhandlung über die Gründung des HausesBourbon-France und dessen Gründer noch nicht geliefertworden. Es soll nun im Folgenden speciell letztereAufgabe gelöst werden, welche eher gelingen kann, dadas Quellenmaterial für eine Studie über die Gründerdes Hauses Bourbon-France zuverlässiger und leichter zuüberblicken ist, als das für die frühesten Fürsten desBourbonnais , über welche sich die widersprechendsten An-gaben und Urkunden, die theilweise von einem Historiker,k. Andrö, gefälscht worden sein sollen,') finden.

«« >) Der Verfasser des Werkes: I/Lneiou UonrbonnoisMouline 1833), Allier, hat ebenso wie sein anonymer Hilfs-arbeiter, der dasselbe nach seinem Tobe vollendete, einen Ersatzfür die wichtige Urknndensammlung, dasCartnlare" von Sou-vigny, in zwei Manuscripten gesucht. Daß erste derselben istbetitelt: -Uistoiro äes autiqnitss <lu prienrü äo Lonvigiix-und hat Nicolas de MeSgrigny, der im Jahre 1640 Prior vonSouvigny war. zum Autor. Derselbe bat auch in einem großenBande unter dem Titel: Nbesanrrw Liiviniaoonsis die wichtig-sten Urkunden, welche sich auf sein Kloster und dessen Ver-hältniß zu den Herren oder Fürsten von Bourbon (sie werdenbald ScnioreS, SircS, Seigncurs. bald BaroneS, bald Comites,bald Principes de Borbonio genannt) bezogen, gesammelt, jedochging dieses Werk gleichfalls verloren. Das zweite Manuscriptbenennt Allier das von Cluguy. Es wurde im Jahre 1718 voneinem unbekannten Mönche der Cluniacenscrcongrcgation voll-endet. Obschon auch die »kisoos snstilioatives- zu diesem ver-loren sind, enthält eS doch in« Texte viele urkundliche Auf-schlüsse; auch hat der Autor vielfach den Thesaurus Silvinia-esusis benutzt. Nach der Publikation AllierS hat Steyert eSunternommen, nach den alten unedirten Manuscripten des Car-melitenpaters Andrs eine Genealogie zu verfassen. Jedoch batChazaud (Obrouolo§is ckos Lire» äe Lonrbon) im Anschlüssean eine frühere Entgegnung Mabillons gegen k. Audis nach-gewiesen, daß sehr viele Urkunden von letzterem gefälscht wurden,in der Absicht, daS geringe Urkundenmatcrial, welches speciellfür Feststellung der Abstammung der ersten Fürsten sich bietet.