Bezüglich der letzteren sei nur kurz erwähnt, daßIhre Abstammung auf einen Grafen Aymar oderAdhömar, der im 10. Jahrhundert von Charles-le-Simple zur Belohnung seiner Verdienste Ländereien zu-gewiesen erhielt, welche den Kern deS späteren Bour-bonnais bildeten, zurückgeführt wird. Ob derselbe mit'dem Köntgshause Frankreich , wie behauptet wird und'angeblich in Urkunden bestätigt ist, wirklich gemeinsamenUrsprunges war, kann nicht entschieden werden; vielleichthaben wir später einmal Gelegenheit, die diesbezüglicheandauernde kontroverse, in der auch der berühmte Ma-ibillon eine Rolle spielte, genauer zu erörtern. NachAdhsmar herrschten noch acht, nach einigen Historikernzehn oder elf Fürsten mit dem Namen Archambauld,zwei mit dem Namen Haymon und die Gatten derTochter Mathilde Archambauld's VI. (VII. S), der keinen'Sohn hinterließ, Gaucher de Vienne und Guy de Dam-pierre, über das Bourbonnats. Der letzte Fürst NamensArchambauld war Archambauld VIII. (X.?) im 12. Jahr-hundert.
Trotz der Bestimmung im Testamente desselben, daßdie Baronnie Bourbon unter seinen beiden Töchtern ge-theilt werden solle, blieb doch der älteren, Mahaut, undihrem Gatten, Endes von Burgund , dem ältesten SohneHugo's IV., Herzogs von Burgund , und der Uolandevon Dreux , der alleinige Besitz derselben. Ob irgend einVertrag die Bestimmung des Testamentes aufhob, ist nichtbekannt. Gewiß war es besser, daß die Theilung derHerrschaft nicht erfolgte und das Bourbonnais in seineralten Gestalt erhalten blieb. Die große Jugend derAgnes und ihres Gemahls, Johanns von Burgund , beimTode deS letzten Archambauld mag vorerst dazu veranlaßthaben, die Herrschaft ganz Mahaut und ihrem Gatten biszur Großjührigkeit ihrer Schwester anzuvertrauen, undsodann mag der Wunsch, eines der ältesten Lehen Frank-reichs ungetheilt zu erhalten, dazu bestimmt haben, dieälteren trotz des Testamentes Archambauld's im ruhigenBesitze des Bourbonnais bis zu Mahauts Tode zu lassenoder ihnen überhaupt die Verwaltung desselben zu über-tragen.
Mahaut starb im Jahre 1262, nachdem sie die ihrvon Mathilde, der Gräfin von Revers, Auxerre undTonnerre, zugefallene Erbschaft getheilt hatte?) Sie hinter-ließ drei Töchter, Jolande, Margaret« und Alix, welchekeinen Antheil an der Herrschaft Bourbon bekamen undsich lange um das Erbe der Revers stritten, bis einParlameutsbeschluß im Jahre 1273 der Aolande dieGrafschaft Revers, der Margaret« die von Tonnerreund der Alix die von Auxerre zuerkannte. („I/Lrt äovorifior los fiatos", tow. XI. xa§. 231.)
Nach dem Tode Mahauts ging dann das Bour-bonnais auf Agnes über, und später auf ihre TochterBeatrix. Die Vermählung der letzteren mit Robert vonFrankreich war der Anlaß zur Gründung des HauseSBourbon-France, welche von ihrem Sohne Ludwig I.
zu ergänzen. Bedeutend ist das Unternehmen des bekanntenArchivisten Huillard-Brsholles zu nennen, der im Jahre 1867zinter dem Titel: »Titres äs la Liaison Docats äs Loorbon-(PariS 1867—74) eine Sammlung der Urkunden, die über dasherzogliche Haus Bourbon und die alten Fürsten in den ArchivenNoch vorhanden sind, publicirte.
') EudeS, der durch den Tod seiner Gemahlin der Ver-waltung des Bourbonnais enthoben war, nahm im Jahre 1267das Kreuz und starb wahrscheinlich auch im gleichen Jahre,noch nicht 40 Jabre alt. Der Ort feines Todes ist nicht fest-zustellen. Nach Du Chcsne wurde er in Saint-Jean d'Acrebegraben.
vollendet wurde. Diese drei Gestalten haben wir daherim Folgenden genauer zu betrachten.
I.
Robert von Frankreich und Beatrix vonBourbon.
Ludwig der Heilige hatte von seiner GemahlinMargaret« sechs Söhne und vier, nach älteren Historikernfünf, Töchter. Der älteste der Söhne war Herr Ludwigvon Frankreich, der schon im 16. Jahre, am 15. Juli1260, starb; der zweite Philipp der Kühne , der späterseinem Vater in der Herrschaft folgte; der dritte Johann;der vierte Johann Tristan, Graf von Revers, Auxerre und Tonnerre; der fünfte Pierre, Graf von AIen?on,und der sechste Robert, Graf von Clermont . Robert vonFrankreich wurde im Jahre 1256 im Schlosse Vincennes geboren, als sein Vater noch im kräftigsten ManneS-alter stand. Der Erzbischof von Bourges vollzog seineTaufe?)
Der junge Prinz hatte am Hofe seines Vaters dasBeispiel eines edlen Herrschers stets vor Augen undkonnte sich so für den Herrschaftsantheil vorbereiten, derihm später zufiel. Leider starb Ludwig nur allzufrühe,als sein jüngster Sohn noch nicht großjährig war.
Vor dem zweiten Kreuzzuge assignirte er ihm nochdie Grafschaft Clermont als Apanage. Dieselbe umfaßteeinen großen Theil des Beauvoisis, die Herrschaften Ereilund Gournay. Philipp August hatte sie von den ErbenThibauts des Jungen, des Grafen von Blois, erworbenund seinem Sohne Philipp, der später Graf von Bou-logne und Dammartin wurde, gegeben. Sodann hattedieselbe Gaucher de CHLtillon, der mütterliche Großonkelder Beatrix von Bourbon und Gatte Johannas vonClermont, der ältesten Tochter Philipps, inne. Als dieserohne Nachkommen starb, nahm der König, als der nächsteErbe, die Grafschaft für sich in Anspruch. Jedoch wider-setzten sich seine Brüder, die Grafen von Poitiers undAnjou, ihrer Vereinigung mit dem Kronbesitze und ver-langten, daß sie zwischen ihnen getheilt würde. Es ent-stand deßhalb ein siebenjähriger Streit, der durch einenParlamentsbeschluß im September 1258 zu Ungunstender beiden Prinzen entschieden wurde?)
o) kers Dabbü, Lbrsg'ö äs l'alliauos obronotoZigusstom. II): >146661,VI uatus ost Robertos, Mus DnäovioiRsxis, goem Dominos kbitixxos, ^rekispiseoxus I-itori-osnsis, baxtiravit.«
<) Der Text der BelehnunzSurkunde, die aus dem Jabre1269 stammt, lautet: -dions ä Robert, uostrs üts st ä Issboirs äs son oorxs äonnons st assiZnoos . . . axrös nostrsäsoost ä tenir st xossssssr . . nostrs Okastst äs Otsrmontavso tootss lss apxarteuauoss, Orssi^ avso tootss Iss axxarts-nanoss st gustgoss untres obosss gos nous avous st xiosssssonsen la Oomts äs Otsrmont, sn Dsorgostout, Llöri avso tootssIss axxarrsiiancss st äswainos ... st tootss obosss äsvautäites zmbit Robert st si boir tenront ä kö st eu bommazsti^s äs nons, Rox äss Rraus — Des obosss tootss voiss goslss Oowtes äs Otsrmont ont tsno ou äsvront tenir äs l'ovss-gus äs Lsaovais st äst abbs äs Laint-Dsnxs sont tonns taut^eisux nostrs tioux oomms st boir kairs bomma§s ä I'svss-gos st o. I'abbs goi aront sts poor ts temps.- „Wir gebenRobert, unserem Sohne, und seinen Erben unsere Burg vonClermont mit allem dazu gehörigen Besitze, Neuville cn Hues,la Forest und die andern dazu gehörigen Orte, Crecly undeiniges andere, das wir in der Herrschaft Clermont und inLeurguetout besitzen, auch Msri mit allem davon Abhängigen— all' dieses soll dieser Robert und seine Erben von uns, demKönige von Frankreich, zum Lehen haben. Sie sollen aber füralles, was die Grasen von Clermont vorn Bischöfe von Beau-vais und den Aebten von Saint-Dsnis gehabt haben, diesenhuldigen." (Lrnssst, Ilsags äss tisks. tom. I. x. 458; ll'kau-mas äs la Tbaomasstüre, Oootüws äs Lsauvoisis, x. 356.)