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kanerkirche und eine Anzahl Statuen und Bildwerkefür das Schloß Mirabcll. Leider war diesen, wie manchanderem seiner Werke, keine lange Dauer beschicken: siegingen durch den großen Brand zu Grunde, der 1818Mirabell zerstörte.
Es kamen die Wanderjahre. Permoser ging zunächstnach Wien zu Meister Knacker (Knnker); in welchem Jahreist ungewiß, vielleicht 1670. Nur kurze Zeit scheintPermosers Aufenthalt in der Kaiserstadt gewährt zuhaben; dann folgte der junge Mann der Sehnsucht desKünsilerherzens, das klassische Land der Schönheit undder Kunst zu schauen.
Er genoß die Pracht der reichen, noch meerbe-herrschenden Laguneustadt und erfaßte die doppelte Herr-lichkeit der ewigen, einzigen Noma. Dauernd aber fesselteihn das schöne Florenz, wo der vorletzte Medici, Cosimo III. ,Großherzog von Toskana , bald sein Gönner wurde. Hier,in der Heimath der Renaissancekunst, fand der Künstlergewiß entscheidende Anregungen für fein künftiges Schaffen.Er athmete die reine und liebliche Luft, der der alteVasari zuschrieb, daß sie ungewöhnlich zarte und sinnigeGeister erzeuge. 14 Jahre — nach allgemeiner Annahme(1671—1665?) — weilte und wirkte Balthasar aufitalischem Boden. Hochgeschätzt am Hofe des stolzenMediceers schuf er für diesen viele Arbeiten inElfenbein und vor allem kleine Basreliefs.Für das Hauptportal der Theatinerklosterkirche meißelteer „zwei sehr schöne Statuen", allegorische Figuren,und für eine Nische der Fa^ade die Statue des hl.Kajetan. Wieviele und welche Bildwerke er in dieserlangen Zeit sonst geschaffen, darüber fehlen die er-wünschten Nachrichten. Sicher ist: sein Ruf drang überdie Alpen nach Deutschland .
Friedrich I. von Preußen, ehr- und prachtlicbend,legte einen besonderen Stolz darein, Freund und Fördererder Künste und Wissenschaften zu heißen. Der Stifterder Universität Halle war auch der Gründer der BerlinerAkademie der Künste . Er berief Andreas Schlnter alsHosoildhaner nach Berlin . Um die Wende des Jahr-hunderts folgte auch Balthasar Permoser ?) dem Rufedieses Fürsten . Hagedorn^) allerdings und nach ihmGustav Müller 2) behaupten, Permoser habe die Berliner Aufträge von Dresden aus ausgeführt, wohin er schonunter Johann Georg III. (1680—1691) gekommen sei.Durch das sichere Datum einiger Dresdener Werke(1685 Saturn, 1700 und 1704 Lichtenburger Grabmal,1707 großes Pferd) gewinnt diese Annahme hohe Wahr-scheinlichkeit, wenigstens ist erwiesen, daß Permoser nichterst seit 1710 für den Dresdener Hof gearbeitet hat. —In den Garten des von Schlüter eben fertig gestelltenSchlosses Charlottenburg und in den fürstlich reußischenGarten lieferte Balthasar eine Reihe von Werken, diespäter zu Grunde gingen oder wenigstens verschollen sind:>o für Charlottenburg einen bogenschnitzenden Amorund das Kind Herkules als Schlangenwürger,beide aus Marmor; für den reußischen Garten eineGruppe: Adam und Eva.
In der 1730 infolge Blitzschlags abgebrannten
) „Er kani unter Friedrich I. nach Berlin ." Nachrichtenvon Künstlern und Kunst-Sachen. Leipzia, Johann Paul Krauß1769. Erster Tbeil. S. 68.
8) l-sttrs ü uu Lmatenr äs ta ksiutnrs avso äss bioiair-cissemsnts Listorignos ste. Drssäs, E. 0. IValtiier 1755.x. 334. Die gleiche Behauptung im Magazin der SächsischenGeschichte. I. Theil. S. 148.
.") G. Müller, Vergessene Künstler u. s. w. S. 9.
Peterskirche zu Berlin standen zwei Werke Permosers,die durch das Feuer zerstört wurden: die marmorneKanzel") und das allegorische Epitaphium desMedailleurs und Münzstempelschneiders RaimundFaltz (1658—1703). Dieses allgemein als hervor-ragend schön geschilderte Grabmal (Kupferstich von Sam.Blesendorf) hat Friedrich Nicolai gemeint, wenn er ineinem Briefe an Christian Ludwig von Hagedorn ")fälschlich von einem Epitaph des Malers Elzheimer inder Petrikirche spricht, einem „großen Werk", das dievier Haupttugenden in Alabaster vorgestellt habe. Esstellte nicht die vier Kardinaltngenden dar, sondern diedrei göttlichen und die Geduld: die allegorischen Gestaltendes Glaubens mit dem Kreuze, der Liebe mit einem Kindeauf dem Arm, der Hoffnung mit gefalteten Händen, aufeinem Anker sitzend, und der Geduld mit einem Lämmchenim Schoße, das 1758, als Nicolai das Denkmal sah,allein noch übrig war.
Seine zweite Heimath und schließlich die Stätteseiner Ruhe fand Balthasar Permoser in Dresden , wohinihn der kurfürstliche Hof von Sachsen berief.") Permoser kam nach Dresden gerade zu Beginn der Jahrzehnte,die in der politischen Geschichte des Landes, noch mehraber in der Geschichte der deutschen Kunst als die Glanz-zeit des „deutschen Florenz" bekannt sind. KurfürstFriedrich August I. , der Starke, (1691—1733) wurde1697 als August II. König von Polen. Der ebensoschöne, als kräftige und geniale Fürst hatte als Prinzdie Heiterkeit des südlichen Lebens und die eleganteFestespracht des französischen Hofes lieben gelernt. Auchfür ihn wurde Ludwig der XIV. in seiner imponirendenErscheinung und im überwältigenden Glänze seines König-thums das hohe Ideal des Lebens. Baukunst, Bild-hauerei, Malerei, Gartenkunst, Oper und Schauspielsollten zusammenwirken, eine der neue» Krone würdigeKönigSstadt zu schaffen. So wurde Dresden der Sitzeines der prunk- und geschmackvollsten Höfe, eine Stättemannigfaltiger und glänzender Kunstübung im Barock-und Nokokostil. Das ganze Leben war ein heiteresGötterfest, das der König gab, als Leiter, Dichter undDarsteller. Bis auf die Kostüme entwarf er die Pro-gramme seiner Feste, die den Inhalt so vieler Kunst-werke, den Charakter der Bauten und der Plastik erklären.Der majestätische, von August theilwetse selbstständig mitentworfene Bau des Zwingers, „festfreudig, von höchsterEleganz, königlich", ist ein Sinnbild des Herrschers,eine Verkörperung seines Hofes. Die Schätze des GrünenGewölbes nennen seinen Namen, in seinem Dienste standein Pöppelmann als Baumeister, ein Louis Silvestre als Maler, ein Dinglinger als Juwelier, ein Mercierals Teppichweber, und als „Khönigl. Pohl. und Chur -sächsischer Hoff-Bildthauer" Balthasar Permoser .
Nachr. v. Künstlern u. Knnst-Sachcn 1768. I. Tbeil.S. 44. Neue Nachrichten von Künstlern nnd Kunst-Sachen,Dresven n. Leipzig bey I. G. I. Brcitkopi 1766. S. 5.
Briefe von u. an C. L. Hagedorn, S. 253. Müller,l. e. S. 9 u. 10.
Zu dieser Berufung erzählt daö Magazin der SächsischenGeschichte, I. Theil 1764, S. 150, folgende Anekdote: „DerHerz. v. Florenz rüste ibn mit einem Gehalt von 1000 Thlr.an seinen Hof; aber AuaustuS' Gnade war ihm lieber, die erdurch folgenden Sieg befestigt hatte. Es kamen zwei Franzosenund erboten sich mit ihm zu einem Wettstreite. Der König be-fahl Probefiguren zu machen; es geschah mit einer jungen Weibl.nnd der Sieg schwankte ungewiß: Balthasar verlangte eine alte' Frau, und nun mußten sie ihn für ihren Sieger erkennen."