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Flamläuder waren damals ins französische Lager einge-drungen und bereits beim Königszelte, so daß Philippin ihre Gewalt gerathen wäre, znmal die Mehrzahl seinerRitter bereits geflohen war, wenn nicht plötzlich Ludwigmit seinen Truppen herbeigeeilt wäre.
Im Jahre 1309, nicht wie Du Cange und andereHistoriker behaupten, im Jahre 1312, wurde der Fürstan Stelle des verstorbenen Grafen Johann von Dreuxmit der Wurde des „Ostaradrier clo Trance" bekleidet,einer der vier höchsten Würden der Krone, deren Inhaberdas Recht hatten, den Erlaß des Königs zu unterschreibenund dem Gerichte der Pairs beizuwohnen. Nachdem imJahre 1308 zu Boulogne die Hochzeit der Tochter Philippsdes Schönen, Jsabella, mit dem Könige von England ,Eduard II. , stattgefunden hatte, wurde er mit seinemBruder Johann und dem Grafen von Valois beauftragt,die junge Königin nach England zu führen und derenKrönung in Westminster beizuwohnen.
Der Friedens- und Bündnißvertrag, welcher imJahre 1310 zwischen dem Kaiser Heinrich VII. und demKönige Philipp dem Schönen abgeschlossen wurde undden er mit seinem Vater und dem Könige von Navarraunterzeichnete, soll insbesondere infolge seiner Bemühungenveranlaßt worden sein.
Der Fürst erbte im selben Jahre das Bourbonnaisund nahm im folgenden Maria von Hainaut zur Gattin.Dieselbe war die Tochter Johanns II. , Grafen von Hainaut,Holland und Zeland. Ludwig hatte kurz vorher einenStreit zwischen ihrem Bruder Wilhelm und Robert vonBöthune, Grafen von Flandern, der die Suzerünetät überdie Grafschaft Zeland , die Wilhelm von Guy de Niche-bourg erworben hatte, reklamirte, beigelegt, indem er denGrafen von Hainaut veranlaßte, Robert, der sein (Ludwigs)Verwandter war, zu huldigen.
Auf dem Concil von Vienne , während dessen erauch der Sitzung beiwohnte, in welcher Clemens V. dieAuflösung des Templerordens verfügte, wurde er mit derLeitung des beschlossenen Krenzzuges betraut und begabsich sodann im Jahre 1314 mit seinem Bruder Johannnach Lyon, dem Versammlungsort der Kreuzfahrer; wegender geringen Theilnahme konnte er aber den von ihm sobegeistert gefaßten Entschluß nicht ausführen. Erst indiesem Jahre kam er wieder in das Bourbonnais, nahmBesitz von seinen väterlichen und mütterlichen Gütern undleistete in Souvigny dem Prior Etienne II. den usuellenEid, die Rechte des Klosters und der Stadt Souvignyzu wahren. Der diesbezügliche Akt ist am 17. Augustdes Jahres 1314 gezeichnet und im „'ksiasnnrus 8zst-vinjaosnsis" vorhanden gewesen.^)
BemcrkenSwerth ist noch, baß unter Ludwig der Grundzu ferneren Streitigkeiten hinsichtlich des Münzrechtcs zwischenden Fürsten von Bourbon und den Mönchen von Souvigny,welch letztere alte Ansprüche aus dasselbe in dem Bourbonnaisbesaßen, gehoben wurde. Es wurden nämlich unter Philippe-le-Long energische Versuche gemacht, das Mnnzrecht einer großenZahl von Baronen, Bischöfen und Klöstern zu beseitigen. Das-selbe war vielfach derart zu Fälschungen mißbraucht worden,daß die Münzen nur mehr Nominalwerth hatten und es schwierigwar, sie in Circulation zu halten. Um diese Zustände zu bessern,machte man den Herren, die man ibres Rechtes nicht ganz be-rauben wollte noch konnte, den Vorschlag, ihnen eine Ent-schädigung für dasselbe zu bieten. Ludwig war der erste, welcherdemselben folgte. Er trat dem Könige das Münzrecbt in verGrafschaft Clermont und im Bourbonnais für 15,000 LivreSab. Es scheint, daß er mit den Mönchen von Souvigny, denen erin diesem Rechte nur associirt war, zuvor unterhandelte, da dochderen Ansprüche nicht ignorirt werden konnten; jedoch kann manUrkunden, die hierüber Auskunft geben könnten, nicht finden.
Nachdem er im Jahre 1315 den Aufstand desAdels, der seine alten Privilegien wieder erlangen wollte,gemeinsam mit dem Grafen von Valois im Auftrage desKönigs durch das Zugeständniß der Prärogative, die derAdel zur Zeit der Regierung des heiligen Ludwig hatte,unterdrückt, kam er nach dem 1316 erfolgten Tode desKönigs Louis-le-Hutin energisch dem Regenten Phtlippe-le-Long, dessen Bruder, gegen die Opposition, an derenSpitze der Herzog von Burgund, der Onkel der jungenPrinzessin Johanna, der Graf von Valois, der Onkeldes Regenten, und der Graf von La Marche, sein Bruder,standen, zu Hilfe und war einer von denen, die besondersin der Versammlung vom 2. Januar 1317 dem Principdes saltschen Gesetzes den Sieg verschafften.
Er hat offenbar wiederholt feilten Wunsch, dasKreuzzugsprojekt zu verwirklichen, geäußert und den Königdadurch veranlaßt, ihn zur Leitung eines solchen ans-zuersehen. Es geschah dies am 13. September 1318,wie es in der in Longchamps gegebenen Ernennungs-urkunde heißt,^) „nicht nur in Anbetracht seines hohenAdels, sondern mit Hinsicht auf seine Macht, seinenWerth, seine Klugheit und Weisheit." Daß er auchdieses zweitem«! an der Ausführung seines Vorhabensdurch die Theilnahmslosigkeit des Adels und durch per-sönliche Verhältnisse gehindert wurde, hat ihn schmerzlichberührt. Letztere bestanden darin, daß er mit demGrafen von Auvergne und mehreren anderen Herrenseiner Verwandten Mahaut, der Gräfin von Artois undTochter Roberts II. , der in der Schlacht von Courtraygefallen war, zu Hilfe eilen mußte, da derselben ihrNeffe, gleichfalls Robert genannt, den Besitz der Graf-schaft Artois streitig machte. Die Gräfin wurde wiederin ihre Rechte eingesetzt, zur selben Zeit, als ein Erlaßder Patrskammer die Ansprüche des Neffen zurückwies.
Ludwtg konnte seine Sehnsucht nach dem heiligenLande und nach einer Herrschaft in demselben jedoch nichtunterdrücken und dachte immer wieder an sein Vorhaben,obwohl er auch in all' den langwierigen Kämpfen mitFlandern, die sich bis zum Friedensschlüsse von Paris am 5. Mai 1320 hinzogen, thätig war. Die Idee nahmihn so gefangen, daß er schließlich, da er nicht selbst fort-ziehen konnte, von Eudcs von Burgund den Titel einesKönigs von Theffalonien sich erwarb. Dieser hatte An-sprüche auf Morea durch das Testament seines BrudersLudwig erhalten. Er fand aber, daß die Eroberung desLandes, auf welches überdies noch die Wittwe seinesBruders, Mahaut von Hainaut, ihre Rechte geltend zumachen suchte, zu schwierig war, und zog es deßhalb vor,das Fürstenthum und das Königreich Theffalonien anLudwig von Clermont und seine Erben um 40,000 Livres(etwa 700,000 Franken) durch einen Vertrag vom 14.April 1320 abzutreten.^)
Jedoch ereiferten ihn die Schwierigkeiten, die sichihm entgegenstellten, immer mehr. Später, im Jahre1332, schwur er auf eine Reliquie des heiligen Kreuzes,nicht mehr in Paris einzuziehen, bis er seinen Planverwirklicht hätte; mußte sich aber, da er einsah, daßihm sein Antheil an den Staatsgeschäften es unmöglichmachte, den Eid zu halten, von Johann XXII . vondemselben entbinden lassen. Um eine Stütze für die Durch-setzung seiner Pläne im Oriente zu haben, verband er
22) litres äs In Lkuii-on vncale äs Bourbon pur UuiUurä-LrSbolles^I. 259).
") Liehe auch: Oueunge, IliLtotrs äs Oonstuntiuopls eouslss Braueuis, liv. 8.