Ausgabe 
(31.1.1896) 5
 
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und tugendhaftesten Männern, unter ihnen JohannAltensteig. o)

Mit den besten Absichten hatte also Christoph vonStadion fein verantwortungsvolles Amt angetreten, undunverkennbar ist sein Streben, seine Diözese ganz nachden Grundsätzen der katholischen Kirche zu regieren. DemEifer, den der Bischof aus der ersten von ihm gehaltenenSynode für die katholische Sache zu Tage gelegt, ent-spricht auch die entschieden schroffe Stellung, mit der eranfangs gegen die neue Glanbensrichtung, die sich sehrbald auch in seinem Bisthum bemerkbar machte, auf-trat.^) Zeuge davon ist sein Verfahren gegen CasparAquila, Pfarrer zu Jengen . Derselbe hatte sich schonvor Luthers Auftreten, im Jahre 1516, mit einer Wittweverhcirathet und begrüßte in Folge dessen freudigst Luthers Lehre, in der er sein Verfahren gerechtfertigt fand. Erlas fleißig Luthers Schriften und begann ganz offen imSinne der Neuerung zu predigen. Wegen Bruchs desCölibates und Verbreitung ketzerischer Lehren wurde er,als der Bischof davon gehört hatte, nach einigen voraus-gegangenen fruchtlosen Ermahnungen auf einen Karrengeschmiedet und nach Dillingen gebracht, wo er in strengerKerkerhaft ein halbes Jahr lang gefangen gehalten wurde.Da aber Aquila ein nicht unbedeutender Mann und auseiner sehr angesehenen Familie Augsburgs war, erregtedieses Verfahren großes Aufsehen; dennoch ließ sich derBischof trotz vieler Fürbitten nicht milder stimmen. DerGefangene blieb in Hast, bis ihn des Kaisers eigeneSchwester, die Königin von Dänemark , losbat, und auchda ließ ihn der Bischof nur ungern frei und mit demausdrücklichen Befehl, binnen weniger Stunden die Diö-zese mit Zurncklassuug all feiner Habe zu verlassen. Ja,es hieß sogar, Aquila hätte am nächsten Tage hingerichtetwerden sollen.") Ein anderes Beispiel davon, mit welcherStrenge Christoph gegen sittenlose und unbrauchbareKleriker verfuhr, ist der Abt Franz von Donauwörth,der, ohne sich im mindesten um die religiösen Dingezu kümmern, mit seinen Blutsverwandten, seinen Freundenund andernlosen Leuten" sorglos dahinschmanste undschwelgte, zur Strafe hiefür aber zu lebenslänglichemGefängniß veruriheilt worden war.") Ebenso wurdeKaspar Haslach, der erste Jklhaber der 1522 in Dillingcnerrichteten Predigerstclle, im Jult 1522 vor die bischöflicheKurie geladen, um sich wegen einiger allzufreien Aeußer-ungen und wegen seiner Sympathie für Luthers Mein-ungen zu verantworten. Doch fand man keinen Grund,mit Strafe gegen Haslach vorzugehen.")

Wir ersehen aus diesen drei Beispielen, wie energischChristoph von Stadion sich dem Eindringen der neuenLehre in den Weg stellte und wie sehr er auf die Sitten-reinheit seines Klerus bedacht war. Allerdings meintZapf, ein eifriger Vertheidiger Luthers ") und ein Feindder entschiedenen Vertreter der katholischen Lehre,") derBischof seivon seiner Klerisei" zu derartigennichtrühmlichen Handlungen aufgehetzt worden". Derselbeschreibt auch von dem Reichstage zu Augsburg im Jahre1518, auf welchem eine Unterredung zwischen dem Kar-

") Braun, III. 199.

") Allgemeine deuische Biographie, IV. 221.

") Zapf. Christopb von Stadion, Bischof von Augsburg (Zürich 1799), Seite 15 s.

") Geschichte des Klosters zum Heil. Kreutz in Donauwörth von Cölestin KönigSdorfer (Donaawörtb 1825) 2. Vd-, S. 1 f.") Akten des bischöflichen Archivs Augsburg .

") Vgl. Zapf, Chr. v. St., Seite 10, 14 u. a.

'°) Bgl. ebd. S. 16. 71 u. a.

dinal Cajetan, dem päpstlichen Legaten, und Luther statt-fand, über Christoph von Stadion , wie folgt:Wie sichder Bischof von Stadion bet dieser merkwürdigen undwichtigen Begebenheit benommen, ob er sich mit Lnthernebenfalls unterredet, davon schweigt die Geschichte; es istaber zu vermuthen, daß er dabei ein aufmerksamer Zu-hörer war. .... Sicher hätte er mehr verstanden, alsder päpstliche Legat Cajetan verstanden hatte."") Zapfglaubt also, schon im Jahre 1518 in Christoph vonStadion eine für Luther günstige Stimmung suchenzu dürfen. (Fortsetzung folgt.)

Ein Künstler aus dem Chiemgan.

Von Christ. Scherm.

(Fortsetzung.)

DerGroße Garten" in Dresden enthielt eine Reihevon Statuen des Meisters, die zu Grunde gingen, ent-weder in Folge der heftigen Beschießung durch die Preußen1760, die 400 Häuser zerstörte, oder in Folge Zertrüm-merung durch die Kroaten. Nicht abzuweisen ist auchdie Annahme Gottschalk's,")Friedrich der Große habeviele dieser Statuen nach Berlin bringen lassen, wo sievielleicht noch sind." Unter den verschollenen Garten-figuren befand sich ein einen Fisch haltenderMohr aus schwarzem Marmor mit weißen Adern, derals ganz vorzügliches Werk bewundert wurde, und eineMohrin mit ihrem Kinde.^) An den Mohren-bildern waren die Augen mit weißem Marmor eingesetzt.Permoser imitirte hier wahrscheinlich die Negergigantendes Melchior Barthel (ff zu Dresden 1672) am Pesaro -grab der Frari in Venedig. DenGroßen Garten "zierten auch die von Zeitgenossen besonders gerühmtenWerke: dieMildthätigkeit", auchMütterlicheLiebe" benannt, und die Gruppe:Maleret undBildhauerkunst, die sich umarmen."^)

Wie dem siebenjährigen, fiel auch den Franzosen-kriegen manches Bildwerk des Künstlers zum Opfer; sosollen zwei vortreffliche Statuen im Kretzschmar'schen Gartenvor Neustadt, Ceres und Merkur, von den Fran-zosen 1813 zertrümmert worden fein.^) Zwei andereMarmorbilder: Saturn und Venus mit Cupido,in Lebensgröße, die 1785 noch im Ertel'schen Gartender Friedrichstädter Allee standen, sind seit Ende deSvorigen Jahrhunderts verschwunden?")

In Leipzig (in Vorgärten der Dorotheenstraße)stehen von zwölf Sandsteinfiguren aus der HandPermosers noch vier: Jupiter, Juno, Mars undVenus,halb kolossalisch". Sie gehörten in einen aufBefehl Augusts des Starken (durch O. - L. - BaumeisterSchatz) für die Gattin des Leipziger Senators Andr.Appel in Fächerform angelegten Lustgarten^) und sindnach dem Geschmack der Zeit in heftig bewegten Stell-ungen ausgeführt. Nur die Statue des Mars zeigt eine

-°) Ebd. S. 12.

E») Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künstevon I. S. Ersetz und I. G. Eruber, Leipzig , Brockhaus 1842.4°. 3. Sektion. 17. Lh. S. 149.

Hagedorn: bldaire. brat. p. 330.

2 °) Hagecorn I. o. x. 330/1. Nachrichten von Künstlern u.Kunst-Sachen. I. Theil. S. 69. Magazin der Sächsischen Ge-schichte. I. Theil. S. 149.

M. B. Linveiu, Geschichte der Haupt- und Nes.-StadtDresden. DreSden , N. Kuntze, 1862. II, 282.

Magazin der Seichs. Geschichte, 1785. II. Theil. S. 655.G. Müller I. o. S. 19.

2 °) Später Rcichcls Garten, vor unz. 55 Jahren überbaut.