35
gewisse Ruhe. Geharnischt und den einem Wolfskopfähnlich gestalteten Helm auf dem Haupte, steht er mitgespreizten Beinen da, ein Bild der selbstbewußten Kraftund Widerstandsfähigkeit.^)
Wie in Florenz, waren in Deutschland Permoserskleine Elfenbeinarbeiten hoch geschätzt. Ludwig v. Hage-dorn besaß ein Basrelief, das in Elfenbein die Fabeldes Merkur und des Argus darstellte?") DasTraunsteiner Museum bewahrte bis vor Kurzem 2 kleineBasreliefs, von denen eines das Brustbild Augusts II. ,das andere Adam und Eva nach dem Falle zeigt. DieGröße der doppelten Sünde, der eigenen Lust und derVerführung erkennend, legt Eva begütigend Haupt undHand auf die Schulter des schmerzlich sich abwendendenGatten, als wolle sie nach dem Verlust der göttlichenLiebe wenigstens die des Mannes sich bewahren. BeideReliefs stammen aus einem Baucrnhause von Kammer,wo ihr ideeller Werth für den Ort nicht erkannt wordenwar. — Von den im Grünen Gewölbe zu Dresden auf-bewahrten Elfenbeinschnitzereien Permosers sagt G. Müller,daß sie eine ausgebildete Technik, sowie Beherrschung derFormen und des Materiales zeigen, und verweist be-sonders auf „die Gruppe der Omphale und desHerkules, """) „die vier Jahreszeiten,"") den„blitzschlendernden Jupiter auf dem Adler"^)(Aufsatz zu einer mit Schildkrot eingelegten silbernenSäule) und ein „schreitendes Pferd", in dem erdas Modell des für König August gefertigten lebens-großen Pferdes vermuthet. Bemerkenswerth ist hier fernerder „Bogenschnitzende Amor"?") Zwei reizendeElfenbeinstatuetien von Permoser , Ceres und Floramit je einem Kindengel, birgt das herzogliche Museumzu Braunschweig . Die Figur der Flora ist bezeichnetmit Laltlursar karmossr in. v. die der Ceres mitL. I?. in. v. I?. 1695.
Zu Monumentalwcrken wurde die Kunst des Meistersmehrfach in Anspruch genommen. Ein solches ist vorallem die Apotheose des Prinzen Eugen vonSavoyen , eine Gruppe, die Balthasar als angehenderSiebziger (1718—1721) im Auftrage des Wiener Hofesgeschaffen hat. Das Denkmal ist in weißem Maxener"")Marmor aus einem einzigen 80 Zentner schweren Blockgearbeitet und wurde Anfang Oktober 1721 nach Wien gesandt und im Garten des von Prinz Eugen erbautenBelvedere aufgestellt. Gegenwärtig steht die Gruppe imKaryatidensanl des Erdgeschosses des Kaiserlichen oberenBelvedere, wohin sie zum Schutze gegen Verwitterunggebracht wurdet)
Prinz Eugen ist in der mauierirten Vorliebe jenerZeit für allegorische Umrahmung dargestellt, als werde ervon den Genien der Wahrheit (mit einer Sonne) und
^1 Gustav Müller I. o. S. 10.
"") Magazin der Stichs. Geschichte. I. Theil, 1784. S. 149:„Argos u. Mercnr, fast ganze Figuren, sehr schön geschnitzt."
"°) Elscnbeinzimmer des Grünen Gewölles Ar. 41 u. 42.
2 °) Ebendorr Ar. 45. 40, 48, 49.
"j) Ebcndort Nr. 840.
. ö") Nr. 334. — Kaufmann Tloinas Richter ,'n Leipzigbesaß nin 1785 „viele in Elfenbein gesehnüne Figuren vonBallbasar". Mag. der Sachs. Geschick». II, v55.
DaS Maxen des „Finkenfangö".
"1 Hagerern sah die Gruppe, die er ein Meisterwerk nennt,in der Ecke eines Hoseo von eure! Weiubn.tenstande 'Nil oer-dcckt, und er dachte an Eicero ror dein Grabe oes A: er,miede".Lelaira. Irrst. p. 333. — Meyers Cocon sanone! xckon, 4. t-llisl.,XII, 850 nennt als jetzigen Standort die K.ulch.rmenknche mWien: eine solche befiehl dort nicht.
des Ruhmes emporgehoben und in der Erhebung voneiner Schaar Kinderengel umflogen, die die Symboleseines Sieges: die Keule des Herkules und das Löwen-fell, tragen und ihn stützend umschweben. Der Held, inreicher Ritterrüstung und mit Allonge-Perrücke, deckt mitder linken Hand die Oeffmrng der von Fama geblasenenTuba, zum Zeichen der Bescheidenheit, mit dem linkenFuße aber tritt er auf einen nackten Mann, der wie einWurm sich windet und das schmerzzerriffene Gesicht aufden Gewaltigen richtet. Die Ueberlieferung erzählt, dergetretene Mann sei Permoser selbst;"") mit dieser Stellunghabe er andeuten wollen, daß er gegen seinen Willen,gleichsam mit Fußtritten, zu dieser Arbeit gezwungenworden sei. Der Sache entsprechend wird die Annahmesein, daß die Figur des unterliegenden Mannes den besiegtenFeind, zunächst den Türken, bedenre, was keineswegsausschließt, daß hier der Künstler mit irgendwelchemNebengedanken sein eigenes Bild angebracht hat. Derröthliche Marmorsockel trägt die goldene Inschrift:"")
I?. LugenirwLuffuuct. ob keüömont.kiinosxs
Nuroffio 8girrt. Kur. Voll. LyrresCuroli VI Kur;.
Lb 8. It. I. 8upi'6mrrs lixeroiturrurOrrx Inviatissimus.
(F. Eugen, Prinz von Savoyen und Piemont, Markgrafvon Snluzzo, Ritter des Güldenen Vlieses, Kaiser Karls VI.und des Hl. Römischen Reiches, oberster, nie besiegterHeercsführcr.)
Nach P. Fuhrmann"^) hätte Permoser für daSkühne, technisch virtuose Werk 20,000 Thaler erhallen(?).Aus den Bildhauer Joseph Winterhalter (geb. 1702 imSchwarzwald ), der bei der Aufstellung des Bildes zu-gegen war, machte die malerische Wirkung der Gruppeeinen solchen Eindruck, daß er zu Permoser nach Dresden ging und dort die Technik des Meisters ins Einzelnekennen zu lernen sich bemühte."")
Eine im Einzelnen veränderte Kopie der Eugen-gruppe fertigte Permoser in pirnaischcm Sandstein aufBestellung seines Herrn, des KöuigS und Churfürsten.Der Hauptfigur der Gruppe gab er die Züge Augustsdes Starken; die Putten ließ er weg, der getretene Mann
"") Sein Porträt hat dcr Künstler nach schöner, alter Sittean mehreren seiner Werke angebracht. So soll die Büste einesGreises, der zur Gruppe der „sich umarmenden Malerei undBildbauerei" gehörte, daS Sclbstporträt Baltbaiars gewesen sein.(Hagedorn, Helaire. Inst. 331.) Und das „Magazin d. Sachs.Geschichte" bemerkt zu dem von Bernigroth gestochenen Bild deSKünstlers: „Er selbst arbeitete seinen Kops ähnlich in Stein,so wie er noch (1734) im Gärtner'schcn Hause auf dem Altanvor dcr Judcnsetmle steht (I. Th. S. 150). Es wird hier diein demselben Buch an gleicher Stelle (S. 149) erwähnte steinerneGruppe gemeint sein, die über dem Portal d:S Gärtncr'fchenHauses hinter der Frauenkirche angebracht war und „die Un-wissende so gern znm Denkmal der wiereranicrftandcnen Gold-schatz e d s f ra n machten".
-°) Die Kunsthandlung Czihak'S Nachfolger, Wien , Gra-ben 22, bat aus Veranlassung deS Vers. dieses Auss. Photo-graphen des Denkmals hergestellt. (Quarts. 1 fl.)
"') Hislor. Beschreibung rc. dcr Residenzstadt Wien , 1770,III. Theil. E. 35.
-^) I>r. Albert Jlg, Auisatz über P. in den Mittheilungender K. K. Cemral-Conintzssion zur Erforschung und Erhaltungder Knust- und bistori'chcn Denkmale IV. Jahrgang. Wien ,Gereld 1878. n. EXVII. Vergl. mi: Winlcrhalter's Aufenthaltin DreSocil die Reise Rapbacl TonucrS zu.gleichem Zweck.Biellcietr bezicht sich die Notiz nur aus einen der beide»Künstler.