Ausgabe 
(31.1.1896) 5
 
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In der katholischen Hofkirche zu Dresden ist die irrHolz geschnitzte Kanzel ein Werk Permosers im üppig-sten Barockstil. Sie stand früher in der kathol. Hof-kapelle und wurde 1849 renovirt. Die vier Evangelistenauf Wolken sitzend sind von ihren Symbolen begleitet,von denen der Löwe des hl. Markus auffällt, der sichdie linke Pranke leckt. Zwischen den Evangelisten sindKinderengcl mit den Marterwerkzeugen des Leidens Christiangebracht. Den unteren Abschluß der Kanzel bildet dieStatue des Gethsemane-Engels Chamuel. Der Schalldeckelhatte vie Form einer riesigen Königskrone, er wurde beider Uebertragung durch den jetzigen ersetzt. In derselbenHofkirche befindet sich ein Doos Homo und ein Jo-hannes der Täufer aus der Hand Permosers.

Sein letztes Werk ist die liebliche, trefflich aufge-baute Altargruppe von Hubertusburg, ") demdurch den Abschluß des 7jährigen Krieges bekanntensächsischen Jagdschlösse. Als der Bau des Schlosses s. Z.soweit gediehen war, daß der Kronprinz Friedrich August und seine Gemahlin Maria Josepha von Oesterreich esbeziehen konnten, erhielt Permoser den königlichen Auf-trag, für den Hochaltar der Schloßkapelle eine großeMarmorgruppe zu schaffen. Das Modell der Gruppewar bereits in ganzer Größe in Gyps abgeformt: daüberraschte den Meister der Tod! Die Ausführung inMarmor »lochte man wohl niemand Anderem anvertrauen,und so begnügte man sich, das Modell mit weißer Oel-farbe anzustreichen und ihm durch Ucberziehen mitglänzendem Firniß daS Aussehen von Marmor zugeben.

Die jungfräuliche Mutter Gottes von wunderbarerSchönheit blickt vom Throne hernieder, auf ihrem Schoßesteht das liebliche Christuskind und neigt sich zu einemheiligen Priester mit Lilien auf dem Evangelienbuch(Franz Taver S), der in seliger Verzückung ihm entgegen-schaut. Einen glücklichen Gegensatz zur Erregung diesesHeiligen bildet rechts der in stilles Sinnen versunkenehl. Joseph, auf seinen vergoldeten Stab gestützt. Dieedle Gewandung bringt die Formen der Körper zurichtiger Geltung: ein seltener Vorzug bei einem Bildnerder Barockzeit. Am Orgelchor sind die 4 Evangelistenmit ihren Attributen in starkem Relief von Permoser ge-arbeitet. Gustav Müller erwähnt außerdem noch dieHalbfigur eines Weltheilaudes und eine Statue derHimmelskönigin, deren Haupt ein Sternenkranzumrahmt und die den Fuß auf das grämliche Gesichtdes Halbmondes gesetzt hält.

Mit den Arbeiten Permosers für Hubertusburg warsein Leben und Wirken, mit ihnen sei diese Aufzählungseiner Werke abgeschlossen.^)

(Schluß folgt.)

Der heil. Thomas nnd die kathol. Wissenschaft.

Von Pros. Dr. L. Haas in Passan.

(Vergl. Beilage 1895, Nr. 22, 23, 34, 35.)

Ein Freund regen wissenschaftlichen Wetteifers, binich ein Feind aller Polemik, die ja in der Regel un-fruchtbar ist. Ich beabsichtigte daher mit den Artikelnin Nr. 22 u. 23 der Beilage 1895 nichts weniger als

II. Bd., S. 164, und Neue Bibliothek der schönen Wissci(Haften nnd srepe» Knuste. IX. Bd.. S. 219.

") G. Müller I. o. 13.

^),Gottschalk behauptet ohne Nachweis in der Euchklopädi??? Grsch u. Grober, daß auch in Stuttgart und in Baurzesich Pcriuoicr'sche Werke befänden.

eine Polemik. Trotzdem sehe ich mich gezwungen, aufdasoffene Wort" des ?. Josephus a Leoniffa inNr. 34 u. 35 einiges zu erwidern. Daß es fo spätgeschieht, ist nicht eine Schuld von mir. Da ich michunter keinen Umständen auf eine weitere Polemik ein-lasse ich brauche meine Zeit und Kraft in den nächstenMonaten vollständig zu Berufsarbeiten, so werde ichmich möglichst, sachlich halten und Persönliches nur noth-gedrungen berühren. Ich werde daher auch meine per-sönliche Anschauung in der Streitfrage selbst so wenigals möglich hervortreten lassen.

1. Zu den Anhängern der Lehre des hl. ThomaSMüssen wir wohl alle jene (katholischen) Gelehrten rechnen,welche aufrichtig und in redlicher Absicht ihre An-schauungen in den Werken desselben begründet finden.Selbst wenn sie irren sollten, kann man ihnen diesenTitel nicht ohne weiters versagen. Wird der AusdruckThomist" nicht in diesem allgemeinen Sinne, son-dern im Sinne einer bestimmten Schule (der Do-minikaner ) genommen, so sind beide Ausdrücke nichtidentisch, und hat nicht jeder, wag er noch so redlichein Anhänger des hl. Thomas sein wollen, das Recht,sichThomist" zu nennen. Aber auch dieThomisten"haben vorläufig nicht ohne weiters das Recht, sich alsdie alleinigen Anhänger des hl. Thomas hinzustellen,so daß der Hinweis auf die Lehre des hl. Thomasgleichbedeutend mit dem Hinweis auf die derThomisten wäre.

2. In wissenschaftlichen Fragen ist die Ab-weichung von der traditionellen Interpretation nicht ohneweiters ein Verbrechen, sondern die grundlose, muth-willige Abweichung von derselben. Ein strengesFesthalten ist nur am Platze, wo es sich um fest-stehende, sichere Principien handelt. Nun hatMolina gerade neue Principien aufgestellt. DieSache geht daher auf eine principielle Auseinander-setzung hinaus. Enthalten nun die Principien der Tho-misten und die des Molina keinen Widerspruch in sich,stehen sie anderseits nicht in einem nachweisbarenWiderspruch mit der hl. Schrift und der Lehre der Kirche,vertritt endlich, wie über jeden Zweifel erhaben ist, derhl. Thomas die Lehre der Kirche, dann scheint doch dieMöglichkeit eines Ausgleichs nicht von vornehereineine bloße Illusion zu sein. Freilich wird sie einesolche faktisch, wenn sie von irgend einer Seite schroffabgewiesen wird.

3. Daß Molina Gegner fand, ist sehr natürlich.Sie sind auch dem hl. Thomas nicht ganz erspart ge-blieben. Daß diese Gegner sich in sehr kräftigen Aus-drücken bewegten, ist ihrer Zeit zu gute zu rechnen. Daßauch neuere, z. B. Schneider, sich ziemlich stark aus-drücken, ist zwar nicht ganz zu billigen, aber erklärlich.Eine durchschlagende Widerlegung haben Molina's Prin-cipien nicht gefunden, sie haben sich gehalten und imLaufe der Zeit soviele Anhänger gewonnen, daß dieMolinisteu gegenwärtigin Deutschland -Oesterreich diemeisten wissenschaftlichen Zeitschriften auf katholischerSeite mit Beschlag belegt haben". Der MolinismuS istnicht einmal auf Deutschland -Oesterreich beschränkt. Diesenicht hinwegzuleugncnde Thatsache gibt doch auch zudenken. Sie kann jedenfalls nicht als Beweis feinerFalschheit gelten, mag man sonst über ihn denken, wieman es, por seinem wissenschaftlichen Gewissen nur immerverantworten kann.

4. Die physische Vorherbewegung (pras-