Ausgabe 
(7.2.1896) 6
 
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dringen der immer weiter um sich greifenden neuen Lehreeinen Damm entgegenzusetzen, Luthers Schriften zu lesenverboten, den Priestern ward die Ehe aufs strengste unter-sagt und das Concubinat mit kanonischen Strafen be-legt?") Ein anderer Beweis sind das schon oben er-wähnte Vorgehen gegen Aquila, die Bestrafung des AbtesFranz von Donauwörth und die Untersuchung gegen denPrediger Kaspar Haslach. Wäre die Gesinnung desBischofs wirklich dem Lutherthum zugeneigt gewesen, sowürde er kaum durch solche Exempel andere vor demUebertritt zu demselben zurückgeschreckt haben.

Was die Verbreitung der von Eck in Nom 1520erwirkten Bannbulle betrifft, die Luthers Hauptlehrsätzeals ketzerisch verurthcilte und ihn mit der Excommuni-kation bedrohte, falls er nicht innerhalb 60 Tagen wider-riefe, so gehen die Berichte hierüber auseinander. Währenddie einen behaupten, Christoph habe die Bulle bereitwilligstverbreitet, nachdem er dazu von Eck den Auftrag er-halten,^) meinen andere, er habe sie ungern und erstnach vielem Drängen und Mahnen von Seite Eckspublizirt?") Es ist wahr, als Christoph die Bulle vonEck bekommen hatte, schickte er dieselbe wieder an denUsberbringer nach Deutschland zurück, stellte aber, wieBraun mittheilt, Eck zugleich ein Mandat zu, das ihnbei der Verbreitung der Bulle im Bisthum Augsburg empfehlen sollte, weil Christoph eben weinte, Eck werdedie Bulle selbst veröffentlichen. Daraufhin schrieb jedochProfessor Eck dem Bischof zurück, er sei vorn Papst be-auftragt, die Bischöfe, nicht aber deren Untergebene zurPublizirung der Bulle zu requiriren. Nun ließ Stadiondie Bulleungesäumt" drucken und nebst einem am8. Mai 1520 zu Dillingen ausgefertigten Mandat andie Geistlichkeit seiner Diözese ergehen und befahl der-selbenunter dem Gehorsam und den in der Bulle an-gedrohten Strafen dieselbe auf den Kanzeln der Kirchenund Klöster, und wo, wann und so oft es von Nöthensein würde, zu veröffentlichen und die Gläubigen zu er-mähnen, daß sie sich der in der Bulle angezeigten Irr-thümer und Lehre des Martin Luther und der Ver-theidigung, Verbreitung und schriftlichen Bekanntmachungderselben gänzlich zu enthalten habe; auch nicht dieeinige irreführende Sätze Luthers aufstellenden Bücher,Predigten, Schriften, Zettel gutheißen, drucken, verkaufen,bekannt machen und heimlich oder öffentlich in'Schutznehuien, oder aufbewahren und verbergen, sondern viel-mehr nach der Publikation der Bulle den Vorständenund Dekanen zum Verbrennen überliefern sollten"?")

Druffel sagt dagegen in seinem Vortrag:Ueberdie Aufnahme der Bulle Lxurgs Oominv":DerAugsburger Bischof erhob erstlich Gegenvorstellungbei Eck und ließ dann nach einer zweiten Aufforderungdesselben ein Mandat, welches die Veröffentlichung derBulle anordnete, verfassen und drucken; einstweilen aber

Braun, Gesch. d. Bisch. v. Augsb. III. 20? s.

-') Braun, lll. 209. - Vcith, Libl. ä.u§. IV. 56.Kirchcnlexikon. X. 326.

-°) Allgemeine deutsche Biographie . IV. 224. Zapf, Chr.V. St., Scae 20. Vortrag von Druffel (Sitzungsberichte derphilosophisch-philologischen und historischen Klasse ver k. bayer.Akademie der Wissenschaften zu München , Jahrgang 1880)Seite 573.

-°) Braun. Gesch. d. Bisch. v. AugSb. III. 208. Veith,8ibl. ^UA. iV. 56: tllonnit guam impensiosimo wauäatoopiscoxali anno 1520 eäito et Luilao Imonw X. aäversusI/Utlieri äootrinam s> so xromulZatas praomisso. DasMandat findet sich gedruckt bei Veith, Libl. L.NA. IV. xas-. 56bis SS, Zapf, Chr. v. St. Beilage II. Seite 136 f.

blieb dasselbe noch liegen, wenn der Bischof freilich, wiewir sehen, auch bereit war, dasselbe wirklich in die Weltzu schicken, falls sich die Verhältnisse nicht ändern sollten.Ausdrücklich aber gibt der Bischof zu erkennen, daß erder lästigen Angelegenheit gern ausgewichen wäre, in-dessen Rücksichten nehmen zu müssen glaubte auf dieNachtheile, welche dadurch ihm und seinem Bisthumhätten erwachsen können.""") Nach meiner Ansicht nunläßt sich mit den Gegenvorstellungen, die der Bischof Eckgemacht haben soll, daS Mandat nicht gut vereinigen,das nach Braun Christoph an Eck zur Verbreitung derBulle übersendet hat. Ferner geht aus dem Mandatvom 8. November 1620 hervor, wie genau und strikteer die Verbote der Bulle durchgeführt wissen wollte undwie sehr er die allseitige Verbreitung derselben in seinemBisthum anbefahl. Wenn er schließlich auch mit derVerbreitung der Bulle etwas gezögert, so hat er es sichernicht gethan, um durch Nichtverbreitung der Bulle derLehre Luthers Vorschub zu leisten, sondern er richtete sichwahrscheinlich nach den andern Bischöfen, die der Meinungwaren, durch die Verbreitung der Bulle werde Luther eher abgestoßen als zur Rückkehr zur alten Kirche undzum Widerruf bewogen. Immerhin war Stadion unterden ersten Bischöfen, die die Bulle in ihren Diözesenveröffentlichten. Ich glaube nicht, daß dieser Punkt einenBeweis bietet für das Hinneigen Christophs zur neuenLehre. (Fortsetzung folgt.)

Ein Künstler aus dem Chiemgan.

Von Christ. Scherm.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Balthasar Permoser war einer der originellstenPlastiker der Barockzeit in Deutschland , ein Künstler desBarockstils, dem die Kunstgeschichte einen ehrenvollen Platznicht versagen darf. Schon die Zeitgenossen erkanntenseine Bedeutung, und nichts beweist besser das Ansehen,in dem er bei der künstlerischen Mitwelt stand, als dieReise, die der Wiener Bildhauer Naphael Donnernach Sachsen zu dem Zwecke unternahm, den berühmtenMeister und seine Werke kennen zu lernen?")Eigen-artig feurig und voll barocker Einfälle, wie sie feinenZeitgenossen gefielen, beherrschte Balihasar Permoser über-dies Technik und Stoff in hervorragender Weise. Daßer auch über die Aeußerlichkeiten des Barockstils hinaus-zugehen vermochte, zeigt das im Ausdruck wie in derGewandung fast edelschön zu nennende Hochaltarbild zuHubertusburg ." "1) Sein eigentliches Element war derSandstein und der Marmor, aber auch in Elfenbeinschuf er, wie wir gesehen, herrliche Arbeiten. Währendspäterhin und noch heute die Ablehnung dieses Materialsseitens der Künstler, den Rückgang der künstlerischenElfenbeinschnitzerei verschuldet hat. haben damals diegroßen Meister sich solcher Arbeiten nicht geschämt unddiese Kunstart zur Blüthe gebracht. Auch Fürsten , wieMaximilian I. und Max Emanucl von Bayern , haben dieElfenbeinschnitzerei ausgeübt. Es war zur Mode ge-worden, derartige Kunstgegenstände, vor allem Kruzifixeaus Elfenbein, zu besitzen. In letzteren kam das Strebender damaligen Künstler nach anatomisch möglichst ge-treuer Darstellung des menschlichen Leibes zur vollenGeltung: die naturwahre Darstellung der zum Tode

2 °) Siehe Anmerkung 28.

°°) Hagedorn, üolairoisssinsnts 332.

Paul Schumann in Lützew's Zeitschr. l. o