und wirklich haben auch alle Gegner der Offenbarungeinen mehr oder weniger pautheistischen Gottesbegriffgehabt. O.
Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg ,und seine Stellung zur Reformation.
(Fortsetzung.)
L. H.*) Grund zu der Annahme, daß Christophvon Stadion schon frühzeitig für Luther günstig gestimmtwar, könnte allerdings die Berufung des Ockolampadiuszum Domprediger in Augsburg geben. Ockolampadiuswar zwar, als er im Jahre 1518, nachdem er kurzvorher in der Theologie den Doktorgrad erlangt hatte,diese Stelle annahm, noch katholisch, aber er begann inAugsburg, wo er Luther persönlich kennen gelernt hatie,zu schwanken. Er schrieb gegen Eck und trat mit Luther und Melanchthon in Briefwechsel??) Nach Zapf hätteer schon als Domprediger von Augsburg sehr stark gegendie Mißbrauche der Kirche und den ehelosen Stand derGeistlichen geeifert und die öffentliche Beicht eingeführt,wodurch er sich viele Feinde auf den Hals gezogen, sodaß er um seine Entlassung nachgesucht habe. Demun-geachtet habe ihn der Bischof nicht gehen lassen wollen,da er ihm, obgleich er ziemlich evangelisch predigte, sehrlieb gewesen sei, aber durch öfteres Zureden habe er ihnendlich entlassen im April 1520?") Einige Jahre späternun tritt er in Basel als der Hauptreformator dieserStadt auf. Hier ertrotzte er vom Rathe 1527 durchZusammenrottung und Bildersturm freie Religionsübung,hier verheirathete er sich 1528, und 1529 unterdrückte erhier den alten Cultus völlig, vertrieb die Ordensleuteund führte die Alleinherrschaft des Zwinglianismusdurch?")
Nachfolger des Ockolampadius auf der Domkanzelzu Augsburg wurde Urbanus Nhegins, der ebenso ver-dächtig war wie Oekolampad, und deßhalb schon 1521wieder entlassen ward. Er kehrte jedoch, vom Rathezurückberufen, im Jahre 1525 wieder nach Augsburg zurück und war nun ein entschiedener Vertreter desLntherthums. Er war in Augsburg unter den ersten,die das hl. Abendmahl unter beiderlei Gestalten undohne vorhergehende Ohrenbeicht spendeten, er hielt 1526eine feierliche, starkbesuchte Hochzeit?") er war überhaupteiner der ersten Reformatoren Augsburgs , und deßhalbliegt wohl die Vermuthung nahe, daß er schon im Jahre1520 wenigstens der Gesinnung nach Lutheraner gewesensei, und Noth nennt ihn schon in dieser Zeit einen«viel gefährlicheren Neuerer" als Ockolampadius war?*)
Durch Berufung solcher Männer zu seinen Dom-predigern lädt Christoph von Stadion allerdings denVerdacht auf sich, als ob auch er selbst im GeheimenLutheraner gewesen wäre und als ob er diese Männerberufen hätte in der Absicht, durch dieselben die neueLehre in seinem BiSthum verbreiten zu lassen. Zapfnatürlich, der den Bischof schon von Anfang an auf dielutherische Seite zieht, faßt solche Daten bereitwilligst
*) Die Signatur X. in Nr. 5 war irrthümlich. D. R. Wetzcr und Weite, Kircheulexikon. IX. Bd. 2. A. (Frei-bnrg im Breisgau, 1895); Seite 702 f.
") Zapf, Cbr. v. Stadion 11.
Hciele, Concilieugcschichte, fortges. von Cardinal Hergen-röther, IX. Band (Frciburg i. B., 1890) S. 651.
-°) Braun. Gesch. d. Bisch.- V. Slugsb. III. 238 f.
?') Neioriuationsgcjchichtc Augsburgs (Münchm, 1881)'Seite 61.
als Beweismaterial für seine Ansicht auf. Doch läßtsich oie Berufung jener beiden Männer, die für die ka-tholische Kirche Gefahr zu bringen drohten, nach meinerAnsicht wohl erklären aus der großen Vorliebe, die vonStadion für die Humanisten hegte. Außerdem warendieselben bei ihrer Berufung auf die Augsburger Dom-kanzel noch auf Seite der katholischen Kirche , und derBischof wird wohl von ihrer reformatorischen Gesinnungkaum etwas gewußt haben. Beweise für diese meineMeinung finden sich bei Veith und bei Noth. Erstererberichtet nämlich, daß der Bischof ein sehr großer Gönnerder Humanisten gewesen sei und daß er den Oekolampad,der außer Deutsch auch Latein und Griechisch verstand,und den Nhegius, der Doktor der Theologie, kaiserlicherOrator und xoöta, lauraatus war, eben wegen seirr.cVorliebe für die Humanisten, „mit großer Gunst über-häuft und eine Zeit lang sogar ihre Dienste in der Kirchebenützt habe," setzt jedoch ausdrücklich hinzu: „ämrr inorblaocloxa ticls ststsrunb? so lange sie den rechtenGlauben bekannten?") Ebenso spricht auch Noth für diegute Absicht des Bischofs bei der Berufung jener beidenHumanisten nach Augsburg , wenn er schreibt: „Währendder Bischof einen ihm gefährlich scheinenden Neuerer —nämlich Oekolampad — in die Fremde trieb, rief erahnungslos einen andern, viel gefährlicheren in die Stadt— UrbanuS Nhegius, wobei sich Stadion wieder durchseine Vorliebe für humanistische Studien leiten ließ."?')Braun sagt von Nhegius, daß derselbe keineswegs den„christlich gesinnten Bischof befriedigte, sondern vielmehrden guten Absichten desselben entgegenarbeitete." "^) DenOckolampadius nennt Erasmus von Rotterdam noch 1518xlarrs uaonaolrus und supörstitwirs suiovaolestus.Derselbe hatte damals gewiß noch nicht die Absicht, sichgegen die katholische Kirche aufzulehnen. Davon zeugtdie Übersetzung einer Rede des heiligen Gregor vonNazianz , die voll ist von herrlichen Schilderungen einesgottgeweihten Lebens und durch die er eine TochterPeutingers zum Eintritt in ein Kloster zu bewegen suchte.Ja, sogar er selbst trat im April 1520 in das Brigitten-kloster zu Altomünster , um vor der Gefahr, seinen Glaubenzu verlieren, zu flüchten, und ob dieses Schrittes mußteer oft den Spott der Anhänger Luthers hinnehmen. Erwendete sich erst, als er 1522 das Kloster wieder ver-ließ, mehr und mehr den Neuerern zu?") Man kannalso Christoph nicht den Vorwurf machen, er habe ab-sichtlich solche Prediger berufen, die die Verbreitung desLntherthums förderten.
Außer den angeführten Zeugnissen sprechen auchverschiedene Thatsachen für die wahrhaft katholische Ge-sinnung des Bischofs. Im Jahre 1520 versammelte er,als er merkte, daß nach der berühmten Leipziger Dispu-tation zwischen dem Professor und Prokanzler der Uni-versität Jngolstadt Dr. Johann Eck und Luther dieGegensätze immer schärfer wurden, zu Dillingen eineSynode, auf welcher neben den Aebten und Prälaten160 Pfarrer erschienen. Es wurde hier, um dem Ein-
^) Libliotdees. ^utzustauo, Llydodsties. (LnAUStas Vin-äsliens 2lv60I,XXXVI1I). Llpdabstuin IV. pa§. 62 s.: Ut-tsrsrnm st littsrntornm lauter ina.xiinn8; Kino kaetum, ntloannem Oeeolainiiailimn st post dune Crbrnnin KbsAiam,änin in ortdocloxa üäo srstorunt, inntto kavors proseentnsst rttiguanäo tsu>Voris spstio soruin oxera aä saeras eon-eiones Usus 8it.
23) Rtt'oriuationSzesch. Augsburgs Seite 61 f.
-*) Gesch. d. Bisch. v. AugSb. III. 210.
22) Wetzer u. Weite, Kircheulexikon. 1X2. 703.