Ausgabe 
(14.2.1896) 7
 
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14. Febr. 1896.

Monumentale und religiöse Knust.

So hat denn der neue Justizpalast auch seinenäußerenkünstlerischen Schmuck". Aber was für einen!Es ist nur gut, daß unsere Landboten keinen Pfennigdafür speciell bewilligt haben. In diesem Falle würdensie jetzt, nachdem der Schmuck fertig, noch viel mehr ge-scholten werden, als dies vorher in Folge der Nicht-bewillignng geschehen ist. Er ist auch sowohl in ästhet-ischer wie in ideeller'oder pädagogischer Beziehung nichtsmehr als unnütz und nichtsnutzig wenn man ganzdavon absehen will. daß er den Künstlern einmal wiederGelegenheit zur Bethätigung ihres Könnens und zumVerdienste gegeben. Nichts Altgermanisch-Nationales,wie Professor Scpp es wünschte, aber auch absolut nichtsChristlich-Deutsches, keine Spur eines religiösen Symbols,als wenn die Justiz mit der Religion nichts zu thunhätte! Statt des von Constantin auf die Tempel undPaläste erhobenen Kreuzes ist die Krone oes Ganzen dieKugel, das Symbol des Freimaurerthnms, das Zeichenpantheistischer oder deistischer Weltanschauung. Wennman sich schon der öffentlichen Aussprache eines christlich-germanischen Gedankens schämt und scheut, warum hatman denn nicht z. B. den weisesten der Richter, denjüdischen König Salomon , dessen bekanntes Urtheildoch am klarsten das Princip:trat justütia, pareatrnunclus!" illustrirt, oder den klugen Daniel Urtheilsprechend, oder den ersten Gerichtsvollstrccker, den deutschenPatron St. Michael, angebracht, wenn man den erstenRichter auf Erden, Gott Vater im Paradiese, oder denletzten Weltenrichter, dem der Vater das Gericht über-geben, darzustellen sich nicht getraute. In der That!Von keinem Gesichtspunkte aus finden wir das abge-nutzte alte heidnische Göttergesindel mit seiner dem Mannaus dem Volke absolut unverständlichen Symbolik alskrönenden Schmuck eines deutschen Justizpalastes inchristlicher Zeitrechnung berechtigt! Nur LalthasarSchmitt's gewaltige nackteJustitia " mit dem gezücktenSchwerte läßt allenfalls ahnen, daß es sich da drinnenauch um einen in's Fletsch gehenden Schnitt handelnkann. Doch wie lange wird es dauern, bis dieses schöneWeib sammt seinen Kollegen und Kolleginnen unter derUngunst des bayerischen Himmels Schönheit und Gestaltverloren haben wird. Doch gehen wir zu einem andernMonumentalbau über.

Das neue Münchener Naihhaus zeigt außen wenigstensein Kunstwerk specifisch christlich-religiösen Charakters. Esist der Drachentödter St. Georg, das in Erz gegosseneStandbild am Eck des Marienplatzes und der Diener-straße, ein Werk von vollendeter Durchbildung desAkademieprofessors SyriuS Eberle in München . Esgleicht ganz einer der ins Große übertragenen schlankenGoldschmiedstatuettcn dieses Heiligen aus spätgothischerZeit. Eine durch und durch adelige, echt mittelalter-liche Nittergestalt, von schön gezeichneten Linien undstrammer statuarischer Haltung, sticht der Drachentödtermit vornehmer und zugleich energischer Grandezza dengeschickt bewegten, echt Dürer 'schen Tatzelwurm zu seinenFüßen nieder. Dieser vornehme, ritterliche Charakterdes christlichen Helden kommt auch in dem edlen, scharfgeschnittenen Antlitz mit dem energischen Auge und derkühn geschwungenen Nase zum vorherrschenden Ausdruck.Diese Statue ist unter verschiedenen hervorragenden Stand-

bildern weltlichen Charakters das einzige religiöse Kunst-werk, welches dem Meister, dem eineSchule" talentvollerund ideal angelegter Jünger der christlichen Knust dieGrundlage ihrer künstlerischen Bildung verdankt, für dieOeffentlichkeit zu schaffen vergönnt war; auch einTrost für die vielfach in ähnlicher Lage befindlichenSchüler!

Nun ist auch für einen weitern, mehr in die Augenfallenden Schmuck des Marienplatzes vom Münchcnew-Magistrate Sorge getragen. In einer von diesem aus-geschriebenen, reich beschickten Concurrenz trug der Historien-maler Hugo Huber in München den Sieg davon, undwird derselbe im nächsten Sommer den obern Theil dernach dem Marienplatze schauenden Mauer des alten Nath-hausthurmcs mit zwei ebenso charakteristischen wie be-deutsamen Figurenbilonissen bemalen. Es sind dies diekatrona, Luvarlao, die Madonna mit dem göttlichenKinde, und der Schutzheilige der Erzdiözese München ,St. Bcnno, welche in mehr als doppelter Lebensgrößerechts und links der Uhr auf gothischer Kreuzblume, dieein Münchener Kindl umschließt, zu stehen kommen. So-wohl in ideeller als malerischer Beziehung wird das nun-mehr auf Grund der endgiltig approbirten FarbenskizzeHubers dnrchgedruugene Projekt vor den anfänglich be-absichtigten Bildnissen der jüngst verstorbenen Bürger-,,Meister den Vorzug verdienen. Und nachdem für diesesWerk die Summe von 12,000 Mark angesetzt wurde, sowird, dessen sind wir überzeugt, der ungcmein leistungs-fähige durchgebildete Künstler den schönen Nathhausplatz,und damit die Stadt München , um einen bedeutsamenmonumentalen Schmuck bereichern.

Noch aus einer andern von der kgl. Regierung aus»geschriebenen Concurrenz ging Herr Hugo Huber zugleichmit dem Maler Joseph Huber als erster Preisträgerhervor. Beide haben die im vorigen Jahrhunderte vomHistorienmaler Johann Huber ausgemalte Ncuaissauce-Kirche in Obermedlingen je mit einem kolossalen Decken-gemälde in der Größe von 9/6 Meter auszustatten.Die für beide Werke bestimmkeu Kostensummen von zu-sammen 12,000 Mark scheinen uns im Verhältniß z.den Bezahlungen anderweitiger bisheriger Auftrüge voSeite des Ministeriums ziemlichpreiswürdig". DaBild Hugo Hubers wird die Verkündigung Mariensjenes von Joseph Huber die Aufopferung Jesu im Tempdarstellen. Des letzter» flotter und geschickter Farben-skizze kam die Verwerthung der gegebenen mächtigenArchitektur des Tempelbaues als natürlichen Hinter-grundes der Gruppen zur Ausfüllung der unverhältniß-mäßig großen Bildfläche sehr zu statten. Ersterer wußtein seiner harmonisch schwungvollen und warmfarbigenKomposition, nach dem Vorbilde älterer Meister, dasTranscendentale mit dem historisch Realen verbindend,durch volle Ausbildung des gedanklichen Inhalts den ge-waltigen Höhenraum des Bildes auf geistreiche Weise zubeleben. Der zweite Preis wurde Herrn GebhardFugel , einem der leistungsfähigsten der jüngeren Historien-maler, für seine beiden, mit den obigen an genialer Con-ception wetteifernden, größern Bildskizzen von frischercharakteristischer Farbengebung zuerkannt. Auch ihn leitetebei der Darstellung der Verkündigung die fast gleichekünstlerische wie gedankliche Auffassung mit dem Vorigen.Während der Erzengel Gabriel , mit der Lilie in derHand, im faltenreichen Gewands vor der in den Bet«