mantcl eingehüllten Madonna niederschwebt, setzen andereder himmlischen Geister gleichsam die der Menschheit dengrößten Segen aus der Höhe dringende lebendige Himmels-leiter fort bis hinauf zum Throne Gottes des Vaters,der seine Friedensboten zn der Gebenedeiten unter denWeibern sendet, indem die verklärenden Lichtstrahlen deshl. Geistes die unten sich abspielende bedeutsame welt-geschichtliche Scene beleuchten.
Während Hugo Huber auch die ältern Stile, denromanischen und gothischen, wie den der Renaissance unddes Zopfes, mit einer seltenen Meisterschaft freier undorigineller Verwerthung beherrscht, wie seine reichhaltigeMappe und herrliche Cartons zu Glasgemälden zeigen,geht das konsequente Streben Fugels offenbar dahin,aus den Fesseln der Schule, d. i. jeder bloß traditionell-conventioncllen Beschränktheit, sich vollständig loszulösen,um mit allen Mitteln der Errungenschaften modernerKunst die möglichst harmonische Verschmelzung an-sprechender realistischer Wahrheit mit der Tiefe des Ge-dankens und der Empfindung als sein höchstes Künstler-ziel zu erreichen. Dies beweist auch wieder sein neuestesgroßes Altarbild (für Tillingen). Es zeigt den heiligenSebastian, der, ein schöner kräftiger Jüngling, nachLockerung der Fesseln am Baume niedergesunken ist.Ihm zur Seite erscheint eine prächtige schlanke Frauen-gestalt, die Römerin Irene, die, im Begriffe das Werkder heilenden Samariterin zu beginnen, noch einmal mitgespannter Aufmerksamkeit die dämmerige Umgegend mustert.Die Lampe in ihrer Hand beleuchtet mit stimmugsvollemLichteffekt die einsame, mit religiöser Poesie behandelteScene. — Ein anderes Werk, eine große, ganz wie einmodernes Gallcricbild mit aller Feinheit charakteristischerRaturstimmung ausgemalte Skizze zu einem Deckengemälde— die fast schon als fertiges Bild erscheint — zeigt denApostel Petrus mit erhabenem Pathos den gedrängtenVolksschaaren von der Treppe des Abendmahlhauses ausseine erste Predigt haltend. (Siehe Katharina von Em-merich !) — Daß Fuge! aber auch mit der modernenTechnik und der realistisch wahren Formbehandlung echthistorisch-monumentale Gesammtauffassung bei gewissen-hafter Treue im geschichtlich formalen Detail zu verbindenweiß, das zeigen neuerdings die im letzten Sommer be-gonnenen Freskogewälde in der Kirche auf dem St.Gebhardsberg bei Bregcnz („Die Ankunft des hl. Geb-hard mit Schiff in Konstanz " und „Die Grundsteinlegungdes Klosters Petershausen bei Konstanz "), weihe- undstimmungsvoll gemalte religiöse Geschichtsbilder, denen derStilist Hans Martin, der mit dem Maler Pacher auchkürzlich die Stadtpfarrkirche in Bregenz effektvoll aus-malte, seine stilechten, farbenfrischen Dekorationen hinzu-fügte. —
Ein wahres Kleinod der religiösen Kunst hat soebender weit über Baherns Grenzen bekannte HistorienmalerMartin Feuerstein in München , einer der fruchtbarstenund bedeutendsten Meister der zeitgenössischen Künstler-schaft, vollendet. Es ist das aus einer mittleren Haupt-und 8, erstere einschließenden, kleinern Nebendarstellnngenbestehende Altarbild des hl. Antonius in der MünchenerSt. Annakirche, welches an der Hand der Legende dieWunderthaten dieses Heiligen der Franziskanergenossen-schaft schildert. Es ist von einer geistigen Tiefe undFrische seelischer Empfindung belebt, durch welche es nebstder feinen charakteristischen Farbengebung, der historisch-monumentalen und doch natürlich-freien Komposition andie besten italienischen Nenaissaucebilder erinnert. Be-
sonders die Gestalt des Heiligen selbst ist von sprechenderund charaktervoller, der religiös-poetischen Natur desselbensehr entsprechender Auffassung. So besonders in feinersinnigen „Fischpredigi", seiner begeisterten „ersten Predigt".Das letztere, sowie die „Heilung des reuigen Sohnes,der die Mutter getreten und sich darob den Fuß abge-hackt", sowie das Todtcnbild des Heiligen werden dieserTage in den Nahmen des Altars gesetzt. Das letzterezeigt den im Tode Verklärten auf dem Todtcnbette, beidem zwei betende Mönche die Nachtwache halten, währendzwei Engel mit der abgcschicdenenen Seele wie in einerlichten Mandarin zum Himmel schweben. Es erscheintwie eine lyrisch-elegische Dichtung in Farben, voll reli-giöser Poesie und Weihe, wohl eine der kleinern und ein-fachsten Darstellungen, aber sicher eine der in sich voll-endetsten und ansprechendsten, die Feuerstein geschaffenhat. — Zu bedauern ist, daß diese Perle, geschaffen mitLiebe und Begeisterung zur Erbauung und Erhebungeines christlichen Gemüthes, wie kaum ein zweites unterallen bis jetzt in der Annakirche angebrachten Kunst-werken, die zum Theil zu diesem passen wie die Faustauf's Auge, in der dämmerigen Nacht der Altarnifcheeiner an sich schon dunklen Kirche seinem eigentlichenZwecke als christliche Kunstschöpfung fast gänzlich entzogenwerden soll. — Auch die hl. Geistkirche in München er-hält nun zu den bereits vorhandenen Glasgemälden nachden Cartons von Feuerstein „Die hl. Familie" und „Nosen-wunder der hl. Elisabeth" auch das Bild der „Verklärungder hl. Walburga". Diese drei im modificirten Zopfstilausgeführten Gemälde sind von einem Schwünge derKomposition und ästhetisch feiner Zeichnung, welche sie inrein künstlerischer Beziehung noch über die Antoniusbildererheben. Zum Schlüsse geben wir noch unserer — undvieler Anderer — Freude Ausdruck, daß Herr Feuersteines über sich vermocht hat, den ehrenden Ruf zu einerProfessur an der Wiener Akademie der bildenden Künste endgiltig abzulehnen, um in München auch fürder ver-bleiben zu können.
Festing.
Christoph von Stadion, Bischof von Augsburg ,und seine Stellung zur Reformation.
(Fortsetzung.)
L. R. Auch dem Papste Leo X . war der Eiferdes Bischofs von Augsburg für die Erhaltung der ka-tholischen Religion in seinem Bisthum nicht unbekanntgeblieben. Am 25. Februar 1521 erhielt nämlich Christophvom hl. Vater ein Schreiben, in welchem ihm derselbe„im Namen Gottes für seine unermüdete und kluge Ver-wendung dankte und ihn ermähnte, auch in Zukunft dieVertheidigung des katholischen Glaubens und des apostol-ischen Stuhles zu führen, denen, die zurückkehren, Ver-zeihung zu ertheilen, diejenigen aber, welche hartnäckigin der Bosheit verharrten, von der Gemeinde abzuschneiden,damit sie nicht durch ihre Ansteckung noch größeren Schadenverursachten. Dadurch werde er sich bei Gott Gnade, beiallen guten Menschen Ruhm und bet ihm Dank ver-dienen."^) In diesem Schreiben dürfte doch wohl keinin schönen Worten versteckter Tadel, keine Aufforder-ung an den Bischof zu größerem Eifer in der katholischenSache, zu suchen sein, wie es geschehen ist?^) zumal wirja gesehen haben, wie sehr er sich bisher die Bewahrung
-») Braun, Eesch. d. Bisch. v. Aug§b. III. 210 f.Allgemeine deutsche Biographie. IV. 22-1