Ausgabe 
(14.2.1896) 7
 
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der Reinheit der katholischen Lehre halte angelegen seinlassen. Es ist dies Schreiben vielmehr eine dem Bischofvom Papste gezollte Anerkennung seines redlichen Be-mühens, die Ausbreitung des Lutherthuws möglichsthintanzuhalten. Am 27. März desselben Jahres schickteder Papst an Stadion ein zweites Schreiben, in welchemer demselben seine besondere Zufriedenheit darüber aus-drückt,daß es den Bischof schmerze, daß ein PredigerLuthers Irrthümer in feinem Dome predige und ver-theidige, und daß der Bischof bereit sei, denselben zu be-strafen und zu entfernen".^) Der hier gemeinte Pre-diger ist Urbanus Nhegius, und so ist also dieses päpst-liche Schreiben auch ein Beleg für die Behauptung Veiths,der Bischof habe dessen Dienste nur so lange gebraucht,säum in ortsiocloxa, kicks steint".

In demselben Jahre (1521) fand auch der Reichstagzu Worms statt, auf welchem sich Luther über seineherausgegebenen Bücher und Schriften und über diedarin enthaltenen Lehren vor dem Kaiser und vor denFürsten Zu verantworten hatte.Auf diesem Reichs-tage erschien auch unser Bischof Christoph von Stadion.Er trat in der Sache Luthers mit Ruhe und Mäßigungauf und zeigte Scheu vor übereilten und rechtsverletzen-den Schritten. Als nämlich der Kaiser, aufgebracht überdie Hartnäckigkeit Luthers , womit dieser seine Lehre ver-theidigte, demselben bedeutete, er habe Worms zu ver-lassen, da war Christoph mit unter jener Commission,welche von Karl V. noch fünf Tage Aufschub erwirkteund unterdessen Luther zur Nachgiebigkeit zu bewegensuchte. Allerdings erreichte die Commission ihren Zwecknicht, und nach fünf Tagen mußte Luther Worms ver-lassen.^) Doch auch jetzt noch bestand Stadion mit demChurfürsten von der Pfalz darauf, daß Luther Treuegehalten werden müsse und daß man ihm das ver-sprochene Geleit nicht entziehen dürfet) welches er dennauch noch auf 21 Tage erhielt, aber unter der Be-dingung, unterwegs weder zu predigen, noch das Volk zuversammeln oder Schriften zu veröffentlichen.^) Christophäußerte sich auch, daß man Luther wenigstens anhörenMüsse und ihn nicht soobenhin" verdammen dürfet)Diese milde Stimmung Christophs gegen Luther zu Worms stimmt nun allerdings nicht ganz mit der Strenge, dieer bisher gegen die neue Lehre gezeigt hatte, überein, undman muß auf die Vermuthung kommen, Luther habe aufihn einen guten Eindruck gemacht. In dieser Meinungwird man noch bestärkt, wenn man bei No!h liest, daßder Bischof gerade unmittelbar nach seiner Rückkehr vonWorms ungemein tolerant erschienen sei?o) Ebenso rühmtEberlin von Günzburg inDer frommen Pfaffen Trost"seine milde Gesinnung gegen die Lehrer heilsamer Schrift,gegen den christlichen Doktor Speiser, gegen die beidenedlen Bruder Adelmaun und einige Prediger der bischöf-lichen Stadt Dillingen.") Auch theilt Eberlin mit, derBischof soll sich geäußert haben:Ihm sei, wie ihm wolle,so sind die Lutherischen jedenfalls weniger sträflich inihrem Wandel, als die andern, von denen viele Schlemmer

-) Braun, III. 211.

Jansscn, Gcsch. des deutschen Volkes. 2. Bd., S. 154.

Gcsch. Karts V. von Hermann Banmgartcn (Stutt-gart , 1885); 1. Bd., S. 473 f. Jausten, Gescü. d. deutsch.Volkes. II. 165 f. Heselc, Eoncilieiigcsch. IX. 238.

oo) Zapi, Cbr. v. Stadien. Seite 26.

--) Bcmmgartm. Kart V. I. 474. - Jansscn, II. 167.

0 °) Zapf, Ehr. v. Stadion. S. 26.

o°) Rnvnuationsgesch. Augsburgs. S 83.

")Johann Eberlin von Günzburg " von Max Nadlkofcr(Nördlingcn, 1887). S. 67.

sind."") Des Bischofs Toleranz geht ferner aus folgenderStelle aus dentrostlosen Pfaffen" von Eberlin Herbor:Wie ich selbst gesehen habe zu Dillingen in WolfHafens Haus, des Secretani Episcopi Augustensis, liestderselbe seinem Hausgesinde tagtäglich aus der Bibelvor."") Diese Zeugnisse bestätigen es allerdings, daßChristoph von Stadion aus Worms eine günstige Meinungüber Luther nach Hause gebracht hat, jedoch kann mannicht behaupten, daß er etwas gethan Hütte, was aufeine protestantische Gesinnung schließen ließe; denn eingegebenes Wort muß man auch dem Feinde gegenüberhalten, und wenn er darauf drang, Luther anzu-hören, so glaubte er eben, man könne eine Sache, überdie man nicht auch den Gegner bis zu Ende gehört,nicht beurtheilen. Er that daher nur, was recht undbillig war. Zudem war ihm daran gelegen, eineEinigung mit Luther herbeizuführen, damit sich dieGegensätze nicht noch mehr vergrößerten.

Welches Verstauen übrigens Papst Hadrian IV. auf unfern Bischof setzte, bezeugt ein Schreiben an den-selben vom 1. Dezember 1522; in demselben heißt esunter anderem:

Da Deine Fraternität, wie allgemein bekannt, vor vielenandern Prälaten und Fürsten unseres Deutschlands sieb muthigund eifrig den schädlichen, den so schön angelegten Weinbergdes Herrn in unserm Vaterland so gräulich verwüstenden Füchsen,nämlich den neuen Jrrlehrcrn oder vielmehr den Erneuerernder alten und schon öfters von der Kirche verdammten Irr-lehren, sich entgcgengestcmmt hat. so wollten wir nickt umer-lasscn, an sie besonders zn schreiben und sie wegen ihrer vor-trefflichen Lugenden und ihrem brennenden Eifer für das Hansdes Herrn und die heilige Religion zn rühmen; alSdaun sie zuermähnen, daß sie dies heilige Unternehmen Mischen möge,sowie sie von sich selbst, von ibrcin Gewissen, ihrer Würde,Tugend und Geburt, und in Hinsicht auf die Ehre Gottes an-gespornt werden, mit Hilfe Gottes alles zn thun, alle Müheund alles Ansehen bei deni Convent (nämlich aus dem Reichs-tage zu Nürnberg 1523) und ihren Freunden zu verwenden,damit die Sache GottcS nicht, wie bisher, ganz nachlässig, son-dern, wie es die Wichtigkeit derselben erfordert, mit größtemEiter und Fleiße einmal möchte behandelt werden, und dieFürsten aus diesem Convent unter sick solche Mittel ergreifenmöchten, wodurch die lutherische Wuth, bevor sie die ganzeNation vergiftet, möchte eingedämmt und gänzlich vernichtet werden.Wird dieser innerliche Krieg, welchen die Mächte der Finsternißmit unserer Nation nicht vermitteln körperlicher, sondern geist-iger Waffen führen, gelegt sein, so wird man sodann viel leichterden gottlosen Angriffen der grausamen Türken widcrstebcn können.Weil unS auch ihre Klugheit, Bescheidenheit und Eifer bewußtist, so ermähnen wir sie, uns alle ibr bekannt sein sollenden An-schläge, die lutherische Sekte aus deu Herzen unserer Deutschenherauszureißen, sobald möglich, schriftlich mittheilen zu wollen.Eure Fraternität werden durch dieß einen für ihre Würde undfür die Religion ihrer Voreltern rühmlichen, uns und allenChristen sehr löblichen und angcuebmen Dienst leisten, und ihreine Krone für den Himmel flechten."^)

Würde eins Kunde von etwaigen protestantischscheinenden Ansichten Christoph von Stadions nach Romgedrungen sein, was jedenfalls auch geschehen wäre,wenn solche bei ihm zu Tags getreten wären, dannwürde der Papst kaum einen Brief so voller Anerkennungund voll Vertrauens au ihn gerichtet haben. Der Bischofvon Augsburg rechtfertigte aber auch das in ihn gesetzteVertrauen, indem er sich auf dem Reichstag zu Nürn-berg 1523 mit allen Kräften für die katholische Sacheverwendete,") was sogar Zapf erwähnt,") wenn er

") Ebd. S. 67.

Ebd. S. 63. Roth, Nescrniatioiisgcsch. Augsburgs.Seite 89 f.

So die Uebcrsetznng bei Braun. III. 215217.

") Ebd. S. 217.

") Zapf, Chr. v. Stadion. S. 32.